Eltern Hartz VI und Jugendlicher darf max. 100€ verdienen?

Moderator: FDR-Team

poisonivynr1
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Eltern Hartz VI und Jugendlicher darf max. 100€ verdienen?

Beitrag von poisonivynr1 » 11.02.18, 12:40

Hallo,
Wenn die Eltern Hartz VI beziehen, muss der 16 jährige Sohn seinen Minijoblohn versteuern?
Er geht Zeitungen austragen und verdient 180€ mtl.
Davon darf er allerdings nur 100€ behalten.
Ist das rechtens?
Wie verhält es sich, wenn er in einem Halben Jahr ins Ausbildungsverhältnis geht?
Darf er von seinem Lehrlingsgehalt auch nur 100€ behalten?
Viele Grüße
Nadine

SusanneBerlin
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Re: Eltern Hartz VI und Jugendlicher darf max. 100€ verdiene

Beitrag von SusanneBerlin » 11.02.18, 12:55

Wenn die Eltern Hartz VI beziehen, muss der 16 jährige Sohn seinen Minijoblohn versteuern?
"Versteuern" hat nichts damit zu tun, ob man Hartz4 bezieht oder nicht. "Versteuern" bezieht sich darauf, ob vom Bruttolohn Steuern abgezogen werden und das ist bei einem Minijob nicht der Fall. Einen Minijob bis 450€ kann man ohne Lohnsteuerkarte machen und bekommt dann vom Arbeitgeber den vereinbarten Lohn brutto wie netto ohne Abzüge.

Also nein: einen Minijob muss man nicht versteuern, der Jugendliche muss auch keine Steuererklärung beim Finanzamt abgeben.
Grüße, Susanne

poisonivynr1
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Re: Eltern Hartz VI und Jugendlicher darf max. 100€ verdiene

Beitrag von poisonivynr1 » 11.02.18, 13:16

Hallo,
Aber ihm werden 80€ von seinen 180€ einbehalten, da seine Eltern Hartz VI beziehen.
Viele Grüße
Nadine

nordlicht02
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Re: Eltern Hartz VI und Jugendlicher darf max. 100€ verdiene

Beitrag von nordlicht02 » 11.02.18, 13:26

SusanneBerlin hat geschrieben:"Versteuern" bezieht sich darauf, ob vom Bruttolohn Steuern abgezogen werden und das ist bei einem Minijob nicht der Fall.
Wenn der AG pauschal versteuert. Macht er das nicht, muss ggf. der AN versteuern. Ich weiß, dass bei Zeitungszustellern die Zustellfirmen manchmal nicht pauschal versteuern, sodass jemand, der die Zustellung beispielsweise als Nebenjob macht, mit Steuerklasse VI zur Kasse gebeten wird, wobei der Großteil meist bei der EK-Steuererklärung wieder erstattet wird.
„Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache; dass er überall dabei ist, aber nirgendwo dazugehört.“ (Hanns Joachim Friedrichs)

SusanneBerlin
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Re: Eltern Hartz VI und Jugendlicher darf max. 100€ verdiene

Beitrag von SusanneBerlin » 11.02.18, 13:34

poisonivynr1 hat geschrieben:Hallo,
Aber ihm werden 80€ von seinen 180€ einbehalten, da seine Eltern Hartz VI beziehen.
Von wem werden 80€ einbehalten, vom Arbeitgeber oder von wem? Schreiben Sie doch so, dass man es nachvollziehen kann.


Mit dem Hartz4-Bezug kann das nichts zu tun haben.
Bekommt er keine Lohnabrechnung wo draufsteht, für was diese 80€ sind?
Grüße, Susanne

nordlicht02
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Re: Eltern Hartz VI und Jugendlicher darf max. 100€ verdiene

Beitrag von nordlicht02 » 11.02.18, 13:45

SusanneBerlin hat geschrieben:Von wem werden 80€ einbehalten, vom Arbeitgeber oder von wem?

