Einladung von einem Personalservice ... rechtlich bindend?

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LeoLo
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Beitrag von LeoLo »

windalf

Das ist alles ein wenig einfach gestrickt. Es ist - wie so oft im Leben - immer ein wenig von Beidem. Ich stimme Dir in der Theorie zu, daß der Hartz IV - Satz nicht zwingend so desaströs ist, wie es oft dargestellt wird. Wenn eine Familie mit 3 Kindern roundabout knapp unter 2000 Euro netto zur Verfügung hat (grob überschlagen Hartz IV zzgl Kindergeld), dann muß man tatsächlich als Arbeitnehmer schon gut verdienen, um das Gleiche nach Hause zu bringen. (Aber - nicht vergessen - Kinder kosten letztendlich auch viel Geld.)

Bei einem Alleinstehenden oder einer kinderlosen Familie sieht das mit 700 Euro bis 1000 Euro zunächst noch machbar aus. Aber: Problematisch wird es spätestens dann, wenn Verbindlichkeiten vorliegen. Es ist ja nun mal nicht so, daß kein Mensch schuldenlos durch die Gegend läuft und Schulden sind nun auch nicht zwingend fahrlässig herbeigeführt, sondern entstehen bei Einkommensverlust wie von selber (lange Kündigungsfristen von Dienstleistungsverträgen, nur sukzessive Reduzierung eines Lebensstandards, laufende Kredite, usw). Oder aber auch ein geschiedener Mann, der den Unterhalt für seine Kinder bezahlen müsste und mit Hartz IV unumstößlich in die Zahlungsunfähigkeit steuert. Natürlich kann es nicht Sinn der Sache sein, daß die Allgemeinheit Schuldenabbau bei Hilfebedürftigen betreibt. Ich möchte diese Diskussion auch gar nicht weiter führen und weiß auch, daß es genügend Hartz IV - Empfänger gibt, die noch "zu gut" leben, um den A.sch hochzukriegen - will ich nicht bestreiten. Ich verweise aber gerne auf meine langjährige Erfahrung in der Arbeit mit Hartz IV - Empfängern und kann mit Sicherheit sagen, daß viele davon finanziell voll am Ende sind, ohne daß man ihnen ausschweifenden Lebenswandel oder Arbeitsverweigerung vorwerfen kann. Btw sind Tabak und (insbesondere) hoher Alkoholkonsum Symptome mit tieferen psychologischen Ursachen. Um das reflektierter zu betrachten, muß der ein oder andere mal 10 Jahre arbeitslos sein, 1000 Absagen bekommen, sozial isoliert sein, bis er versteht, wie wertlos man sich dann fühlt und wie "wichtig" es ist, sich mit naheliegenden Drogen wenigstens für eine kurze Zeit eine heile Welt vorzugaukeln. Und vielleicht sollte der ein oder andere mal zur Tafel des Ortes gehen, damit er sieht, wieviele Menschen dort stehen, um wenigstens etwas zu beißen zu haben. Bei den Hartz IV - Empfängern sprechen wir lange schon nicht mehr von sozial kognitiv Schwachen, vom schlichten Arbeiter bis zum Promovierten ist alles dabei.

Einfach zu behaupten, ein Hartz IV - Bedürftiger solle den Tabak und den Alkohol weglassen, dann könnte er gut leben, ist dann doch pure Polemik im unteren Boulevard-Niveau.

Übrigens: als Arbeitnehmer kann man NIE weniger haben, als als Hartz IV - Empfänger, denn dann würde die Aufstockung betrieben werden können. Und bei aufstockendem Hartz IV hat man in der Regel mindestens (!!!) ca 150 Euro netto mehr zur Verfügung (nach Abzug der beruflichen Aufwendungen) als bei reinem Hartz IV - Bezug. Leider ist das Prinzip der Aufstockung zu wenig bekannt. Eine gute Aufklärungsarbeit in diesem Bereich dürfte viele Hilfebedürftigen deutlich aktivieren.

