Ex-Arbeitnehmer verbummelt Arbeitsbescheinigung

Moderator: FDR-Team

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efpe2000
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Ex-Arbeitnehmer verbummelt Arbeitsbescheinigung

Beitrag von efpe2000 »

Liebes Forum,

theoretischer Fall mal angenommen:
Arbeitgeber #1 entlässt betriebsbedingt (Aufgabe des Unternehemns) einen Angestellten und vermittelt diesem einen neue Anstellung.
Einige Monate nach Beginn der neuen Anstellung wird der Ex-Angestellte wegen diversen Fehlverhalten von Arbeitgeber #2 fristlos gekündigt.
Es folgt der Weg zum Arbeitsamt mit der Aufforderung an Arbeitgeber #1, eine Arbeitsbescheinigung auszufüllen.
Zwei Mitarbeiter von Arbeitgeber #1 überbringen dem Ex-Angestellten die Arbeitsbescheinigung.
Diese Aktionen spielen sich im Zeitraum Januar 2017 (Entlassung #1) bis Juni 2017 (Entlassung #2) ab.
Im August 2018 erhält Arbeitgeber #1 erneut eine Aufforderung unter Androhung eines Bußgeldes vom Arbeitsamt, die Arbeitsbescheinigung auszufüllen.
Arbeitgeber #1 geht nun davon aus, dass der Ex-Angestellte die Arbeitsbescheinigung entweder verbummelt oder nicht dem Arbeitsamt vorgelegt hat.
Problematisch für Arbeitgeber #1 ist, dass der Lohnbuchhalter seit einem Jahr verstorben ist und die digitalen Daten nicht mehr zugänglich sind.
Fragen:
1. Wie oft muss ein Arbeitgeber der Aufforderung des Arbeitsamtes, Arbeitsbescheinigungen auszustellen, nachkommen?
2. Inwiefern muss sich der Ex-Angestellte für seine mögliche "Schlampigkeit" selbst verantworten?
3. Ist es Arbeitgeber #1 zuzumuten, eine Arbeitsbescheinigung ohne Vorliegen der digitalen Daten auszustellen? (§ 404 Abs. 2 Nr. 19 SGB III, § 321 SGB III)

Grüße
EFPE

ExDevil67
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Re: Ex-Arbeitnehmer verbummelt Arbeitsbescheinigung

Beitrag von ExDevil67 »

Mal unabhängig von der aktuellen Problematik die Arbeitsbescheinigung betreffend, aber diese Baustelle sollte der AG in meinen Augen unverzüglich angehen
efpe2000 hat geschrieben: Problematisch für Arbeitgeber #1 ist, dass der Lohnbuchhalter seit einem Jahr verstorben ist und die digitalen Daten nicht mehr zugänglich sind.
Potenziell sehe ich da auf den Ex-Arbeitgeber deutlich größere Probleme als ein Bußgeld des Arbeitsamtes zukommen wenn er nicht in der Lage im Bedarfsfall seine alten Lohnunterlagen zur Verfügung zu stellen.

Tastenspitz
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Re: Ex-Arbeitnehmer verbummelt Arbeitsbescheinigung

Beitrag von Tastenspitz »

Keine Kopie von der Bescheinigung gemacht?
Wenn man zB. über DATEV die LoBu macht sind dort auch alle Daten zu finden.
efpe2000 hat geschrieben:der Lohnbuchhalter seit einem Jahr verstorben ist und die digitalen Daten nicht mehr zugänglich sind.
Ernsthaft? :shock:
Wer für generelle Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen ist, hebe bitte den rechten Fuß.
Für individuelle Rechtsberatung bitte "ALT" und "F4" auf der Tastatur gleichzeitig drücken.

was_guckst_du
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Re: Ex-Arbeitnehmer verbummelt Arbeitsbescheinigung

Beitrag von was_guckst_du »

...saftladen :lachen:

FM
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Re: Ex-Arbeitnehmer verbummelt Arbeitsbescheinigung

Beitrag von FM »

Auch wenn der Arbeitgeber seine ursprüngliche Pflicht schon erfüllt hat, werden die Daten dennoch gebraucht zur Berechnung des Arbeitslosengeldes. Es droht dann zwar kein Bußgeldverfahren, der Arbeitgeber könnte aber z.B. im Rahmen des Verwaltungs- oder Sozialgerichtsverfahrens befragt werden. Nicht-digitale Unterlagen wird er ja noch haben.