Ich denke, es wird vom Jobcenter angerechnet.
SusanneBerlin hat geschrieben:Mit dem Hartz4-Bezug kann das nichts zu tun haben.
Doch, wenn er mit den Eltern in einer Bedarfsgemeischaft lebt, wird alles, was 100 Euro übersteigt angerechnet. M.W. aber teilweise nur anteilig.
„Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache; dass er überall dabei ist, aber nirgendwo dazugehört.“ (Hanns Joachim Friedrichs)

Rabenwiese
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Re: Eltern Hartz VI und Jugendlicher darf max. 100€ verdiene

Beitrag von Rabenwiese » 11.02.18, 13:47

poisonivynr1 hat geschrieben:Hallo,
Aber ihm werden 80€ von seinen 180€ einbehalten, da seine Eltern Hartz VI beziehen.
Viele Grüße
Nadine
Nein 116€

lottchen
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Re: Eltern Hartz VI und Jugendlicher darf max. 100€ verdiene

Beitrag von lottchen » 11.02.18, 14:23

Und der Jugendliche selber bezieht kein HartzIV (bzw. die Eltern für ihn)? Wovon lebt er dann?
Ja es ist normal dass in einer Bedarfsgemeinschaft Einkommen über einem Freibetrag angerechnet wird. Das vermindert ja die Bedürftigkeit.
Ich empfehle, Beiträge unserer Forentrolle BäckerHD, FelixSt und Dieter_Meisenkaiser konsequent zu ignorieren!

poisonivynr1
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Re: Eltern Hartz VI und Jugendlicher darf max. 100€ verdiene

Beitrag von poisonivynr1 » 11.02.18, 15:29

Hallo,
Der Jugendlichen lebt noch bei seinen Eltern.
Wie verhält es sich dann, wenn er eine Ausbildung beginnt?
Muss er von seinem Gehalt auch alles abgeben?
Viele Grüße
Nadine

Evariste
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Re: Eltern Hartz VI und Jugendlicher darf max. 100€ verdiene

Beitrag von Evariste » 11.02.18, 16:38

poisonivynr1 hat geschrieben: Muss er von seinem Gehalt auch alles abgeben?
Naja, nicht ganz. (Ich unterstelle mal, wir reden hier nicht von Steuern und Sozialabgaben, sondern von der Anrechnung auf ALG 2).

Er kann 100 Euro "behalten" (*) plus 20% von dem Betrag, der 100 Euro übersteigt. Also nehmen wir an, er bekommt 300 Euro netto, dann verringert sich das ALG2 um (300 Euro - 100 Euro) - 20% = 160 Euro. Falls hohe Fahrtkosten zur Arbeit o. ä. anfallen, kann das allerdings u. U. auch abgezogen werden.


(*) Manche Leute hier stört diese Wortwahl, sie ist auch nicht wirklich korrekt. Er kann sein Gehalt komplett "behalten", es wird nur weniger ALG2 bezahlt, weil sich die Bedürftigkeit durch das zusätzliche Einkommen verringert hat.

FelixSt
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Re: Eltern Hartz VI und Jugendlicher darf max. 100€ verdiene

Beitrag von FelixSt » 11.02.18, 16:46

Alle Antworten sind nicht zielführend, da sie auf Hartz IV abstellen, obwohl der TE schreibt, dass die Betroffenen Hartz VI beziehen.
Ich empfehle jedem, selbst zu denken und es sich nicht von unseren Forengutmenschen wie z.B. lottchen abnehmen zu lassen.

windalf
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Re: Eltern Hartz VI und Jugendlicher darf max. 100€ verdiene

Beitrag von windalf » 11.02.18, 21:13

Die interessante Frage dürfte noch sein bezieht der Jugendliche Hartz IV? Wenn nein, dann sollte er der Vermutung wiedersprechen, dass er seinen Eltern davon etwas abgibt.
...fleißig wie zwei Weißbrote
0x2B | ~0x2B
Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

winterspaziergang
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Re: Eltern Hartz VI und Jugendlicher darf max. 100€ verdiene

