Darf die Kirche diskriminieren?

Moderator: FDR-Team

Katharina Schwarzen
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Darf die Kirche diskriminieren?

Beitrag von Katharina Schwarzen »

Hallo,

jemand hatte zwei Vorstellungsgespräche. Eins bei einer Diakonie und eins bei einem Kirchenamt. Jeweils ging es um eine Stelle als Personalsachbearbeiter.

Im Vorstellungsgespräch kam jeweils die Frage, ob dieser jemand in der ev. Kirche ist. Antwort war jeweils "Nein". Daraufhin sagte man diesem jemand, dass man aber in der ev. Kirche sein müsste, um jeweils dort arbeiten zu können. Dieser jemand könnte in die Kirche eintreten oder man müsste ihm wegen fehlender Kirchenzugehörigkeit eine Absage erteilen.

Aber ist das überhaupt Rechtens, besonders in Bezug auf die Stelle eines Personalsachbearbeiters?

Wie sieht es auch aus, wenn bereits in der Stellenanzeige steht, dass Bewerber der (ev. oder kath.) Kirche angehören müssen?

Danke.

LG

ExDevil67
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Re: Darf die Kirche diskriminieren?

Beitrag von ExDevil67 »

Grundsätzlich, ja die Kirche darf mit Segen der weltlichen Gerichte im Bezug auf den Glauben diskrminieren.
Ob das auch für einen Personalsachbearbeiter gilt, muss ich passen. Im Extremfall wird man das erst mal ausklagen müssen.

winterspaziergang
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Re: Darf die Kirche diskriminieren?

Beitrag von winterspaziergang »

Katharina Schwarzen hat geschrieben:
Wie sieht es auch aus, wenn bereits in der Stellenanzeige steht, dass Bewerber der (ev. oder kath.) Kirchd angehören müssen?
Die Kirchen dürfen ihr Selbstbestimmungs- und Selbstverwaltungsrecht ausüben.
Dazu gehören u.a. Bestimmungen in Bezug auf kirchliche Glaubens- und Moralvorstellungen.
Grundsätzlich, ja die Kirche darf mit Segen der weltlichen Gerichte im Bezug auf den Glauben diskriminieren.
wäre auch schwierig, ohne "Diskriminierung auf den Glauben" überhaupt eine Kirche (oder sonstige Gruppierung ) zu bilden und auszuleben.

khmlev
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Re: Darf die Kirche diskriminieren?

Beitrag von khmlev »

Wohl nicht mehr in jedem Fall; siehe Link
https://www.zeit.de/news/2018-04/17/kir ... -99-925281
Gruß
khmlev
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webmaster76
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Re: Darf die Kirche diskriminieren?

Beitrag von webmaster76 »

Nach dem verlinkten Urteil des EuGH haben die beiden Arbeitgeber aus meiner Sicht unrechtmäßig gehandelt.

Hat der Betroffene nur die mündliche Aussage aus dem Bewerbungsgespräch, müsste er nachweisen können, dass diese so getroffen wurde. Der Personalverantwortliche würde dies mit Sicherheit vor einem Gericht verneinen.
Steht die Konfession als Voraussetzung bereits in der Stellenausschreibung, sieht die Sache schon anders aus.

Die Frage ist, was der Betroffene bezwecken möchte? Schadensersatz oder sich auf die Stelle "reinklagen"? Im zweiteren Fall sollte man bedenken, dass es mit Sicherheit so etwas wie eine Probezeit geben wird und bei solchen Einrichtungen das Betriebsverfassungsgesetz nicht zieht. Man also am Ende schneller wieder raus wie drin ist...

Katharina Schwarzen
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Re: Darf die Kirche diskriminieren?

Beitrag von Katharina Schwarzen »

Ging bzw geht nur darum, was erlaubt ist und was nicht.

Ob reinklagen oder Entschäfigung ... so oder so dürfte es sich mit dem AG erledigt haben.

Evariste
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Re: Darf die Kirche diskriminieren?

Beitrag von Evariste »

webmaster76 hat geschrieben: Die Frage ist, was der Betroffene bezwecken möchte? Schadensersatz oder sich auf die Stelle "reinklagen"?
Siehe § 15 Abs. 6 AGG. Ein "reinklagen" gibt es nicht, nur Schadenersatz.

webmaster76
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Re: Darf die Kirche diskriminieren?

