Einladung per Mail nicht angekommen

Moderator: FDR-Team

Welker Huth
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Einladung per Mail nicht angekommen

Beitrag von Welker Huth »

Hallo hier,

ich hoffe, ich bin hier richtig und kann schonmal ein paar Infos erhalten. Meine Tochter ist schwerbehindert und sie hat die Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten abgeschlossen und wurde leider nicht übernommen. Sie bewirbt sich jetzt bei allen Behörden im Umkreis von mind. 50 km. Eine Absage nach der anderen. Sie bewirbt sich auch auf Stellen, für die sie noch nicht geeignet ist, aber wie will sie sonst Erfahrungen sammeln? Aus dem Unterricht Arbeitsrecht/Personlwesen weiß sie, dass sie gegenüber Behörden Ansprüche geltend machen kann, wenn sie nicht zu einem Bewerbergespräch eingeladen wird, obwohl sie für die ausgeschriebene Stelle geeignet ist. Sie hat so langsam bisschen die Faxen dicke, demotiviert, enttäuscht, da sie auch mit 1 abgeschlossen hat. Sie hatte sich auf eine Stelle beworben, wo sie wirklich alles mitbringt. In der Stellenanzeige steht aber nur das Übliche (Ausbildung zur Verwaltungsflachangestellten Teamfähigkeit, Lernbereitschaft, Office-Kenntnisse, Flexibilität bzgl. Arbeitszeit). Von denen hatte sie echt eine Einladung erwartet. Nichts. Nach 6 Wochen ruft an und fragt nach. Ihr wurde gesagt, dass sie vor vier Wochen bereits eine Einladung per Mail bekommen hat. Sie fiel aus allen Wolken. Sie hat definitiv keine bekommen. Das glaube ich ihr natürlich. Sie ist dann zur Behörde gefahren, musste eh dorthin, weil ist ausgerechnet die Behörde, wo sie sich regelmäßig melden muss. Sie ist dann zur Personalsachearbeiterin und hat sich die Mail zeigen lassen. Die lag in ausgedruckter Form vor. Meine Tochter fragte, ob die Personalerin eine Fehlermeldung oder Lesebestätigung erhalten hat. Dies verneinte die Personalerin. Die meinte dann wohl nur etwas besserwisserisch und auch arrogant, dass meine Tochter halt auch regelmäßig ihren Spam-Ordner überprüfen muss und die Schuld nicht bei der Behörde liegt. Meine Tochter hat gesehen, dass die Mailadresse auf dem Ausdruck gestimmt hat. Sie guckt aber nicht wirklich alle Mails in ihrem Spam-Ordner nach (wer macht das schon?) und sie löscht diesen regelmäßig. Wenn da also eine Mail gewesen ist, dann ist die weg. Sie ist schon sehr wütend und auch überrascht, dass eine Einladung zu einem Bewerbergespräch von einer Behörde per Mail verschickt wird. Kenne ich selbst auch nur aus der Privaten. Meine Tochter hat auch den Gedanken, ob die Behörde auf diesem Wege der Einladung weniger gern gesehene Bewerber loswerden möchte. Sie überlegt also, ob sie nicht irgendwelche Ansprüche einfordern soll. Ich habe ihr davon abgeraten, weil sie sich dort ja evtl. nochmal bewerben möchte und dann wird sie wohl keine Chancen mehr haben. Ich glaube auch, dass sie keine Chance haben wird, weil die Behörde beweisen kann, dass sie eine Einladung an die richtige Mailadresse verschickt hat. Aber ist das tatsächlich so? Reicht eine Einladung per Mail, die ja durchaus, wie leider bei meiner Tochter, im Spamordner landen kann?

Ich freue mich auf Ihre Antworten.

Liebe Grüße

FelixSt
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Re: Einladung per Mail nicht angekommen

Beitrag von FelixSt »

Ach so - weil sie sich auf Stellen bewirbt, für die sie nicht geeignet ist, hat sie jetzt "die Faxen dicke"? Oder weil sie trotz Erwartens wichtiger Mails nicht den Spamfilter kontrolliert?! "Irgendwelche Ansprüche einfordern" ist natürlich eine super Idee. AGG-Hopper sind ganz schnell überall auf der schwarzen Liste.
Ich empfehle jedem, selbst zu denken und es sich nicht von unseren Forengutmenschen wie z.B. lottchen abnehmen zu lassen.

FM
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Re: Einladung per Mail nicht angekommen

Beitrag von FM »

Es gibt keine Vorschrift, dass solche Einladungen per Briefpost (die auch verloren gehen kann) oder mit Zustellungsurkunde versandt werden müssen. Auch öffentliche Arbeitgeber müssen nur "einladen", aber nicht nachfragen ob die Einladung auch ankam.