Gruß,
LeoLo

Mike Gimmerthal
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Beitrag von Mike Gimmerthal »

LeoLo hat geschrieben:Übrigens: als Arbeitnehmer kann man NIE weniger haben, als als Hartz IV - Empfänger, denn dann würde die Aufstockung betrieben werden können. Und bei aufstockendem Hartz IV hat man in der Regel mindestens (!!!) ca 150 Euro netto mehr zur Verfügung (nach Abzug der beruflichen Aufwendungen) als bei reinem Hartz IV - Bezug. Leider ist das Prinzip der Aufstockung zu wenig bekannt. Eine gute Aufklärungsarbeit in diesem Bereich dürfte viele Hilfebedürftigen deutlich aktivieren.

Gruß,
LeoLo
Dazu und zum Rest des Beitrages ... *clap clap

P.S.: Freiwillig auf ein Auto zu verzichten und sich dafür "Freizeit" zu kaufen ist ein Luxus den man sich leisten können muss.
Wie soll das der AN machen, der auf dem Dörben wohnt und eigentlich ein Auto braucht um zur Arbeit zu kommen?
Ich verabscheue Ihre Meinung, doch ich werde mein Leben lang dafür kämpfen, daß sie sie äußern dürfen!(E.B. Hall)
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kdM
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Beitrag von kdM »

Mike Gimmerthal hat geschrieben:
LeoLo hat geschrieben:Übrigens: als Arbeitnehmer kann man NIE weniger haben, als als Hartz IV - Empfänger, denn dann würde die Aufstockung betrieben werden können. Und bei aufstockendem Hartz IV hat man in der Regel mindestens (!!!) ca 150 Euro netto mehr zur Verfügung (nach Abzug der beruflichen Aufwendungen) als bei reinem Hartz IV - Bezug. Leider ist das Prinzip der Aufstockung zu wenig bekannt. Eine gute Aufklärungsarbeit in diesem Bereich dürfte viele Hilfebedürftigen deutlich aktivieren.

Gruß,
LeoLo
Dazu und zum Rest des Beitrages ... *clap clap
Hartz IV-Aufstockung macht nur Sinn, wenn gleichzeitig Mindestlöhne eingeführt werden.

Derzeit ist es doch so, dass Arbeitgeber Hartz IV ausnutzen, um Arbeitnehmern Dumpinglöhne zu zahlen und sie auf das ergänzende Arbeitslosengeld II zu verweisen.
Und es ist so, daß die Mitarbeiter der ARGEn diese Hartz IV-Empfänger wiederum unter Androhung von Leistungentzug in diese Niedriglohnjobs prügeln.

Solange es keinen klar definierten Mindestlohn gibt, bleibt für Arbeitgeber der Anreiz, nur einen Dumpinglohn zu zahlen. Die Solidargemeinschaft (=der Steuerzahler) müsste weiter für das Existenzminimum von Geringverdienern aufkommen und subventioniert auf diese Weise mit der "Aufstockung" die Unternehmen, die sich die sonst aufzubringenden Lohnsummen ersparen.

Ich denke da insbesondere an die Unternehmen, die sog. "Haustarife" mit der CGZP abgeschlossen haben, von denen die meisten deutlich unter den Verbandstarifen, bis hin zu einem Einstiegslohn von 4,85 €/Stunde liegen.
"Die meisten fortschrittsoptimistischen Leute sind so lange für neue digitale Geschäftsmodelle, bis ihr eigener Job durch eine 99-Cent-App ersetzbar wird." (Sascha Lobo)

ganascia528
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Beitrag von ganascia528 »

Einer der Gründe für unsere Selbstständigkeit:
Mein Freund hat bei einer 41 Std Woche 650!€ brutto -monatlich- verdient (Steuerklasse 1) und als ich kurzzeitig Alg II beantragen mußte, hieß es, das er zuviel verdient.... :roll:

