Krankengeld/Lohnfortzahlung vs. selbstständig arbeiten

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kleinundgemein
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Krankengeld/Lohnfortzahlung vs. selbstständig arbeiten

Beitrag von kleinundgemein »

Angenommen eine halbtags beschäftigte Person wird krank geschrieben, erhält zunächst die Lohnfortzahlung und später Krankengeld. Die diagnostizierte Krankheit ist eng mit dem Arbeitsumfeld der Person verbunden. Der Arzt geht von einer mehrmonatigen Erkrankung aus. Die Person ist durch ihren Halbtagsjob gesetzlich krankenversichert.

Neben der Halbtagsbeschäftigung als Arbeitnehmerin übt die Person eine vom Arbeitgeber genehmigte selbstständige Tätigkeit aus. Diese wirkt sich laut Arzt nicht negativ auf das Krankheitsbild der Person aus.

Darf die Person dann (A) während der Lohnfortzahlung (bis 6 Wochen) und (B) während der darauf folgenden Krankengeldzahlung ihre Selbstständigkeit weiter ausführen? Wer ist davon gesetzlich in Kenntnis zu setzen?

Danke!
kdM
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Re: Krankengeld/Lohnfortzahlung vs. selbstständig arbeiten

Beitrag von kdM »

kleinundgemein hat geschrieben:Angenommen eine halbtags beschäftigte Person wird krank geschrieben, erhält zunächst die Lohnfortzahlung und später Krankengeld. Die diagnostizierte Krankheit ist eng mit dem Arbeitsumfeld der Person verbunden. Der Arzt geht von einer mehrmonatigen Erkrankung aus. Die Person ist durch ihren Halbtagsjob gesetzlich krankenversichert.

Neben der Halbtagsbeschäftigung als Arbeitnehmerin übt die Person eine vom Arbeitgeber genehmigte selbstständige Tätigkeit aus. Diese wirkt sich laut Arzt nicht negativ auf das Krankheitsbild der Person aus.

Darf die Person dann (A) während der Lohnfortzahlung (bis 6 Wochen) und (B) während der darauf folgenden Krankengeldzahlung ihre Selbstständigkeit weiter ausführen? Wer ist davon gesetzlich in Kenntnis zu setzen?

Danke!
Hört sich, wenn man so gar keine weiteren Informationen hat, nach Abzocke der Krankenkasse an. Ist hoffentlich nicht so.

Die Krankenkasse muss nach meiner schwachen Erinnerung stets über Arbeitszeit und Einkommen der nebenberuflichen Selbstständigkeit informiert werden. Sobald der Verdienst oder die Arbeitszeit für die Selbstständigkeit überwiegen, kann man als hauptberuflich Selbstständiger eingestuft werden. Wenn die Selbständigkeit damit nach Auffassung der KK jetzt hauptberuflich ausgeübt wird, könnte es problematisch werden.

Empfehlenswert wäre die Einholung einer schriftliche Vorabauskunft der Krankenkasse zu diesem Thema (Verhältnis aller Einnahmearten zueinander und wöchentliche Arbeitszeit der Selbständigkeit).

Auch die Aussage des Arztes, dass durch die Selbständigkeit nicht die Gefahr einer verzögerten Heilung eintreten kann, würde ich mir schriftlich geben lassen. Denn sich mit einer mehrmonatigen Erkrankung "arbeitsunfähig" zu melden, und dabei im Nebenerwerb arbeitsfähig zu sein, ist für mißgünstige Kollegen und Chefs ein Grund für erhebliches Stirnrunzeln.

Denkbar wäre, dass die Krankenkasse zu diesem Punkt den MDK einschalten würde.
"Die meisten fortschrittsoptimistischen Leute sind so lange für neue digitale Geschäftsmodelle, bis ihr eigener Job durch eine 99-Cent-App ersetzbar wird." (Sascha Lobo)
winterspaziergang
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Re: Krankengeld/Lohnfortzahlung vs. selbstständig arbeiten

Beitrag von winterspaziergang »

kleinundgemein hat geschrieben:Angenommen eine halbtags beschäftigte Person wird krank geschrieben, erhält zunächst die Lohnfortzahlung und später Krankengeld. Die diagnostizierte Krankheit ist eng mit dem Arbeitsumfeld der Person verbunden. Der Arzt geht von einer mehrmonatigen Erkrankung aus. Die Person ist durch ihren Halbtagsjob gesetzlich krankenversichert.

