keine schriftliche Kündigung - Arbeitsverweigerung?

Moderator: FDR-Team

Gedöns
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keine schriftliche Kündigung - Arbeitsverweigerung?

Beitrag von Gedöns »

Hallo!

Also ich kann es ja selber kaum glauben. Aber stimmt es wirklich, dass mir Arbeitsverweigerung vorgeworfen werden kann, wenn mein ehemaliger Arbeitgeber mir nur per Email gekündigt hat und ich folglich natürlich nicht mehr zur Arbeit gehe? Ich habe mich auch schon längst arbeitslos gemeldet und beziehe ALGII...

Ein schriftlicher Arbeitsvertrag besteht nicht. Er ist gar nicht erst zustande gekommen, da mir während der Probezeit (3 Wochen nach Arbeitsbeginn) mitgeteilt wurde, dass ich nicht übernommen würde. Mir wurde gesagt, dass ich nur noch bis Ende des Monats dort arbeiten dürfe, was ich tat.

Habe ich was falsch gemacht und kann der AG mir irgendwas?

Danke schon mal!:)

Hans Speicher
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Re: keine schriftliche Kündigung - Arbeitsverweigerung?

Beitrag von Hans Speicher »

Die Kündigung eines Arbeitsverhältnisses bedarf zu Ihrer Wirksamkeit der Schriftform (§ 623 BGB). Eine email reicht da nicht. Der Arbeitsvertrag muss nicht schriftlich geschlossen werden, hier reicht die mdl. übereinstimmende Willenserklärung. Das Nichterscheinen bezeichnet man dann als "Arbeitsverweigerung".

Hans

bdirk75
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Re: keine schriftliche Kündigung - Arbeitsverweigerung?

Beitrag von bdirk75 »

Hans Speicher hat geschrieben:Das Nichterscheinen bezeichnet man dann als "Arbeitsverweigerung".
Ist hier aber nicht der Fall!
Mir wurde gesagt, dass ich nur noch bis Ende des Monats dort arbeiten dürfe, was ich tat.
Der Arbeitsvertrag wurde nicht wirksam gekündigt. Darauf könnte sowohl der AG als auch der AN klagen. Da sich aber beide Parteien einig sind, wird nichts passieren. Wo kein Kläger, da kein Richter.

Gedöns
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Re: keine schriftliche Kündigung - Arbeitsverweigerung?

Beitrag von Gedöns »

Ja, das war so ein bisschen meine Sorge, dass der AG was gegen mich in der Hand haben könnte. Wir haben nicht das beste Verhältnis. :?

Aber ich habe nun auch gelesen, dass ich innerhalb von 3 Wochen nach Erhalt der Email die Rechtswirksamkeit vom Arbeitsgericht hätte prüfen lassen müssen. Da ich das nicht getan hab, soll sie dann wohl doch gelten... weil ich sie praktisch als Kündigung akzeptiert habe und darum nicht mehr hingegangen bin. Was ja auch so war.

Danke für eure Antworten übrigens :)

Pünktchen
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Re: keine schriftliche Kündigung - Arbeitsverweigerung?

Beitrag von Pünktchen »

Gedöns hat geschrieben:
Aber ich habe nun auch gelesen, dass ich innerhalb von 3 Wochen nach Erhalt der Email die Rechtswirksamkeit vom Arbeitsgericht hätte prüfen lassen müssen. Da ich das nicht getan hab, soll sie dann wohl doch gelten...
Nein, die 3 Wochen laufen ab Kündigung in Schriftform, dazu zählen keine Emails.
Gedöns hat geschrieben:
weil ich sie praktisch als Kündigung akzeptiert habe und darum nicht mehr hingegangen bin. Was ja auch so war.
Da gibt es nichts zu akzeptieren. Auch ein Aufhebungsvertrag bedarf der Schriftform.

Das ALG II ist auch nicht unbedingt dazu gedacht, um sich besser vor der Arbeit drücken zu können.

matthias.
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Re: keine schriftliche Kündigung - Arbeitsverweigerung?

Beitrag von matthias. »

Was willst du denn erreichen?

Redfox

Re: keine schriftliche Kündigung - Arbeitsverweigerung?

Beitrag von Redfox »

Er will wohl gar nichts erreichen.

