Eingliederderung, vollen Lohn ...!?

Moderator: FDR-Team

Antworten
maiklewa
Topicstarter
FDR-Mitglied
Beiträge: 71
Registriert: 30.06.16, 17:50

Eingliederderung, vollen Lohn ...!?

Beitrag von maiklewa »

Hallo,

ein Teil des Jobs eines Arbeiters macht körperliche Arbeit aus. Der andere Teil besteht aus Bürotätigkeiten.

Aufgrund einer Rücken-OP ist er drei Monate krank und kann drei weitere die körperlichen Tätigkeiten nicht ausüben, aber die Bürotätigkeiten.

Bekommt er jetzt nur anteilig Lohn, also für das, was er machen kann oder wird das aufgestockt? Von wem? Agentur für Arbeit, Rentenversicherung, Krankenkasse? Wer muss den Antrag stellen?

Gruß

Dummerchen
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 10799
Registriert: 21.01.05, 22:43
Wohnort: Der Kohlenpott hat mich wieder!

Re: Eingliederderung, vollen Lohn ...!?

Beitrag von Dummerchen »

Die Gretchenfrage wird wohl sein, ob er während der "drei weiteren" arbeitsunfähig ist oder nicht. Wenn er nicht länger AU ist, kann sein Arbeitgeber erwarten, daß er seine Arbeit vollumfänglich, also inklusive körperlichem Anteil, ausführt. AN und AG können vereinbaren, daß die Arbeit entsprechend der Einschränkungen geändert wird, da muss der AG aber mitspielen. Wenn man sich in dem Rahmen auf befristete Teilzeit einigt, gibt es natürlich auch ein entsprechend verringertes Gehalt.

Wenn eine Anpassung des Arbeitsplatzes aber nicht möglich oder vom AG nicht gewünscht wird, muss der An wohl oder übel weiterhin krankgeschrieben werden. Eine Teilarbeitsunfähigkeit a la "ich mach nur den Teil, den ich kann, komme nur die Zeit, die ich dafür brauche, du bezahlst mich aber voll" gibt es in Deutschland nicht.
The nine most terrifying words in the English language are, 'I'm from the government and I'm here to help.'
Ronald Reagan
40th president of US (1911 - 2004)

matthias.
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 23934
Registriert: 07.06.05, 21:10

Re: Eingliederderung, vollen Lohn ...!?

Beitrag von matthias. »

Soll denn eine offizielle Eingliederung durchgeführt werden?

kdM
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 4683
Registriert: 27.09.04, 22:40
Wohnort: Raum Flensburg-Regensburg
Kontaktdaten:

Re: Eingliederderung, vollen Lohn ...!?

Beitrag von kdM »

maiklewa hat geschrieben:Hallo,

ein Teil des Jobs eines Arbeiters macht körperliche Arbeit aus. Der andere Teil besteht aus Bürotätigkeiten.

Aufgrund einer Rücken-OP ist er drei Monate krank und kann drei weitere die körperlichen Tätigkeiten nicht ausüben, aber die Bürotätigkeiten.
Es gibt im Gesetz keine Teil-Arbeitsunfähigkeit. Das EFzG kennt keine teilbare oder teilweise Arbeitsunfähigkeit, und zwar weder in quantitativer noch qualitativer Hinsicht.
Wenn die körperliche Arbeit zu den arbeitsvertraglich geschuldeten Tätigkeiten gehört, dann kann die arbeitsvertraglich geschuldete Tätigkeit nicht ausgeübt werden.
Bekommt er jetzt nur anteilig Lohn, also für das, was er machen kann oder wird das aufgestockt? Von wem? Agentur für Arbeit, Rentenversicherung, Krankenkasse? Wer muss den Antrag stellen?
Einfache Methode: Er wird vom Arzt (weiterhin) arbeitsunfähig geschrieben, bleibt komplett zu Hause und bekommt sechs Wochen Entgeltfortzahlung vom Arbeitgeber, und danach Krankengeld von der Krankenkasse.

Wenn man es kompliziert machen möchte, müsste man hier von einem Fall der "qualitativen Teilarbeitsunfähigkeit" ausgehen. Der Arbeitgeber kann dann durch Zuweisung einer Tätigkeit, die der Arbeitnehmer trotz seiner Erkrankung erbringen kann, die volle Arbeitsfähigkeit herstellen. Erfolgt eine solche Zuweisung, ist der Anspruch auf Entgeltfortzahlung ausgeschlossen. Für diesen Ansatz spricht der Grundsatz, dass zwischen einer Erkrankung und einer daraus folgenden Arbeitsunfähigkeit zu unterscheiden ist.

Konsequenterweise muss dann aber auch – im arbeitsvertraglich zulässigen Umfang – die Anpassung der Tätigkeit an die Krankheit möglich sein, um ggf. eine Arbeitsunfähigkeit zu verhindern. Soweit daher der Arbeitnehmer mit der Änderung des Aufgabenbereichs einverstanden ist oder die Änderung vom Direktionsrecht des Arbeitgebers gedeckt ist, können für den Zeitraum der Krankheit Tätigkeiten zugewiesen werden, an deren Ausübung der Arbeitnehmer nicht gehindert ist.

In der praktischen Abwicklung kann dies aber zu großen Komplikationen führen, so dass oft weder Arbeitgeber noch Arbeitnehmer an dieser Konstruktion gelegen ist.
"Die meisten fortschrittsoptimistischen Leute sind so lange für neue digitale Geschäftsmodelle, bis ihr eigener Job durch eine 99-Cent-App ersetzbar wird." (Sascha Lobo)

Antworten