Neben der Halbtagsbeschäftigung als Arbeitnehmerin übt die Person eine vom Arbeitgeber genehmigte selbstständige Tätigkeit aus. Diese wirkt sich laut Arzt nicht negativ auf das Krankheitsbild der Person aus.
das macht keinen Sinn. Was soll das für eine Krankheit sein, die vorab mal für Monate verhindert, dass die Person den Betrieb aufsucht, aber problemlos mit einer selbstständigen Tätigkeit einher geht? welche Behandlung mit Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit soll denn in der Zeit stattfinden, wenn doch das "Arbeitsumfeld" die Erkrankung begünstigt?

Die Person ist demnach nicht arbeitsunfähig i.e.S., sondern hat ein irgendwie geartetes Problem in ihrem "Arbeitsumfeld". Wenn das so klar ist, macht AU keinen Sinn, sondern ein Stellenwechsel, Umschulung, was auch immer.
Darf die Person dann (A) während der Lohnfortzahlung (bis 6 Wochen) und (B) während der darauf folgenden Krankengeldzahlung ihre Selbstständigkeit weiter ausführen? Wer ist davon gesetzlich in Kenntnis zu setzen?
Die Krankenkasse.
Denn sich mit einer mehrmonatigen Erkrankung "arbeitsunfähig" zu melden, und dabei im Nebenerwerb arbeitsfähig zu sein, ist für mißgünstige Kollegen und Chefs ein Grund für erhebliches Stirnrunzeln.
Chef und Kollegen müssen nicht missgünstig sein, um erheblich die Stirn zu runzeln.
kleinundgemein
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Re: Krankengeld/Lohnfortzahlung vs. selbstständig arbeiten

Beitrag von kleinundgemein »

Wieso macht das keinen Sinn? Es gibt etliche Konstellationen, wo das möglich ist.

Zum Beispiel: Arbeitnehmer/Fachkraft auf dem Bau, schwere körperliche Verletzung (z.B. Rückenfraktur, komplizierter Kreuzbandriss, etc.). Und selbstständig im IT-Bereich, was sogar mit Notebook im Bett erledigt werden kann.

Oder: Durch Mobbing am Büro-Arbeitsplatz ausgelöste Depressionen, die zu einer langwieriger Therapie führen, während der Arzt sagt, dass die selbstständige Tätigkeit (z.B. im Garten-/Landschaftsbaubereich), nur gut tun kann.

Und und und. Es gibt ne Menge Krankheiten/Verletzungen, mit denen man gewisse Jobs länger nicht ausüben kann, andere aber dafür schon.
winterspaziergang
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Re: Krankengeld/Lohnfortzahlung vs. selbstständig arbeiten

Beitrag von winterspaziergang »

kleinundgemein hat geschrieben:Wieso macht das keinen Sinn? Es gibt etliche Konstellationen, wo das möglich ist.
Das entscheidende war zunächst mal die Feststellung, dass eine AU, die nur aufgrund eines "Arbeitsumfelds" aufrechterhalten wird, wie eingangs geschrieben, einen Stellenwechsel o.ä. notwendig macht
kleinundgemein hat geschrieben:Zum Beispiel: Arbeitnehmer/Fachkraft auf dem Bau, schwere körperliche Verletzung (z.B. Rückenfraktur, komplizierter Kreuzbandriss, etc.). Und selbstständig im IT-Bereich, was sogar mit Notebook im Bett erledigt werden kann.
In dem Fall vielleicht. Der AN muss seinen Wirbelbruch oder sonstiges natürlich auskurieren. Erst danach wird entschieden, ob er seine alte Arbeit wiederaufnehmen kann, oder nicht. Sobald klar ist, dass der Betreffende aber nicht mehr zurück kann, wird man zeitig über andere Maßnahmen nachdenken, als über die Behandlung hinaus monatelang AU auszustellen
kleinundgemein hat geschrieben:Oder: Durch Mobbing am Büro-Arbeitsplatz ausgelöste Depressionen, die zu einer langwieriger Therapie führen, während der Arzt sagt, dass die selbstständige Tätigkeit (z.B. im Garten-/Landschaftsbaubereich), nur gut tun kann.
Das geht nicht. Wenn Mobbing die Depression auslöst, dann ist sie erstmal da, egal ob es weiter Mobbing gibt oder nicht. Eine langwierige Behandlung schließt eine Wiederaufnahme einer Arbeit nicht aus- und das macht der AN ja offenbar.

