Verstoß gegen Ausbildungsvertrag

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b009
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Verstoß gegen Ausbildungsvertrag

Beitrag von b009 »

Guten Tag,

angenommen der Ausbildungsbetrieb verstößt wissentlich und aufgrund des Berichtsheft auch beweisbar gegen § 3 Abs. 1 des Ausbildungsvertrags.
§ 3 Abs. 1 – Pflichten des Ausbildenden
Der Ausbildende verpflichtet sich, dafür zu sorgen, dass dem Auszubildenden die beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten vermittelt werden, die zum Erreichen des Ausbildungszieles nach der Ausbildungsordnung erforderlich sind, und die Berufsausbildung nach den beigefügten Angaben zur sachlichen und zeitlichen Gliederung des Ausbildungsablaufs so durchzuführen, dass das Ausbildungsziel in der vorgesehenen Ausbildungszeit erreicht werden kann;
Meine Frage, wie lange ist die Frist um Klage vorm Arbeitsgericht einzureichen? - Kann jetzt noch Klage eingereicht werden? - Wie ist die Rechtslage?
Theoretisch ist dem Azubi dieser Verstoß schon seit dem ersten Lehrjahr bekannt, hat bisher aber nichts arbeitsrechtliches unternommen.

Vielen Dank,
~ b009
matthias.
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Re: Verstoß gegen Ausbildungsvertrag

Beitrag von matthias. »

Wenn bei der zuständigen Ausbildungskammer eine Schlichtungsstelle besteht, ist die dem Arbeitsgericht vorgeschaltet

D.h. der Azubi sollte sich zuerst mal an die Kammer wenden.
karli
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Re: Verstoß gegen Ausbildungsvertrag

Beitrag von karli »

Hat der Auszubildende das Ausbildungsziel denn nicht erreicht?
b009 hat geschrieben:Theoretisch ist dem Azubi dieser Verstoß schon seit dem ersten Lehrjahr bekannt, hat bisher aber nichts arbeitsrechtliches unternommen.
Wusste der Azubi bereits, dass er wegen dieses Verstosses das Ausbildungsziel nicht erreichen würde?
Wenn du kritisiert wirst, dann mußt du irgend etwas richtig machen, denn man greift nur denjenigen an, der den Ball hat. (Bruce Lee)
Achtung: Meine Beiträge können Meinungsäusserungen, Denkanstösse, sowie Spuren von Ironie und Sarkasmus enthalten.
b009
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Re: Verstoß gegen Ausbildungsvertrag

Beitrag von b009 »

Erstmal danke für eure Antworten.
Wenn bei der zuständigen Ausbildungskammer eine Schlichtungsstelle besteht, ist die dem Arbeitsgericht vorgeschaltet
Gehen wir davon aus, dass die zuständige Kammer bereits vor Ort war und mündliche Vereinbarungen getroffen wurden (Auch zu diesem Thema). Diese Vereinbarungen wurden nicht eingehalten, allerdings war es auch keine offizielle Schlichtung vorm Schlichtungsausschuss. (Es wurde formlose Beschwerde über den Ausbildungsbetrieb eingereicht)
Hat der Auszubildende das Ausbildungsziel denn nicht erreicht?
Wusste der Azubi bereits, dass er wegen dieses Verstosses das Ausbildungsziel nicht erreichen würde?
Nein, die Prüfung steht kurz bevor. Der Azubi kann daher nur mutmaßen, dass er die Prüfung trotz autodidaktischem Lernen nicht besteht.

MfG,
~ b009
karli
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Re: Verstoß gegen Ausbildungsvertrag

Beitrag von karli »

b009 hat geschrieben:Nein, die Prüfung steht kurz bevor. Der Azubi kann daher nur mutmaßen, dass er die Prüfung trotz autodidaktischem Lernen nicht besteht.
Interessant dürfte es erst werden, wenn der Azubi durch die Prüfung rasselt und nachweisen kann, dass die dafür massgeblichen Ausbildungsinhalte nicht vermittelt wurden. Dann käme möglicherweise ein Anspruch auf Schadensersatz in Betracht.
Bisher steht noch nicht fest, dass der Ausbildende gegen seine Pflichten verstossen hat.
Das Ausbildungsziel dürfte mit dem Bestehen der Prüfung erreicht sein und das ist in der Regel mit einem Ergebnis >50% der Fall.
Mehr schuldet der Ausbildende meiner Ansicht nach nicht.
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b009
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Re: Verstoß gegen Ausbildungsvertrag