M.M. nach muß der Mindestlohn auch auf andere Branchen ausgedehnt werden, z. B. Gastronomie usw.... Ich hab mal ein halbes Jahr für 2000 DM brutto 7 Tage die Woche 15 Stunden täglich ohne Pause gearbeitet....Das Trinkgeld hat es damals halt noch gebracht...

edit: auch mit Personalservices und ZA hatte ich ähnliche Probleme, wurde nur in den Pool aufgenommen (wenn überhaupt ne Antwort kam) und Bewerbungsmappen kamen trotz frankiertem Umschlag nicht zurück....Habe nie auch ein Stellenangebot bekommen...
Zuletzt geändert von ganascia528 am 09.07.09, 14:07, insgesamt 1-mal geändert.

LeoLo
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Beitrag von LeoLo »

kdM hat geschrieben: Hartz IV-Aufstockung macht nur Sinn, wenn gleichzeitig Mindestlöhne eingeführt werden.
Für wen?

Für die AN ist derzeit der Stundenlohn im Rahmen der Aufstockung schon fast irrelevant. Die Berechnung der Aufstockung führt - grob pauschalisiert - dazu, daß 100 Euro brutto einem Mehr- oder Mindereinkommen von 10 Euro entsprechen. Da wirkt es sich unterm Strich nur minimal aus, ob der AN für 6 oder für 8 Euro arbeiten geht. Was man vom AG weniger bekommt, bekommt man von der ARGE - und umgekehrt. Ab 1500 Euro brutto wirkt es sich in der Regel dann gar nicht mehr aus. Das zur Verfügung stehende Netto-Geld bleibt gleich.

Gruß,
LeoLo

windalf
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Beitrag von windalf »

Wie soll das der AN machen, der auf dem Dörben wohnt und eigentlich ein Auto braucht um zur Arbeit zu kommen?
Warum bedarf es immer eines Autos um zur Arbeit zu kommen? Wenn die Strecke so groß ist, dass die weder zu Fuss, Fahrrad oder weiß ich was zurückgelegt werden kann hilft ggf. auch umziehen...
Einfach zu behaupten, ein Hartz IV - Bedürftiger solle den Tabak und den Alkohol weglassen, dann könnte er gut leben, ist dann doch pure Polemik im unteren Boulevard-Niveau.
Das behaupte ich ja nicht. Jeder kann das ja innerhalb seines Nutzens optimieren wie er will. Klar ist aber das er seine Budgetgerade langfristig nicht überschreiten kann. Wie jeder das macht ist Privatsache und geht mich nichts an. Ich habe lediglich ein Beispiel gegeben wie ich das für mich optimiere...
Übrigens: als Arbeitnehmer kann man NIE weniger haben, als als Hartz IV - Empfänger, denn dann würde die Aufstockung betrieben werden können. Und bei aufstockendem Hartz IV hat man in der Regel mindestens (!!!) ca 150 Euro netto mehr zur Verfügung (nach Abzug der beruflichen Aufwendungen) als bei reinem Hartz IV - Bezug. Leider ist das Prinzip der Aufstockung zu wenig bekannt. Eine gute Aufklärungsarbeit in diesem Bereich dürfte viele Hilfebedürftigen deutlich aktivieren.
Ob das viele oder wenige Personen wissen weiß ich nicht. In jedem Fall wurde das schon zig mal in der Presse breit getreten, dass es diese Möglichkeit gibt. ich finde nicht, dass es hierbei an Aufklärung mangelt.
Einer der Gründe für unsere Selbstständigkeit:
Mein Freund hat bei einer 41 Std Woche 650!€ brutto verdient (Steuerklasse 1) und als ich kurzzeitig Alg II beantragen mußte, hieß es, das er zuviel verdient....
Ja das ist noch so einer dieser riesen Fehlanreize beim SGB II. Diese verquere Anrechnerei. Auch das würde das von Mike vorgeschlagene Bürgergeld lösen...
...fleißig wie zwei Weißbrote
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Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