Dass man aufgrund seiner Depression nicht im Büro arbeiten kann, aber im Garten, macht arbeitsrechtlich und arbeitsmedizinisch betrachtet keinen Sinn, da Symptome einer Depression nicht zwischen verschiedenen Tätigkeiten unterscheiden. "das tut gut" ist schon wichtig in einer Behandlung, aber nicht so, wie es hier steht. Man wird dem MDK kaum weismachen können, dass man nicht arbeiten kann, aber selbstständig tätig ist, weil das ja so gut tut.
kleinundgemein hat geschrieben:Und und und. Es gibt ne Menge Krankheiten/Verletzungen, mit denen man gewisse Jobs länger nicht ausüben kann, andere aber dafür schon.
:idea: :arrow: daher lese man nochmals den entscheidenden Satz
Die Person ist demnach nicht arbeitsunfähig i.e.S., sondern hat ein irgendwie geartetes Problem in ihrem "Arbeitsumfeld". Wenn das so klar ist, macht AU keinen Sinn, sondern ein Stellenwechsel, Umschulung, was auch immer.
kleinundgemein
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Re: Krankengeld/Lohnfortzahlung vs. selbstständig arbeiten

Beitrag von kleinundgemein »

Lieber winterspaziergang,

es ist ja nett, dass du dich hier als Hobbypsychologe oder Hobbyarzt versuchen möchtest, aber glaub mir... deine Interpretation bzgl. Depressionen und arbeiten gehen können oder nicht, sind sowas von falsch. Und ich weiß wirklich, wovon ich spreche.

Mir geht es hier in erster Linie um die rechtliche Frage. Wenn ich ärztlichen Rat benötige, nehme ich mir den an Ort und Stelle.
winterspaziergang
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Re: Krankengeld/Lohnfortzahlung vs. selbstständig arbeiten

Beitrag von winterspaziergang »

kleinundgemein hat geschrieben:Lieber winterspaziergang,

es ist ja nett, dass du dich hier als Hobbypsychologe oder Hobbyarzt versuchen möchtest, aber glaub mir... deine Interpretation bzgl. Depressionen und arbeiten gehen können oder nicht, sind sowas von falsch. Und ich weiß wirklich, wovon ich spreche.
offensichtlich :lol:
kleinundgemein hat geschrieben:Mir geht es hier in erster Linie um die rechtliche Frage. Wenn ich ärztlichen Rat benötige, nehme ich mir den an Ort und Stelle.
und auf die wurde hingewiesen.
Dass Ihnen die Widersprüche Ihres fiktiven Falles und damit die Antworten nicht gefallen, ist deutlich geworden, ganz ohne fachliche Expertise.
Vielleicht kommt ja noch eine Wunschantwort :kopfstreichel:
ratte1
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Re: Krankengeld/Lohnfortzahlung vs. selbstständig arbeiten

Beitrag von ratte1 »

Es könnte auch eine Reduzierung des Krankengeldes durch Anrechnung des Arbeitseinkommens in Frage kommen:
§ 49 SGB V: (1) Der Anspruch auf Krankengeld ruht,

1. soweit und solange Versicherte beitragspflichtiges Arbeitsentgelt oder Arbeitseinkommen erhalten... (Hervorhebung durch mich)

MfG

ratte1
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