Nachhilfe-Rechte und Pflichten

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GesetzWilhelm
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Nachhilfe-Rechte und Pflichten

Beitrag von GesetzWilhelm »

Hallo miteinander,
mein Sohn geht in die 9. Klasse eines Gymnasiums und gibt über die Schule einem jüngeren Schüler (7. Klasse ) Nachhilfe.
Er bekommt dabei 8 Euro pro Stunde bar ausgezahlt. Was muss er dabei beachten? Muss er diesen Lohn versteuern oder so etwas?
Danke für die Antworten!
GesetzWilhelm
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Para-Graf
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Re: Nachhilfe-Rechte und Pflichten

Beitrag von Para-Graf »

Mhh - Gewerbeschein wird nicht benötigt (Freiberufliche Tätigkeit), der Gewinn (Einnahmen abzgl. der Kosten) muss natürlich versteuert werden (§18 EStG), Umsatzsteuer dürfte als Kleinunternehmer nicht anfallen (Befreiung beantragen). Oder?

Am besten mal ins Steuerrecht verschieben.

FM
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Re: Nachhilfe-Rechte und Pflichten

Beitrag von FM »

.... und außerdem sind 8 Euro je Stunde viel zu wenig, schon eine Putzfrau verdient mehr.

Falls die Tätigkeit mehr als geringfügig ist, muss er übrigens Beiträge an die gesetzliche Rentenversicherung bezahlen, und je nach Höhe des Einkommens kann auch die Familienversicherung in der Krankenversicherung wegfallen.

kdM
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Re: Nachhilfe-Rechte und Pflichten

Beitrag von kdM »

GesetzWilhelm hat geschrieben:Hallo miteinander,
mein Sohn geht in die 9. Klasse eines Gymnasiums und gibt über die Schule einem jüngeren Schüler (7. Klasse ) Nachhilfe.
Er bekommt dabei 8 Euro pro Stunde bar ausgezahlt. Was muss er dabei beachten? Muss er diesen Lohn versteuern oder so etwas?
Danke für die Antworten!
:ironie: Du wirst Dir wahrscheinlich gleich wünschen, diese Frage nicht gestellt zu haben. Fangen wir mal an, hier mal eine Meinung von einer Website eines Herrn Kuhn:
klicktipps.de hat geschrieben: [...]Prinzipiell muss eine solche Tätigkeit angemeldet werden, der Gewinn (Einnahmen - Ausgaben) muss ermittelt werden und muss in die Anlage G bzw. Anlage S der Steuererklärung. Tatsächlich melden aber vor allem Schüler oder auch Erwachsene mit einzelnen oder wenigen Nachhilfeschülern ihre Tätigkeit nicht an.
Die nicht-Anmeldung ist prinzipiell nicht in Ordnung und kann im Einzelfall zu Problemen führen. Beispiele (die Aufzählung ist nicht vollständig):
:arrow: Falls Einkünfte nicht ordnungsgemäß versteuert werden, droht Ärger mit dem Finanzamt (siehe Abschnitt Einkommensteuer). Steuern beginnen ab einem zu versteuerndem Einkommen von 8.004 € pro Jahr.
:arrow: Wenn das Einkommen dem BAföG-Amt nicht mitgeteilt wird, droht Ärger. Im Extremfall sind Anzeige, Gerichtsverfahren und Vorstrafe für den BAföG-Empfänger möglich.
:arrow: Falls familienversicherte Personen einen Gewinn von über 395 €/Monat (Stand ab 2014; in 2013: 385 €) im Jahresdurchschnitt überschreiten, müssen sie selbst Krankenkasse zahlen. Wenn außer der selbstständigen Tätigkeit noch ein Minijob ausgeübt wird, liegt die Grenze für Beides zusammen bei 400 €/Monat. Für Schüler/Studenten in ihren Ferien [ist hier ja anscheinend nicht der Fall, kdM] existiert keine Grenze bei der Familienversicherung.
:arrow: Falls der Nachhilfelehrer [oder ein mit ihm in einer Bedarfsgemeinschaft lebender Elternteil, kdM] Hartz4-Empfänger ist, und er nun zusätzliche, dem Amt nicht angegebene Einkünfte hat, wird das Geld vom Amt zurückgefordert, und es kann ggf. eine Anzeige geben. [...]
(nach http://www.klicktipps.de/geldverdienen-nachhilfe.php )
Hattest Du Dich neulich nicht in einem anderen Unterforum hier nach der Privatinsolvenz erkundigt? Da sind Nebeneinkünfte eines minderjährigen Familienangehörigen vielleicht auch irgendwie von Bedeutung. Müsste man nochmal gesondert nachsehen.