Beitrag von winterspaziergang » 11.02.18, 22:16

poisonivynr1 hat geschrieben:Hallo,
Der Jugendlichen lebt noch bei seinen Eltern.
Wie verhält es sich dann, wenn er eine Ausbildung beginnt?
Muss er von seinem Gehalt auch alles abgeben?
Viele Grüße
Nadine
Nein, definitiv nicht. Er muss jetzt schon nichts abgeben und wird es auch nicht in der Ausbildung tun müssen.
Oder bekommt er vom Arbeitgeber nicht den vollen Lohn?
Überweist er der Arbeitsagentur Geld oder ziehen die das vom Konto ab?
Also vorab:
Hartz-IV ist kein bedingungsloses Grundeinkommen. Das bekommt man als Grundsicherung nur,. wenn man sonst nichts oder zu wenig hat. Und ein Ausbildungsgehalt ist kein Taschengeld, das man neben sonstigen Einkünften (Unterhalt der Eltern oder des Staates/der Allgemeinheit) nebenbei hat.

Bei Bezug von Sozialleistungen wird nie was abgezogen, man darf immer "alles behalten" und man bekommt immer noch was dazu.

An sich sollten Eltern sich und ihre Kinder finanzieren können oder der Jugendliche über sein Ausbildungsgehalt und Unterhalt der Eltern bis zum Abschluss der Ausbildung.
Können sie das nicht, springt der Staat ein und zahlt entweder ein Grundeinkommen, Miete und Krankenkasse oder- wenn die Bedarfsgemeinschaft doch noch ein wenig Geld verdient- zahlt sie unter Abzug eines Freibetrags den Rest dazu.

Anders verhält es sich, wenn man so viel Geld verdient, dass man seinen Lebensunterhalt und den seiner Familie selbst erwirtschaftet und Einkommensteuern zahlt: Dann bekommt man als Grundsicherung 0 Euro und muss vom Einkommen Steuern und Sozialabgaben zahlen (das behält der Arbeitgeber gleich ein, das darf man also nicht behalten) sowie (meist) die Hälfte des Anteils der Krankenkasse zahlen, der sich prozentual vom Einkommen berechnet.

Nur in dem Fall wird einem vom Einkommen "was abgezogen" und man darf nie alles behalten.

Oder zur Aufklärung eine Antwort auf den ersten Beitrag
poisonivynr1 hat geschrieben:Hallo,
Wenn die Eltern Hartz VI beziehen, muss der 16 jährige Sohn seinen Minijoblohn versteuern?
wenn die Eltern Hartz-IV beziehen und der 16jährige nicht aus einer früheren Verbindung stammt und sich über Unterhalt und Kindergeld selbst unterhält, ist er Mitglied der Bedarfsgemeinschaft und bezieht auch Hartz-IV.
Er geht Zeitungen austragen und verdient 180€ mtl.
Davon darf er allerdings nur 100€ behalten.
nein, er darf 180 Euro behalten, aber es werden 80 Euro auf seinen Anteil an Unterstützung des Staates abgezogen, da er seinen Bedarf durch eigene Arbeit etwas selbst verdient hat.
Ist das rechtens?
ja
Wie verhält es sich, wenn er in einem Halben Jahr ins Ausbildungsverhältnis geht?
Darf er von seinem Lehrlingsgehalt auch nur 100€ behalten?
Alles, wie bislang, zum Rest, siehe oben

Evariste
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Re: Eltern Hartz VI und Jugendlicher darf max. 100€ verdiene

Beitrag von Evariste » 11.02.18, 22:24

winterspaziergang hat geschrieben: Nein, definitiv nicht. Er muss jetzt schon nichts abgeben und wird es auch nicht in der Ausbildung tun müssen.
Oder bekommt er vom Arbeitgeber nicht den vollen Lohn?
...
Ich wußte doch, das da noch was kommt. 8)

Grundsätzlich haben Sie ja nicht unrecht (ich habe mir gerade mal ausgerechnet, was mir bzw. meiner Familie Monat für Monat von meinem ALG2-Anspruch abgezogen wird, weil ich zuviel verdiene - das sind über 2000,- Euro :lol: ).

