Einladung von einem Personalservice ... rechtlich bindend?

Moderator: FDR-Team

windalf
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Beitrag von windalf »

Bei 3-5 Bewerbern pro Tag pro Niederlassung könnte selbst ein mittelgrosses ZA-Unternehmen das schon verwaltungstechnisch nicht stemmen.
Ja eben der ganze Bewerbungsprozess auf gut Glück mal wild einzuladen ohne vorher vernünftig zu filtern (Bitte bringen Sie zum Vorstellungsgespräch Ihre Bewerbungsunterlagen mit.) und das auf Kosten anderer ist ne Saurei...

Seriös wäre es zunächst darum zu bitten die Bewerbungsunterlagen zugesendet zu bekommen und ggf. ein Telefoninterview zu führen, wenn man sich denn die Anreisekosten für den Bewerber nicht leisten will...
Sorry, aber da fehlt Dir offensichtlich die praktische Erfahrung
Na die Karte spiele ich gerne zurück. Ich habe selbst schon jede Menge Bewerbungsgespräche geführt (und das auf beiden Seiten, also sowohl als der sich Bewerbende als auch als der zur Personalbeschaffung Beauftragte)
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Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

LeoLo
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Beitrag von LeoLo »

Hallo

Also, ich versuche das Ganze mal zu bündeln und beschäftige mich erst mal mit den objektiven Dingen...

1. Es ist zunächst einmal in Ordnung (und für einen Arbeitslosen ja auch nicht weiter schlimm), zu einem Vorstellungsgespräch einzuladen. Der Ausschluss der Fahrtkosten ist bei Personalvermittlungen und Zeitarbeitsfirmen keine Frage der Seriösität, sondern schlicht Gang und Gäbe.

2. Der Arbeitslose muß bei einem solchen Kontakt nicht mit einer Sperrfrist rechnen, da hier weder ein konkretes Stellenangebot vorliegt noch eine Rechtsfolgebelehrung der AfA erfolgt ist.

3. Es steht dem Arbeitslosen frei, dort einmal anzurufen und konkret nach Einsatzmöglichkeiten zu fragen und zu eruieren, wie seine Bewerbungsunterlagen dort gelandet sind. Die Arbeitsagentur wird mit ziemlicher Sicherheit nicht seine Unterlagen dorthin geschickt haben. Es ist aber zum Beispiel gut möglich, daß der Arbeitslsoe über eine beauftragte private Arbeitsvermittlung dort vorgestellt wurde und das ZA-Unternehmen den direkten Weg geht.

Jetzt der subjektive Part :)
Ich stimme windalf natürlich darin zu, daß es zwar rechtlich einwandfrei ist, die Vorstellungskosten im Vorfeld auszuschließen, es aber gleichzeitig eine Unart geworden ist, Massen an Bewerbern zu "fishen" und für bessere Zeiten schilcht die Datenbank aufzufüllen. Oft genug kommen die Bewerber mit hohen Erwartungen an, "dürfen" am Empfang einen Zettel mit Qualifikationen ausfüllen und dann ohne Einzelgespräch wieder nach Hause fahren. Das kann meines Erachtens nicht im Sinne des Erfinders sein. Man sollte meines Erachtens die Erstattung der Vorstellungskosten gesetzlich unabdingbar dem AG auferlegen. Dann würde eine Bewerberauswahl vermutlich auch etwas gewissenhafter vollzogen werden.

Unabhängig davon erschließt sich mir auch kein Grund bisher, warum der Arbeitssuchende sich durch die Einladung zum Vorstellungsgespräch gestört fühlt...

