Überstunden bei Firmenübernahme

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mymomo
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Überstunden bei Firmenübernahme

Beitrag von mymomo » 15.04.19, 15:02

Moin!

Ich bin im Homeoffice und fahre von hier aus zu den Kunden raus. Da habe ich mir ein gutes Polster an Überstunden aufgebaut.
Nun ist es so, dass meine Firma an eine bisherigen Partnerfirma verkauft, zu der wir regen Kontakt pflegen.

Ich muss dazu sagen, dass mir bei meiner Einstellung damals gesagt wurde, dass wir Überstunden ganz "lässig" ansehen. Am liebsten wäre es meiner Firma gewesen, wenn ich gar keine Überstunden aufschreibe und mir einfach auf Vertrauensbasis zwischenzeitlich immer mal wieder ein paar Tage frei nehme.
Alternativ sollte ich mir die Überstunden aufschreiben und in ein Onlineportal der Firma eingeben, wo auch Urlaubsanträge usw verwaltet werden.
Es gibt durchaus Kollegen oder ganze Standorte meiner Firma, welche keine Zeiterfassung machen. Da klappt das mit der Vertrauensbasis ganz gut. Wenn dort einer sagt, er hat wieder einiges an Überstunden aufgebaut und bleibt zwischenzeitlich mal einen Tag Zuhause, dann wird dies so akzeptiert.
Ich selber habe mich jedoch für Version 2 entschieden und im Onlineportal fleißig zum Anfang des Monats die Überstunden des Vormonats eingetragen. Meine Eintragungen wurden auch nie groß hinterfragt. Ich habe aber auch schon sehr oft frei genommen und den Überstundenabbau im genannten Portal beantragt und bewilligt bekommen. Die Stunden sind also durchaus zur Kenntnis genommen worden.

Die Firma die uns übernimmt will mit Überstundenkonten nichts am Hut haben. Macht man welche, sollen die direkt wieder abgebaut werden.

Mir wurde nun von einem der neuen Firma durch die Blume gesagt, dass unsere bisherigen Überstunden zu einem Problem führen werden. Die Überstunden würden nicht anerkannt werden, da wir keine einheitliche Zeiterfassung hätten.

Ich für meinen Teil sehe das nicht so. Mir wurde durch meinen bisherigen Arbeitgeber die Wahl gelassen, wie ich das mit der Zeiterfassung handhaben möchte. Und selbst wenn wir in unseren größeren Standorten nun überall Stechuhren hätten, könnte ich die hier im Homeoffice auch nicht nutzen.

Ich kann durchaus damit leben, wenn die Zeiterfassung und Überstundenkonten künftig anders gehandhabt werden sollen. Aber meine bisherigen Überstunden einfach nicht anerkennen, das wiederum sehe ich als rechtswidrig an.

Will man mir nur bange machen, bzw mich dazu bringen mit meinem bisherigen Arbeitgeber eine Regelung zu finden, die Überstunden zB bis zur Übernahme auszubezahlen?

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Re: Überstunden bei Firmenübernahme

Beitrag von Tastenspitz » 15.04.19, 15:12

Für gewöhnlich werden diese restlichen Überstunden beim Betriebsübergang entweder vom alten AB abgegolten oder der alte AG zahlt an den neuen diese Kosten. So wie man es mit übergehenden Urlaubsansprüchen auch machen würde.
Einfach unter den Tisch fallen lassen ist nicht üblich.
Gibt es einen Betriebsrat?
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Re: Überstunden bei Firmenübernahme

Beitrag von Dummerchen » 15.04.19, 15:14

Und weshalb willst du die Überstunden nicht vor der Übernahme abfeiern?
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mymomo
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Re: Überstunden bei Firmenübernahme

Beitrag von mymomo » 15.04.19, 15:44

@Tastenspitz
leider kein Betriebsrat...

@Dummerchen
bei mir sind es knapp 300 Überstunden... wenn ich die nun abfeiern möchte, bin ich 2 Monate nicht mehr in der Firma... Davon abgesehen habe ich demnächst noch Urlaub, was ein Abfeiern auch nicht ermöglicht...

Celestro
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Re: Überstunden bei Firmenübernahme

Beitrag von Celestro » 15.04.19, 16:10

[quote="mymomo@Dummerchen
bei mir sind es knapp 300 Überstunden... wenn ich die nun abfeiern möchte, bin ich 2 Monate nicht mehr in der Firma... Davon abgesehen habe ich demnächst noch Urlaub, was ein Abfeiern auch nicht ermöglicht...[/quote]

den Urlaub kannst Du vermutlich besser "mitnehmen". Wäre es daher vielleicht sinnvoll, den "Urlaub" auf Überstunden zu machen und dann einfach "mehr Urlaub" mit rüber zu nehmen?

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Re: Überstunden bei Firmenübernahme

Beitrag von Tastenspitz » 16.04.19, 05:37

Reden hilft.
Das mit dem Überstundenabbau statt Urlaub muss auf jeden Fall mit dem alten AG abgesprochen sein.
Ansonsten ist es ein Betriebsübergang nach 613a. Dazu gibt es massenhaft Material im Netz.
Zb. hier:
https://www.hensche.de/Rechtsanwalt_Arb ... rgang.html
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Re: Überstunden bei Firmenübernahme

Beitrag von matthias. » 16.04.19, 10:35

mymomo hat geschrieben: Die Firma die uns übernimmt will mit Überstundenkonten nichts am Hut haben. Macht man welche, sollen die direkt wieder abgebaut werden.

