Ausbildungsende: Konditionen bei Weiterbeschäftigung

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web-chris
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Ausbildungsende: Konditionen bei Weiterbeschäftigung

Beitrag von web-chris » 17.06.19, 11:23

Hallo,

nehmen wir an, ein Auszubildender hat in seinem Vertrag die Klausel stehen, dass "nach Ende der Ausbildungszeit das Arbeitsverhältnis unbefristet fortgeführt wird, sofern nichts anders vereinbart wird".

Es wird nichts anderes vereinbart, man ist sich aber mündlich einig, das Arbeitsverhältnis in dem erlernten Beruf fortzusetzen. Welche Vertragskonditionen, hier speziell die Frage nach dem Gehalt, wird dann zugrunde gelegt? Gilt der Gehaltsdurchschnitt vergleichbarer Mitarbeiter in dem Unternehmen, der Mindest- oder der Tariflohn?

Beste Grüße,

Christian
Gruß

Chris

SusanneBerlin
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Re: Ausbildungsende: Konditionen bei Weiterbeschäftigung

Beitrag von SusanneBerlin » 17.06.19, 11:31

Wenn der Arbeitgeber einem Tarifverband angeschlossen ist oder wenn es einen allgemeinverbindlichen Tarif gibt, dann natürlich Tariflohn.

Wenn es keinen verbindlichen Tarif gibt, ist die Höhe des Lohns Verhandlungssache.
Üblicherweise wird trotz der Klausel im Ausbildungsvertrag, nach dem Bestehen der Abschlussprüfung, ein eigenständiger Arbeitsvertrag geschlossen.
Den vom Arbeitgeber vorgeschlagenen Arbeitsvertrag kann der ausgelernte Azubi annehmen, nachverhandeln oder ausschlagen.
Grüße, Susanne

FelixSt
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Re: Ausbildungsende: Konditionen bei Weiterbeschäftigung

Beitrag von FelixSt » 17.06.19, 11:36

Das mit dem Durchschnittslohn vergleichbarer Kollegen ist ja wirklich drollig... :lachen:
Ich empfehle jedem, selbst zu denken und es sich nicht von unseren Forengutmenschen wie z.B. lottchen abnehmen zu lassen.

SusanneBerlin
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Re: Ausbildungsende: Konditionen bei Weiterbeschäftigung

Beitrag von SusanneBerlin » 17.06.19, 11:39

Vergleichbar sind ja nur andere, frisch Ausgelernte.
Wenn der AG also 2 Azubis hat und beide übernimmt und beiden dasselbe zahlt, hat jeder den Durchschnittslohn der vergleichbaren Kollegen.
Grüße, Susanne

web-chris
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Re: Ausbildungsende: Konditionen bei Weiterbeschäftigung

Beitrag von web-chris » 17.06.19, 11:42

Danke Susanne, das ist mir soweit schon klar. Aber nehmen wir an, es gibt zwei Azubis, von denen einer geht und einer bleibt (bleiben soll). Es gibt aber keinerlei Verhandlung oder Schriftstück, weil es im Vorfeld versäumt wurde und der AG auch keinem Tarifverbund angehört.
Gruß

Chris

FelixSt
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Re: Ausbildungsende: Konditionen bei Weiterbeschäftigung

Beitrag von FelixSt » 17.06.19, 11:44

Dann gibt es Gehalt nach Vereinbarung, und diese wird der AG schon noch thematisieren...

Eine frisch ausgelernte Fachkraft könnte natürlich auch auf die Idee kommen, sich mal direkt mit allen weiteren Kräften derselben Fachrichtung zu vergleichen... "Der Herr Müller ist doch auch gelernter Bürokaufmann, genau wie ich - und nur, weil der dumme Hund schon 35 Jahre hier ist, kriegt der 500 € mehr?!"
Zuletzt geändert von FelixSt am 17.06.19, 11:45, insgesamt 1-mal geändert.
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Tastenspitz
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Re: Ausbildungsende: Konditionen bei Weiterbeschäftigung

Beitrag von Tastenspitz » 17.06.19, 11:44

Es gibt für nahezu alle Ausbildungsberufe frei verfügbare Quellen, um sich hier selber einzuschätzen. GidF.
Wer für generelle Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen ist, hebe bitte den rechten Fuß.
Für individuelle Rechtsberatung bitte "ALT" und "F4" auf der Tastatur gleichzeitig drücken.

