Essensgeld

Moderator: FDR-Team

karli
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 7462
Registriert: 19.05.06, 11:10

Re: Essensgeld

Beitrag von karli »

kdM hat geschrieben: Aber ich glaube nicht, dass es viele Erzieherinnen gibt, die so etwas durchziehen. Und angesichts der im Streit stehenden Beträge ist es unwahrscheinlich, dass so etwas mal von einem Instanzgericht geprüft wird.
Nunja, wenn man mal davon ausgeht dass ein Mitarbeiter unter den geschilderten Umständen
marcusmaller hat geschrieben:also ist sie 16 stunden auf der arbeit
gezwungen ist, auch mal mehr als eine Mahlzeit in Anspruch nehmen zu müssen, kommt da schon ein beachtliches Sümmchen zustande.
Bei nur zwei Mahlzeiten am Tag kommen da mal locker 1400 Euro im Jahr zusammen. Netto versteht sich.
Das dürfte in diesem Gewerbe schon fast ein Monatslohn pro Jahr sein, den der Arbeitgeber nicht auszuzahlen braucht.

Wenn man bedenkt daß hier offenbar eine ganze, ich nenne es mal, Branche, unter dem Vorwand einer pädagogischen Notwendigkeit ihre Mitarbeiter unangemessen benachteiligt, wäre das doch schon mal ein Auftrag.

Mal ganz davon abgesehen, daß der genannte § 22 AVR in dieser Form vermutlich schon rechtswidrig sein dürfte.
Wenn du kritisiert wirst, dann mußt du irgend etwas richtig machen, denn man greift nur denjenigen an, der den Ball hat. (Bruce Lee)
Achtung: Meine Beiträge können Meinungsäusserungen, Denkanstösse, sowie Spuren von Ironie und Sarkasmus enthalten.
kdM
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 4683
Registriert: 27.09.04, 22:40
Wohnort: Raum Flensburg-Regensburg
Kontaktdaten:

Re: Essensgeld

Beitrag von kdM »

karli hat geschrieben:Nunja, wenn man mal davon ausgeht dass ein Mitarbeiter unter den geschilderten Umständen
marcusmaller hat geschrieben:also ist sie 16 stunden auf der arbeit
gezwungen ist, auch mal mehr als eine Mahlzeit in Anspruch nehmen zu müssen, kommt da schon ein beachtliches Sümmchen zustande.
Bei nur zwei Mahlzeiten am Tag kommen da mal locker 1400 Euro im Jahr zusammen. Netto versteht sich.
Das dürfte in diesem Gewerbe schon fast ein Monatslohn pro Jahr sein, den der Arbeitgeber nicht auszuzahlen braucht.

Wenn man bedenkt daß hier offenbar eine ganze, ich nenne es mal, Branche, unter dem Vorwand einer pädagogischen Notwendigkeit ihre Mitarbeiter unangemessen benachteiligt, wäre das doch schon mal ein Auftrag.

Mal ganz davon abgesehen, daß der genannte § 22 AVR in dieser Form vermutlich schon rechtswidrig sein dürfte.
Nur, damit man mal sieht, worüber wir hier diskutieren:
Beispiel AVR (aus dem Urteil)
§ 22 Sachleistungen
(1) Eine Verpflichtung der Mitarbeiterin bzw. des Mitarbeiters, an der Anstaltsverpflegung ganz oder teilweise teilzunehmen sowie Unterkunft im Anstaltsbereich zu nehmen, wenn dies im Interesse des Dienstes erforderlich ist, kann im Dienstvertrag vereinbart werden.
(2) Die der Mitarbeiterin bzw. dem Mitarbeiter gewährte Verpflegung wird in Höhe der amtlichen Sachbezugswerte in der Sozialversicherung auf das Entgelt angerechnet. […]
Kalendertäglicher Wert der amtlichen Sachbezugswerte 2016: 1,67 € für ein Frühstück, 3,10 € für ein Mittag- bzw. Abendessen (jeweils).