Gruß,
LeoLo

Tri-City-Maniac
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Beitrag von Tri-City-Maniac »

LeoLo hat geschrieben:... warum der Arbeitssuchende sich durch die Einladung zum Vorstellungsgespräch gestört fühlt.
Genau aus den Gründen, die du schon genannt hattest (dein "subjektiver" Part). Ausserdem kann es von Vornherein schon kein vernünftiges und gesundes Verhältnis geben, wenn die Einladung so dermaßen unpersönlich verfasst wurde, im Gegenzug aber geschrieben wird "dass man einen gerne im Team haben möchte" ohne die betreffende Person auch nur ansatzweise zu kennen. Auch das macht nicht gerade den besten Eindruck, sorry. Das hat schon was von "SPAM".

windalf
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Beitrag von windalf »

Das hat schon was von "SPAM".
Genau diese Assoziation hatte ich auch :wink:
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Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

Mike Gimmerthal
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Beitrag von Mike Gimmerthal »

LeoLo hat geschrieben: Jetzt der subjektive Part :)
Ich stimme windalf natürlich darin zu, daß es zwar rechtlich einwandfrei ist, die Vorstellungskosten im Vorfeld auszuschließen, es aber gleichzeitig eine Unart geworden ist, Massen an Bewerbern zu "fishen" und für bessere Zeiten schilcht die Datenbank aufzufüllen.
Das sogenannte "Pooling" dürfen ZA gar nicht machen. Zumindest nicht offiziell.
Es gibt - in Niedersachsen und Hamburg - entsprechende Vereinbarungen mit den ArGen, die ZA ohne diese Vereinbarung nicht bedienen (dürfen).

Ich mag auch zu bedenken geben, dass ohne einen hinreichenden Bewerberpool die Anforderungen an die Zeitarbeitsfirmen gar nicht erfüllbar wären.
Diese sind nämlich u.a. (nicht bei Facharbeitern und im kaufmännischen Bereich!) von heute auf morgen relativ grosse Kontigente an Helfern, Lagerarbeitern, Kommissionierern, Reinigungskräften usw. in den Einsatz zu schicken.
Solche Aufträge zu besetzen/bedienen geht eben nur mit einem entsprechend grossen Pool.
Ich verabscheue Ihre Meinung, doch ich werde mein Leben lang dafür kämpfen, daß sie sie äußern dürfen!(E.B. Hall)
Etwas ist nicht recht, weil es Gesetz ist, sondern es muss Gesetz sein, weil es recht ist. (C.-L. de Montesquieu)

LeoLo
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Beitrag von LeoLo »

Mike Gimmerthal hat geschrieben: Das sogenannte "Pooling" dürfen ZA gar nicht machen. Zumindest nicht offiziell.
Das Argument ist doch längst bekannt. Gemacht wird es trotzdem und die Agenturen bedienen munter weiter. Das machen die Agenturen auch alleine schon aus Eigeninteresse, um in der Monatsbilanz nicht zu schlecht da zu stehen. Man darf übrigens auch bei der AfA keine Stellen inserieren, die es gar nicht gibt, aber auch das ist gängige Praxis (nicht nur von ZAF und PAV sondern auch von "normalen" Arbeitgebern, die das gerne aus Werbezwecken machen).
Mike Gimmerthal hat geschrieben:Ich mag auch zu bedenken geben, dass ohne einen hinreichenden Bewerberpool die Anforderungen an die Zeitarbeitsfirmen gar nicht erfüllbar wären. ... Solche Aufträge zu besetzen/bedienen geht eben nur mit einem entsprechend grossen Pool.
Und? Ein Baumarkt kann auch keine Werkzeuge verkaufen, wenn er sich nicht welche vorher auf Vorrat holt. Der Baumarkt investiert dabei aber sein eigenes Geld. Die Zeitarbeitsfirmen locken hoffnungsvolle Bewerber mit großen Erwartungen auf Kosten anderer (entweder der Bewerber oder der öffentlichen Kassen) zu sich, um sich für zukünftige Aufträge zu rüsten. Daß die ZAF (und im Übrigen auch die PAV) die Kostenübernahme im Vorfeld ausschließen ist ihnen ja erlaubt. Rechtlich daher nicht zu beanstanden. Moralisch aber nicht meine Wellenlänge. Und da man das moralische Vorgehen nicht ändern wird, müsste eine rechtliche Änderung eintreten.