Beitrag von b009 »

Okay, aber wenn der Azubi die Ausbildung letztlich besteht, kam der Ausbildende ja dennoch nicht seiner Pflicht nach.
Aber gut, danke für deine Ansicht.
karli
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Re: Verstoß gegen Ausbildungsvertrag

Beitrag von karli »

b009 hat geschrieben:Okay, aber wenn der Azubi die Ausbildung letztlich besteht, kam der Ausbildende ja dennoch nicht seiner Pflicht nach.
Seine Pflicht ist es nicht, alle möglichen Ausbildungsinhalte vermitteln zu müssen, sondern Die, die zum erreichen des Ausbildungsziels notwendig sind.
Worauf möchtest du denn Klagen?
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Re: Verstoß gegen Ausbildungsvertrag

Beitrag von kdM »

b009 hat geschrieben:
Hat der Auszubildende das Ausbildungsziel denn nicht erreicht?
Wusste der Azubi bereits, dass er wegen dieses Verstosses das Ausbildungsziel nicht erreichen würde?
Nein, die Prüfung steht kurz bevor. Der Azubi kann daher nur mutmaßen, dass er die Prüfung trotz autodidaktischem Lernen nicht besteht.
Ganz schön spät, sich um so etwas zu kümmern.

Rechtlich wirken sich beharrliche Verstöße des Ausbildenden gegen die Ausbildungspflicht dahingehend aus, dass ein wichtiger Grund zur fristlosen Kündigung durch den Auszubildenden vorliegt, weil das Ausbildungsziel gefährdet ist und eine Fortsetzung des Ausbildungsverhältnisses deshalb unzumutbar ist. Das ist bspw. nach der Rechtsprechung im Einzelfall auch zu bejahen, wenn dem Auszubildenden dauerhaft ausbildungsfremde Arbeiten zugewiesen werden.

Wenn schon also bereitswährend Deiner Ausbildung feststand, dass Du in Deinem Betrieb nicht das lernst, was Du eigentlich lernen solltest, hättest vor Beendigung deiner Ausbildung kündigen und Dir einen neuen Betrieb suchen können. Wenn Dir dadurch Probleme entstanden wären, hättest Du deinen Anspruch auf Schadensersatz innerhalb drei Monaten geltend machen können. Das kannst Du auch im Berufsbildungsgesetz nachlesen.

Du hast Dich aber dafür entschieden, bis zur Prüfung dort zu bleiben, um ggf. nach dem Scheitern in der Prüfung Ansprüche geltend zu machen. Kann man machen, muss man aber nicht.

Solange Du nicht beweisen kannst, dass Du nur aus dem o.g. Grund durch die Prüfung gefallen bist, sind Deine Chancen gering. Beweise oder Nachweise können in dem Fall Einträge in deinem Berichtsheft sein oder schriftlich festgehaltene Aufforderungen an Deinen Ausbilder. Und damit meine ich nicht irgendwelöche wischi-waschi-formlose-Beschwerde-über-den-Ausbildungsbetrieb

Aber selbst damit wäre es schwer zu beweisen, dass Du die Prüfung nur deswegen nicht bestanden hast.

Dies war auch der Fall bei einem Gerichtsurteil des Landesarbeitsgerichts Rheinland-Pfalz vom 06. Juli 2005, 9 Sa 842/04. Ein Azubi hatte nach einer nicht bestandenen Abschlussprüfung den Ausbildungsbetrieb verklagt, konnte jedoch nicht beweisen, dass die Schuld dafür nur beim Betrieb lag. Die Anforderungen der Rechtsprechung kannst Du darin gut nachlesen, ist online veröffentlicht.
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Re: Verstoß gegen Ausbildungsvertrag

Beitrag von Bumblebii »

Das ist ja mal früh erkannt worden :(

Der schulische Teil wird bei einem Autodidakten super sein. Fehlt gem. Prüfungsordnung viel Praxis?

Da der Fall vor der Kammer bekannt ist, sollten Sie sich sofort nochmal da melden.
Haben Sie komplett andere Aufgaben erledigt als ihr Berufsziel verlangt?
Wenn der Ausbilder Sie frei stellt, könnten Sie in einem anderem Betrieb neben der Berufsschule ein Praktum machen um die prüfungsrelevante Praxis zu erlernen (falls es nicht zu viel ist).

Viel Glück!
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