Darf ein Arbeitgeber Handwerker zu Hause verbieten?

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fx-cafe
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Darf ein Arbeitgeber Handwerker zu Hause verbieten?

Beitrag von fx-cafe »

Mal rein hypothetisch: Bei einer Regelarbeitszeit von 8:30 Uhr bis 18:00 Uhr. Darf ein Arbeitgeber darauf bestehen, dass man (zur Not auch fremde) Nachbarn in seine Wohnung lässt?
Also, ein Reparatur-Kundendienst hat Arbeitszeiten von 8:00 - 16:30 Uhr. Diese kollidieren mit der Arbeitszeit des Kunden 8:30-18:00 Uhr. Nun will der Arbeitgeber den Angestellten zwingen (ohne wichtigen Grund) zur Arbeit zu kommen, so dass es für ihn unmöglich ist den Kundendienst zu empfangen. Die Möglichkeit einen Nachbarn zu fragen ist nicht gegeben, da entweder unbekannt oder selbst am arbeiten.

Wie sieht das denn rechtlich aus?
ktown
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Re: Darf ein Arbeitgeber Handwerker zu Hause verbieten?

Beitrag von ktown »

Dem Arbeitnehmer steht doch Urlaub zu.
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kdM
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Re: Darf ein Arbeitgeber Handwerker zu Hause verbieten?

Beitrag von kdM »

fx-cafe hat geschrieben:Mal rein hypothetisch: Bei einer Regelarbeitszeit von 8:30 Uhr bis 18:00 Uhr. Darf ein Arbeitgeber darauf bestehen, dass man (zur Not auch fremde) Nachbarn in seine Wohnung lässt?
Also, ein Reparatur-Kundendienst hat Arbeitszeiten von 8:00 - 16:30 Uhr. Diese kollidieren mit der Arbeitszeit des Kunden 8:30-18:00 Uhr. Nun will der Arbeitgeber den Angestellten zwingen (ohne wichtigen Grund) zur Arbeit zu kommen, so dass es für ihn unmöglich ist den Kundendienst zu empfangen. Die Möglichkeit einen Nachbarn zu fragen ist nicht gegeben, da entweder unbekannt oder selbst am arbeiten.

Wie sieht das denn rechtlich aus?
Es gibt kein Recht des Arbeitnehmers, für Handwerkertermine freizubekommen. Der Arbeitnehmer mag Überstunden abfeiern, Urlaub nehmen oder anbieten, die Stunden nachzuarbeiten. Wenn das betrieblich alles nicht geht, muss man sich entweder solche Handwerker suchen, die andere Servicezeiten haben, oder solche, denen man gleich den Schlüssel für die Wohnung in die Hand drücken kann.

Wenn man die Diskussion mit dem Arbeitgeber scheut, muss man sich mal nach Feierabend dem bisher unbekannten Nachbarn vorstellen. Könnte ja auch der Beginn einer wunderbaren Freundschaft werden...
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FM
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Re: Darf ein Arbeitgeber Handwerker zu Hause verbieten?

Beitrag von FM »

fx-cafe hat geschrieben:Darf ein Arbeitgeber darauf bestehen, dass man (zur Not auch fremde) Nachbarn in seine Wohnung lässt?.... Nun will der Arbeitgeber den Angestellten zwingen (ohne wichtigen Grund) zur Arbeit zu kommen, ...
Der "wichtige Grund" ist der, dass man sich im Arbeitsvertrag dazu verpflichtet hat. Dem Arbeitgeber dürfte es völlig egal sein, ob man in dieser Zeit irgendjemand in die Wohnung läßt oder nicht.

Es gibt allerdings folgende Regelung:
BGB hat geschrieben: § 275
(3) Der Schuldner kann die Leistung ferner verweigern, wenn er die Leistung persönlich zu erbringen hat und sie ihm unter Abwägung des seiner Leistung entgegenstehenden Hindernisses mit dem Leistungsinteresse des Gläubigers nicht zugemutet werden kann.
(ergänzt durch § 616, aber um die Frage ob vergütet oder nicht geht es hier nicht)
Das träfe z.B. zu, wenn der AN zu einem Gerichtstermin erscheinen muss, den man sich bekanntlich nicht selbst aussuchen kann. Bei einer Reparatur in der Wohnung kommt es auf den Fall an: wenn gerade das Wasserrohr undicht ist und eine Überschwemmung sich anbahnt, wird man wohl keinen Spielraum haben und sofort sich darum kümmern müssen, falls keine andere Person zur Verfügung steht. Bei der Reparatur einer Waschmaschine ist kein zwingender Termin gegeben, da werden nahezu immer (notfalls bei einer anderen Firma) auch Zeiten außerhalb der Arbeit möglich sein.
BäckerHD
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Re: Darf ein Arbeitgeber Handwerker zu Hause verbieten?