Gruß,
LeoLo

Mike Gimmerthal
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Beitrag von Mike Gimmerthal »

LeoLo hat geschrieben: Und? Ein Baumarkt kann auch keine Werkzeuge verkaufen, wenn er sich nicht welche vorher auf Vorrat holt. Der Baumarkt investiert dabei aber sein eigenes Geld. Die Zeitarbeitsfirmen locken hoffnungsvolle Bewerber mit großen Erwartungen auf Kosten anderer (entweder der Bewerber oder der öffentlichen Kassen) zu sich, um sich für zukünftige Aufträge zu rüsten. Daß die ZAF (und im Übrigen auch die PAV) die Kostenübernahme im Vorfeld ausschließen ist ihnen ja erlaubt. Rechtlich daher nicht zu beanstanden. Moralisch aber nicht meine Wellenlänge. Und da man das moralische Vorgehen nicht ändern wird, müsste eine rechtliche Änderung eintreten.

Gruß,
LeoLo
Da steckt eine Menge Polemik und der Vergleich von Äpfeln mit Spaxschrauben drin :roll:
Ich gehe mal nicht davon aus, dass du Menschen mit Waren vergleichen willst! Dein Posting klingt insgesamt zumindest anders.
Und auch für uns (also die meisten PET in ZA die ich so kenne) sind Helfer kein nachwachsender Rohstoff, sondern in erster Linie Menschen und in zweiter Linie Kollegen die unser Gehalt mit verdienen (müssen).

Und woher Du das mit den "hoffnungsvollen Bewerbern" hast kannst du sicher irgendwie empirisch belegen, oder? Mir kommen die meisten relativ realistisch vor. Wenn sie langzeitarbeitslos sind oder schon bei ZA gearbeitet haben eh. Und die meisten MA aus dem Bereich der ungelernten haben das ...

Zugestehen muss ich allerdings dass oft BewerbeInnen (meist im Helferbereich) kommen - ohne Schulabschluss, ohne Berufsausbildung - die sehr hohe Erwartungen haben.
U.A.:
Kein Schichtdienst
Keine langen Anfahrtswege
Keine Überstunden
Am besten ein Firmenwagen ...
... und mindestens 2500 Brutto.

Eins muss dabei aber klar sein, "wir" wecken oder unterstützen diese Erwartungen nicht!
Zuletzt geändert von Mike Gimmerthal am 08.07.09, 14:17, insgesamt 1-mal geändert.
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Tri-City-Maniac
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Beitrag von Tri-City-Maniac »

Das Ganze hat sich mittlererweile erledigt, da ich mit meinem Berater gesprochen habe und ihm diese Firma und das Schreiben genannt hatte. Irgendwie scheint ihn das recht belustigt zu haben. Eine Ablehnung dieser Sache hat keine negativen Konsequenzen.

Nicht, dass sie mich jetzt vielleicht falsch verstehen. Personalfirmen können durchaus auch eine gute Möglichkeit sein um wieder voranzukommen, da man hier sicher nicht alle über einen Kamm scheren kann ... aber die Art und Weise, wie das von mir beschriebene Unternehmen agiert lässt mich persönlich dann doch etwas stutzig werden. Sicher haben sie das Recht, auf einen zuzukommen, aber irgendwie hinterlässt das einen etwas schalen Nachgeschmack.

Denke, wenn man zur einer Personalfirma möchte, dann sollte man die Sache selbst in die Hand nehmen und auf die zugehen um gewissen Sachen auszuloten.

Mike Gimmerthal
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Beitrag von Mike Gimmerthal »

Tri-City-Maniac hat geschrieben:Denke, wenn man zur einer Personalfirma möchte, dann sollte man die Sache selbst in die Hand nehmen und auf die zugehen um gewissen Sachen auszuloten.
Wenn die ZA nicht selbst Personal aquirieren würden, hätten sie
A) nicht genug Leute
und
B) schon gar keine Facharbeiter.