Mike Gimmerthal
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Beitrag von Mike Gimmerthal »

windalf hat geschrieben:
Wie soll das der AN machen, der auf dem Dörben wohnt und eigentlich ein Auto braucht um zur Arbeit zu kommen?
Warum bedarf es immer eines Autos um zur Arbeit zu kommen? Wenn die Strecke so groß ist, dass die weder zu Fuss, Fahrrad oder weiß ich was zurückgelegt werden kann hilft ggf. auch umziehen...
Schau mal nach ob du es schaffst von Horneburg (Süderelbe/Niedersachsen) mit den Öffentlichen nach Stelle (ebenfalls Niedersachsen) zu kommen. Sind knapp 50km ...
Dort arbeitet ein AN von 04:00 bis 13:00 und das für sagen wir 3 Monate.
Dann wird er in Buchholz i.d.N. eingesetzt ... knapp 30km. Schau mal ob du es schaffst mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zum Schichtbeginn um 06:00 dort zu sein (ok, schaffst du wenn du abends um 11:00 losfährst)
Und jetzt sag bitte dem AN dass er für 3 Monate nach Stelle ziehen soll und dann für 5 Monate nach Buchholz und dann wieder zurück.
Oder er soll bitte grundsätzlich für teuer Geld nach Hamburg ziehen, obwohl er in der Doppelhaushälfte seiner Eltern fast umsonst wohnen kann ...

Also sorry, das ist extrem wirklichkeitsfremd was du da diesen Menschen empfiehlst.
Leider sind die ArGen da of genau so unmenschlich und wirklichkeitsfremd :evil:
windalf hat geschrieben:
Einer der Gründe für unsere Selbstständigkeit:
Mein Freund hat bei einer 41 Std Woche 650!€ brutto verdient (Steuerklasse 1) und als ich kurzzeitig Alg II beantragen mußte, hieß es, das er zuviel verdient....
Ja das ist noch so einer dieser riesen Fehlanreize beim SGB II. Diese verquere Anrechnerei. Auch das würde das von Mike vorgeschlagene Bürgergeld lösen...
Diese Anrechnerei von "Bedarfsgemeinschaften" ist - auch wenn durch Gerichtsurteile inzwischen abgesichert - eine der grössten Ungerechtigkeiten des neuen SGB. Haarsträubend ungerecht!
Als eheähnliche Lebensgemeinschaft kann ich die Vorteile einer Ehe steuerlich und sozial nicht in Anspruch nehmen, wenn es um Bedarfsberechnung und "Nachteile" geht muss ich mich aber behandeln lassen als wäre ich verheiratet.
...

Und zum Glück schlage nicht nur ich das Bürgergeld vor, sondern eben auch Wirtschaftsgrössen wie der Gründer und Chef einer grossen Drogeriemarktkette Götz Werner. Hier zum Beispiel
Ich verabscheue Ihre Meinung, doch ich werde mein Leben lang dafür kämpfen, daß sie sie äußern dürfen!(E.B. Hall)
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windalf
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Beitrag von windalf »

Und zum Glück schlage nicht nur ich das Bürgergeld vor, sondern eben auch Wirtschaftsgrössen wie der Gründer und Chef einer grossen Drogeriemarktkette Götz Werner. Hier zum Beispiel
Allerdings in einer Größenordnung derer ich nicht folgen mag.

Deutlich mehr als 400-500 solten es meines Erachtens in keinem Fall sein...
Oder er soll bitte grundsätzlich für teuer Geld nach Hamburg ziehen, obwohl er in der Doppelhaushälfte seiner Eltern fast umsonst wohnen kann ...
Das eigentliche Problem hierbei ist doch, dass die Miete bis zu einem gewissen Betrag unabhängig von der Höhe bezahlt wird. Würde es wie beim Bürgergeld einen pauschalen Betrag geben innerhalb dessen jeder so optimieren kann wie er es für am besten hält, gäbe es auch nicht so dämliche Fehlanreize. Wenn es billiger ist mit nem Auto dahinzufahren dafür aber die Mietkosten eingespart werden können wäre ein Umzug natürlich schlecht.

