Versandhändler zockte Verbesserungsvorschläge ab

Moderator: FDR-Team

lemre
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Versandhändler zockte Verbesserungsvorschläge ab

Beitrag von lemre »

Hallo,
entschuldigen, wenn ich nicht in den richtigen Forum schreibe.

Ich bin qualifizierter Ingenieur und Frührentner.
Da meine Wohnung nur wenige Kilometer von einem XX-Logistikzentrum entfernt ist, war ich sehr neugierig und wollte einmal hinter die Kulissen schauen. Nachdem ich erfuhr, dass XX neue Mitarbeiter im Dezember als Aushilfe mit einer Kündigungsfrist von nur einem Tag einstellt, beschloss ich, diese Chance zu nutzen.
Meine Neugier wurde während der wenigen Tagen befriedigt, ich stellte in dieser Zeit aber fest, dass meine Kenntnisse und Fähigkeiten mir die Möglichkeit geben, technische Vorschläge für die Verbesserung der Technologie bei XX einzureichen. Ein Monat lang arbeitete ich an verschiedenen Arbeitsstellen und konnte die Arbeitsprozesse selbst zu "erspüren".

Durch meine beruflichen Kenntnisse und meine Erfahrung reichte ich während der Arbeitszeit vier Verbesserungsvorschläge ein (viele Seiten und Zeichnungen auf Erfindungs- oder Gebrauchtmusterniveau), die die Produktivität in der Packabteilung von XX sehr zu erhöhen könnten.

Meine Vorschläge wurden mit großem Interesse angenommen. Da ich dem Leiter der Abteilung und technischen Diensten voll vertraute, verlangte ich keine Unterlagen über die Registrierung meiner Vorschläge. Mir wurde versprochen, Feedback zu geben, aber erst am Anfang nächstes Jahres, "da es vor den Weihnachten viel zu tun gibt". Leider bekam ich keine Mitteilungen. Auf meinen Brief kam eine Antwort, dass meine Vorschläge nicht eingesetzt wurden. Das war aber unmöglich, da sie sehr nützlich waren.

Im nächsten Dezember bekam ich wieder diesen Job, um zu sehen, ob sich die Technologie in der Abteilung Packen geändert hat. Es stellte sich heraus, dass drei von meinen Verbesserungsvorschlägen voll oder teilweise umgesetzt wurden.
Meine Bitte, die Situation zu besprechen wurde ignoriert, und auf meine Briefe antwortet XX nicht.

Diese Beleidigung kann ich nicht vergessen.
Ich habe Rechtsschutzversicherung. Ist es möglich, etwas von XX zu verlangen?

Danke,
Leon
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Tastenspitz
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Re: Versandhändler zockte Verbesserungsvorschläge ab

Beitrag von Tastenspitz »

lemre hat geschrieben:Ich habe Rechtsschutzversicherung.
DA möchte ich Zweifel anmelden, ob diese dafür die Klagekosten übernimmt. Da sollte man sich vorab genau erkundigen.
lemre hat geschrieben: Ist es möglich, etwas von XX zu verlangen?
Verlangen kann man viel. Angesichts dessen
lemre hat geschrieben:keine Unterlagen über die Registrierung meiner Vorschläge
dürfte es problematisch werden, die Ansprüche zu belegen.
Wer für generelle Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen ist, hebe bitte den rechten Fuß.
Für individuelle Rechtsberatung bitte "ALT" und "F4" auf der Tastatur gleichzeitig drücken.

SusanneBerlin
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Re: Versandhändler zockte Verbesserungsvorschläge ab

Beitrag von SusanneBerlin »

Hallo,

die Gratifikationen für Arbeitnehmer-Erfindungen sind üblicherweise in der Größenordnung unterer dreistelliger Bereich. Auch wenn der Betrieb dadurch zehntausende Euros einspart.
Grüße, Susanne

Zafilutsche
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Re: Versandhändler zockte Verbesserungsvorschläge ab

Beitrag von Zafilutsche »

Die Erfahrungen und Qualifikationen eines Ingenieurs zu besitzen, reichen nicht dafür aus, sich selbst gut zu verkaufen. Daher finde ich die Begrifflichkeit, dass das Unternehmen "zockte" eher in diesem Zusammenhang als unangemessen oder zumindest fragwürdig. Wie ein Unternehmen mit "Verbesserungsvorschlägen" von Aushilfskräften und oder Zeitlich unbefristeten Arbeitern und Angestellten umzugehen hat, bleibt letztlich der Firmeneigenen Geschäftspolitik/Firmenphilosophie überlassen und diese entscheidet letztlich wie mehr oder wenig erfolgreich ein Unternehmen am Markt sich behaupten kann.
Vielleicht wäre der Ingenieur als Externer und Selbständiger "Unternehmensberater" besser gefahren? :wink:

lemre
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Re: Versandhändler zockte Verbesserungsvorschläge ab