Da herrscht - trotz hoher Arbeitslosigkeit - ein erheblicher Mangel auf dem Markt den auch wir täglich spüren.
Wir können Aufträge von Kunden nicht bedienen weil wir keine - auch nur annähernd "vernünftigen" MA - für höherwertige Tätigkeiten bekommen. Und das trotz IGZ Tarifvertrag, übertariflicher Bezahlung, mehr Urlaub und und und

Wenn wir dann auch noch darauf angewiesen wären zu warten, dass die Facharbeiter von selbst zu uns kommen, würden wir nur noch Tagelöhner-Geschäft mit Ungelernten betreiben können ...
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Tri-City-Maniac
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Beitrag von Tri-City-Maniac »

Gut, vielleicht kam es falsch rüber ...

Ich meinte, dass man als Arbeitssuchender auch mal selbst auf ZA-Unternehmen zugehen sollte, da es hier nicht nur schwarze Schafe gibt (viele Leute behaupten ja, dass man alle Personalfirmen vergessen kann und scheren alle über einen Kamm) und man durchaus auch positiv überrascht werden kann.

LeoLo
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Beitrag von LeoLo »

Hallo
Mike Gimmerthal hat geschrieben: Da steckt eine Menge Polemik und der Vergleich von Äpfeln mit Spaxschrauben drin :roll:
Ich gehe mal nicht davon aus, dass du Menschen mit Waren vergleichen willst! Dein Posting klingt insgesamt zumindest anders.
Ich stelle Menschen sicherlich nicht mit Waren gleich, habe das aber bewusst so gewählt, denn das verliehene Personal ist ja die "Ware" des ZA-Unternehmens.
Mike Gimmerthal hat geschrieben:Und auch für uns (also die meisten PET in ZA die ich so kenne) sind Helfer kein nachwachsender Rohstoff, sondern in erster Linie Menschen und in zweiter Linie Kollegen die unser Gehalt mit verdienen (müssen).
Allein mir fehlt der Glaube... Nein, im Ernst. Mir ist schon klar, daß es in der ZA auch viele moralisch denkende Vermittler gibt und wenn Sie zu denen gehören, die tatsächlich verstanden haben, daß der entliehene Arbeitnehmer Ihr Gehalt bezahlt, dann klopfe ich Ihnen hiermit höchst offiziell auf die Schulter. Aber mich irritiert dabei, daß Sie einerseits das Phishing als nicht erlaubt kennen, aber andererseits das Auffüllen der Datenbank als wirtschaftlich notwendig erachten. Außerdem vermute ich mal, daß in "Ihren" Stellenangeboten bei den Phishing-Anzeigen auch "Frühester Eintrittstermin: ab sofort" steht. Oder steht bei "Ihnen" etwa als einzige ZAF "zur Zeit nicht"?
Mike Gimmerthal hat geschrieben:Und woher Du das mit den "hoffnungsvollen Bewerbern" hast kannst du sicher irgendwie empirisch belegen, oder?
Da ich beruflich mit einer empirisch belegbaren unzähligen Schar (auch Langzeit-)Arbeitsloser zu tun habe / hatte, kann ich das sehr gut belegen. Ich habe nur allzu oft in die enttäuschten Gesichter von Arbeitssuchenden schauen können, die nach vielen Absagen (Stop! stimmt ja gar nicht -> nach vielen "Ich-schicke-noch-nicht-mal-eine-Absage-n") sich auf Bewerbungsgespräche bei ZAF oder PAV vorbereitet haben, in der Hoffnung, ein Licht am Ende des Tunnels gesehen zu haben. Zum Termin kamen sie aus dem Ei gepellt, viel zu früh, aufgeregt und gut vorbereitet. Eine desinteressierte Empfangskraft händigte ihnen ein Formblatt aus, daß sie ausfüllen mußten. Nach dem Ausfüllen nahm die Empfangskraft die Zettel entgegen und schickte die verduzten Bewerber gleich wieder nach Hause. "Wir melden uns". Was man natürlich in den meisten Fällen doch nicht macht.