Diese Art der unerfreulichen Konstruktionen liegt aber im System des SGB II selbst begründet...
Diese Anrechnerei von "Bedarfsgemeinschaften" ist - auch wenn durch Gerichtsurteile inzwischen abgesichert - eine der grössten Ungerechtigkeiten des neuen SGB. Haarsträubend ungerecht!
Als eheähnliche Lebensgemeinschaft kann ich die Vorteile einer Ehe steuerlich und sozial nicht in Anspruch nehmen, wenn es um Bedarfsberechnung und "Nachteile" geht muss ich mich aber behandeln lassen als wäre ich verheiratet.
Es mag ja sein, dass die Rechtsprechugn das für richtig befindet. Aber auch wenn ein Richter bestimmt die Erde ist eine Scheibe wird die trotzdem weiter eine Kugel bleibe. Es gibt durch diese anrechnereien Fehlanreize zu hauf...
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Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

Mike Gimmerthal
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Beitrag von Mike Gimmerthal »

windalf hat geschrieben:
Und zum Glück schlage nicht nur ich das Bürgergeld vor, sondern eben auch Wirtschaftsgrössen wie der Gründer und Chef einer grossen Drogeriemarktkette Götz Werner. Hier zum Beispiel
Allerdings in einer Größenordnung derer ich nicht folgen mag.

Deutlich mehr als 400-500 solten es meines Erachtens in keinem Fall sein...
Dann geht es genau so weiter wie bisher, Zuschläge für Miete, Zuschläge für Heizkosten usw ... dann ist gegenüber Hartz IV nichts gewonnen!

Du musst die Menschen von ihren Existenznöten und -ängsten befreien wenn das System funktionieren soll!
Dann aber - bin ich zutiefst überzeugt - würden wir alle reicher werden. An Lebensqualität, Arbeitsfreude, sozialer Zufriedenheit ...

Aber wem das "Werner-Modell" nicht gefällt kann sich ja vielleicht für das gar nicht so weit entfernte Althaus-Modell erwärmen ;-)
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windalf
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Beitrag von windalf »

Dann geht es genau so weiter wie bisher, Zuschläge für Miete, Zuschläge für Heizkosten usw ... dann ist gegenüber Hartz IV nichts gewonnen!
Ne eben nicht. Auch ein Job für 3 EUR die Stunde kann dann attraktiv sein... Es gibt dann einfach nicht mehr...
Du musst die Menschen von ihren Existenznöten und -ängsten befreien wenn das System funktionieren soll!
Erstens meine ich ist der Staat kein Volkaskounternehmen. Es ist nicht seine Aufgabe einem das Leben zu meistern abzunehmen und zum anderen würde genau das dazu führen, dass ein Bürgergeld gar nicht bezahlbar ist
Dann aber - bin ich zutiefst überzeugt - würden wir alle reicher werden. An Lebensqualität, Arbeitsfreude, sozialer Zufriedenheit ...
Das glaube ich ziemlich sicher funktioniert nicht, weil dann > 90% anfangen sich nur noch alimentieren zu lassen. Ich wäre einer der zu den 90% gehört...

Garantiert mir heute jemand ein Grundeinkommen mit dem ich meine Auskommen zu können ohne einen Finger krum zu machen, dann mache ich auch keinen Finger mehr krum...