SusanneBerlin
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Re: Einladung per Mail nicht angekommen

Beitrag von SusanneBerlin »

Tipp: zukünftig bei Bewerbungen keine e-mail-Adresse angeben, dann kann die Antwort auch nur per Brief erfolgen.
Grüße, Susanne

Welker Huth
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Re: Einladung per Mail nicht angekommen

Beitrag von Welker Huth »

Herr FelixSt, meine Tochter bewirbt sich AUCH auf Stellen, bei denen sie nicht zu 100 % geeignet ist. Primär aber natürlich auf Stellen, bei denen alles passt. Eine Einladung per Mail wurde eben nicht erwartet, da die Bewerbung auch schriftlich erfolgte. Und warum soll man seinen Spamordner auf Mails von Behörden kontrollieren müssen? Wie oft soll man dann diesen Ordner kontrollieren? Mehrmals täglich, einmal in der Woche? Was sind "AGG-Hopper"? Welche Liste? Wo gibts die?

FM, ok. Dann habe ich also eher Recht, dass meine Tochter es eher sein lassen sollte, weil es wahrscheinlich ausreicht, dass die Behörde belegen kann, dass sie die Einladung an die richtige Mailadresse geschickt hat? Meine Tochter könnte ja leider nicht beweisen, dass die Einladung im Spamordnee gelandet ist. Aber wenn es ausreicht, dass eine Behörde nur beweisen muss, dass sie etwas verschickt hat, ob jetzt per Mail oder mit der Post, wird wohl keiner was einfordern können?

Frau SusanneBerlin, ja, das stimmt wohl. Danke. Ich werde den Tipp weitergeben.

FM
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Re: Einladung per Mail nicht angekommen

Beitrag von FM »

Welker Huth hat geschrieben: Dann habe ich also eher Recht, dass meine Tochter es eher sein lassen sollte, weil es wahrscheinlich ausreicht, dass die Behörde belegen kann, dass sie die Einladung an die richtige Mailadresse geschickt hat?
Ja, naürlich muss das ausreichen. Und wenn die Stelle inzwischen besetzt ist, läßt sich da auch nichts mehr machen.

Nur für sehr wenige Mitteilungen ist eine förmliche Zustellung vorgeschrieben, in § 165 SGB IX aber nicht.

FelixSt
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Re: Einladung per Mail nicht angekommen

Beitrag von FelixSt »

Was heißt denn überhaupt "einfordern"? Was will sie denn einfordern? Eine zusätzliche, extra für sie zu schaffende Stelle? Oder eine Entschuldigung? Oder drei Gehälter? Oder einen Präsentkorb? Wofür? Dafür, dass sie selbst es versäumt hat, ihre Mails ordentlich zu checken?
Ich empfehle jedem, selbst zu denken und es sich nicht von unseren Forengutmenschen wie z.B. lottchen abnehmen zu lassen.

winterspaziergang
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Re: Einladung per Mail nicht angekommen

Beitrag von winterspaziergang »