In dem Fall allerdings
winterspaziergang hat geschrieben:
Er geht Zeitungen austragen und verdient 180€ mtl.
Davon darf er allerdings nur 100€ behalten.
nein, er darf 180 Euro behalten, aber es werden 80 Euro auf seinen Anteil an Unterstützung des Staates abgezogen, da er seinen Bedarf durch eigene Arbeit etwas selbst verdient hat.
ist die Aussage, jedenfalls aus der Perspektive des Jugendlichen, durchaus korrekt. Kinder von "Besserverdienern" können üblicherweise ihren kompletten Lohn behalten und müssen nichts davon an die Eltern abgeben; allenfalls sparen sich die Eltern das Geld für das eine oder andere "Extra", dass das Kind dann von seinem eigenen Einkommen finanziert. Dieser Jugendliche kann das nicht, ein Teil des Geldes wird direkt zur Deckung des Grundbedarfs der Familie verwendet. Ob er das Geld nun direkt dem Staat gibt oder seinen Eltern, weil die wiederum ihrerseits weniger Geld vom Staat bekommen, läuft für den Jugendlichen auf das Gleiche hinaus.

Bei der Ausbildungsvergütung ist das dann schon wieder etwas anders, auch in "Besserverdienerfamilien" ist es m. W. durchaus üblich, dass der Nachwuchs ein bisschen was davon für den Familienunterhalt abgibt.

winterspaziergang
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Re: Eltern Hartz VI und Jugendlicher darf max. 100€ verdiene

Beitrag von winterspaziergang » 11.02.18, 23:00

Evariste hat geschrieben: ist die Aussage, jedenfalls aus der Perspektive des Jugendlichen, durchaus korrekt.
nein, die Perspektive basiert auf falschen Grundannahmen, die Aussage ist falsch und übersieht, dass es kein bedingungsloses Grundeinkommen gibt
Kinder von "Besserverdiener"
ist jetzt jeder Erwachsene, der so viel verdient, dass er keine Leistungen vom Staat bezieht, schon ein Besserverdiener?
wohl kaum.
...können üblicherweise ihren kompletten Lohn behalten und müssen nichts davon an die Eltern abgeben;
immer wieder interessante Logik. Kinder von Eltern, die keine Leistungen vom Staat beziehen und ihren Kindern Unterhalt und Ausbildung durch eigenes Geld vielleicht komplett und ohne jedes Bafög bezahlen, sind besser gestellt, da sie "alles behalten dürfen"
Dass die Eltern auch alles bezahlen dürfen und über ihre Steuern auch dem Nachwuchs des Nicht-Verdieners das Bafög und den Studienplatz zahlen, wird aber gern übersehen.
Ob er das Geld nun direkt dem Staat gibt oder seinen Eltern, weil die wiederum ihrerseits weniger Geld vom Staat bekommen, läuft für den Jugendlichen auf das Gleiche hinaus.
und da sollte er- wenn er es vielleicht in 16 Jahre nie erlebt hat, dass die Eltern das Geld für die Familie (komplett) selbst erwirtschaftet haben, nie lernen, dass es durchaus einen Unterschied macht, ob man von der Allgemeinheit finanziert wird oder (ganz) von der eigenen Arbeit lebt?

B
ei der Ausbildungsvergütung ist das dann schon wieder etwas anders, auch in "Besserverdienerfamilien" ist es m. W. durchaus üblich, dass der Nachwuchs ein bisschen was davon für den Familienunterhalt abgibt.
was Familien, die schon Besserverdiener sind, weil sie tatsächlich ihren eigenen Unterhalt erwirtschaften (wow :shock: ) machten, spielt für die Frage, wieviel man "behalten" darf, keine Rolle.

Und nochmals: Ja, "Besserverdiener" dürften nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben alles für die Ausbildung ihrer Kinder ausgeben und sich entscheiden, dass sie ihr Ausbildungsgehalt komplett behalten dürfen oder was bei den Eltern abgeben.

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