Aber wem das "Werner-Modell" nicht gefällt kann sich ja vielleicht für das gar nicht so weit entfernte Althaus-Modell erwärmen
In meinem Fall aus einer Familie mit 4 Kindern wären das ohne einen Finger krum zu machen 2x 800 plus 4 x 500 gewesen. Da wäre mein Vater nicht mehr arbeiten gegangen sondern wäre von anfang an vor dem Fernseher versauert so wie er es jetzt auch schon tut...
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Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

Mike Gimmerthal
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Beitrag von Mike Gimmerthal »

Mal wieder neoliberale Totschlagargumente für die sich auf der von mir verlinkten Seite mehr als genug Gegenargumente finden.
Ein bisschen intensiver lesen hätte geholfen ...

Und dein Rechenbeispiel hinkt schon deshalb weil du die 4x200€ für die KV nicht abgezogen hast.
Zudem verkennst du, dass eine Harz IV -Familie mit 2 Kindern und Wohngeld heute schon praktisch Transferleistungen in gleicher Höhe erhält.

Zudem ist es ganz sicher, dass die meisten Menschen arbeiten wollen. Selbst Du hättest nach 2 Jahren Freizeit pur den Drang etwas zu tun ... und plötzlich hätte Ehrenamt und soziales Engegement wieder Gewicht.

Wenn du dann noch 50% des hinzuverdienten Geldes behalten dürftest - anstatt wie jetzt bei Hartz für's Dazuverdienen bestraft zu werden - wäre selbst Dein Anreiz zur Arbeit wesentlich höher. :wink:

Auf der verlinkten Seite ist auch die Finanzierbarkeit dargelegt. Dabei sind aber noch nicht einmal die Einspareffekte der deutlich verschlankten Verwaltung enthalten. Wusstest Du, dass derzeit 155 verschiedene Sozialleistungen von 37 Behörden geleistet werden. Da kostet die Kontrolle und der Abgleich oft ein Vielfaches der Transferleistungen.

Von positiven Beschäftigungseffekten, sozialen Besserstellungen der "einfachen Arbeiter" ... mal ganz abgesehen.

Also bitte nicht nur die Stammtischparolen verwenden sondern sich ggf. auch mal ernsthaft und ein bisschen umfassender damit beschäftigen ... falls das nicht die hart "vom Munde abgesparte" Freizeit beeinträchtigt *sicr
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windalf
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Beitrag von windalf »

Selbst Du hättest nach 2 Jahren Freizeit pur den Drang etwas zu tun ...
Oh ich kann mich immer wundebar selbst beschäftigen. Ich brauche dazu keinen Arbeitgeber oder Kunden... Das womit ich mich beschäftigte nutzt aber anderen nicht. Es ist einfach nur Konsum...
Wenn du dann noch 50% des hinzuverdienten Geldes behalten dürftest - anstatt wie jetzt bei Hartz für's Dazuverdienen bestraft zu werden - wäre selbst Dein Anreiz zur Arbeit wesentlich höher
Na das ist doch auch schon jetzt so, dass maximal 50% bei mir bleiben... Wir sind aber prinzipiell beisammen, dass es einen gewissen mindestanreiz geben muss etwas dazu zu verdienen

falls das nicht die hart "vom Munde abgesparte" Freizeit beeinträchtigt
Ich behaupte ja gerade, dass die nicht hart vom Munde abgespart ist. Ich verzichte auch auf nichts, was ich brauche... Ich schmeisse das Geld halt nur sinnlos für Freizeit raus. Andere kaufen sich nen Ferrari um damit zur Arbeit hin und zurück zu fahren...
Also bitte nicht nur die Stammtischparolen verwenden sondern sich ggf. auch mal ernsthaft und ein bisschen umfassender damit beschäftigen ...
Ich habe mich mit dem Thema schon lange vor diesem Thread ernsthaft beschäftigt. Was genau ist denn nun deiner Meinung nach eine Stammtischparole... Irgenetwas pauschal als Stammtischparole zu bezeichnen mag ein toller rethorischer Trick sein. Werd mal ganz konkret..
Und dein Rechenbeispiel hinkt schon deshalb weil du die 4x200€ für die KV nicht abgezogen hast.
Es hinkt schon einmal deshalb nicht weil es absolute Zahlen sind. Ob es eine Versicherungspflicht gibt oder nicht dazu hat er sich nicht direkt geäußert (man kann es höchstens vermuten). Auch ob private Kassen weiter existieren bei denen man sich ggf. günstiger versichern kann auch nicht..
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Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

