Arbeitgeber hat Putzfrau schwarz beschäftigt

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Eva100
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Arbeitgeber hat Putzfrau schwarz beschäftigt

Beitrag von Eva100 »

Guten Tag,

A hat eine kleine private Zimmervermietung. Hierfür beschäftigt er eine Putzfrau. In Schwarzarbeit. Das wissen ein paar Bekannte von A. Hat A etwas zu befürchten, wenn ihn nun jemand "anschwärzt" beim Ordnungsamt o. ä.? Müssen nicht Beweise erbracht werden? Aber schriftliche Beweise in i-einer Form gibt es nicht, und A und seine Putzfrau werden diese natürlich abstreiten.

Vielen Dank für Infos
Ronny1958
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Re: Arbeitgeber hat Putzfrau schwarz beschäftigt

Beitrag von Ronny1958 »

Zeugenaussagen sind bereits ein guter Beweis.
Das Bonner Grundgesetz ist unverändert in Kraft. Eine deutsche Reichsverfassung, eine kommissarische Reichs-Regierung oder ein kommissarisches Reichsgericht existieren ebenso wenig, wie die Erde eine Scheibe ist. (AG Duisburg 26.01.2006)
Chavah
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Re: Arbeitgeber hat Putzfrau schwarz beschäftigt

Beitrag von Chavah »

Die Hauptzollämter sind da inzwischen sehr fit. In Strafverfolgung, Nachforderungen in Sozialabgaben, und was noch so dazu gehört, bis zum Entzug der Gewerbeerlaubnis.

Chavah
matthias.
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Re: Arbeitgeber hat Putzfrau schwarz beschäftigt

Beitrag von matthias. »

Wenn die Kontrolle kommt, während die Putzhilfe arbeitet, was will man da noch abstreiten?

Mit: " Die ist Heute den ersten Tag da und arbeitet nur zur Probe," wird man kaum durchkommen. So blöd sind die Zollämter nicht mehr.
FM
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Re: Arbeitgeber hat Putzfrau schwarz beschäftigt

Beitrag von FM »

Den richtigen Zeitpunkt zu erwischen dürfte schwierig sein, wenn es ("kleine private Zimmervermietung") nur um wenige Stunden in der Woche geht. Aber es gibt ja Zeugen.

Fraglich ist, ob sich das überhaupt lohnt. Der Vermieter spart sich zwar erstmal die 28 % Abgaben an die Minijobzentrale (falls es ein Minijob ist), aber er kann die Personalkosten auch nicht gewinnmindernd absetzen.
matthias.
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Re: Arbeitgeber hat Putzfrau schwarz beschäftigt

Beitrag von matthias. »

Klar lohnt es sich nicht für den AG, viele Schwarzarbeiter gerade im Putzgewerbe haben aber mehr Jobs, als sie auf 450 € verteilen könnten. D.h. es geht von den Arbeitnehmern aus, dass sie schwarz arbeiten wollen, insbesondere wenn sie noch Lohnsteuerklasse 5 haben und familienversichert sind.
Chavah
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Re: Arbeitgeber hat Putzfrau schwarz beschäftigt

Beitrag von Chavah »

Die Lohnsteuerklasse ist doch völlig einerlei, weil sich das über den Jahresausgleich zurechtruckelt. Fakt ist, dass die Arbeitgeber, die sich auf sowas einlassen, in der Regel nicht rechnen können. Denn spätestens, wenn es zum Unfall kommt, vergisst die Putze ihre Solidarität. Und - inzwischen seit vielen Jahren gerichtlich bestätigt - können das Zollamt bzw. die Träger des Sozialsystems für die Vergangenheit großzügig schätzen. Für die letzten 4 Monate ist dann der Arbeitnehmer mit dran bei den Zahlungen, für alles davor kommt der Arbeitgeber dann allein auf.

Chavah
kdM
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Re: Arbeitgeber hat Putzfrau schwarz beschäftigt

Beitrag von kdM »

FM hat geschrieben:
Fraglich ist, ob sich das überhaupt lohnt. Der Vermieter spart sich zwar erstmal die 28 % Abgaben an die Minijobzentrale (falls es ein Minijob ist), aber er kann die Personalkosten auch nicht gewinnmindernd absetzen.
Für den Arbeitgeber lohnt es sich in dieser Hinsicht nicht, aber in einer anderen: Eine kleine private Zimmervermietung, die "regulär" jemanden einstellt, kann oder will sich keine Vertretung für zu erwartende sehr kurzfristige Ausfälle leisten. In diesem Bereich ist es in einigen Gegenden Deutschlands jedoch nicht möglich, gute und zuverlässige Servicekräfte "angemeldet" zu bekommen.