Mir wurde nun von einem der neuen Firma durch die Blume gesagt, dass unsere bisherigen Überstunden zu einem Problem führen werden. Die Überstunden würden nicht anerkannt werden, da wir keine einheitliche Zeiterfassung hätten.

Der neue AG kann sich nicht die Rosinen rauspicken oder sagen, bei uns ist das so, also wird das so gemacht, denn dein Vertragsverhältnis besteht ganz normal fort so wie es war.
Der neue AG tritt in alle Rechte und Pflichten des alten AGs ein.

Es ist auch kein Argument, dass sie kein Arbeitszeitkonto haben wollen, denn sie haben eines wenn sie das kaufen. Dann dürfen sie die Firma nicht kaufen, wenn sie in die Verträge nicht einsteigen wollen.

Von daher würde ich auf meinen Rechten bestehen.

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Re: Überstunden bei Firmenübernahme

Beitrag von Dummerchen » 16.04.19, 11:59

mymomo hat geschrieben: @Dummerchen
bei mir sind es knapp 300 Überstunden... wenn ich die nun abfeiern möchte, bin ich 2 Monate nicht mehr in der Firma... Davon abgesehen habe ich demnächst noch Urlaub, was ein Abfeiern auch nicht ermöglicht...
Ich habe aber auch schon sehr oft frei genommen und den Überstundenabbau im genannten Portal beantragt und bewilligt bekommen.
Wie passt das zusammen?
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Re: Überstunden bei Firmenübernahme

Beitrag von Celestro » 16.04.19, 12:57

Dummerchen hat geschrieben:Wie passt das zusammen?
Na er kann die Überstunden zwar beantragen und würde Sie auch bekommen. Nur soll er jetzt relativ KURZFRISTIG Urlaub und Überstunden loswerden (bis zum Betriebsübergang). Und das funktioniert nicht, bzw. würde er dann beim alten AG bis zum Übergang mehr oder minder gar nicht mehr arbeiten.

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Re: Überstunden bei Firmenübernahme

Beitrag von Dummerchen » 16.04.19, 13:49

Celestro, was nicht zusammenpasst, sind die Aussagen: sehr oft Überstundenfrei und dennoch 300 Überstunden offen.
Wieviele Stunden am Tag oder Tage in der Woche will der gearbeitet haben? 300 Überstunden - bei 5-Tage-Woche sind das 2 Stunden mehr pro Tag für über ein halbes Jahr - ohne Urlaub, ohne Überstundenfrei oder Krank! Da ist kein Platz für "sehr oft frei". Es sei denn, die Stundenzahl stimmt nicht...
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Re: Überstunden bei Firmenübernahme

Beitrag von Celestro » 16.04.19, 14:43

Dummerchen hat geschrieben:Celestro, was nicht zusammenpasst, sind die Aussagen: sehr oft Überstundenfrei und dennoch 300 Überstunden offen.
Wieviele Stunden am Tag oder Tage in der Woche will der gearbeitet haben? 300 Überstunden - bei 5-Tage-Woche sind das 2 Stunden mehr pro Tag für über ein halbes Jahr - ohne Urlaub, ohne Überstundenfrei oder Krank! Da ist kein Platz für "sehr oft frei". Es sei denn, die Stundenzahl stimmt nicht...
Oder er arbeitet seit 25 Jahren in der Firma. Dann kann man schon "sehr oft" einen ganzen Tag frei auf Überstunden bekommen und trotzdem 300 Stunden auf dem Konto haben. :wink:

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Re: Überstunden bei Firmenübernahme

Beitrag von mymomo » 16.04.19, 20:49

tja... meine Überstunden die ich so schiebe sind tatsächlich nicht von ungefähr... ich bin im IT-technischen Außendienst für meine Firma unterwegs. bei weiten Strecken bleibt mir oftmals nichts anders über als Überstunden zu machen.
ich mag es kaum sagen, aber ich arbeite auch erst 2 Jahre bei der Firma. ich habe übrigens auch noch über 50 Urlaubstage offen.

es ist wie es ist. wenn ich mir zwischendurch mal frei nehme, dann belaste ich hier zumeist mein Überstundenkonto, sonst würde das noch ganz anders aussehen (erst jetzt innerhalb von 2 Monaten jeweils eine Woche - also gut 80 Stunden). ich mag mich aber nicht über die viele Arbeit beschweren. ich bin halt sehr kundenorientiert und arbeite dann lieber was mehr als Kunden mit ihren Problemen stehen zu lassen. allerdings möchte ich das früher oder später auch entlohnt bekommen, sei es durch Auszahlung oder eben durch massiven Abbau durch Urlaub. für Zweiteres haben wir halt schlecht Kapazitäten, sonst würden sich die Stunden ja gar nicht erst aufbauen.

mir war jetzt erst einmal nur wichtig, dass mir mein neuer Arbeitsgeber nicht quer kommt und ich hier auf Schwierigkeiten stoße.

Frage:
muss/sollte ich meinen neuen Arbeitgeber vielleicht auch darauf hinweisen, sodass er vielleicht selbst Druck auf meinen derzeitigen Arbeitgeber ausübt? entweder mindert dies den Kaufpreis (es gibt noch 1-2 andere Mitarbeiter, die ein ähnliches Problem haben), oder aber die "Missstände" müssten vor Verkauf geregelt werden

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