Diskriminierung aufgrund vom hohem Einstiegsgehalt

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Flobba
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Diskriminierung aufgrund vom hohem Einstiegsgehalt

Beitrag von Flobba »

Ich beschäftige mich aktuell mit einer speziellen Gleichstellungsfrage.

Angenommen in einer Abteilung fangen mehrere Kollegen zeitgleich an. A und B verdienen 30.000,- per Anno. C wird mit 45.000,- für den gleichen Job eingestellt. C bringt viele Jahre mehr an Berufserfahrung mit.

In den folgenden Jahren bekommen A und B immer reichlich Gehaltserhöhungen, 6-8%. C bekommt erst nach mehreren Jahren kleinere Erhöhungen von 1,5 bis 2,0%. Über die Zeit von 8 Jahren hat C aber schon einen erkenbaren Reallohnverlust nach Inflationsberücksichtigung erfahren. C verdient aber immer noch 4.000,- mehr als A und B.

Kann C sich in der nächsten Gehaltsrunde die ähnlich schlecht für ihn auszugehen droht auf eine Diskriminierung wegen zu hohem Gehalt berufen? Argument des AG: "Der verdient schon gut."
Das Einstiegsgehalt ist ja Teil des Arbeitsvertrages den der AG wohlwissentlich zugestimmt hat. Müsste der AG nicht zumindest dafür sorgen dass C keine Reallohnverluste erfährt wohingegen A und B über den Inflationsausgleich hinaus zulegen?

Oder kann man hier nur im Rahmen einer GBV gegensteuern? Stichwort garantierter Inflationsausgleich.

webelch
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Re: Diskriminierung aufgrund vom hohem Einstiegsgehalt

Beitrag von webelch »

ich gehe davon aus, dass es hier keinen tarifvertrag o.ä. gibt. das gehalt einzelner AN kann auch nicht gegenstand einer betriebsvereinbarung sein. nur entlohnungsgrundätze unterliegen der mitbestimmung. eine benachteiligung von C sehe ich auch nicht.

matthias.
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Re: Diskriminierung aufgrund vom hohem Einstiegsgehalt

Beitrag von matthias. »

Überlegen wir mal:

AGG § 1 Ziel des Gesetzes
Ziel des Gesetzes ist, Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen.

Welches könnte hier ein Diskriminierungsgrund sein?

Ansonsten Stichwort: Vertragsfreiheit.

Und was ist ein GBV?

webelch
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Re: Diskriminierung aufgrund vom hohem Einstiegsgehalt

Beitrag von webelch »

GBV habe ich mir, deswegen meine antwort, mit GesamtBetriebsVereinbarung übersetzt.

matthias.
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Re: Diskriminierung aufgrund vom hohem Einstiegsgehalt

Beitrag von matthias. »

Mir ist keine Betriebsvereinbarung bekannt, die den Mitarbeiter einen Inflationsausgleich garantiert.

Es ist auch eine merkwürdige Meinung, dass der AG juristisch dafür verantwortlich ist dem AN einen Inflationsausgleich zu garantieren, zumal die Inflation vom AG ja garnicht beeinflussbar ist.

webelch
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Re: Diskriminierung aufgrund vom hohem Einstiegsgehalt

Beitrag von webelch »

mir auch nicht. ich möchte auch bezweifeln, dass eine solche vereinbarung tatsächlich möglich wäre. die mitbestimmung über entlohnungsgrundsätze müsste dazu schon recht gedehnt werden.

sehen wir es doch mal andersrum. als C den vertrag mit hohem gehalt ausgehandelt hat, war dies für ihn doch positiv. und seine positive lohndifferenz zu A und B stiess ihm nicht sauer auf. C dürfte auf die zeit gerechnet absolut gesehen einen schönen lohnsummenvorsprung aufgebaut haben.

matthias.
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Re: Diskriminierung aufgrund vom hohem Einstiegsgehalt

Beitrag von matthias. »

Mal hier als Tipp wie man zu einer Gehaltserhöhrung kommt :-)

http://www.sueddeutsche.de/karriere/feh ... -1.1821477

Para-Graf
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Re: Diskriminierung aufgrund vom hohem Einstiegsgehalt

Beitrag von Para-Graf »

matthias. hat geschrieben:Mal hier als Tipp wie man zu keiner Gehaltserhöhrung kommt :-)
Hervorhebung durch mich - denn da werden nur haufenweise Verfahren beschrieben wie man es nicht macht, keine "Best Practice"... ;-)

GesetzWilhelm
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Re: Diskriminierung aufgrund vom hohem Einstiegsgehalt

Beitrag von GesetzWilhelm »

Para-Graf hat geschrieben:
matthias. hat geschrieben:Mal hier als Tipp wie man zu keiner Gehaltserhöhrung kommt :-)
Hervorhebung durch mich - denn da werden nur haufenweise Verfahren beschrieben wie man es nicht macht, keine "Best Practice"... ;-)
Was hat dies mit dem geschilderten Fall zu tun?
-Ich bin kein Jurist, die Basis meiner Beiträge sind Recherchen.
- alle Angaben ohne Gewähr -

FM
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Re: Diskriminierung aufgrund vom hohem Einstiegsgehalt

Beitrag von FM »

Mal abgesehen vom juristischen Hintergrund: das Argument der Diskriminierung zieht in dem Beispiel schon deshalb nicht, weil die längere Berufserfahrung der Grund für den Gehaltsunterschied war. Zwischenzeitlich gewinnen aber die beiden anderen Mitarbeiter auch weitere Berufserfahrung. Deshalb ist es naheliegend, dass sich der Gehaltsunterschied verringert, bei ihnen also die Steigerungen höher ausfallen. Das wäre bei vielen Tarifsystemen auch so, durch Aufstieg aufgrund der Beschäftigungsdauer.

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