Beitrag von BäckerHD »

So ein Quatsch in der Fragestellung... Als ob ein Arbeitgeber daran Interesse hätte, Handwerkerleistungen im Haus seines Angestellten zu vereiteln oder Nachbarn den Zugang zu den Wohnräumen zu ermöglichen. :roll: Vielmehr ist hier dem Arbeitnehmer offenbar daran gelegen, private, den Arbeitsvertrag nicht betreffende Angelegenheiten aufs Arbeitsverhältnis abzuwälzen. Genauso gut könnte man im selben Stile behaupten, der Arbeitgeber zwinge den Angestellten dazu, sein Auto sonntags in Schwarzarbeit reparieren zu lassen, weil er ihm unter der Woche den Besuch einer Werkstatt nicht ermögliche, indem er flexible Arbeitszeitmodelle verweigere. Geht's noch?
achest
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Re: Darf ein Arbeitgeber Handwerker zu Hause verbieten?

Beitrag von achest »

FM hat geschrieben: Das träfe z.B. zu, wenn der AN zu einem Gerichtstermin erscheinen muss, den man sich bekanntlich nicht selbst aussuchen kann. Bei einer Reparatur in der Wohnung kommt es auf den Fall an: wenn gerade das Wasserrohr undicht ist und eine Überschwemmung sich anbahnt, wird man wohl keinen Spielraum haben und sofort sich darum kümmern müssen, falls keine andere Person zur Verfügung steht. Bei der Reparatur einer Waschmaschine ist kein zwingender Termin gegeben, da werden nahezu immer (notfalls bei einer anderen Firma) auch Zeiten außerhalb der Arbeit möglich sein.
Stimme dich zu. z.b. folgende Situation.

a. Heizungsablesung

b. Artbeinehmer lebt in eine typische Reihenhaus Siedlung und mietet eine Dach Wohnung. Der Eigentümer Hauses nebenan beschwert sich dass Regenrinne verstopft ist und muss gereinigt werden. Nach letzte Regen entstand nicht unerhebliche Schaden. Das Wasser fließt über : Wand/Fester/1 OG ist feucht.
Der Handwerker möchte durch eine Fenster auf Dach steigen/Regenrinne Reinigen.

Der Vermieter hat einfach die Handwerker bestellt, ohne sich mit Arbeitnehmer abzusprechen. Mindestens 2 Parteien sind beteiligt. Richtige Absprache ist schwierig.
Wenn morgen regnet, wird die Wohnung in 1 OG überschwemmt. Liegt Dringlichkeit schon vor?

Arbeitnehmer will für den Tag keinen Urlaub nehmen: Es ist angeblich nur 15 Minuten Akt. Wozu dann ganze Tag?
Erfahrungsgemäß ist die Wahrscheinlichkeit, das der Handwerker zu den Termin kommt 25%...
Danke.
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Re: Darf ein Arbeitgeber Handwerker zu Hause verbieten?

Beitrag von matthias. »

achest hat geschrieben: Wenn morgen regnet, wird die Wohnung in 1 OG überschwemmt. Liegt Dringlichkeit schon vor?
Sehe ich schon als Dringlichkeit.


wobei man immer auch andere Lösungen finden kann, z.b. man gibt dem Vermieter für den Tag den Schlüsse oder einem Nachbar der zu Hause ist.

Er muss dann dafür auch nicht unbedingt eine Tag Urlaub nehmen, er kann die Zeit die sich letztlich ergibt, vielleicht 1-2 Stunden auch nacharbeiten oder man könnte sie auch vom Gehalt abziehen (Falls §616 BGB ausgeschlosse ist oder auf best. Fälle beschränkt, bzw, es überhaupt ein Fall für bezahlte Freistellung wäre). (Die meisten AN haben eh ein Gleitzeit oder zumindest ein Überstundenkonto).
ktown
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Re: Darf ein Arbeitgeber Handwerker zu Hause verbieten?

Beitrag von ktown »

achest hat geschrieben:a. Heizungsablesung
Wo liegt hier die Dringlichkeit? Geht den Arbeitgeber nix an. Kann man Urlaub dafür nehmen oder einem Dritten den Schlüssel übergeben.
achest hat geschrieben:b. Artbeinehmer lebt in eine typische Reihenhaus Siedlung und mietet eine Dach Wohnung. Der Eigentümer Hauses nebenan beschwert sich dass Regenrinne verstopft ist und muss gereinigt werden. Nach letzte Regen entstand nicht unerhebliche Schaden. Das Wasser fließt über : Wand/Fester/1 OG ist feucht.Der Handwerker möchte durch eine Fenster auf Dach steigen/Regenrinne Reinigen.
Dem Handwerker würde ich höflich auf den Arbeitsschutz hinweisen und ihn bitten entweder, sollte dies von der Höhe möglich sein, eine Leiter zu benutzen oder sich einen Hubsteiger zu mieten. Eine Reinigung der Regenrinne von der Dachfläche aus ist nicht erlaubt. Daher ist eine Anwesenheit des Mieters nicht erforderlich und kann auch nicht erzwungen werden. Hinzu kommt noch, dass nicht er, sondern der Vermieter für die Reinigung und Instandhaltung der Rinne und der Wasserschäden zuständig ist.
achest hat geschrieben:Der Vermieter hat einfach die Handwerker bestellt, ohne sich mit Arbeitnehmer abzusprechen.
Ist dem Vermieter sein Problem.
achest hat geschrieben:Liegt Dringlichkeit schon vor?
Dringlichkeit für wen? sicherlich nicht für den Mieter. Oder befindet sich der Wasserschaden in seiner Wohnung? Selbst dann kann der Arbeitgeber erwarten, dass der Arbeitnehmer dafür Urlaub/Zeitausgleich nimmt.
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achest
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Re: Darf ein Arbeitgeber Handwerker zu Hause verbieten?

