Sozialauswahl (Vergleichbarkeit verschiedener Berufe)

Moderator: FDR-Team

Antworten
tomtom4645
Topicstarter
FDR-Mitglied
Beiträge: 60
Registriert: 09.12.05, 08:40
Wohnort: Frankfurt

Sozialauswahl (Vergleichbarkeit verschiedener Berufe)

Beitrag von tomtom4645 »

Hi zusammen,

eine Frage, über die wir uns heute im Kollegenkreis die "Köppe heiß diskutiert haben":

Ein Arbeitgeber will betriebsbedingte Kündigungen aussprechen und dazu eine "Sozialauswahl" vornehmen.

Dürfen hierbei z.B. folgende Mitarbeiter miteinander verglichen werden?

a) ein Schlosser mit einem Werkzeugmechaniker (lt. Arbeitsvertrag ist der Schlosser als Schlosser und der Werkzeugmechaniker als Werkzeugmechaniker angestellt, und beide sind derzeit auch ausschließlich mit Ihren berufstypischen Arbeiten betraut)

b) ein Chemielaborant mit einem Chemiefacharbeiter (Klammerzusatz sinngemäß wie oben)

Die Berufsbilder sind hierbei zwar bei beiden Beispielen verschieden, die tatsächliche Einsetzbarkeit ist aber im jeweils anderen Tätigkeitsbereich nach einer Einarbeitung möglich.

Vielen Dank für einige "erhellende" Antworten,
Thomas
kdM
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 4683
Registriert: 27.09.04, 22:40
Wohnort: Raum Flensburg-Regensburg
Kontaktdaten:

Re: Sozialauswahl (Vergleichbarkeit verschiedener Berufe)

Beitrag von kdM »

tomtom4645 hat geschrieben:Die Berufsbilder sind hierbei zwar bei beiden Beispielen verschieden, die tatsächliche Einsetzbarkeit ist aber im jeweils anderen Tätigkeitsbereich nach einer Einarbeitung möglich.
Die Austauschbarkeit der Arbeitnehmer ist stets im Einzelfall zu ermitteln.

Es ist zunächst einmal zu ermitteln, ob dem Arbeitnehmer, dessen Arbeitsplatz wegfällt, auch Arbeitsaufgaben bestimmter anderer Arbeitnehmer übertragen werden könnte. Infrage kommen nur Arbeitsplätze, die dem Arbeitnehmer auf der Basis des abgeschlossenen Arbeitsvertrages im Wege des Weisungsrechts zugewiesen werden könnten. Die Verträge müsst' man halt kennen.

Vergleichbar sind dann nicht nur Arbeitnehmer, die genau dieselbe Art Arbeit auf gleichartigen Arbeitsplätzen ausüben. Vergleichbarkeit liegt schon dann vor, wenn der zu kündigende Arbeitnehmer aufgrund seiner Fähigkeiten und Ausbildung eine andersartige, aber gleichwertige Tätigkeit auf einem andersartigen Arbeitsplatz ausführen kann. Wenn Du sagst, "die tatsächliche Einsetzbarkeit ist aber im jeweils anderen Tätigkeitsbereich nach einer Einarbeitung möglich", könnte das dafür sprechen, dass das der Fall ist. Faustformel: In die soziale Auswahl sind nur diejenigen Arbeitnehmer einzubeziehen, die gegenseitig austauschbar sind.

Kriterien hierfür sind die Berufsausbildung sowie die im Laufe der Beschäftigung gewonnenen beruflichen Erfahrungen.

Am ersten Beispiel: Schlosser gibt es als Beruf heute nicht mehr, der ging im Beruf des Metallbauers auf. Metallbauer/innen sind Fachleute für die Herstellung von Metallkonstruktionen. Deren Umbau und Instandhaltung gehören ebenfalls zu ihrem Aufgabenbereich. Gegebenenfalls übernehmen sie auch Aufgaben in der Planung und Konstruktion. Werkzeugmacher/innen stellen Werkzeuge, Vorrichtungen sowie Formen für die maschinelle Produktion von Teilen her und setzen sie in Stand. Welche Berufsausbildung sowie welche die im Laufe der Beschäftigung gewonnenen beruflichen Erfahrungen hier für den konkreten Arbeitsplatz, der wegfallen soll, erforderlich sind, müsst' man halt wissen.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass jeder Arbeitnehmer auf seinem Arbeitsplatz einen Routinevorsprung hat, sodass eine erforderliche Einarbeitungszeit der Austauschbarkeit nicht entgegensteht. Man spricht insofern von einer "qualifikationsmäßigen Austauschbarkeit". Wenn, wie Du schreibst, die tatsächliche Einsetzbarkeit ist aber im jeweils anderen Tätigkeitsbereich "nach einer Einarbeitung" möglich ist, wäre das der Fall. Wobei ich davon ausgehe, dass das eine kurze Einarbeitungszeit ist.

Man kann aber nicht zwei Prüfschritte überspringen, um gleich mit dem dritten anzufangen.
"Die meisten fortschrittsoptimistischen Leute sind so lange für neue digitale Geschäftsmodelle, bis ihr eigener Job durch eine 99-Cent-App ersetzbar wird." (Sascha Lobo)
matthias.
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 24096
Registriert: 07.06.05, 21:10

Re: Sozialauswahl (Vergleichbarkeit verschiedener Berufe)

Beitrag von matthias. »

Zur Ergänzung.
Am ersten Beispiel: Schlosser gibt es als Beruf heute nicht mehr
Eigentlich ist es noch anders ;-)

Schlosser gab es meines Wissens nie. Es gibt "Schlosser" in der Industrie und im Handwerk.

Es gab Betriebsschlosser, Maschinenschlosser, Blechschlosser, Rohrschlosser, Kunstschlosser (Kunstschmied).

Das alles sind im Grunde völlig unterschiedliche Berufe.

Der Werkzeugmechaniker ist allerdings in meinen Augen kein Schlosser. Das ist ein eigenständiger Beruf und ein eigenständig abgegrenztes Tätigkeitsfeld, das es auch schon ziemlich lange gibt. Seit in der Industrie entsprechend komlizierte Werkzeuge für Pressen, Stanzen und Formen gebraucht wurden.

Dass die Kollegen die in dem Bereich arbeiten, durch die duale Ausbildung natürlich umfassende Kenntnisse haben ist auch klar. Also die meisten dieser ganzen Tätigkeiten können schon viele nach einer best. Einarbeitung auch durchführen, egal was sie mal gelernt haben,

Es kommt aber wie kDm sagt darauf an was im Arbeitsvertrag steht.

Und wenn der eine als Betriebsschlosser angestellt ist und der andere als Werkzeugmechniker, dann ist das in meinen Augen grundsätzlich nicht vergleichbar. Wobei in vielen Verträge steht ja, dass man auch andere der Ausbildung und des Wissens/Erfahrung entsprechende Tätigkeiten machen muss. Dann hat man in meinen Augen die Vergleichbarkeit eher wieder drin.
Chavah
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 8590
Registriert: 06.02.05, 10:23

Re: Sozialauswahl (Vergleichbarkeit verschiedener Berufe)

Beitrag von Chavah »

Ich kenne es so, dass eine Einarbeitungszeit von 6 Monaten akzeptabel ist. Also die Berufsfelder letztlich in der Sozialauswahl zusammengefasst werden, bei denen eben diese Voraussetzung erfüllt ist. Das war auch gerichtsfest. Wo das möglich ist, das hat uns immer die Handwerkskammer, die IHK geholfen.

Chavah
Antworten