Beitrag von webmaster76 »

Evariste hat geschrieben:
webmaster76 hat geschrieben: Die Frage ist, was der Betroffene bezwecken möchte? Schadensersatz oder sich auf die Stelle "reinklagen"?
Siehe § 15 Abs. 6 AGG. Ein "reinklagen" gibt es nicht, nur Schadenersatz.
Deswegen war das Reinklagen auch in Anführungszeichen gesetzt. Damit war gemeint, dass der Bewerber die Hoffnung hat, unter Androhung von Rechtsmitteln den Arbeitgeber dazu zu bewegen, ihn zu nehmen (um Schadensersatzzahlungen zu vermeiden). Ein rechtlicher Anspruch auf die Stelle wegen der Diskriminierung besteht natürlich nicht.

windalf
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Re: Darf die Kirche diskriminieren?

Beitrag von windalf »

Der Personalverantwortliche würde dies mit Sicherheit vor einem Gericht verneinen.
Das kann ich mir nicht vorstellen. Dann wäre er ja selbst ein Ketzer...
Das achte Gebot hat geschrieben: Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.
...fleißig wie zwei Weißbrote
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Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

SusanneBerlin
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Re: Darf die Kirche diskriminieren?

Beitrag von SusanneBerlin »

windalf hat geschrieben:Das kann ich mir nicht vorstellen. Dann wäre er ja selbst ein Ketzer...
Sünder ist die passende Vokabel, ein Ketzer ist was anderes.

Denn wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein!
Grüße, Susanne

FM
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Re: Darf die Kirche diskriminieren?

Beitrag von FM »

Das dürfte davon abhängen, welche Aufgaben der Personalsachbearbeiter hat. Wenn es nur um Gehaltsabrechnungen und dergleichen geht, wird man die Notwendigkeit kaum begründen können. Falls er auch Personalentscheidungen trifft, mit der Mitarbeitervertretung kooperiert, Zeugnisse schreiben soll usw. wäre es eher denkbar.

Die Kirchen unterscheiden auch noch zwischen "war noch nie Mitglied" (dann ist es für bestimmte Tätigkeiten möglich und "ist aus der Kirche ausgetreten" (dann unmöglich).

In Stellenanzeigen wird es oft verklausuliert wie "den diakonischen Auftrag der Einrichtung bejahen". Aber als Indiz im Sinne des AGG dürfte oft schon die Loyalitätsrichtlinie der jeweiligen Landeskirche ausreichen, die sind da meist sehr deutlich (bzw. die Grundordnung des kath. Bistums für den kirchlichen Dienst).

Oktavia
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Re: Darf die Kirche diskriminieren?

Beitrag von Oktavia »

Kirchen dürfen leider immer noch diskriminieren. Hier der aktuelle Fall eines Lehrers Link zum Artikel

Unverheiratete Homosexuelle kann man mittlerweile beschäftigen, verheiratete nicht.
"Alte Leute sind gefährlich; sie haben keine Angst vor der Zukunft."
George Bernard Shaw

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winterspaziergang
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Re: Darf die Kirche diskriminieren?

Beitrag von winterspaziergang »

Oktavia hat geschrieben:Kirchen dürfen leider immer noch diskriminieren. Hier der aktuelle Fall eines Lehrers Link zum Artikel

Unverheiratete Homosexuelle kann man mittlerweile beschäftigen, verheiratete nicht.
:arrow:
Die Kirchen dürfen ihr Selbstbestimmungs- und Selbstverwaltungsrecht ausüben.
Dazu gehören u.a. Bestimmungen in Bezug auf kirchliche Glaubens- und Moralvorstellungen.

windalf
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Re: Darf die Kirche diskriminieren?

Beitrag von windalf »

Unverheiratete Homosexuelle kann man mittlerweile beschäftigen, verheiratete nicht.
Das liegt vermutlich daran, dass die mit dem Sex ja bis zur Ehe warten und vorher ja noch nichts sündhaftes getan haben :devil:

Endet dann der Arbeitsvertrag direkt fristlos mit Eheschließung oder gilt da noch eine Kündigungsfrist?
...fleißig wie zwei Weißbrote
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Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

Oktavia
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Re: Darf die Kirche diskriminieren?

Beitrag von Oktavia »

windalf hat geschrieben:
Unverheiratete Homosexuelle kann man mittlerweile beschäftigen, verheiratete nicht.
Das liegt vermutlich daran, dass die mit dem Sex ja bis zur Ehe warten und vorher ja noch nichts sündhaftes getan haben :devil:

Endet dann der Arbeitsvertrag direkt fristlos mit Eheschließung oder gilt da noch eine Kündigungsfrist?
Ahhhh du durchblickst das System :mrgreen: danke für die Erklärung. Ich vermute mal, das ist auch der Grund warum Geistliche die Kinder missbraucht haben, nicht rausgeworfen werden... Die haben die Kinder ja nicht geheiratet :engel: :shock:
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