Welker Huth hat geschrieben:Meine Tochter ist schwerbehindert und sie hat die Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten abgeschlossen und wurde leider nicht übernommen. Sie bewirbt sich jetzt bei allen Behörden im Umkreis von mind. 50 km. Eine Absage nach der anderen. Sie bewirbt sich auch auf Stellen, für die sie noch nicht geeignet ist, aber wie will sie sonst Erfahrungen sammeln?
:?: sie hat noch nicht die Praxis, könnte es aber mit kurzer Einarbeitung lernen :?: ansonsten macht das wenig Sinn, wobei sie als Schwerbehinderte auch eingeladen werden muss, wenn sie nicht offensichtlich ungeeignet ist
Aus dem Unterricht Arbeitsrecht/Personlwesen weiß sie, dass sie gegenüber Behörden Ansprüche geltend machen kann, wenn sie nicht zu einem Bewerbergespräch eingeladen wird, obwohl sie für die ausgeschriebene Stelle geeignet ist.
:arrow: wenn sie in ihrer Bewerbung auf die Schwerbehinderung hinweist
...Sie ist dann zur Behörde gefahren, musste eh dorthin, weil ist ausgerechnet die Behörde, wo sie sich regelmäßig melden muss. Sie ist dann zur Personalsachearbeiterin und hat sich die Mail zeigen lassen. Die lag in ausgedruckter Form vor. Meine Tochter fragte, ob die Personalerin eine Fehlermeldung oder Lesebestätigung erhalten hat. Dies verneinte die Personalerin. Die meinte dann wohl nur etwas besserwisserisch und auch arrogant, dass meine Tochter halt auch regelmäßig ihren Spam-Ordner überprüfen muss und die Schuld nicht bei der Behörde liegt.
unschön, aber vielleicht hat die Personalerin den Hinweis der Tochter, ob sie "eine Fehlermeldung oder Lesebestätigung erhalten" hat, der irgendwie den Vorwurf beinhaltet, wieso man trotz fehlender Lesebestätigung nicht nachhakt, ja auch als besserwisserisch aufgefasst?
Meine Tochter hat gesehen, dass die Mailadresse auf dem Ausdruck gestimmt hat. Sie guckt aber nicht wirklich alle Mails in ihrem Spam-Ordner nach (wer macht das schon?) und sie löscht diesen regelmäßig.
wer das macht= :?:
wer das machen sollte= wer auf wichtige Nachrichten wartet
Meine Tochter hat auch den Gedanken, ob die Behörde auf diesem Wege der Einladung weniger gern gesehene Bewerber loswerden möchte. Sie überlegt also, ob sie nicht irgendwelche Ansprüche einfordern soll. Ich habe ihr davon abgeraten, weil sie sich dort ja evtl. nochmal bewerben möchte und dann wird sie wohl keine Chancen mehr haben.
Behörden haben eigentlich ein großes Interesse Behinderte einzuladen, man trifft auf Behörden ja auch regelmäßig Menschen, die offensichtlich eine Behinderung haben.
Abseits des rechtlichen:
Vielleicht liegt es an der Bewerbung oder an Gründen, die damit zu tun haben, dass sie an ihrem Ausbildungsplatz trotz Bestnote nicht übernommen wurde?
Der Rat, keine Ansprüche geltend zu machen, war sicher gut. Nicht weil sie bei einer erneuten Bewerbung keine Chance haben wird- man muss sie bei Hinweis einer Schwerbehinderung ja einladen- sondern, weil man nach einem Konflikt selten selbst entspannt zu einem Bewerbungsgespräch gehen dürfte.

SusanneBerlin
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Re: Einladung per Mail nicht angekommen

Beitrag von SusanneBerlin »

Welker Huth hat geschrieben:Eine Einladung per Mail wurde eben nicht erwartet, da die Bewerbung auch schriftlich erfolgte. Und warum soll man seinen Spamordner auf Mails von Behörden kontrollieren müssen? Wie oft soll man dann diesen Ordner kontrollieren? Mehrmals täglich, einmal in der Woche?
Sie brauchen nicht weiter darauf herumzureiten, dass eine Einladung per e-mail nicht erwartet wurde. Denn die Gegenfrage lautet: Wozu gibt man in seiner Bewerbung eine e-mail an, wenn man nicht darauf vorbereitet ist, dass einem die Behörde eine e-mail schreibt?

Wenn man eine e-mail Adresse bekanntgibt, sollte man auch mit eingehenden e-mails rechnen. Und wenn man schon durch die Angabe der e-mail-Adresse darstellen möchte, dass man internetaffin ist und auf der Höhe der Zeit ist und mit digitalen Kommunikationmitteln vertraut ist, dass sollte man dieses Vertrautheit mit digitaler Kommunikation nicht nur vorgeben sondern auch tatsächlich die Kenntnisse haben, und zum Allgemeinwissen zu e-mail Kommunikation gehört eben der Umstand, dass mails von unbekannte Absendern schon mal im Spam-Ordner landen können. Und deshalb sollte man, wenn man seine e-mail-Adresse großzügig verteilt, eben den Spam-Ordner kontrollieren.

Eine Verpflichtung besteht dazu nicht, den Spam-Orber zu kontrollieren. Man muss eben nur mit den Folgen leben: dass einen eventuell wichtige Informationen nicht erreichen.

Genausowenig wie eine Verpflichtung besteht, zu einem Vorstellungsgespräch zu erscheinen. Die Folge, ob man die Einladung absichtlich sausen lässt, oder ob man aus Unkenntnis weil man nicht damit rechnet, sein e-mail-Postfach nicht kontrolliert, ist die Gleiche: man wird die Stelle nicht bekommen. Die Schuld sollte man bei sich selber suchen, nicht der Behörde die einen zum Vorstellungsgespäch eingeladen hat und die dazu die im Anschreiben des Bewerbers aufgeführte e-mail-Adresse verwendet hat.
Grüße, Susanne

FM
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Re: Einladung per Mail nicht angekommen

Beitrag von FM »

Lesebestätigungen bekommt man sehr oft nicht, da der Empfänger sein Postfach dafür freigeschaltet haben muss. Das machen sehr viele Leute nicht. Auch bei Ausbleiben einer Lesebestätigung kann es also nicht einmals als wahrscheinlich gelten, dass die Mail nicht ankam.