Der AG könnte auf die Idee kommen, vom AN wegen Arbeitsverweigerung Schadenersatz zu verlangen. Wobei allerdings dem AG dann sein Verhalten ("Kündigung" per E-Mail) ggf. entgegengehalten werden kann, wenn überhaupt ein Schaden entstanden sein sollte.

Ggf. hat der AN der Arbeitsagentur gegenüber falsche Angaben gemacht, falls das Arbeitsverhältnis noch besteht.

Aber der TE hat ja ausdrücklich nach Forderungen des AG gefragt.

matthias.
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Re: keine schriftliche Kündigung - Arbeitsverweigerung?

Beitrag von matthias. »

Redfox hat geschrieben:Er will wohl gar nichts erreichen.

Der AG könnte auf die Idee kommen, vom AN wegen Arbeitsverweigerung Schadenersatz zu verlangen.

Dafür müsste der AG die Arbeitskraft erstmal nachweisbar anfordern. Das Verlangen halte ich für ausgeschlossen.

Gedöns
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Re: keine schriftliche Kündigung - Arbeitsverweigerung?

Beitrag von Gedöns »

Nein, ich will überhaupt nichts erreichen, ich habe einfach nur Angst, dass der mir Arbeitsverweigerung unterstellen kann, weil keine schriftliche Kündigung vorliegt. Es gibt da nämlich gerade eine Auseinandersetzung mit 'ner anderen Sache mit dem AG (die haben falsch abgerechnet und ich soll jetzt nen Betrag überweisen, vorher wollen sie mir die korrigierte Abrechnung nicht schicken oO) und jetzt wollte ich nur ausschließen, dass sie irgendwas gegen mich in der Hand haben, falls ich einen Anwalt einschalte und das alles noch größer wird.

Beim Arbeitsamt habe ich alles ganz genau so wahrheitsgemäß angegeben und die Email als "Kündigung" dort abgegeben und sie sagten, das wäre ok. Aber das wird ja sicher nochmal jemand nachprüfen, der vielleicht mehr Ahnung hat und der könnte ja dann drauf kommen, dass ich "offiziell" da noch beschäftigt bin - was mir bis gestern überhaupt nicht bewusst war!! Darum habe ich ja hier nachgefragt.

matthias. hat geschrieben:
Redfox hat geschrieben:Er will wohl gar nichts erreichen.

Der AG könnte auf die Idee kommen, vom AN wegen Arbeitsverweigerung Schadenersatz zu verlangen.

Dafür müsste der AG die Arbeitskraft erstmal nachweisbar anfordern. Das Verlangen halte ich für ausgeschlossen.
Nein, der AG hat die Arbeitskraft definitiv nicht angefordert. Sicher, dass das die Voraussetzung ist, um mir Arbeitsverweigerung vorwerfen zu können? Dann wäre ich jetzt sehr beruhigt.

bdirk75
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Re: keine schriftliche Kündigung - Arbeitsverweigerung?

Beitrag von bdirk75 »

Gedöns hat geschrieben:Nein, der AG hat die Arbeitskraft definitiv nicht angefordert. Sicher, dass das die Voraussetzung ist, um mir Arbeitsverweigerung vorwerfen zu können? Dann wäre ich jetzt sehr beruhigt.
Wie sonst sollte man etwas verweigern können, was überhaupt nicht verlangt wird? :roll:

Redfox

Re: keine schriftliche Kündigung - Arbeitsverweigerung?

Beitrag von Redfox »

bdirk75 hat geschrieben:Wie sonst sollte man etwas verweigern können, was überhaupt nicht verlangt wird? :roll:
Nach dem Sachverhalt besteht ein Arbeitsvertrag.

Gem. § 611 Abs. 1 BGB wird durch den Dienstvertrag derjenige, welcher Dienste zusagt, zur Leistung der versprochenen Dienste, der andere Teil zur Gewährung der vereinbarten Vergütung verpflichtet.

Diese Dienste hat der AN nach dem Sachverhalt offenbar nicht geleistet.

Ob dies bei dem geschilderten Sachverhalt für den AN nachteilige Folgen hat, muss der TE schon selber beantworten. Rechtsberatung kann hier nicht erteilt werden.