SusanneBerlin
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Re: Ex-Arbeitnehmer verbummelt Arbeitsbescheinigung

Beitrag von SusanneBerlin »

ExDevil67 hat geschrieben:Mal unabhängig von der aktuellen Problematik die Arbeitsbescheinigung betreffend, aber diese Baustelle sollte der AG in meinen Augen unverzüglich angehen
efpe2000 hat geschrieben: Problematisch für Arbeitgeber #1 ist, dass der Lohnbuchhalter seit einem Jahr verstorben ist und die digitalen Daten nicht mehr zugänglich sind.
Potenziell sehe ich da auf den Ex-Arbeitgeber deutlich größere Probleme als ein Bußgeld des Arbeitsamtes zukommen wenn er nicht in der Lage im Bedarfsfall seine alten Lohnunterlagen zur Verfügung zu stellen.
Wie macht der Unternehmer z.B. seine Steuererklärungen, wenn er nicht mehr eruieren kann, in welcher Höhe er Löhne gezahlt hat?

"Lohnbuchhalter ist verstorben" ist in meinen Augen eine ungeeignete Ausrede. Wenn die PC-Kenntnisse des Arbeitgebers nicht ausreichen um an seine Daten zu kommen, muss er eben Hilfe in Anspruch nehmen, dafür gibt es Dienstleister.
Grüße, Susanne

efpe2000
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Re: Ex-Arbeitnehmer verbummelt Arbeitsbescheinigung

Beitrag von efpe2000 »

Nicht-Digitale Unterlagen sind vorhanden.
Digitale Daten sind allesamt gemeldet, somit gibt es keine größeren Baustellen hinsichtlich zukünftiger SV- oder Lohnsteuer-Prüfungen.
Es geht nicht darum, ob es DATEV oder eine andere Software ist, sondern darum, dass die Passwörter nicht bekannt sind und die Dienstleister diese Passwörter nicht herausgeben.

Die brennenden Fragen sind, ob ein Arbeitgeber x-mal dazu aufgefordert werden darf, Arbeitsbescheingungen auszustellen, wenn diese Bescheinigungen -auch durch Mitschuld der Ex-Angestellten- nicht den Weg zum Arbeitsamt finden? Wo ist die Grenze? Ist genug irgendwann nicht einfach mal genug?
Die Arbeitgeber werden durch solche Situationen zeitlich und/oder finanziell belastet.

matthias.
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Re: Ex-Arbeitnehmer verbummelt Arbeitsbescheinigung

Beitrag von matthias. »

efpe2000 hat geschrieben: Die brennenden Fragen sind, ob ein Arbeitgeber x-mal dazu aufgefordert werden darf, Arbeitsbescheingungen auszustellen, wenn diese Bescheinigungen -auch durch Mitschuld der Ex-Angestellten- nicht den Weg zum Arbeitsamt finden? Wo ist die Grenze? Ist genug irgendwann nicht einfach mal genug?
Die Arbeitgeber werden durch solche Situationen zeitlich und/oder finanziell belastet.

Wie lange hat es gedauert hier zu posten?

Hätte man in der Zeit nicht einfach die Bescheinigung kopieren können und an das Amt schicken?

Ansonsten ist mir keine Beschränkung bekannt. Wenn die Agentur auffordert, muss man schicken, zumal jetzt haben sie sie ja dann. Die Agentur wird sie nicht auch verbummeln.

MfG
Matthias

efpe2000
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Re: Ex-Arbeitnehmer verbummelt Arbeitsbescheinigung

Beitrag von efpe2000 »

matthias. hat geschrieben:
efpe2000 hat geschrieben: Die brennenden Fragen sind, ob ein Arbeitgeber x-mal dazu aufgefordert werden darf, Arbeitsbescheingungen auszustellen, wenn diese Bescheinigungen -auch durch Mitschuld der Ex-Angestellten- nicht den Weg zum Arbeitsamt finden? Wo ist die Grenze? Ist genug irgendwann nicht einfach mal genug?
Die Arbeitgeber werden durch solche Situationen zeitlich und/oder finanziell belastet.