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Re: Ausbildungsende: Konditionen bei Weiterbeschäftigung

Beitrag von SusanneBerlin » 17.06.19, 11:56

web-chris hat geschrieben:
17.06.19, 11:42
Danke Susanne, das ist mir soweit schon klar. Aber nehmen wir an, es gibt zwei Azubis, von denen einer geht und einer bleibt (bleiben soll). Es gibt aber keinerlei Verhandlung oder Schriftstück, weil es im Vorfeld versäumt wurde und der AG auch keinem Tarifverbund angehört.
Das heißt, der neue Facharbeiter arbeitet bereits, aber er hat keinen blaßen Schimmer für welches Gehalt er arbeitet?
Dann könnte er einfach mal den Arbeitgeber/Personalabteilung fragen. :idea:

Wenn es im Vorfeld (was immer das heißen mag) versäumt wurde, dann macht man es eben jetzt. Es ist (fast) nie zu spät!
Grüße, Susanne

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Re: Ausbildungsende: Konditionen bei Weiterbeschäftigung

Beitrag von matthias. » 17.06.19, 12:10

Gibt dazu sogar einen § im BGB:

https://dejure.org/gesetze/BGB/612.html


Ansonsten halte ich die Klausel mit dem weiterbestehen den Vertrages allerdings für nichtig, weil das laut BBiG so nicht vorgesehen ist. Der Azubi ist nicht gebunden nach der Prüfung.
Nach der Klausel müsste er ja quasie kündigen wenn er nicht weiter arbeiten wollte, das muss er nicht.

SusanneBerlin
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Re: Ausbildungsende: Konditionen bei Weiterbeschäftigung

Beitrag von SusanneBerlin » 17.06.19, 12:31

matthias. hat geschrieben:
17.06.19, 12:10
Gibt dazu sogar einen § im BGB:

https://dejure.org/gesetze/BGB/612.html
Naja dass er nicht umsonst arbeitet scheint dem TE schon klar zu sein. Er will eben wissen, wieviel er konkret erwarten kann.



matthias. hat geschrieben:
17.06.19, 12:10
Ansonsten halte ich die Klausel mit dem weiterbestehen den Vertrages allerdings für nichtig, weil das laut BBiG so nicht vorgesehen ist. Der Azubi ist nicht gebunden nach der Prüfung.
Nach der Klausel müsste er ja quasie kündigen wenn er nicht weiter arbeiten wollte, das muss er nicht.
im BBiG liest es sich so:
BBiG hat geschrieben:§ 24 Weiterarbeit

Werden Auszubildende im Anschluss an das Berufsausbildungsverhältnis beschäftigt, ohne dass hierüber ausdrücklich etwas vereinbart worden ist, so gilt ein Arbeitsverhältnis auf unbestimmte Zeit als begründet.
und web-chris schrieb:
web-chris hat geschrieben: "nach Ende der Ausbildungszeit das Arbeitsverhältnis unbefristet fortgeführt wird, sofern nichts anders vereinbart wird".

Ich denke, da sollte einfach nur der Gesetzestext in den Ausbildungsvertrag übernommen werden. Entweder der AG hat versehentlich den Wortlaut verändert, so dass sich ein abweichender Sinn ergibt, oder der TE hat den Vertragstext nicht korrekt zitiert.
Zuletzt geändert von SusanneBerlin am 17.06.19, 12:36, insgesamt 1-mal geändert.
Grüße, Susanne

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Re: Ausbildungsende: Konditionen bei Weiterbeschäftigung

Beitrag von matthias. » 17.06.19, 12:36

SusanneBerlin hat geschrieben:
17.06.19, 12:31
matthias. hat geschrieben:
17.06.19, 12:10
Gibt dazu sogar einen § im BGB:

https://dejure.org/gesetze/BGB/612.html
Naja dass er nicht umsonst arbeitet scheint dem TE schon klar zu sein. Er will eben wissen, mit wieviel er rechnen kann.