Hr. Freitag
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Re: Einladung per Mail nicht angekommen

Beitrag von Hr. Freitag »

winterspaziergang hat geschrieben:man trifft auf Behörden ja auch regelmäßig Menschen, die offensichtlich eine Behinderung haben.
:lachen:
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Zollkodex-Ritter
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Re: Einladung per Mail nicht angekommen

Beitrag von Zollkodex-Ritter »

Warum sein lassen? Der Ausdruck der E-Mail von der Personalstelle ist doch nicht das Papier wert, auf der sie ausgedruckt wurde. Diese ausgedruckte Mail ist ohne Eingangs- und Lesebestätigung eben kein Anscheinsbeweis für den Zugang. Die Personalstelle kann den Zugang der E-Mail nicht belegen.

LAG Berlin-Brandenburg, Beschluss v. 27.11.2012 - 15 Ta 2066/12
Leitsatz: Für die Darlegung des Zugangs einer E-Mail reicht es nicht aus, dass die Mail abgesandt worden ist

Seit wann darf eine Behörde unverschlüsselt und ohne Signatur mit personenbezogenen Daten als E-Mailinhalt denn überhaupt kommunizieren? Unverschlüsselte E-Mails sind genauso sicher wie Postkarten.

Ich würde damit zum Anwalt gehen. In jedem einzelnen Fall, in dem sie als Schwerbehinderte nicht eingeladen wird und die fachliche Eignung vorliegt. Es gibt dazu viele Urteile, da lohnt sich das Suchen im Internet.

Die Einladung muss nur dann nicht erfolgen, wenn die Nichteignung offensichtlich ist, zweifel reichen dafür nicht aus. Der Schwerbehinderte soll in die Lage versetzt werden, diese Zweifel in einem Gespräch auszuräumen.

Kleiner Tipp am Rande: Der Zoll sucht zur Zeit massig Mitarbeiter. http://www.zoll.de/DE/Der-Zoll/Beruf-un ... _node.html

freemont
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Re: Einladung per Mail nicht angekommen

Beitrag von freemont »

Zollkodex-Ritter hat geschrieben:Warum sein lassen? Der Ausdruck der E-Mail von der Personalstelle ist doch nicht das Papier wert, auf der sie ausgedruckt wurde. Diese ausgedruckte Mail ist ohne Eingangs- und Lesebestätigung eben kein Anscheinsbeweis für den Zugang. Die Personalstelle kann den Zugang der E-Mail nicht belegen.

LAG Berlin-Brandenburg, Beschluss v. 27.11.2012 - 15 Ta 2066/12
Leitsatz: Für die Darlegung des Zugangs einer E-Mail reicht es nicht aus, dass die Mail abgesandt worden ist

Seit wann darf eine Behörde unverschlüsselt und ohne Signatur mit personenbezogenen Daten als E-Mailinhalt denn überhaupt kommunizieren? Unverschlüsselte E-Mails sind genauso sicher wie Postkarten.

Ich würde damit zum Anwalt gehen. In jedem einzelnen Fall, in dem sie als Schwerbehinderte nicht eingeladen wird und die fachliche Eignung vorliegt. Es gibt dazu viele Urteile, da lohnt sich das Suchen im Internet.

Die Einladung muss nur dann nicht erfolgen, wenn die Nichteignung offensichtlich ist, zweifel reichen dafür nicht aus. Der Schwerbehinderte soll in die Lage versetzt werden, diese Zweifel in einem Gespräch auszuräumen.

Kleiner Tipp am Rande: Der Zoll sucht zur Zeit massig Mitarbeiter. http://www.zoll.de/DE/Der-Zoll/Beruf-un ... _node.html
Bund bedeutet aber bundesweite Versetzbarkeit. Das mag nicht Jede(r).

Es ist natürlich richtig, dass die Behörde den Zugang der Mail ncht nachweisen kann. Sie kann aber die Absendung beweisen.

Auch wenn der Zugang tatsächlich nicht erfolgt ist, ändert das nichts an der Tatsache, dass die Bewerberin eingeladen werden sollte.

Materiell ist das etwas völlig anderes, als wenn die Einladung ganz bewusst, etwa wegen fehlender Eignung o.ä. unterbleibt. Das "kann" laut BAG eine Diskriminierung begründen.