:arrow: Um die Angaben des Fragestellers aufzugreifen: „wochenenden arbeitet sie oft von freitag ab 12 uhr und hat am Montag um 8 uhr Feierabend“ bedeutet 3 Mittagessen, 3 Abendessen, 3 Frühstücke = 14,31 € Sachbezugswert.

Kann man für zu hoch halten, wenn man den Discounterfraß der Klientel nicht mit essen will, dafür kann man sich aber auch nicht aus dem Bioladen selbst verpflegen. :mrgreen:

Diese Ausdehnung der Arbeitszeit auf über zehn Stunden pro Tag darf aber nach AVR höchstens zweimal pro Woche oder viermal in 14 Tagen erfolgen, es ist also nicht der Regelfall, so dass regelmäßige arbeitsfreie Tage dazwischen liegen müssen, an denen nichts fürs Essen abgezogen wird.

:arrow: Nächste Rechnung: Das Jahr hat 365 Tage. Davon sind etwa 104 Tage ein Samstag und Sonntag. Hinzu kommen pro Bundesland zwischen neun und 13 Feiertage pro Jahr. Außerdem stehen jedem Angestellten mit einer 5-Tage-Woche mindestens 20 Tage Urlaub zu. Die meisten haben mehr, manche sogar bis zu 35 Urlaubstage. Abgezogen werden müssen außerdem bei der Erzieherin Krankheitstage, Betriebsausflüge, Fehltage für eine Fortbildung oder ein Meeting außer Haus. Je nachdem, wie diese Zahlen aussehen, fällt auch die Höhe ihrer Arbeitstage aus.
Gehen wir also von 220 Arbeitstagen pro Jahr aus. Das dürfte aufgrund des Schichtmodells eher zu hoch, als zu niedrig angesetzt sein.
„in der Woche beginnt der dienst um 16 uhr... endet um 22 uhr (dann die Bereitschaft) und 6-8 uhr am darauf folgenden tag. ( also ist sie 16 stunden auf der arbeit)“ bedeutet: Wenn Sie um 16.00 Uhr kommt, wird sie kein Mittagessen mehr einnehmen, sondern nur noch ein Abendessen, wenn sie am nächsten Tag um 08.00 Uhr aus dem Job geht, maximal ein Frühstück. Dieses Schichtmodell mit seinen Wochenenden von Freitag bis Montag bedeutet dann auch, dass sie i.d.R nicht am gleichen Abend wieder den Dienst antritt, sondern frühestens am nächsten Tag.
Gerechnet abwechselnd von je einem Frühstück und jeweils einem Mittag- bzw. Abendessen pro Arbeitstag, sind das also bei 220 Arbeitstagen pro Jahr nicht 1400,00 €, sondern 524,70 € pro Jahr. :wink:

Mit anderen Worten: Selbst wenn die Erzieherin ein Jahr lang Ansprüche sammelt, bevor sie die Klage erhebt, ist die Klageforderung immer noch nicht berufungsfähig. Ausserdem kann man dieses Jahr nicht in Ruhe abwarten, sondern der Betrag muß für jeden einzelnen Monat regelmäßig schriftlich innerhalb einer Ausschlussfrist von sechs Monaten nach Fälligkeit vom Mitarbeiter geltend gemacht werden. :oops:

:devil: Das machen die allerwenigsten. Und wenn es einer macht, kommt der Rendant oder wie auch immer diese Anstaltsvorbeter heißen, lächelt milde und sagt: Wir werden dem ArbN, der in der Gruppenbetreuung eingesetzt ist, dann wohl diese Mahlzeiten unentgeltlich gewähren müssen. Bei der Abgabe von Mahlzeiten (Frühstück und Mittagessen) an ArbN handelt es sich grundsätzlich um Vorteile, die für eine Beschäftigung gewährt werden. Der Mitarbeiter möge dies bei seiner Steuererklärung bedenken und entsprechend versteuern.
"Die meisten fortschrittsoptimistischen Leute sind so lange für neue digitale Geschäftsmodelle, bis ihr eigener Job durch eine 99-Cent-App ersetzbar wird." (Sascha Lobo)
Antworten