Ansprüche bei eigener Kündigung bei Zeitarbeitsfirma

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darnell
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Ansprüche bei eigener Kündigung bei Zeitarbeitsfirma

Beitrag von darnell » 23.01.14, 12:36

Hallo,

ich bin seit ca. 5 Jahren mit einem unbefristeten Vertrag bei einer Zeitarbeitsfirma beschäftigt. Seit dem 01.01.14 habe ich keinen Einsatz mehr, da die Beauftragung durch den Einsatz ausgelaufen ist. Da ich jedoch die Möglichkeit habe, bei einer anderen Firma zu arbeiten, möchte ich den Vertrag mit der Zeitarbeitsfirma gerne auflösen und dabei noch möglichst viel "rausholen".

Daher meine Fragen:
- Kann ich der Zeitarbeitsfirma anbieten, den Vertrag mit mir aufzulösen und dabei eine Abfindung erhalten?

- Seit 01.01. habe ich ja nun wieder volles Urlaubskontingent. Kann dieses ausgezahlt werden?

Vielen Dank für Ihre Antworten.

Ronny1958
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Re: Ansprüche bei eigener Kündigung bei Zeitarbeitsfirma

Beitrag von Ronny1958 » 23.01.14, 12:41

Warum sollte sich die Firma darauf einlassen?

Sie wollen doch die Veränderung.
Das Bonner Grundgesetz ist unverändert in Kraft. Eine deutsche Reichsverfassung, eine kommissarische Reichs-Regierung oder ein kommissarisches Reichsgericht existieren ebenso wenig, wie die Erde eine Scheibe ist. (AG Duisburg 26.01.2006)

Tastenspitz
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Re: Ansprüche bei eigener Kündigung bei Zeitarbeitsfirma

Beitrag von Tastenspitz » 23.01.14, 12:43

darnell hat geschrieben:Kann ich der Zeitarbeitsfirma anbieten, den Vertrag mit mir aufzulösen und dabei eine Abfindung erhalten?
Man kann alles. Ich zum Beispiel kann mir keinen Grund vorstellen, warum eine Firma bei einer AN Kündigung eine Abfindung bezahlen sollte.
darnell hat geschrieben:Seit 01.01. habe ich ja nun wieder volles Urlaubskontingent. Kann dieses ausgezahlt werden?
Urlaubsanspruch ist zu gewähren. Nur wenn das aufgrund der Kündigung nicht mehr geht, ist der abzugelten (Zu bezahlen).
Und damit ist der tatsächliche Anspruch gemeint. Es wird wohl nur wenige Arbeitsverträge geben, die zu 01.01. gleich den ganzen Jahresurlaub im Falle der Kündigung abrechnen.
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darnell
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Re: Ansprüche bei eigener Kündigung bei Zeitarbeitsfirma

Beitrag von darnell » 23.01.14, 12:48

Hallo,

und vielen Dank für die schnellen Antworten.

Meine Hintergedanke ist, da mich die Zeitarbeitsfirma offenbar nicht sofort wieder vermitteln kann, diese vielleicht mit einer Art Vereinbarung zur Auflösung des Vertrags zufrieden zustimmt. Denn die werden ja wissen, dass ich kündige und es dann keinen Sinn mehr macht, mich weiterhin einzusetzen bzw. einen neuen Einsatz zu suchen. Das kein rechtlicher Anspruch besteht, weiß ich.

Kann die Zeitarbeitsfirma denn verlangen, dass ich meinen Urlaub abbaue, wenn ich keinen Einsatz habe?

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Re: Ansprüche bei eigener Kündigung bei Zeitarbeitsfirma

Beitrag von Tastenspitz » 23.01.14, 12:55

Wenn sie kündigen/aufheben nmE. ist Urlaub zu gewähren. erst wenn das nicht geht, dann ist die Abgeltung vorgesehen.
darnell hat geschrieben:Kann die Zeitarbeitsfirma denn verlangen, dass ich meinen Urlaub abbaue, wenn ich keinen Einsatz habe?
WAS wollen sie eigentlich?
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Re: Ansprüche bei eigener Kündigung bei Zeitarbeitsfirma

Beitrag von darnell » 23.01.14, 13:00

Tastenspitz hat geschrieben:WAS wollen sie eigentlich?
Ich möchte möglichst viel Geld aus der Zeitarbeitsfirma bei meiner eigenen Kündigung rausholen. Wenn mich die Zeitarbeitsfirma nicht zum Abbau des Urlaubs zwingen kann, möchte ich den größtmöglichen Restanspruch zumindest ausgezahlt bekommen.

hmoerser
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Re: Ansprüche bei eigener Kündigung bei Zeitarbeitsfirma

Beitrag von hmoerser » 23.01.14, 13:11

Wenn ich eine neue Arbeit anfangen kann, würde ich mir keine Gedanken über Abfindungen usw. machen, sondern das Gespräch mit der Firma suchen und mich kündigen lassen.

