Arbeitgeber teilt 13. Gehalt in Urlaubs- und Weihnachtsgeld

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constanze
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Arbeitgeber teilt 13. Gehalt in Urlaubs- und Weihnachtsgeld

Beitrag von constanze » 12.12.18, 09:38

Im Arbeitsvertrag bei Arbeitnehmer X ist ein 13. Gehalt verankert.
Nun bezahlt der Arbeitgeber plötzlich das 13. Gehalt als Urlaubs- und Weihnachtsgeld aufgeteilt aus (im Verhältnis 30/70 %)
In der Summe macht das ja keinen Unterschied, aber ist das rechtens (ohne Rücksprache oder Vertragsänderung) bzw. birgt das irgendwelche Nachteile für den Arbeitnehmer?

SusanneBerlin
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Re: Arbeitgeber teilt 13. Gehalt in Urlaubs- und Weihnachtsg

Beitrag von SusanneBerlin » 12.12.18, 10:01

Hallo,

einen Unterschied könnte es am Anfang und am Ende des Arbeitsverhältnisses machen, weil die Auszahlungszeitpunkte Urlaubs- und Weihnachtsgeld zu unterschiedlichen Zeitpunkten liegen. Im laufenden Arbeitsverhältnis macht es in der Gesamtsumme keinen Unterschied. Es ist eher als Vorteil zu sehen, da der AN die 30% bereits in der Jahresmitte erhält und nicht erst gegen Ende des jeweiligen Jahres.

Ob die Aufteilung des 13. Gehalts rechtmäßig ist, dazu kann man nur etwas sagen, wenn man die vertragliche Vereinbarung, den anzuwendenden Tarifvertrag und eventuell vorhandene Betriebsvereinbarungen inklusive Rückzahlungsregelungen im Wortlaut kennt, da der Begriff "13. Gehalt" nicht gesetzlich definiert ist.
Nun bezahlt der Arbeitgeber plötzlich das 13. Gehalt als Urlaubs- und Weihnachtsgeld aufgeteilt aus
Was heißt "plötzlich"? Handelt es sich um ein neues Arbeitsverhältnis oder hat der Arbeitgeber jahrelang in einem Betrag gezahlt und jetzt erstmalig die Aufteilung vorgenommen? Ist nur ein Arbeitnehmer betroffen oder betrifft es alle?

Gab es eine Erklärung oder Ankündigung des Arbeitgebers bzw. des Betriebsrats oder bekam der AN die Änderung erst durch die Höhe des Gehaltseingangs mut?
Zuletzt geändert von SusanneBerlin am 12.12.18, 10:28, insgesamt 1-mal geändert.
Grüße, Susanne

constanze
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Re: Arbeitgeber teilt 13. Gehalt in Urlaubs- und Weihnachtsg

Beitrag von constanze » 12.12.18, 10:26

Es wurde 16 Jahre lang als 13. Gehalt mit dem Dezembergehalt bezahlt. Im vorigen Jahr hatte eine neue Mitarbeiterin fälschlicherweise Urlaubsgeld ausbezahlt, was dann mit dem 13. Gehalt im Dezember verrechnet wurde. (Dazu gab es aber ein Telefonat und eine entsprechnede Vereinbarung). Dieses Jahr passierte es tatsächlich ohne Vorankündigung. Was bei den anderen Mitarbeitern geht, kann ich nicht sagen, da es sehr viele verschiedene Arbeitsverträge gibt. Die Neuverträge sind normalerweise mit Urlaubs- und Weihnachtsgeld.

SusanneBerlin
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Re: Arbeitgeber teilt 13. Gehalt in Urlaubs- und Weihnachtsg

Beitrag von SusanneBerlin » 12.12.18, 10:48

Der AG möchte anscheinend sukzessiv die Aufteilung des 13. Gehalts einführen, indem bei Neuverträgen die aufgeteilte Auszahlung vereinbart wird.

Wie gesagt, ohne die Kenntnis des Arbeitsvertrags und ob die Modalitäten des 13. Gehalts auf eine Betriebsvereinbarung zurückgehen, kann man nicht viel dazu sagen. Aus Sicht des Betriebsrats stellt eine vorgezogene Zahlung von 30% als Urlaubsgeld sicherlich eine Verbesserung dar, deshalb kann ich mir gut vorstellen, dass die Änderung auf eine Initiative des BR hin erfolgt ist, falls das Unternehmen einen BR hat.

