Muss ein Arbeitnehmer sich von Kunden beleidigen lassen ?

Moderator: FDR-Team

Altbauer
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Muss ein Arbeitnehmer sich von Kunden beleidigen lassen ?

Beitrag von Altbauer »

Herr A arbeitet in einem mittelständischen Unternehmen.

Seine Arbeit findet oft außer Haus direkt beim Kunden in unmittelbarem Kundenkontakt statt.

Ein Stammkunde ist Her B.

- Herr B bezeichnet Herrn A immer wieder als völlig unfähig,
- behauptet, er sei Alkoholiker und würde mehrfach
- mit Absicht Fehler in die getane Arbeit vor Ort einbauen.

Herrn A reicht es. Er vereinbart ein Mitarbeitergespräch mit seinem Chef.
In diesem Gespräch weigert er sich, in Zukunft mit diesem Kunden zusammenzuarbeiten.

Der Chef bezieht folgende Position:
- An der Arbeit von Herrn A gibt es nach Prüfung durch den Chef keinerlei Beanstandungen.
- Für Alkoholismus gibt es keinerlei Anzeichen
- Herr A soll aber weiter den Kunden B aufsuchen und dort seine Arbeit tun.
Herr B sei ein wichtiger Kunde, der Auftrag sehr wichtig für die Firma.
Etwas schwierige Kunden müsse Herr A schon ertragen!

- Für den Fall einer weiteren Weigerung von Herrn A droht der Chef schon mal mit Abmahnung und/oder
Kündigung.

Frage :
Ist die Position des Chefs von Herrn A haltbar?

SusanneBerlin
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Re: Muss ein Arbeitnehmer sich von Kunden beleidigen lassen

Beitrag von SusanneBerlin »

droht der Chef schon mal mit Abmahnung und/oder
Kündigung.
Standardfrage:
Wieviele Angestellte hat der Betrieb?
Grüße, Susanne

ChrisR
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Re: Muss ein Arbeitnehmer sich von Kunden beleidigen lassen

Beitrag von ChrisR »

Versuchen Sie die Thematik doch im ursprünglichen Beitrag zu diskutieren...

winterspaziergang
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Re: Muss ein Arbeitnehmer sich von Kunden beleidigen lassen

Beitrag von winterspaziergang »

Da man den Fall hier eingestellt hat, nachdem im Beamtenrecht zum Thema "Elterngespräch führen" offenbar nicht die erwünschten Antworten kamen, hier nur ein Hinweis:

Auch wenn es einem nicht auffällt, man hat nicht den gleichen Sachverhalt mal mit Beamter und mal mit Angestellter gepostet, da gibt es ein paar entscheidende Unterschiede, der Inhalt und damit die Rechtslage ist eine andere bzw. unterliegt unterschiedlichen Gesetzen und Betrachtungen.

Zudem besteht hinsichtlich der Sanktionsmöglichkeiten ein erheblicher Unterschied, zwischen einem Beamten auf Lebenszeit und einem Arbeitnehmer in einem Kleinbetrieb.

ChrisR
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Re: Muss ein Arbeitnehmer sich von Kunden beleidigen lassen

Beitrag von ChrisR »

Ist aufgefallen, aber...
Altbauer hat geschrieben:
Dieter_Meisenkaiser hat geschrieben:Wieso, sitzen im Sozial- und Bauamt ausschließlich Beamte?
Nö. Bei den Lehrern gibt es übrigens auch Angestellte.

Ich kann ja gerne einen Parallelfall mit einem Nicht-Beamten erfinden und im Arbeitsrecht posten .
Ich denke, das mach ich.

Bis gleich also.
Ihr Altbauer

P.S.
Möchten Sie einen Keks ?

SusanneBerlin
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Re: Muss ein Arbeitnehmer sich von Kunden beleidigen lassen

Beitrag von SusanneBerlin »

Zudem besteht hinsichtlich der Sanktionsmöglichkeiten ein erheblicher Unterschied, zwischen einem Beamten auf Lebenszeit und einem Arbeitnehmer in einem Kleinbetrieb.
Er hat ja nicht geschrieben "Kleinbetrieb", sondern "Unternehmen", sogar "mittelständisches".

Beides sind keine arbeitsrechtlich definierten Begriffe, auch wenn mit "Kleinbetrieb" unter Eingeweihten nahezu immer die Nichtanwendbarkeit des KSchG gemeint ist.