Nun zum Beitrag des Para-Grafen:
Para-Graf hat geschrieben:Mhh - Gewerbeschein wird nicht benötigt (Freiberufliche Tätigkeit)
Die einen sagen so, die anderen sagen so... - Steuerlich wird jede Art von unterrichtender Tätigkeit zu den freien Berufen gerechnet, insbesondere auch die Unterrichtung in Sport und Gymnastik. Das Steuerrecht setzt bei der unterrichtenden Tätigkeit keine wissenschaftlich ausgerichtete, qualifizierte, gehobene Tätigkeit voraus. Gewerberechtlich wird dagegen Unterricht als Gewerbe erfasst, soweit keine landesrechtlichen Bestimmungen getroffen worden sind. Eine Gewerbeanmeldung kann also erforderlich sein.

Zum Nachlesen: http://www.ihk-berlin.de/linkableblob/b ... f-data.pdf

Was uns dann zum nächsten Problem :mrgreen: bringt:
GesetzWilhelm hat geschrieben: mein Sohn geht in die 9. Klasse eines Gymnasiums
- ist also hoffentlich minderjährig. :wink:
Dazu meint dann die bereits weiter oben zitierte Site meines Erachtens zutreffend:
klicktipps.de hat geschrieben: [...]Bei Minderjährigen (unter 18) gilt vor Anmeldung des Gewerbes gemäß § 112 BGB:
Der gesetzliche Vertreter ermächtigt mit Genehmigung des Vormundschaftsgerichts den Minderjährigen zum selbstständigen Betrieb eines Erwerbsgeschäfts. Diese Ermächtigung kann vom Vertreter nur mit Genehmigung des Vormundschaftsgerichts zurückgenommen werden.

Ablauf einer Gewerbeanmeldung für Minderjährige:
:arrow: Der Minderjährige entwirft einen Plan davon, was er tun will und nennt darin auch realistische Werte für Zeitaufwand, Kosten und Einnahmen.
:arrow: Die Eltern geben ihr Einverständnis; z. B. mit Datum und Unterschrift auf dem o. g. Plan.
:arrow: An das Vormundschaftsgericht wird ein formloser Antrag gestellt, in dem die Eltern darum bitten, dass ihr Kind ein Gewerbe eröffnen kann. Dieser Antrag muss von beiden Elternteilen unterschrieben werden.
:arrow: Der Vorgang kann beim Vormundschaftsgericht ein paar Wochen dauern. Sollte es noch Fragen haben, schickt es den Eltern entsprechende Anfragen.
:arrow: Danach wird der Minderjährige eventuell vorgeladen. Er muss sein Vorhaben schildern. Das Vormundschaftsgericht will überprüfen, ob sich der Minderjährige seiner Pflichten bewusst ist, ob er sich in Sachen Recht und seinem Vorhaben auskennt.
:arrow: Wenn das Vormundschaftsgericht zustimmt, kommt ein entsprechender Bescheid, und die Gewerbeanmeldung kann stattfinden. (Bescheid und Eltern zum Unterschreiben mitnehmen!) [...]
http://www.klicktipps.de/gewerbe3.php#minderjaehrige
FM hat geschrieben:.... und außerdem sind 8 Euro je Stunde viel zu wenig, schon eine Putzfrau verdient mehr.
Genau. Seit dem 1. August 2012 gilt immerhin ein allgemeinverbindlicher Mindestlohn für Aus- und Weiterbildungsdienstleistungen. Daran könnte man sich orientieren. :D
Der beträgt derzeit 13,00 Euro; im Osten etwas weniger.
"Die meisten fortschrittsoptimistischen Leute sind so lange für neue digitale Geschäftsmodelle, bis ihr eigener Job durch eine 99-Cent-App ersetzbar wird." (Sascha Lobo)