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Beitrag von Mike Gimmerthal »

windalf hat geschrieben:
Selbst Du hättest nach 2 Jahren Freizeit pur den Drang etwas zu tun ...
Oh ich kann mich immer wundebar selbst beschäftigen. Ich brauche dazu keinen Arbeitgeber oder Kunden... Das womit ich mich beschäftigte nutzt aber anderen nicht. Es ist einfach nur Konsum...
Das ist doch schon mal was ... denn die Gegenfinanzierung besteht aus einer 40-50% MwSt. Da leistest du doch deinen Beitrag ;-)
windalf hat geschrieben:
Wenn du dann noch 50% des hinzuverdienten Geldes behalten dürftest - anstatt wie jetzt bei Hartz für's Dazuverdienen bestraft zu werden - wäre selbst Dein Anreiz zur Arbeit wesentlich höher
Na das ist doch auch schon jetzt so, dass maximal 50% bei mir bleiben... Wir sind aber prinzipiell beisammen, dass es einen gewissen mindestanreiz geben muss etwas dazu zu verdienen
Ja aber dann bleiben Bürgergeld + 50% des hinzuverdienten (oder eben kleines Bürgergeld -25% des Hinzuverdienten. Das ist eine ganz andere Hausnummer ...

windalf hat geschrieben:
Also bitte nicht nur die Stammtischparolen verwenden sondern sich ggf. auch mal ernsthaft und ein bisschen umfassender damit beschäftigen ...
Ich habe mich mit dem Thema schon lange vor diesem Thread ernsthaft beschäftigt. Was genau ist denn nun deiner Meinung nach eine Stammtischparole... Irgenetwas pauschal als Stammtischparole zu bezeichnen mag ein toller rethorischer Trick sein. Werd mal ganz konkret..
windalf hat geschrieben: Dass niemand mehr einen Finger krumm macht wenn es Bürgergeld gibt ist so eine Stammtischparole ... einfach nicht zuende gedacht. Ach was schreib ich, nicht mal über den Step 1 hinausgedacht ...
windalf hat geschrieben: Es hinkt schon einmal deshalb nicht weil es absolute Zahlen sind. Ob es eine Versicherungspflicht gibt oder nicht dazu hat er sich nicht direkt geäußert (man kann es höchstens vermuten). Auch ob private Kassen weiter existieren bei denen man sich ggf. günstiger versichern kann auch nicht..
Doch sind sie! Und 200€ KV-Gutschein, der vom Bürgergeld abgezogen wird ist beim Althausmodel auch explizit ausgewiesen. Damit ist jeder Bürger grundversichert (wie die ausgestaltet wird ist eine andere Frage).

Und nein günstiger geht nicht, aber durchaus bei privaten Versicherungen zusätzliche Leistungen ... und schon stärkt man wieder den Wettberwerb :-)
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Beitrag von windalf »

Das ist doch schon mal was ... denn die Gegenfinanzierung besteht aus einer 40-50% MwSt. Da leistest du doch deinen Beitrag
Es ist kein Beitrag, wenn man einen Gegenwert den man von der Gesellschaft geschenkt bekommen hat wieder zurück gibt... Sorry aber das ist ein großer Denkfehler...
Dass niemand mehr einen Finger krumm macht wenn es Bürgergeld gibt ist so eine Stammtischparole ... einfach nicht zuende gedacht. Ach was schreib ich, nicht mal über den Step 1 hinausgedacht ...
Wenn SIe nochmal genau lesen, habe ich das auch nicht behauptet...