Wie lange hat es gedauert hier zu posten?

Hätte man in der Zeit nicht einfach die Bescheinigung kopieren können und an das Amt schicken?

Ansonsten ist mir keine Beschränkung bekannt. Wenn die Agentur auffordert, muss man schicken, zumal jetzt haben sie sie ja dann. Die Agentur wird sie nicht auch verbummeln.

MfG
Matthias
Ich dachte, in diesem Forum bespricht man Rechtsfragen?
Was nützen mir diese Belehrungen?
Gibt es eine Grenze für die Anzahl der für einen Ex-Angestellten auszustellenden Arbeitsbescheinigungen oder nicht?
In der zeit, in der Sie Ihre persönliche Meinung gepostet haben, hätten Sie auch meine Grundsatzfrage beantworten können.
Dieses ewige "mit Finger zeigen" und "herumeiern" nervt...

matthias.
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Re: Ex-Arbeitnehmer verbummelt Arbeitsbescheinigung

Beitrag von matthias. »

efpe2000 hat geschrieben:
matthias. hat geschrieben:Ansonsten ist mir keine Beschränkung bekannt.

Tastenspitz
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Re: Ex-Arbeitnehmer verbummelt Arbeitsbescheinigung

Beitrag von Tastenspitz »

efpe2000 hat geschrieben: Die brennenden Fragen sind, ob ein Arbeitgeber x-mal dazu aufgefordert werden darf, Arbeitsbescheingungen auszustellen
Wenn x wie hier = 2 ist, kann man das weitere
efpe2000 hat geschrieben:Wo ist die Grenze? Ist genug irgendwann nicht einfach mal genug?
Die Arbeitgeber werden durch solche Situationen zeitlich und/oder finanziell belastet.
getrost erst mal vergessen.
Sollte x > 3 sein, könnte dem AN der Hinweis gegeben werden, dass dies eine Holschuld ist und er seine Ausfertigung Nr. 4 gegen Quittung beim AG abholen kann.
Wer für generelle Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen ist, hebe bitte den rechten Fuß.
Für individuelle Rechtsberatung bitte "ALT" und "F4" auf der Tastatur gleichzeitig drücken.

matthias.
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Re: Ex-Arbeitnehmer verbummelt Arbeitsbescheinigung

Beitrag von matthias. »

Tastenspitz hat geschrieben:
efpe2000 hat geschrieben: Die brennenden Fragen sind, ob ein Arbeitgeber x-mal dazu aufgefordert werden darf, Arbeitsbescheingungen auszustellen
Wenn x wie hier = 2 ist, kann man das weitere


Und wie schon gesagt, mehr als 2 sollte es nicht geben, weil dann die Agentur die Unterlagen ja in den Akten hat und die bleiben da.

Wenn ist danach im übrigen die Agentur diejenige die die Unterlagen verschlampt hätte, nicht mehr der AN. Und der Staat wird sich kaum selber ins Gesetz schreiben, er dürfe die Unterlagen nur 1 mal verlangen ;-)

Trockeneis
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Re: Ex-Arbeitnehmer verbummelt Arbeitsbescheinigung

Beitrag von Trockeneis »

Von mir hat keiner eine weitere Bescheinigung erhalten... Basta !

winterspaziergang
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Re: Ex-Arbeitnehmer verbummelt Arbeitsbescheinigung

Beitrag von winterspaziergang »

efpe2000 hat geschrieben: Wo ist die Grenze?
jedenfalls nicht bei der 1. (ersten) Nachforderung.
Ist genug irgendwann nicht einfach mal genug?
die erste Nachforderung ist nicht "irgendwann mal"
efpe2000 hat geschrieben:Die Arbeitgeber werden durch solche Situationen zeitlich und/oder finanziell belastet.
Ist dem fiktiven AG klar, dass er sich über das Versäumnis einen anderen aufregt, das
a) jedem passieren kann
und
b) dem AG selbst gerade passiert ist, denn die "Belastung" hängt nur daran, dass der AG nach gerade mal einem Jahr keinen problemlosen Zugang zu "alten" Unterlagen hat?

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