Der TE sollte also erstmal klarstellen, ob er das Kündigungsschutzgesetz für seinen Fall als anwendbar vorausgesetzt haben möchte oder nicht. Oder erstmal nachlesen, was das ist: https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%BCnd ... hutzgesetz

https://www.hensche.de/Rechtsanwalt_Arb ... chutz.html
Grüße, Susanne

Altbauer
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Re: Muss ein Arbeitnehmer sich von Kunden beleidigen lassen

Beitrag von Altbauer »

winterspaziergang hat geschrieben:nachdem im Beamtenrecht zum Thema "Elterngespräch führen" offenbar nicht die erwünschten Antworten
Wünsche hab ich da mal gar keine.
winterspaziergang hat geschrieben:Zudem besteht hinsichtlich der Sanktionsmöglichkeiten ein erheblicher Unterschied, zwischen einem Beamten auf Lebenszeit und einem Arbeitnehmer in einem Kleinbetrieb.
Drum hab ichs ja gepostet.

Altbauer
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Re: Muss ein Arbeitnehmer sich von Kunden beleidigen lassen

Beitrag von Altbauer »

SusanneBerlin hat geschrieben:Der TE sollte also erstmal klarstellen, ob er das Kündigungsschutzgesetz für seinen Fall als anwendbar vorausgesetzt haben möchte oder nicht. Oder erstmal nachlesen, was das ist: https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%BCnd ... hutzgesetz

https://www.hensche.de/Rechtsanwalt_Arb ... chutz.html
Für die Hinweise vielen Dank

Dann setze ich mal für diesen erfundenen Fall ein :

Der Betrieb habe 50 Angestellte, alle vollbeschäftigt.
Herr B sei seit 6 Jahren vollbeschäftigt im Betrieb angestellt.

Mount'N'Update

Re: Muss ein Arbeitnehmer sich von Kunden beleidigen lassen

Beitrag von Mount'N'Update »

Niemand muss sich beleidigen lassen, denn Beleidigung ist meines Wissens verboten. Korrigiert mich, wenn § 185 StGB geändert oder abgeschafft worden sein sollte.

Es wäre bestenfalls zu klären, ob es eine Beleidigung war. Das sollte der Chef aber Fachleuten überlassen.

Altbauer
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Re: Muss ein Arbeitnehmer sich von Kunden beleidigen lassen

Beitrag von Altbauer »

Mount'N'Update hat geschrieben:Niemand muss sich beleidigen lassen, denn Beleidigung ist meines Wissens verboten.
Einverstanden.
Die Frage war ja weiger, ob Herr A das nun einfach alltäglich hinnehmen muss.
Er könnte B ja z.B. verklagen.

Darum geht es aber nicht.
Es geht um das Arbeitsverhältnis von Herrn A.
Also : Kann der Chef von Herrn A verlangen, dass er weiterhin mit Herrn B zusammenarbeitet.
Nicht vergessen : Her B ist kein Angestellter des Betriebes ( da ginge es um den Betriebsfrieden),
sondern Kunde des Betriebes .

karli
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Re: Muss ein Arbeitnehmer sich von Kunden beleidigen lassen

Beitrag von karli »

Den Arbeitgeber, ganz gleich, ob das Kündigungsschutzgesetz für diesen Betrieb anwendbar ist oder nicht, treffen gewisse Fürsorgepflichten.
Für Ihn gilt es, die persönlichen Rechtsgüter seines Arbeitnehmers zu wahren.
Die persönliche Ehre ist eins dieser Rechtsgüter.
Im Rahmen der Fürsorgepflicht ist der Arbeitgeber, unter anderem, auch verpflichtet, Angriffe Dritter gegen den Arbeitnehmer abzuwehren. So beispielsweise auch bei Mobbing, sexuellen Übergriffen oder Ehrverletzungen.
Hier würde der Arbeitgeber dann auch sicher seine Betrieblichen Interessen abwägen, falls er denn Massnahmen ergreifen möchte.

Rechtsgrundlage dafür dürften die §§ 618 BGB sowie 61 HGB sein.
Auch im Arbeitsschutzgesetz wird auf psychische Belastungen eingegangen.

Letztendlich stünde es dem Arbeitnehmer frei, den Beleidiger selbst anzuzeigen.
In diesem Zusammenhang wäre noch § 612a BGB zu erwähnen:
612a BGB hat geschrieben:Der Arbeitgeber darf einen Arbeitnehmer bei einer Vereinbarung oder einer Maßnahme nicht benachteiligen, weil der Arbeitnehmer in zulässiger Weise seine Rechte ausübt.
Altbauer hat geschrieben:In diesem Gespräch weigert er sich, in Zukunft mit diesem Kunden zusammenzuarbeiten.
Das könnte unter Umständen eine Arbeitsverweigerung sein, die möglicherweise eine fristlose Kündigung durch den Arbeitgeber rechtfertigt.
Wenn du kritisiert wirst, dann mußt du irgend etwas richtig machen, denn man greift nur denjenigen an, der den Ball hat. (Bruce Lee)
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SusanneBerlin
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Re: Muss ein Arbeitnehmer sich von Kunden beleidigen lassen

