Beschäftigungsverbot oder doch nicht?

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woazn-king
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Beschäftigungsverbot oder doch nicht?

Beitrag von woazn-king »

Liebes Forum,

mal angenommen, eine Frau ist schwanger. Sie legt ihrem AG folgendes Schreiben ihres Frauenarztes vor:

Frau xyz befindet sich in der x-Schwangerschaftswoche. Aus ärztlicher Sicht wird von weiterer Beschäftigung die länger als 4 Stunden täglich betragen, dringend abgeraten. Hiermit stelle ich ein Berufsverbot im Sinne des § 3 Abs. 1 MuSchG bis zum Ende der Schwangerschaft aus. Dies wird für medizinisch notwendig gehalten.

Irgendwir widerspricht sich der Arzt doch? Erst spricht er von 4 Stunden, dann plötzlich geht es um ein generelles Berufsverbot. Wie sieht das Forum das?

webelch
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Re: Beschäftigungsverbot oder doch nicht?

Beitrag von webelch »

Da hier explizit auf §3 Absatz 1 MuSchG Bezug genommen wird, lese ich hier ein generelles Beschäftigungsverbot.

Dummerchen
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Re: Beschäftigungsverbot oder doch nicht?

Beitrag von Dummerchen »

Naja, reiht sich halt in die Riege der Gynäkölögen, die keine Ahnung von diesem Teil ihrer Arbeit haben. Ich sehe das immer wieder: "Geh'n sie mal zum Betriebsarzt, der soll Ihnen ein BV aussprechen. Sie haben eine Risikoschwangerschaft."
Tja, Herr Gynäkologe, setzen, sechs.

BV nach MuSchu §3 spricht der behandlende Arzt, wenn das Risiko bei der Frau/der Schwangerschaft liegt. Es ist absolut und umfaßt eine bestimmte Schwangere auf allen möglichen Arbeitsplätzen. Der AG muß nicht zustimmen und darf nicht ablehnen.
Der Betriebsarzt empfiehlt ein BV nach §4, wenn ein bestimmter Arbeitsplatz für Schwangere nicht in Frage kommt. Daraufhin spricht der AG entweder ein BV aus - oder er modifizert den Arbeitsplatz.
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matthias.
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Re: Beschäftigungsverbot oder doch nicht?

Beitrag von matthias. »

Man könnte den Arzt mal anrufen was er damit meint.

Er soll ja keine persönlichen Daten rausgeben, sondern seinen Brief erklären.

woazn-king
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Re: Beschäftigungsverbot oder doch nicht?

Beitrag von woazn-king »

matthias. hat geschrieben:Man könnte den Arzt mal anrufen was er damit meint.

Er soll ja keine persönlichen Daten rausgeben, sondern seinen Brief erklären.
Das ist eine gute Idee!!

Heckersbruch
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Re: Beschäftigungsverbot oder doch nicht?

Beitrag von Heckersbruch »

Hiermit stelle ich ein Berufsverbot
Und Richter scheint er auch noch zu sein, denn als Arzt würde er ja ein Beschäftigungsverbot aussprechen.
Das "Berufsverbot" ist ein grundrechtlicher Eingriff.
Ein Blick ins Gesetz erleichtert die Rechtsfindung!

ACHTUNG: Recht und Gerechtigkeit sind zwei verschiedene Paar Schuhe!

FM
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Re: Beschäftigungsverbot oder doch nicht?

Beitrag von FM »

Dummerchen hat geschrieben: Es ist absolut und umfaßt eine bestimmte Schwangere auf allen möglichen Arbeitsplätzen.
Das "absolut" kann ich in § 3 nicht erkennen, da es dort heißt "soweit nach ärztlichem Zeugnis Leben oder Gesundheit von Mutter oder Kind bei Fortdauer der Beschäftigung gefährdet ist." Hier sagt der Arzt, nur soweit 4 Stunden überschritten werden.

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