Falls der AN ernsthaft daran interessiert ist, ob eine Änderung der Auszahlungsmodalität von der arbeitsvertraglichen Vereinbarung abgedeckt ist, müsste er die Informationen liefern.

Man fragt sich halt, was der AN erreichen möchte. Ein Nachteil ist vorbehaltlich der Konditionen im Detail nicht erkennbar.
Grüße, Susanne

zimtrecht
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Re: Arbeitgeber teilt 13. Gehalt in Urlaubs- und Weihnachtsg

Beitrag von zimtrecht » 12.12.18, 10:51

Wer macht denn so einen Murks?

Üblicherweise fordert man versehentlich geleistete Zahlungen zurück und gleicht nicht einen Fehler mit einem neuen Fehler aus. Kleines Beispiel: Arbeitnehmerin A geht in Elternzeit und benötigt für den Antrag auf Elterngeld den Gehaltsnachweis - schwupps fallen ihr Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld als "Sonderzahlung" durch Abzüge auf die Füße, während ein reguläres "13. Gehalt" einfach mitzählt bei der Ermittlung....

hggord
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Re: Arbeitgeber teilt 13. Gehalt in Urlaubs- und Weihnachtsg

Beitrag von hggord » 12.12.18, 11:05

Könnte die Aufteilung zu einer geringeren Nettogesamtzahlung führen?

Grund: Verdient der AN unterhalb der Beitragsbemessungsgrenzen für die Sozialversicherung könnten bei aufgeteilter Zahlung insgesamt höhere Sozialabgaben anfallen. Wird alles in einem Monat gezahlt könnte ein größerer Teil der Zahlung oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze liegen und wäre nicht abgabenpflichtig Oder irre ich mich hier und der Betrag wird über die Jahresabrechnung ausgeglichen.

Das wäre ein Argument, dass man dem AG verdeutlichen könnte.

Glayva
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Re: Arbeitgeber teilt 13. Gehalt in Urlaubs- und Weihnachtsg

Beitrag von Glayva » 12.12.18, 12:41

@hggord
Nein, da gibt es eine komplizierte Verrechnungsmethode. Es wird eine anteilige (Jahres-)Beitragsbemessungsgrenze errechnet.
guckst du: https://www.haufe.de/personal/haufe-per ... 26800.html

hambre
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Re: Arbeitgeber teilt 13. Gehalt in Urlaubs- und Weihnachtsg

Beitrag von hambre » 12.12.18, 13:25

schwupps fallen ihr Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld als "Sonderzahlung" durch Abzüge auf die Füße, während ein reguläres "13. Gehalt" einfach mitzählt bei der Ermittlung....
Unsinn, es ist völlig egal, wie die Sonderzahlung bezeichnet wird. Auch ein 13. Gehalt ist eine Sonderzahlung.
Wird alles in einem Monat gezahlt könnte ein größerer Teil der Zahlung oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze liegen und wäre nicht abgabenpflichtig Oder irre ich mich hier und der Betrag wird über die Jahresabrechnung ausgeglichen.
Es wird zwar nicht in jedem Fall ausgeglichen, aber die Zahlung des kompletten Betrages im Dezember ist in dieser Hinsicht der Worst-Case-Fall. Das Vorziehen von Anteilen der Sonderzahlung führt nicht zu Nachteilen bei der Sozialversicherung.

matthias.
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Re: Arbeitgeber teilt 13. Gehalt in Urlaubs- und Weihnachtsg

Beitrag von matthias. » 12.12.18, 13:40

Also das 13. wird mit dem Dezembergehalt fällig?

Jetzt zahlt der AG davon 30 % schon im Sommer also bevor es überhaupt fällig ist.
Was soll daran unrechtmäßig sein, Geld im voraus zu bezahlen?

Celestro
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Re: Arbeitgeber teilt 13. Gehalt in Urlaubs- und Weihnachtsg

Beitrag von Celestro » 12.12.18, 14:21

Die wenigsten AG werden alle Zahlungen im Jahr gesetzeskonform erledigen ...
§ 11 Abs. 2 BUrlG:

Das Urlaubsentgelt ist vor Antritt des Urlaubs auszuzahlen.
wer macht das schon ?