Polemik? Sicher. Pauschalisierung? Auch. Aber leider Erfahrungswerte in hoher Stückzahl mit vielen vielen vielen vielen Firmen aus dem Bereich ZA und PAV. Übrigens von beiden Seiten des Schreibtisches.
Mike Gimmerthal hat geschrieben:Zugestehen muss ich allerdings dass oft BewerbeInnen (meist im Helferbereich) kommen - ohne Schulabschluss, ohne Berufsausbildung - die sehr hohe Erwartungen haben.
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Keine Überstunden
Am besten ein Firmenwagen ...
... und mindestens 2500 Brutto.!
Da sind wir komplett auf einer Linie. Ich kenne natürlich auch die mangelnde Flexibilität vieler Bewerber und die unrealistischen Beschäftigungswünsche. Aber: Es verwundert doch schon, wenn eine ZAFirma nicht in der Lage ist, den Großteil von vorneherin unverwertbaren Bewerber nicht auszusortieren. Übrigens kenne ich ebenfalls genug Beispiele, wo Bewerber, die aufgrund ihrer Qualifikation zurecht höhere Stundenlohn-Vorstellungen angegeben haben, trotzdem zum Vorstellungsgespräch geladen werden und dort Stellen angeboten bekommen, wo der angebotene Stundenlohn deutlich unter der Bewerberangabe liegt. Man kann's ja mal versuchen. Kostet ja nichts.
Mike Gimmerthal hat geschrieben:Eins muss dabei aber klar sein, "wir" wecken oder unterstützen diese Erwartungen nicht!
Ob "Ihr" das macht, mag ich nicht beurteilen. Ich schlage mal als Gegenargument vor, einfach eine beliebige Jobsuche über die Stellenbörse der AfA zu machen. Suchen Sie sich ein paar Stellenangebote von ZAF raus und zählen Sie nach, wie oft "leistungsgerechte Bezahlung" oder sogar "übertariflich" (was beim AMP ja nicht sonderlich schwierig ist :( )angeboten wird. Vielleicht könnte man auch ein Zitat aus der Firmenseite einer der deutschlandweit führenden ZAF beispielhaft nennen. Dort steht unter der Rubrik der Bewerbervorteile folgendes (im Wortlaut):
Ja, ich lege Wert auf ...
ein überdurchschnittliches festes Einkommen
einen sicheren Job
eine abwechslungsreiche Arbeit
Weiterbildung, Qualifizierung, Aufstiegschancen
tatkräftige Unterstützung beim Jobstart
einen namhaften, leistungsstarken Arbeitgeber


*ironie-tag-ein* Da werden aber sowas von keine Erwartungen geweckt... *ironie-tag-aus*

By the way. Es gibt tatsächlich auch ZAF und PAV die seriös arbeiten, aber meine Erfahrung zeigt leider immer wieder, daß dies die Minderheit ist.

Gruß,
LeoLo

Mike Gimmerthal
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Beitrag von Mike Gimmerthal »

Tja, da kann ich nun wirklich wenig dagegen halten ...
Wir haben im Jahr 2008 rund 21000 ZA in Deutschland gehabt und ich gehe auch nicht davon aus, dass die alle seriös arbeiten.
Und dass viel Ungesetzliches praktiziert wird ist auch mir klar ... eben doch Tagelöhnergeschäft.

Aber in einem Punkt haben - wir zumindest - eine weisse Weste.
Nicht aktuelle Stellenangebote werden bei der AfA offline (auf "nicht veröffentlicht") gestellt.
Wir lösen unser "Pool-Dilemma" anders: Wir schalten Anzeigen ... :wink:

Und das mit dem AMP wird noch lustig werden ...
Das LG Berlin hat den "Christlichen Gewerkschaften" (dass die sich nicht genieren diesen Namen zu verwenden :evil: ) die Tariffähigkeit aberkannt. Sollte das in der nächsten Instanz bestätigt werden - was ich persönlich hoffe!! - kommen da Nachzahlungen auf die AMP-Mitglieder zu die viele werden nicht leisten können, weil sie keine Rücklagen haben und nach dem "versauten" Geschäftsjahr eh nicht.
Und dann werden die Kunden dieser "Billighöker" in die Tischkante beissen, wenn sie im Rahmen der Subsidärhaftung die Sozialabgaben für ihre Leiharbeiter zahlen dürfen.
Ich wünsche es ihnen von ganzem Herzen 8)
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windalf
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Beitrag von windalf »