Wenn wie hier aber keinerlei Zusammenhang zwischen Benachteiligung und Behinderung besteht, gibt es auch keine Indizwirkung, dass die Benachteiligung behinderungsbedingt ist. Die Behörde kann das widerlegen. Dass die Einladung deshalb per Mail erfolgt ist, weil man damit gerechnet hat, die Mail würde nicht gelesen, kann man wohl nicht ernsthaft vertreten.

Das sollte man jedenfalls bedenken, bevor man sich hier in Unkosten stürzt. Die Aktenlage die von der Behörde ggf. vorgetragen wird und was die SB ggf. als Zeugin aussagt ist maßgeblich.

Zollkodex-Ritter
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Re: Einladung per Mail nicht angekommen

Beitrag von Zollkodex-Ritter »

Ganz so einfach kann es sich die Personalstelle nicht machen. Ich bin dann nicht zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen, wenn mir keine Einladung zugegangen ist. Ich kann also guten Gewissens behaupten, dass ich nicht eingeladen wurde.

Die Absendung einer E-Mail ohne Lesebestätigung ist kein Beweis dafür, dass die E-Mail zugegangen ist. Die Beweislast des Zugangs liegt bei demjenigen, der sich auf den Zugang beruft, und das ist die Personalstelle. Diese kann den Beweis nicht führen.

Auch wenn die Nicht-Einladung nicht wegen der Eigenschaft der Schwerbehinderung erfolgt ist, handelt es sich um eine Nichteinladung, die der Arbeitgeber zu verantworten hat, denn dieser hat ein untaugliche Form der Zustellung gewählt, die im übrigen meiner Meinung nach entgegen den Bestimmungen des Datenschutzes erfolgt ist. Absichtlichkeit kann zumindest ich nicht ausschließen, weil eine derartige Verfahrensweise meinen Erfahrungen nach unüblich ist.

Nein, Zoll heisst nicht automatisch bundesweite Versetzbarkeit, insbesondere nicht bei schwerbehinderten Tarifbeshäftigten in den unteren Entgeltgruppen. Ist auch in den Anforderungsprofilen, die ich mir angeschaut habe, auch nicht gefordert.

freemont
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Re: Einladung per Mail nicht angekommen

Beitrag von freemont »

Zollkodex-Ritter hat geschrieben:Ganz so einfach kann es sich die Personalstelle nicht machen. Ich bin dann nicht zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen, wenn mir keine Einladung zugegangen ist. Ich kann also guten Gewissens behaupten, dass ich nicht eingeladen wurde.

Die Absendung einer E-Mail ohne Lesebestätigung ist kein Beweis dafür, dass die E-Mail zugegangen ist. Die Beweislast des Zugangs liegt bei demjenigen, der sich auf den Zugang beruft, und das ist die Personalstelle. Diese kann den Beweis nicht führen.

Auch wenn die Nicht-Einladung nicht wegen der Eigenschaft der Schwerbehinderung erfolgt ist, handelt es sich um eine Nichteinladung, die der Arbeitgeber zu verantworten hat, denn dieser hat ein untaugliche Form der Zustellung gewählt, die im übrigen meiner Meinung nach entgegen den Bestimmungen des Datenschutzes erfolgt ist. Absichtlichkeit kann zumindest ich nicht ausschließen, weil eine derartige Verfahrensweise meinen Erfahrungen nach unüblich ist.

Nein, Zoll heisst nicht automatisch bundesweite Versetzbarkeit, insbesondere nicht bei schwerbehinderten Tarifbeshäftigten in den unteren Entgeltgruppen. Ist auch in den Anforderungsprofilen, die ich mir angeschaut habe, auch nicht gefordert.

Es geht hier nicht um eine Kündigung o.ä.

Es geht hier im ergebnis darum die Indizwirkung des § 22 AGG zu widerlegen.
§ 22
Beweislast

Wenn im Streitfall die eine Partei Indizien beweist, die eine Benachteiligung wegen eines in § 1 genannten Grundes vermuten lassen, trägt die andere Partei die Beweislast dafür, dass kein Verstoß gegen die Bestimmungen zum Schutz vor Benachteiligung vorgelegen hat.
Und, ja, so einfach wird sich das die Behörde machen. Sie wird diese Indizien ggf. widerlegen.

Weshalb ein Gericht diesem Vortrag ggf. nicht folgen sollte ist nicht ersichtlich. Es kommt ganz extrem selten vor, dass Richter den Behördenvertretern nicht glauben und/oder die Aktenlage übergehen.

Mir ist es egal, es ist nicht mein Geld. Aber bevor ich mich da in Unkosten stürzen würde, würde ich mir das reiflich überlegen.

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