Das übliche :-)

s. Satz (2)

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Re: Ausbildungsende: Konditionen bei Weiterbeschäftigung

Beitrag von FM » 17.06.19, 13:43

SusanneBerlin hat geschrieben:
17.06.19, 12:31
Naja dass er nicht umsonst arbeitet scheint dem TE schon klar zu sein. Er will eben wissen, wieviel er konkret erwarten kann.
Dazu muss er ermitteln, wie hoch das ortsübliche Gehalt in der jeweiligen Branche für Berufsanfänger in diesem Beruf ist.

Falls ein Tarifvertrag existiert und dieser die Mehrzahl der gleichartigen Arbeitgeber in der Region erfasst, kann man das Tarifgehalt für wahrscheinlich halten. Falls nicht, sind empirische Erhebungen nötig, die möglicherweise das Landesamt für Statistik gemacht hat.

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Re: Ausbildungsende: Konditionen bei Weiterbeschäftigung

Beitrag von Tastenspitz » 17.06.19, 14:39

FM hat geschrieben:
17.06.19, 13:43
empirische Erhebungen nötig, die möglicherweise das Landesamt für Statistik gemacht hat.
:lachen: Ja ne is klar.... oder? :shock:
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Re: Ausbildungsende: Konditionen bei Weiterbeschäftigung

Beitrag von web-chris » 17.06.19, 15:29

Ich konkretisiere meinen Thread nochmal:

- die Ausbildungszeit endet in Kürze und besitzt vom Wortlaut her in etwa den oben erwähnten Passus
- Arbeitgeber und Azubi/Arbeitnehmer sind sich einig, dass das Beschäftigungsverhältnis nach der Ausbildung fortgesetzt werden soll
- es liegt noch kein neuer Arbeitsvertrag vor (kommt auch vielleicht bis zum Stichtag X nicht mehr)
- es gibt einen Tarifvertrag für die Branche (Einstiegsgehalt 3700), im Haus werden üblicherweise frei Schnauze zwischen 2700 und 3000 bezahlt, es wurde aber auch schon gemunkelt, dass es vielleicht auch etwas weniger sein könnte

Nun ergibt die Frage vielleicht mehr Sinn, wie viel der neue Mitarbeiter denn verdienen könnte? Kann bei einem stillschweigenden Arbeitsvertrag der Tariflohn gefordert werden oder muss das niedrigste Angebot akzeptiert werden, wenn es hart auf hart kommt? Sicherlich ist eine Verständigung auf Augenhöhe und mit Kompromissbereitschaft immer wünschenswert, aber wenn eben nichts vereinbart wurde und erst im Nachhinein die Frage aufkommt...?
Gruß

Chris

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Re: Ausbildungsende: Konditionen bei Weiterbeschäftigung

Beitrag von Tastenspitz » 17.06.19, 15:49

web-chris hat geschrieben:
17.06.19, 15:29
Kann bei einem stillschweigenden Arbeitsvertrag der Tariflohn gefordert werden oder muss das niedrigste Angebot akzeptiert werden, wenn es hart auf hart kommt?
Ich weiß zwar nicht, was ein stillschweigender Arbeitsvertrag ist, aber ohne Tarifbindung man kann fordern was immer man meint, verhandeln bis Ultimo und wird dann entweder akzeptieren, was der AG anbietet oder nach der Ausbildung woanders hingehen. So einfach ist das.
web-chris hat geschrieben:
17.06.19, 15:29
wenn eben nichts vereinbart wurde und erst im Nachhinein die Frage aufkommt...?
Wenn man nichts vereinbart, keinen Arbeitsvertrag macht und nach der Ausbildung stumpf da weiter arbeitet? Dann gilt eben im Streitfall dann das als vereinbart, was ortsüblich ist. Siehe der schon zitierte BGB 612.
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