GesetzWilhelm
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Re: Nachhilfe-Rechte und Pflichten

Beitrag von GesetzWilhelm »

FM hat geschrieben:Falls Einkünfte nicht ordnungsgemäß versteuert werden, droht Ärger mit dem Finanzamt (siehe Abschnitt Einkommensteuer). Steuern beginnen ab einem zu versteuerndem Einkommen von 8.004 € pro Jahr.
:arrow: Wenn das Einkommen dem BAföG-Amt nicht mitgeteilt wird, droht Ärger. Im Extremfall sind Anzeige, Gerichtsverfahren und Vorstrafe für den BAföG-Empfänger möglich.
:arrow: Falls familienversicherte Personen einen Gewinn von über 395 €/Monat (Stand ab 2014; in 2013: 385 €) im Jahresdurchschnitt überschreiten, müssen sie selbst Krankenkasse zahlen. Wenn außer der selbstständigen Tätigkeit noch ein Minijob ausgeübt wird, liegt die Grenze für Beides zusammen bei 400 €/Monat. Für Schüler/Studenten in ihren Ferien [ist hier ja anscheinend nicht der Fall, kdM] existiert keine Grenze bei der Familienversicherung.
kdM hat geschrieben::arrow: Falls Einkünfte nicht ordnungsgemäß versteuert werden, droht Ärger mit dem Finanzamt (siehe Abschnitt Einkommensteuer). Steuern beginnen ab einem zu versteuerndem Einkommen von 8.004 € pro Jahr.
:arrow: Wenn das Einkommen dem BAföG-Amt nicht mitgeteilt wird, droht Ärger. Im Extremfall sind Anzeige, Gerichtsverfahren und Vorstrafe für den BAföG-Empfänger möglich.
:arrow: Falls familienversicherte Personen einen Gewinn von über 395 €/Monat (Stand ab 2014; in 2013: 385 €) im Jahresdurchschnitt überschreiten, müssen sie selbst Krankenkasse zahlen. Wenn außer der selbstständigen Tätigkeit noch ein Minijob ausgeübt wird, liegt die Grenze für Beides zusammen bei 400 €/Monat. Für Schüler/Studenten in ihren Ferien [ist hier ja anscheinend nicht der Fall, kdM] existiert keine Grenze bei der Familienversicherung.
Mit 8 Euro pro Stunde und Woche verdient er weder über 395 Euro noch 8004 Euro im Jahr. Zudem findet der Unerricht in den Ferien nicht statt. Er verdient so ungefähr 240 Euro im Jahr.

Die Privatinsolvenz hat mit diesem Thema nichts zu tun.

GesetzWilhelm :lol:
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GesetzWilhelm
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Re: Nachhilfe-Rechte und Pflichten

Beitrag von GesetzWilhelm »

Hallo,
ich habe mich weiter informiert. Im Prinzip wurde er den Grundfreibetrag (Siehe wiki) nicht überschreiten.
Stimmt das und müssen wir sonst etwas beachten?
GesetzWilhelm
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kdM
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Re: Nachhilfe-Rechte und Pflichten

Beitrag von kdM »

GesetzWilhelm hat geschrieben:Hallo,
ich habe mich weiter informiert. Im Prinzip wurde er den Grundfreibetrag (Siehe wiki) nicht überschreiten.
Stimmt das und müssen wir sonst etwas beachten?
GesetzWilhelm

Siehe oben.
"Die meisten fortschrittsoptimistischen Leute sind so lange für neue digitale Geschäftsmodelle, bis ihr eigener Job durch eine 99-Cent-App ersetzbar wird." (Sascha Lobo)

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