Beitrag von lemre »

Danke Tastenspitz
Tastenspitz hat geschrieben: Verlangen kann man viel. Angesichts dessen
lemre hat geschrieben:keine Unterlagen über die Registrierung meiner Vorschläge
dürfte es problematisch werden, die Ansprüche zu belegen.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass auf eine Anfrage meines Anwalts kommt die Antwort: es war nicht. Außerdem, meine Lösungen sind da.

lemre
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Re: Versandhändler zockte Verbesserungsvorschläge ab

Beitrag von lemre »

Danke Susanne,

SusanneBerlin hat geschrieben:Hallo,

die Gratifikationen für Arbeitnehmer-Erfindungen sind üblicherweise in der Größenordnung unterer dreistelliger Bereich. Auch wenn der Betrieb dadurch zehntausende Euros einspart.
Das kann ich mir vorstellen. Umso mehr, dass es um mindestens 5% Erhöhung der Produktivität geht. Und XX hat Hunderte gleiche Unternehmen.

lemre
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Re: Versandhändler zockte Verbesserungsvorschläge ab

Beitrag von lemre »

Danke Zafilutsche,
Zafilutsche hat geschrieben: Vielleicht wäre der Ingenieur als Externer und Selbständiger "Unternehmensberater" besser gefahren? :wink:
Es stimmt. Aber ich habe kurz erzählt, wie ich zu dieser Arbeitsstelle kam: nur um drin zu gucken. Und zwar wurde ich von Aushilfskräften "hervorgehoben" und sehr gelobt. Mir wurde versprochen, Anfang nächstes Jahres darüber zu sprechen. Ich wusste nur nicht, dass die Verwaltung darauf verzichtet.
Ich verstehe, dass "Verbesserungsvorschläge" eines Aushilfers bei Ihnen Zweifel auslösen können.

Aber das ist ganz andere Sache.
Meine Frage ist, ob es möglich ist, nach zwei Jahren zum Gericht zu gehen? Gibt es eine Frist?

GS
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Re: Versandhändler zockte Verbesserungsvorschläge ab

Beitrag von GS »

Hallo Lemre,

offenbar hast Du Deine - mit Sicherheit wertvollen - Perlen vor die Säue geworfen - die dann aber nicht so unklug waren, sie einfach zu verschlucken.

Vermutlich haben sie die Klunker probeweise dem Pfandleiher gezeigt, und sich auch von diesem nicht übers Ohr hauen lassen.

Wahrscheinlich haben sie sie in ein "rundes Sofa" eingliedern lassen, auf dem ihr Laden nun so richtig ins Rollen kommt.

Beim nächsten Mal halte Dich an den ollen Wilhelm Raabe: "Sage nicht alles, was Du weißt, aber wisse immer, was Du sagst."

Und nicht zuletzt, wem Du was sagst, und was für ein Honorar du Dir im FalledesFalles ausmalen würdest.

Bedauernde Grüße
von GS
Dies ist keine Linksberatung und erst recht keine Rechtsberatung - wie käme ich dazu? Einzig verbindlicher Ratschlag: Lesen Sie von links oben nach rechts unten.

Tastenspitz
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Re: Versandhändler zockte Verbesserungsvorschläge ab

Beitrag von Tastenspitz »

lemre hat geschrieben:Ich kann mir nicht vorstellen, dass auf eine Anfrage meines Anwalts kommt die Antwort: es war nicht. Außerdem, meine Lösungen sind da.
Auf Anfragen wird da tendenziell gar nichts kommen.
Wenn sie was wollen werden sie beweisen müssen, dass es von Ihnen ist. Und selbst wenn ihnen das - wie auch immer - gelingt, verpflichtet es den Nutzer nicht automatisch zu Zahlungen.
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SusanneBerlin
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Re: Versandhändler zockte Verbesserungsvorschläge ab

Beitrag von SusanneBerlin »

Tastenspitz hat geschrieben:Und selbst wenn ihnen das - wie auch immer - gelingt, verpflichtet es den Nutzer nicht automatisch zu Zahlungen.
Eben. Wenn mir jemand etwas unaufgefordert in die Hand drückt mit den Worten: "Hier - ich denke du kannst das gebrauchen" und kein Wort von Bezahlung die Rede ist, dann kann ich davon ausgehen, dass es sich um ein Geschenk handelt. Wenn man für einen nicht angefragten Dienst oder Gegenstand eine Bezahlung oder ein Dankesschreiben erwartet, sollte man vorher darüber sprechen.
Grüße, Susanne

lemre
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Re: Versandhändler zockte Verbesserungsvorschläge ab

Beitrag von lemre »

GS hat geschrieben:Hallo Lemre,

offenbar hast Du Deine - mit Sicherheit wertvollen - Perlen vor die Säue geworfen - die dann aber nicht so unklug waren, sie einfach zu verschlucken.
Bedauernde Grüße
von GS
Danke für die Unterstützung :)

lemre
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Re: Versandhändler zockte Verbesserungsvorschläge ab

Beitrag von lemre »

Tastenspitz hat geschrieben: Wenn sie was wollen werden sie beweisen müssen, dass es von Ihnen ist. Und selbst wenn ihnen das - wie auch immer - gelingt, verpflichtet es den Nutzer nicht automatisch zu Zahlungen.
Das stimmt leider, mit den Zahlungen.