Beitrag von achest »

ktown hat geschrieben:
achest hat geschrieben:a. Heizungsablesung
Wo liegt hier die Dringlichkeit?
Danke für die eindeutige Antwort. Kann der Mieter den Vermieter dann einen Rechnung erstellen? Insbesondere weil mehrere Urlaubstage genommen werden müssen, weil der Handwerker nicht gekommen ggf nicht bestellt wurde? Wie hoch darf diese Ausgleich ausfallen? Welche beweise müssen vorgelegt werden? Schlüsselwort: Gleitzeit Konto.
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Re: Darf ein Arbeitgeber Handwerker zu Hause verbieten?

Beitrag von ktown »

achest hat geschrieben:Insbesondere weil mehrere Urlaubstage genommen werden müssen
für Heizungsablesung? Wieviel Heizkörper besitzen sie?
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Re: Darf ein Arbeitgeber Handwerker zu Hause verbieten?

Beitrag von matthias. »

Die Heizungsdinger gehen doch Heute meistens über Funk. Die großen Heizungsableser haben auch keinen Bock sich den Stress zu machen, das immer jemand da sein muss.

Ansonsten kann der Mieter schon verlangen, dass man einen Ablesetermin vereinbart (evtl. auch mit Urlaub wenn es nicht anders geht). Wenn dann an dem Termin keiner kommt, wird das zum Problem des Vermieter, dann würde ich auch nicht bereit sein, einen weiteren Termin mit Urlaub zu Hause zu sein. Dann soll die Firma bitte dann kommen, wenn ich sowieso daheim bin.
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Re: Darf ein Arbeitgeber Handwerker zu Hause verbieten?

Beitrag von achest »

ktown hat geschrieben:für Heizungsablesung? Wieviel Heizkörper besitzen sie?
Nein, für die Regenrinne Reinigung. Wenn regnet, lauft das Wasser ins Wohnung von Hausmeisters.
Zwischen den Mieter - Hausmeister- Eigentümer- Nachbarn Eigentümer - Handwerker gibt es stille Post.

Niemand will den Handwerker mit dem Mieter direkt verbinden. Für die 1. Termin ist niemand gekommen.
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Re: Darf ein Arbeitgeber Handwerker zu Hause verbieten?

Beitrag von ktown »

achest hat geschrieben:Nein, für die Regenrinne Reinigung.
Wo haben sie die Regenrinne hängen?
Wie schon erwähnt:
ktown hat geschrieben:Dem Handwerker würde ich höflich auf den Arbeitsschutz hinweisen und ihn bitten entweder, sollte dies von der Höhe möglich sein, eine Leiter zu benutzen oder sich einen Hubsteiger zu mieten. Eine Reinigung der Regenrinne von der Dachfläche aus ist nicht erlaubt. Daher ist eine Anwesenheit des Mieters nicht erforderlich und kann auch nicht erzwungen werden. Hinzu kommt noch, dass nicht er, sondern der Vermieter für die Reinigung und Instandhaltung der Rinne und der Wasserschäden zuständig ist.
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Re: Darf ein Arbeitgeber Handwerker zu Hause verbieten?

Beitrag von achest »

ktown hat geschrieben: Wo haben sie die Regenrinne hängen?
http://www.immozeiger.net/export/MmM3Nj ... GFlY2U.jpg
Etwa so. nur 1 Etage mehr. Weise Haus ganz recht. Regenrinne sollte von Fenster aus gereinigt werden, ohne auf Dach aufzusteigen. Der Rohr hinter der Roller sollte gereinigt werden

ktown hat geschrieben:
Dem Handwerker würde ich höflich auf den Arbeitsschutz hinweisen und ihn bitten entweder,
Bitten oder fordern? Was machen, wenn er hartnäckig ist und auf mich nicht hört?
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Re: Darf ein Arbeitgeber Handwerker zu Hause verbieten?

Beitrag von matthias. »

achest hat geschrieben: Für die 1. Termin ist niemand gekommen.
Damit hast du deine guten Willen gezeigt, Der Vermieter soll schauen wie er an die Rinne kommt, wg. mit mit der Leiter, dem Hubsteiger oder einem Hubschrauber, das ist sein Ding.

MfG
Matthias
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