Beitrag von SusanneBerlin »

Also : Kann der Chef von Herrn A verlangen, dass er weiterhin mit Herrn B zusammenarbeitet.
Das Problem bei diesen ausgedachten Fällen ist, dass sie sich nicht mit einem Blick ins Gesetzbuch beantworten lassen. Denn das Gesetz springt ja nicht hinter der Ecke hervor und sagt zum Arbeitgeber: "Du Arbeitgeber, darfst von deinem Arbeitnehmer nicht verlangen, dass er zu einem Kunden fährt der ihn als Alkoholiker betitelt. Du musst dich von diesem Kunden trennen, das Wohl des Arbeitnehmers steht höher." Daraufhin ruft der AG den Kunden an und erklärt ihm, dass man keine Aufträge mehr ausführen würde und alle sind zufrieden.

In der wirklichen Welt wird das nicht passieren. Wie der Fall ausgehen würde, hängt von den Handlungen der Beteiligten ab. Der eine AN A, dem noch so einiges andere gegenden Strich geht, nimmt diesen Vorfall zum Anlass um zu kündigen und sich endlich einen anderen Wirkungskreis zu suchen, der andere A vereinbart mit seinem Chef eine Extra-Prämie von 50€ für jeden Tag an dem er zu dem Kunden mit Tourette-Syndrom fährt und sich beleidigen lässt, ein dritter A weigert sich möglicherweise tatsächlich zu diesem Kunden zu fahren, wird vom Chef abgemahnt und gekündigt, erhebt zusammen mit seinem Anwalt Kündigungsschutzklage, einigt sich im Gütetermin mit dem Arbeitgeber auf eine Abfindung von 5 Bruttomonatsgehältern und der Arbeitgeber führt die Aufträge beim gut zahlenden Kunden B in Zukunft höchstpersönlich selbst aus.

All das sind denkbare Szenarien, nur was in einem realen Fall passieren wird, das weiß kein Mensch.
Grüße, Susanne

matthias.
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Re: Muss ein Arbeitnehmer sich von Kunden beleidigen lassen

Beitrag von matthias. »

Altbauer hat geschrieben: Frage :
Ist die Position des Chefs von Herrn A haltbar?
Der realistischtes Ausgang ist, sollte der A wirklich seinem ansonsten guten Mitarbeiter kündigen, dass man sich auf eine Abfindung (oder sonstige Leistungen wie Top Zeugnis, bezahltenFreistellung usw) einigt und das Arbeitsverhältnis beendet wird.

Das ist aber reine Statistik. Die meisten Kündigungsprozesse gehen so aus.

Ansonsten s. Susanne, was noch alles passieren kann.

SusanneBerlin
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Re: Muss ein Arbeitnehmer sich von Kunden beleidigen lassen

Beitrag von SusanneBerlin »

Der realistischtes Ausgang ist, sollte der A wirklich seinem ansonsten guten Mitarbeiter kündigen, dass man sich auf eine Abfindung (oder sonstige Leistungen wie Top Zeugnis, bezahltenFreistellung usw) einigt und das Arbeitsverhältnis beendet wird.
Halte ich in diesem Fall gerade nicht für realistisch. Warum sollte man einen guten Mitarbeiter gehen lassen und ihm noch eine Abfindung mitgeben? Wenn Mitarbeiter A weg ist, hat der AG immer noch das Problem mit Kunde B. Der AG kann die Kündigung auch zurücknehmen, und einen nicht so empfindlichen MA zu Kunde B schicken.
Grüße, Susanne

matthias.
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Re: Muss ein Arbeitnehmer sich von Kunden beleidigen lassen

Beitrag von matthias. »

SusanneBerlin hat geschrieben:Halte ich in diesem Fall gerade nicht für realistisch. Warum sollte man einen guten Mitarbeiter gehen lassen und ihm noch eine Abfindung mitgeben?
Wie sind ja beieinandern: Wichtig ist meine Aussage: "Wenn der AG kündigt".

Wie realistsich das ist, hab ich ja gar nicht gesagt :)

Sollte der AG aber wirklich kündigen ist statistisch gesehen, das Arbeitsverhältnis meist nicht zu retten.
Der AG kann die Kündigung auch zurücknehmen, und einen nicht so empfindlichen MA zu Kunde B schicken.
Wieso sollte er überhaupt dann kündigen, wenn es diese Lösung gibt?

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