Hintergrund: Wenn es bei der neuen Firma wider erwarten doch nicht passen sollte, gibt es keine Sperre bei der Agentur für Arbeit.

Wenn ich den Anfangspost richtig gelesen habe, denkst Du, dass Du den vollen Urlaubsanspruch für 2014 hast. Wenn Du jetzt kündigst, hast Du meiner Meinung nach nur anteiligen Urlaubsanspruch, d.h. pro Monat 1/12.

Generell beantragt der Arbeitnehmer seinen Urlaub. Ich würde dem Eintrag von Urlaub durch den Arbeitgeber widersprechen. Nach Eingang der Kündigung ist vorhandener Urlaub natürlich abzubauen, da Urlaubstage einen
Geldwert darstellen, steht ja ein Geldbetrag hinter jedem Urlaubstag, also wird der Urlaub ja "ausgezahlt". Was willst Du
denn noch mehr?
Die Zeitarbeitsfirma ist in der Bringpflicht, die im Arbeitsvertrag vereinbarten Arbeitsstunden zur Verfügung zu stellen.
Der Arbeitnehmer muss seine Arbeitskraft zur Verfügung stellen.
Der Disponent versucht natürlich, fehlende Zeiten durch noch vorhandenen Resturlaub oder Urlaub aufzufüllen.
Dies reduziert die Stunden, die er gemäß Arbeitsvertrag zur Verfügung stellen muss. Es können natürlich Plus-Stunden vom Arbeitszeitkonto umgeschrieben werden, wenn ein Arbeitszeitkonto existiert.


Wie oben schon geschrieben würde ich mir keine grossen Hoffnungen auf eine Abfindung machen, sondern schnellstens zum neuen Arbeitgeber wechseln.

darnell
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Re: Ansprüche bei eigener Kündigung bei Zeitarbeitsfirma

Beitrag von darnell » 23.01.14, 13:20

Ok, vielen Dank für die Antwort. Ich möchte auch schnellstmöglich zum neuen AG wechseln und werde es auch ohne große Beanstandungen hinnehmen, d.h. Ziel ist es, schnell und sauber aus dem bisherigen Vertrag raus zu kommen. Es wäre nur schön gewesen, wenn ich dabei noch etwas Extra-Bonus hätte rausholen können :)

Vielen Dank für die schnelle Hilfe!

filter
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Re: Ansprüche bei eigener Kündigung bei Zeitarbeitsfirma

Beitrag von filter » 24.01.14, 07:31

1. Nein der AG kann Dich nicht zwingen Urlaub zu nehmen, weil kein Einsatz vorhanden ist.
2. Was passiert jetzt - nimmst Du Freizeitausgleich oder gehen die Nichteinsatztage bereits zu Lasten des AG?
3. Na klar kann man verhandeln oder es zu mindest probieren. Dazu muss man aber vermutlich etwas pokern können. Mit einer Aussage in der Form "Da ich jedoch die Möglichkeit habe, bei einer anderen Firma zu arbeiten, möchte ich den Vertrag mit der Zeitarbeitsfirma gerne auflösen " gegenüber dem AG kann man das dann in der Regel vergessen.
4. Ob der AG darauf eingehen wird, ist eher fraglich. Wenn ja, dann hast Du gut verhandelt.

Zum Urlaubsanspruch: der wird nur anteilig gewährt, wenn Du vor dem 30.6. ausscheidest. Auch wenn zum jetzigen Zeitpunkt der Anspruch auf den vollen Urlaub besteht - das ändert sich, wenn ein Beendingungszeitpunkt (Auflösung, Kündigung) bekannt wird. Dann ist der Anspruch nur noch x 12tel je Kalendermonat.

darnell
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Re: Ansprüche bei eigener Kündigung bei Zeitarbeitsfirma

Beitrag von darnell » 24.01.14, 19:04

filter hat geschrieben:2. Was passiert jetzt - nimmst Du Freizeitausgleich oder gehen die Nichteinsatztage bereits zu Lasten des AG?
Im Moment geht es zu Lasten des AG.
filter hat geschrieben:3. Na klar kann man verhandeln oder es zu mindest probieren. Dazu muss man aber vermutlich etwas pokern können.
Jo, klar. Nur was könnte ich als Argumente bringen bzw. was sage ich am Besten?

hmoerser
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Re: Ansprüche bei eigener Kündigung bei Zeitarbeitsfirma

Beitrag von hmoerser » 25.01.14, 06:51

Es wurde noch nicht mitgeteilt, ob ein Arbeitszeitkonto existiert oder nicht. Wenn ja, sind da meist ca. 150 Stunden drauf, wenn es aufgefüllt ist. Dann hat der Disponent der Zeitarbeitsfirma erst mal fast einen Monat Luft, je nachdem wieviel Mindeststunden im Arbeisvertrag stehen.