Ggf. helfen dem TE z.B. die Ausführungen hier --> http://www.bwr-media.de/personal-arbeit ... icher-vor/ weiter, damit er feststellen kann, ob dem AN im geschilderten Fall Nachteile entstehen können.

bdirk75
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Re: keine schriftliche Kündigung - Arbeitsverweigerung?

Beitrag von bdirk75 »

Redfox hat geschrieben:Nach dem Sachverhalt besteht ein Arbeitsvertrag.
Unstrttig.
Redfox hat geschrieben:Gem. § 611 Abs. 1 BGB wird durch den Dienstvertrag derjenige, welcher Dienste zusagt, zur Leistung der versprochenen Dienste, der andere Teil zur Gewährung der vereinbarten Vergütung verpflichtet.
So stehts geschrieben, ja.
Redfox hat geschrieben:Diese Dienste hat der AN nach dem Sachverhalt offenbar nicht geleistet.
Nein, da
Gedöns hat geschrieben:da mir während der Probezeit (3 Wochen nach Arbeitsbeginn) mitgeteilt wurde, dass ich nicht übernommen würde. Mir wurde gesagt, dass ich nur noch bis Ende des Monats dort arbeiten dürfe,
Mit welchen Mitteln muss sich ein AN zutritt zu einem Arbeitsplatz verschaffen, den er gemäß der Aussage des AG nicht aufsuchen darf? :roll:

Redfox

Re: keine schriftliche Kündigung - Arbeitsverweigerung?

Beitrag von Redfox »

bdirk75 hat geschrieben:Mit welchen Mitteln muss sich ein AN zutritt zu einem Arbeitsplatz verschaffen, den er gemäß der Aussage des AG nicht aufsuchen darf? :roll:
Mir sind keine bekannt.

Dazu habe ich bereits weiter oben geschrieben:
Der AG könnte auf die Idee kommen, vom AN wegen Arbeitsverweigerung Schadenersatz zu verlangen. Wobei allerdings dem AG dann sein Verhalten ("Kündigung" per E-Mail) ggf. entgegengehalten werden kann, wenn überhaupt ein Schaden entstanden sein sollte.

TE hat geschrieben:Es gibt da nämlich gerade eine Auseinandersetzung mit 'ner anderen Sache mit dem AG (die haben falsch abgerechnet und ich soll jetzt nen Betrag überweisen, vorher wollen sie mir die korrigierte Abrechnung nicht schicken oO) und jetzt wollte ich nur ausschließen, dass sie irgendwas gegen mich in der Hand haben, falls ich einen Anwalt einschalte und das alles noch größer wird.
Niemand wird dem TE hier aber eine Garantie geben können, dass der AG nicht irgendwelche Forderungen gegen ihn geltend macht.

Ob die berechtigt sind, wird dann ggf. ein Gericht feststellen.

bdirk75
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Re: keine schriftliche Kündigung - Arbeitsverweigerung?

Beitrag von bdirk75 »

Redfox hat geschrieben:Niemand wird dem TE hier aber eine Garantie geben können, dass der AG nicht irgendwelche Forderungen gegen ihn geltend macht.
Insbesondere, wenn der AG hier mitliest und nunmehr auf diese Idee gekommen ist! :wink:

Loanstar
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Re: keine schriftliche Kündigung - Arbeitsverweigerung?

Beitrag von Loanstar »

bdirk75 hat geschrieben: Mit welchen Mitteln muss sich ein AN zutritt zu einem Arbeitsplatz verschaffen, den er gemäß der Aussage des AG nicht aufsuchen darf? :roll:
Der AN soll sich den Zutritt gar nicht verschaffen. Auf Nummer sicher gehen würde ein AN jedoch, der seine Arbeitskraft wenigstens einmal nachweisbar anbieten würde. Wenn der AG dann antwortet, der AN habe im Betrieb nichts zu suchen da ihm gekündigt worden sei, dann wäre dieses Thema erledigt.

Es soll schon Arbeitgeber gegeben haben, die eine unwirksame Kündigung aussprechen und später unter Verweis auf ein vermeintlich unentschuldigtes Fernbleiben von der Arbeit eine evtl. wirksame Kündigung folgen lassen.

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