Die guten und zuverlässigen scheuen die Anrechnung des Verdienstes auf Unterhalt, auf Leistungen nach dem SGB II oder dem Asylbewerberleistungsgesetz. Da ruckelt sich gar nichts über den Jahresausgleich zurecht. Und denen ist das alberne Drohszenario, was Chavah hier ausbreitet, scheißegal. Diese zuverlässigen Kräfte wollen nämlich, dass ihnen nicht rückwirkend für mehr als 4 Monate der Arbeitslohn auf Leistungen angerechnet wird, die halten solidarisch das Maul und melden keinen Arbeits-, sondern einen Haushaltsunfall.

Dem Gast, der sein Bett gemacht haben und sein Zimmer aufgeräumt vorfinden will, ist es anscheinend auch egal. Ich kenne noch keine Zimmervermietung und kein Hotel, die damit werben, dass sie auch dem Zimmerservice sozialversicherungspflichtigen Tariflohn zahlen, und zwar auf Stundenbasis. Die werben in einem harten Wettbewerb der Anbieter, der noch durch die Portale befeuert wird, lieber mit dem Preis.

Das ist so wie beim Lebensmitteleinkauf: Für 3,99 das Kilo kriege ich beim Discounter kein Biofleisch, und für 29,00 € pro Nacht kriege ich kein ordentliches Zimmer mit Frühstück, ohne dass irgendwo ein wenig Schwarzarbeit in die Kalkulation einfliesst.
"Die meisten fortschrittsoptimistischen Leute sind so lange für neue digitale Geschäftsmodelle, bis ihr eigener Job durch eine 99-Cent-App ersetzbar wird." (Sascha Lobo)
matthias.
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Re: Arbeitgeber hat Putzfrau schwarz beschäftigt

Beitrag von matthias. »

Chavah hat geschrieben:Die Lohnsteuerklasse ist doch völlig einerlei, weil sich das über den Jahresausgleich zurechtruckelt.
Ne, den Zusatzverdienst versteuerst du im Familieneinkommen trotzdem mit dem Grenzsteuersatz von meist gut 30%.
Ronny1958
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Re: Arbeitgeber hat Putzfrau schwarz beschäftigt

Beitrag von Ronny1958 »

Dem Gast, der sein Bett gemacht haben und sein Zimmer aufgeräumt vorfinden will, ist es anscheinend auch egal.
@kdM:

Du hast wie immer Recht. Schade, dass man das nicht mehr mit grünen Punkten ausdrücken kann:

Geiz ist nicht immer geil.

Oder um es mit einem schwergewichtigen Vielwerber auszudrücken:

Finde den billichtsen Fluch...
Das Bonner Grundgesetz ist unverändert in Kraft. Eine deutsche Reichsverfassung, eine kommissarische Reichs-Regierung oder ein kommissarisches Reichsgericht existieren ebenso wenig, wie die Erde eine Scheibe ist. (AG Duisburg 26.01.2006)
FM
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Re: Arbeitgeber hat Putzfrau schwarz beschäftigt

Beitrag von FM »

kdM hat geschrieben:Diese zuverlässigen Kräfte wollen nämlich, dass ihnen nicht rückwirkend für mehr als 4 Monate der Arbeitslohn auf Leistungen angerechnet wird, die halten solidarisch das Maul und melden keinen Arbeits-, sondern einen Haushaltsunfall.
Was allerdings schon schwierig ist, wenn sie im Hotel beim Fensterputzen von der Leiter fallen. Der Arbeitgeber oder ein Kollege müsste sie dann erstmal im PKW zur eigenen Wohnung fahren und dort die Szene entsprechend einrichten, bevor die Rettung gerufen wird.

Sollte sich bei einem Unfall doch ergeben, dass es ein Arbeitsunfall war, muss der Arbeitgeber nicht nur wie von Chavah erwähnt die SV-Beiträge nachzahlen. Das wäre zumindest bei einem Minijob ja nur das, was er sich vorher erspart hat. Seit 2004 besteht auch ein Regressanspruch der gesetzlichen Unfallversicherung für alle Kosten des Arbeitsunfalles bei Schwarzarbeit gegen den Arbeitgeber (§ 110 Abs. 1a SGB VII).
mariameme
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Re: Arbeitgeber hat Putzfrau schwarz beschäftigt

Beitrag von mariameme »

FM hat geschrieben: Was allerdings schon schwierig ist, wenn sie im Hotel beim Fensterputzen von der Leiter fallen. Der Arbeitgeber oder ein Kollege müsste sie dann erstmal im PKW zur eigenen Wohnung fahren und dort die Szene entsprechend einrichten, bevor die Rettung gerufen wird.
Wenn man soweit transportfähig ist kann man auch gleich ins Krankenhaus gefahren werden. Wäre höchst ungewöhnlich wenn dann einer zu jemandem nach Hause fährt um nachzusehen ob dort wirklich noch die Leiter steht.
Wenn man nicht transportfähig ist ist das eh Essig. DIESE Ausreden sind alle durchschaubar....
:engel:
Chavah
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Re: Arbeitgeber hat Putzfrau schwarz beschäftigt

Beitrag von Chavah »

Sorry, aber ich hab zu viele "das merkt doch keiner" Verfahren miterlebt. Das läuft nicht auf Dauer.

Chavah
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