SusanneBerlin
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Re: Ansprüche bei eigener Kündigung bei Zeitarbeitsfirma

Beitrag von SusanneBerlin » 25.01.14, 10:34

hmoerser hat geschrieben:Es wurde noch nicht mitgeteilt, ob ein Arbeitszeitkonto siehe existiert oder nicht. Wenn ja, sind da meist ca. 150 Stunden drauf, wenn es aufgefüllt ist. Dann hat der Disponent der Zeitarbeitsfirma erst mal fast einen Monat Luft, je nachdem wieviel Mindeststunden im Arbeisvertrag stehen.
Es ist aber nicht zulässig, dass das Zeitarbeitsunternehmen den Annahmeverzug durch Entnahme der Plusstunden auf den AN abwälzt. Z.B. im igz-Tarifvertrag ist festgelegt, dass das ZA-Unternehmen maximal 2 Tage monatlich als frei durch Abbau des Zeitguthabens festlegen darf.

siehe igz-Tarif:
igz-DGB-Manteltarifvertrag hat geschrieben: 3.2. Arbeitszeitkonto

3.2.3. Die auf dem Arbeitszeitkonto aufgelaufenen Stunden werden durch Freizeit ausgeglichen. Dabei können der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer in jedem Kalendermonat über jeweils zwei Arbeitstage Zeitguthaben frei verfügen. Eine Verfügung durch den Arbeitgeber darf nicht zu einem negativen Zeitguthaben des Arbeitnehmers führen.

3.2.4 Bei Ausscheiden wird ein positives Zeitguthaben ausgezahlt
Grüße, Susanne
Grüße, Susanne

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Re: Ansprüche bei eigener Kündigung bei Zeitarbeitsfirma

Beitrag von hmoerser » 25.01.14, 10:59

Ich habe mich auf den BZA-TV bezogen:

BZA: § 4.5 Der Ausgleich der Zeitkonten erfolgt in der Regel durch Freizeitentnahme
nach folgenden Maßgaben:
a) Nach Vereinbarung mit dem Mitarbeiter ist jederzeit ein
Ausgleich der Plusstunden
durch Freizeit möglich.


Auch der IGZ Tarifvertrag schliesst eine indiduelle Absprache zwischen AG und AN nicht aus.
Entscheidend ist immer, dass man miteinander redet. Aber es gibt natürlich Disponenten, die hier willkürlich handeln.
Es kann für einen AN auch ganz schön sein, z.B. mal 3 Wochen nichts zu tun, ohne seinen Urlaub angreifen zu müssen.

Auszug: TV IGZ:
Darüber hinaus erfolgt der Freizeitausgleich nach denWünschen des Arbeitnehmers
in Absprache mit dem Arbeitgeber und unter Berücksichtigung betrieblicher Belange.
Der Freizeitausgleich ist durch den Arbeitnehmer zu beantragen und bedarf der
Genehmigung durch den Arbeitgeber.

SusanneBerlin
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Re: Ansprüche bei eigener Kündigung bei Zeitarbeitsfirma

Beitrag von SusanneBerlin » 25.01.14, 11:14

darnell hat geschrieben:
filter hat geschrieben:2. Was passiert jetzt - nimmst Du Freizeitausgleich oder gehen die Nichteinsatztage bereits zu Lasten des AG?
Im Moment geht es zu Lasten des AG.
filter hat geschrieben:3. Na klar kann man verhandeln oder es zu mindest probieren. Dazu muss man aber vermutlich etwas pokern können.
Jo, klar. Nur was könnte ich als Argumente bringen bzw. was sage ich am Besten?
Das einzige Argument, das die ZAF interessiert, ist Geld einzusparen.

Wenn Sie eine sofortige Vertragsauflösung mit Abfindung 1-2 Monatsgehälter verhandeln könnten, wäre das viel, da ZAF sehr ungern eine Abfindung bezahlen.
Nur was bringt Ihnen das? Damit haben Sie dann genausoviel, als wenn Sie selbst kündigen und bis zur Kündigung Ihr normales Gehalt weiterläuft.

Zudem sieht es im Lebenslauf sauberer aus, wenn es keine Lücken gibt.

Grüße, Susanne
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darnell
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Re: Ansprüche bei eigener Kündigung bei Zeitarbeitsfirma

Beitrag von darnell » 25.01.14, 11:57

hmoerser hat geschrieben: Es kann für einen AN auch ganz schön sein, z.B. mal 3 Wochen nichts zu tun, ohne seinen Urlaub angreifen zu müssen.
Und genau so verhält es sich aktuell für mich. Meine Plusstunden werden durch meinen Nicht-Einsatz derzeit nicht abgebaut.
SusanneBerlin hat geschrieben:Nur was bringt Ihnen das? Damit haben Sie dann genausoviel, als wenn Sie selbst kündigen und bis zur Kündigung Ihr normales Gehalt weiterläuft.
Ja, das ist korrekt. Daher war meine Idee auch, eine sofortige Auflösungsvereinbarung mit Abfindung zu erstreben. So könnte ich die Kündigungsfristen umgehen und dennoch 1-2 Monatsgehälter mitnehmen :)

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