Zugestehen muss ich allerdings dass oft BewerbeInnen (meist im Helferbereich) kommen - ohne Schulabschluss, ohne Berufsausbildung - die sehr hohe Erwartungen haben.
U.A.:
Kein Schichtdienst
Keine langen Anfahrtswege
Keine Überstunden
Am besten ein Firmenwagen ...
... und mindestens 2500 Brutto.
Es kann ja auch nicht überraschen, dass die Leute erwarten wenn die arbeiten gehen deutlich mehr zu bekommen, als wenn die sich alimentieren lassen => Alimentierung ist zu hoch...
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Mike Gimmerthal
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Beitrag von Mike Gimmerthal »

windalf hat geschrieben:
Zugestehen muss ich allerdings dass oft BewerbeInnen (meist im Helferbereich) kommen - ohne Schulabschluss, ohne Berufsausbildung - die sehr hohe Erwartungen haben.
U.A.:
Kein Schichtdienst
Keine langen Anfahrtswege
Keine Überstunden
Am besten ein Firmenwagen ...
... und mindestens 2500 Brutto.
Es kann ja auch nicht überraschen, dass die Leute erwarten wenn die arbeiten gehen deutlich mehr zu bekommen, als wenn die sich alimentieren lassen => Alimentierung ist zu hoch...
Quatsch!
Ganz ohne Umschweife ... neoliberales - und für mich unerträgliches! - Gelaber!
Wer behauptet HARTZ IV sei zu hoch um Menschen zum arbeiten zu bewegen hat nicht den Hauch einer Ahnung von den Umständen in denen die meisten dieser Menschen leben!

Das Problem ist ein Anderes:
Wenn ein MA für den Mindestlohn von 7,51€/h (IGZ/BGZ) 160 Stunden arbeitet bekommt er in der Steuerklasse 1 im Schnitt um die 900-1000€ ausbezahlt. Das ist eine Grenze bei der er u.U Aufstocker werden muss um leben zu können. Davon auch nur einem PKW zu finanzieren um zur Arbeit zu kommen ist schon ausgeschlossen.
Muss der arme Kerl auch noch für 6,41€/h arbeiten (AMP) muss die ArGe auf jeden Fall aufstocken. Zumal gerade diesen bildungsfernen AN eigentliche Garantietage (Tage ohne Einsatz) als unbezahlter Urlaub oder unzulässiger FZA aufgedrückt werden ...
Die arbeiten 8 Stunden an 5 Tagen die Woche undhaben trotzdem nicht mehr als Harz IV ...

Da ist nicht die Alimentierung zu hoch (hast du schon mal versucht von 350 € im Monat zu leben??) sondern der Stundenlohn zu gering.

Es gibt nur zwei vernünftige und menschenwürdige Lösungen:
1) Mindestlohn von 10€h (bestenfalls bei gleichzeitiger Absenkung des Eingangsteuersatzes)
2) Bürgergeld

Ich würde die zweite Variante bevorzugen .. aus vielerlei Gründen :wink:
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windalf
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Beitrag von windalf »

hast du schon mal versucht von 350 € im Monat zu leben??
Die Diskussion hatten wir schon und die Antwort ist ja. Als Student hatte ich nach Abzug der Miete anfangs sogar weniger...

Wie schaffe ich das: Kein Auto. Hobbys sind nur Sport (Fussball, Inlineskates und Laufen), Musik (Schlagzeug und Egitarre), lesen und PC... Ich rauche nicht und trinke keinen Alkohol...

Da ich das problemlos kann mit der Menge an Geld auszukommen (und das bei einem hohem Nettoeinkommen, behaupte ich können das andere auch)...

(Bevor die Frage kommt warum ich so wenig Geld ausgebe wenn ich doch mehr verdiene ist leicht. Von dem Rest kaufe ich mir Freizeit...)
Ich würde die zweite Variante bevorzugen .. aus vielerlei Gründen
Ich auch, weil das Fehlanreize minimiert...
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