Aber:
1) könnten als Nachweise meine datierte Papiere gelten? Z.B., wenn Technologie bei einem Arbeitsprozess erst und direkt nach meinem Vorschlag geändert wurde, was sagt das?
2) im Flur des Unternehmens hängt ein Plakat: "wir würden uns sehr auf Verbesserungsvorschläge freuen". Also es muss eine Art der Registrierung sein, die in meinem Fall nicht eingehalten wurde (ich glaube, wegen des höhen Niveaus der Vorschläge :( ).
3) es geht nicht (nur) ums Geld. Ich bin kein Penner (u.a. Doktor der Technischen Wissenschaften) und verdiene gut. Ich fühle mich beleidigt und beraubt; das enttäuscht mich, wenn ich mich daran erinnere.
4)
SusanneBerlin hat geschrieben:Wenn mir jemand etwas unaufgefordert in die Hand drückt...
Wie gesagt, meine Vorschläge wurden mit großem Interesse angenommen und ich wurde um weitere gebeten. (Es gibt ja keinen Sinn, mir hier zu lügen).

Ich bedanke mich bei allen, ich habe meine traurige Lage verstanden. :oops:

Tastenspitz
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Re: Versandhändler zockte Verbesserungsvorschläge ab

Beitrag von Tastenspitz »

lemre hat geschrieben: Doktor der Technischen Wissenschaften) und verdiene gut.
Da kann man nur hoffen, dass Deutsch nicht ihre Muttersprache ist. Das aber nur nebenbei.
lemre hat geschrieben:meine datierte Papiere
Datiert von wem? Wenn das kein Dritter war bringt das nmE. nichts.

Nochmal: SIE müssen beweisen, dass es ihre Idee war. Das ist die erste Hürde.
Dann, dass ihre Idee dort auch umgesetzt wurde. Vllt. hatte ja jemand anderer die gleiche Idee.
Und dann müssen sie den Nutzer dazu bringen, Geld dafür rauszurücken.
Aber angesichts dessen
lemre hat geschrieben:es geht nicht (nur) ums Geld.
genügt Ihnen vielleicht auch eine lobende Erwähnung in der Hauszeitung und ein Gutschein. Fordern sie doch das.
Wer für generelle Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen ist, hebe bitte den rechten Fuß.
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Pünktchen
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Re: Versandhändler zockte Verbesserungsvorschläge ab

Beitrag von Pünktchen »

lemre hat geschrieben:
Tastenspitz hat geschrieben: Wenn sie was wollen werden sie beweisen müssen, dass es von Ihnen ist. Und selbst wenn ihnen das - wie auch immer - gelingt, verpflichtet es den Nutzer nicht automatisch zu Zahlungen.
Das stimmt leider, mit den Zahlungen.
Naja, Gesetze gelten immer "automatisch". Die muss man nicht erst "einschalten" oder ähnliches.

Was sagt der o. g. Anwalt dazu? Oder hat den noch gar nicht gefragt? Hat man mal die RS-Versicherung gefragt, was die dazu sagt?
3) es geht nicht (nur) ums Geld. Ich bin kein Penner (u.a. Doktor der Technischen Wissenschaften) und verdiene gut.
Entlich mal jemand, der zugibt, gut zu verdienen. Leider kann ich das nicht vor mir behaupten. :cry:

Man kann sicher überlegen, ob man sein Geld in einen Rechts-/Patentanwalt investieren möchte.
GS hat geschrieben:Beim nächsten Mal halte Dich an den ollen Wilhelm Raabe: "Sage nicht alles, was Du weißt, aber wisse immer, was Du sagst."
Oder mal verlässt sich auf das Gesetz. Meinst, du ich sollte auch nicht verraten, dass die Ansprüche gesetzliche geregelt sind und erst vorher eine Anteil aushandeln?

lemre
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Re: Versandhändler zockte Verbesserungsvorschläge ab

Beitrag von lemre »

Tastenspitz hat geschrieben:
lemre hat geschrieben: Doktor der Technischen Wissenschaften) und verdiene gut.
Da kann man nur hoffen, dass Deutsch nicht ihre Muttersprache ist. Das aber nur nebenbei.
Das stimmt. Für mein Deutsch schäme ich mich ((.
Andere ihre Überlegungen stimmen auch.
Aber danke.

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