Ich habe behauptet
Das glaube ich ziemlich sicher funktioniert nicht, weil dann > 90% anfangen sich nur noch alimentieren zu lassen. Ich wäre einer der zu den 90% gehört...
Ich gebe zu das "nur alimentieren" ist vielleicht ein wenig zu absolut formuliert aber ich bleibe dabei, dass es dann eine sehr kleine Minderheit geben wird, verdammt den Rest zu alimentieren...
Doch sind sie
Und wiso doch? Ich habe nie behauptet, dass die Zahl nicht ausgewiesen ist...
Und 200€ KV-Gutschein, der vom Bürgergeld abgezogen wird ist beim Althausmodel auch explizit ausgewiesen
Was für ein Gutschein? Das Geld würde dann so gezahlt. Das man verpflichtet ist bestimmte Leistungen davon zu kaufen oder nicht habe ich gar nicht zur Disposition gestellt.
Und nein günstiger geht nicht,
Und das haben SIe jetzt von Ihrem Stammtisch oder was... :roll:
einfach nicht zuende gedacht. Ach was schreib ich, nicht mal über den Step 1 hinausgedacht ...
Ich glaube eher den Blick des großen und ganzen verliert ist ein anderer. Fakt ist ersteinmal, dass man Geld nicht essen kann. Was man davon kaufen kann hängt unmittelbar mit der Wirtschaftsleistung zusammen... Nur vom Geld verteilen wird keiner reich. Es muss sichergestellt sein, dass mindestens der gleiche Gegenwert produziert wird.

Da kann man sicherlich geteilter Meinung sein in wieweit das nun der Fall ist oder wie stark das nun absinken oder steigen würde. Eine Stammtischparole wird es deshalb noch lange nicht...
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Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

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Beitrag von Mike Gimmerthal »

windalf hat geschrieben:...Nur vom Geld verteilen wird keiner reich. Es muss sichergestellt sein, dass mindestens der gleiche Gegenwert produziert wird.
Das ist die von John Maynard Keynes entwickelte Theorie (die ich überzeugt verfechte). Der Keynesianismus sagt - grob vereinfacht - aus, dass die Menschen mit dem Geld das sie in der Produktion verdienen, sich eben diese Produkte müssen leisten können. Nur dann fuktioniert der Kapitalismus in seiner "menschlichen" Form.
Er argumentierte gegen die "klassische Theorie", derzufolge eine Senkung der Löhne gegen Unterbeschäftigung helfe. Zwar sinken dadurch die Lohnkosten, aber die Lohnsenkungen führen zur Abnahme der Kaufkraft des Großteiles der Konsumenten (= reale Lohnsenkung) und damit zu einer Verringerung der Nachfrage. Begünstigt werden dagegen die Exporte. Dies führt zu einer Politik, die versucht inländische Nachfrageprobleme durch Außenhandelsüberschüsse zu kompensieren. Und das geht eben nur einen sehr kurzen Zeitraum gut.

Jetzt kommt aber zum Tragen, dass wir in den letzten 20-25 Jahren die Produktivität des Einzelnen fast verfünfacht haben und zudem ein hoher Grad an Automation Einzug gehalten hat.
Würden wir Einnahmen über eine reine Konsumsteuer (Umsatzsteuer) generieren und ein Bürgergeld einführen, kämen wir auch von dem völlig unrealistischen Modell der "Vollbeschäftigung" weg und würden die derzeit nicht finanzierbaren Bereiche wieder finanzierbar machen. Denn die produktive Industrie erwirtschaftet genug für dieses Model, wenn es konsequent umgesetzt wird.

Aber auch diese Ausführungen sind natürlich nur ein kleiner Teilaspekt des grossen PRO Bürgergeldes ...

P.S.: Die "Stammtischparolen" nehme ich zurück. Da habe ich mich im Eifer des Gefechtes vergaloppiert ;-)
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