Zum hier vorliegenden Fall stellt sich natürlich die Frage, in wieweit eine Splittung überhaupt in Ordnung geht. Wieso ist das 13. Gehalt überhaupt zusammengesetzt aus Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld ?

ExDevil67
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Re: Arbeitgeber teilt 13. Gehalt in Urlaubs- und Weihnachtsg

Beitrag von ExDevil67 » 12.12.18, 14:51

Celestro hat geschrieben:Wieso ist das 13. Gehalt überhaupt zusammengesetzt aus Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld ?
Gar nicht. So wie ich das lese ist nur ein 13. Gehalt vereinbart das bisher immer in der Form eines doppelten Gehaltes im Dezember ausbezahlt wurde. Da ich hier nix von irgendwelchen Betriebsvereinbarungen mit einem evtl vorhandenen BR lese, würde ich sagen ist durch entsprechende Übung eine individuelle Vereinbarung der Form entstanden das es im Dezember doppeltes Gehalt gibt. Darauf würde ich auch die Person hinweisen die die Abrechnung vornimmt.
Wenn der AG das ändern will um das Einheitlich zu haben, soll er sich melden.

Und ja ich sehe an einer Aufteilung 30/70 auf Sommer und Winter einen möglichen Nachteil für den AN.
Wenn nämlich vertraglich fixiert ist das ich im Juli 30% und im Dezember 70% des monatlichen Bruttos extra bekomme, dürfte ich als AN bei einer Kündigung zum 30.9 bezüglich der 70% vom Dezember in die Röhre gucken.
Bei pauschal vereinbarten 13 Gehältern könnte man durchaus einen Anspruch auf 9/12 des 13. Gehaltes haben.

SusanneBerlin
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Re: Arbeitgeber teilt 13. Gehalt in Urlaubs- und Weihnachtsg

Beitrag von SusanneBerlin » 12.12.18, 15:30

Und ja ich sehe an einer Aufteilung 30/70 auf Sommer und Winter einen möglichen Nachteil für den AN.
Wenn nämlich vertraglich fixiert ist das ich im Juli 30% und im Dezember 70% des monatlichen Bruttos extra bekomme, dürfte ich als AN bei einer Kündigung zum 30.9 bezüglich der 70% vom Dezember in die Röhre gucken.
Bei pauschal vereinbarten 13 Gehältern könnte man durchaus einen Anspruch auf 9/12 des 13. Gehaltes haben.
Laut TE ist pauschal ein 13. Gehalt vereinbart, Nachfragen zu Konditionen und Rückzahlungsvereinvarungen wurden nicht beantwortet. Eine Zusatzvereinbarung zur Änderung des Auszahlungstermins hat es nicht gegeben. Bei einer Kündigung zum 30.9. hätte man folglich trotzdem noch den Anspruch auf den fehlenden Betrag bis 9/12, auch wenn man einen Teil davon bereits im Juni erhalten hat.
Grüße, Susanne

matthias.
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Re: Arbeitgeber teilt 13. Gehalt in Urlaubs- und Weihnachtsg

Beitrag von matthias. » 13.12.18, 07:59

SusanneBerlin hat geschrieben:
Und ja ich sehe an einer Aufteilung 30/70 auf Sommer und Winter einen möglichen Nachteil für den AN.
Wenn nämlich vertraglich fixiert ist das ich im Juli 30% und im Dezember 70% des monatlichen Bruttos extra bekomme, dürfte ich als AN bei einer Kündigung zum 30.9 bezüglich der 70% vom Dezember in die Röhre gucken.
Bei pauschal vereinbarten 13 Gehältern könnte man durchaus einen Anspruch auf 9/12 des 13. Gehaltes haben.
Laut TE ist pauschal ein 13. Gehalt vereinbart, Nachfragen zu Konditionen und Rückzahlungsvereinvarungen wurden nicht beantwortet. Eine Zusatzvereinbarung zur Änderung des Auszahlungstermins hat es nicht gegeben. Bei einer Kündigung zum 30.9. hätte man folglich trotzdem noch den Anspruch auf den fehlenden Betrag bis 9/12, auch wenn man einen Teil davon bereits im Juni erhalten hat.

Genau so ist es. :lachen:

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