Kollektivstrafe in der Ausbildung

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AngerDanger
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Kollektivstrafe in der Ausbildung

Beitrag von AngerDanger » 18.06.19, 18:41

Hallo zusammen,

Ich habe folgendes Problem:
Ich bin Auszubildender, allerdings schon 27 Jahre alt, und darf heute den Feierabend mit dem Abschreiben der PC-Nutzerordnung meines Ausbildungsbetriebes verbringen.
Dazu gekommen ist es weil ein nach wie vor nicht bekannter Arbeitskollege einen Loop in einer Netzwerkdose gesteckt, und damit den Server zum Absturz gebracht hat.
In unserem Betrieb teilen sich das zweite und dritte Lehrjahr eine Werkstatt. Der Loop wurde an einem unserer Arbeitsplätze (drittes Lehrjahr) gesteckt, wobei jedoch mit Sicherheit auszuschließen ist dass einer meiner Kollegen dafür verantwortlich ist. Wir vermuten dass einer der Auszubildenden des zweiten Lehrjahres dafür verantwortlich ist. Da das ganze jedoch in der Mittagspause geschehen ist, ist der tatsächliche Verursacher nicht überführbar. Da das ganze, wie bereits erwähnt, an einem unserer Arbeitsplätze passiert ist, wurde nun meine ganze Gruppe dazu verdonnert unsere PC-Nutzerordnung handschriftlich abzuschreiben. Dabei handelt es sich um zwei Din A4 Seiten in Schriftgröße 7. Das ganze ist morgen bei Dienstbeginn abzugeben.
Für mich ist es absolut unverständlich wieso nur meine Gruppe bestraft wird, wenn unsere Werkstattnachbarn doch genauso dafür Verantwortlich sein könnten. Zudem finde ich den angesetzten Zeitrahmen von unter 24 Std. für absolut unangemessen. Desweiteren heißt es in der Nutzerordnung: "Für mutwillig oder fahrlässig entstandene Schäden ist der Verursacher verantwortlich.".
Wenn jedoch eben dieser Verursacher nicht ermittelbar ist, wie kann es dann eine maßnahme sein eine Kollektivstrafe zu verhängen, und dann auch nur gegen die Hälfte der potenziell Schuldigen?

Meine Frage ist nun wie es mit der rechtlichen Grundlage für diese Strafe aussieht, weil ich nicht einsehe diese Strafarbeit auszuführen, vorallem weil mir aus terminlichen Gründen eigentlich die Zeit dazu fehlt.

Gaia
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Re: Kollektivstrafe in der Ausbildung

Beitrag von Gaia » 18.06.19, 18:54

Mal abgesheen davon, daß individuelle Rechtsberatung hier nicht vorgesehen bzw. zulässig ist: die Geschichte mit dem Abschreiben ist ein Scherz, oder?

AngerDanger
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Re: Kollektivstrafe in der Ausbildung

Beitrag von AngerDanger » 18.06.19, 19:03

Nein, leider nicht.
Im Endeffekt möchte ich auch keine Rechtsberatung, sondern einfach nur wissen wie ich mich Verhalten soll. Wenn bei uns im Betrieb mal irgendetwas schief läuft, Ausbildungsnachweis vergessen o.ä. wird immer schnell auf die Pflichten die man als Azubi hat hingewiesen, was die Rechte anbelangt werden aber gern mal beide Augen zugekniffen. Auch lässt der Umgang der Ausbilder mit den Auszubildenden oft zu wünschen übrig. Man hat das Gefühl sie würden nur auf eine Gelegenheit warten jemanden zusammenzufalten oder dumm anzumachen.
Ich habe absolut kein Problem damit mich unterzuordnen und Authorität anzuerkennen, allerdings denke ich dass mir auch von meinen Vorgesetzten einen grundlegender Respekt auf menschlicher Ebene zusteht.
Ich weiß einfach nicht wie ich mit dieser Situation umgehen soll, da ich in knapp 6 Monaten Prüfung habe und gut die Hälfte des Prüfungsausschusses aus Ausbildern und Meistern meines Betriebes besteht. Daher denke ich dass es meinem Prüfungsergebnis nicht gut tun würde wenn ich wegen dieser Geschichte nun Ärger mache. Andererseits möchte ich diese Strafe auch nicht wortlos hinnehmen.

karli
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Re: Kollektivstrafe in der Ausbildung

Beitrag von karli » 18.06.19, 19:21

Falls die Aufgabe, die dem Auszubildenden gegeben wurde, irgendwie dem Ausbildungszweck dient, kann der Ausbildende durchaus solche Tätigkeien anweisen.
Allerdings nur während der Ausbildungszeit.
Ausserdem wären in diesem Zusammenhang auch verschiedene arbeitsrechtlichen Vorschriften zu beachten.
Beispielsweise das Arbeitszeitgesetz oder die geltenden Vorschriften für Arbeit auf Abruf.
Wenn du kritisiert wirst, dann mußt du irgend etwas richtig machen, denn man greift nur denjenigen an, der den Ball hat. (Bruce Lee)
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Gaia
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Re: Kollektivstrafe in der Ausbildung

Beitrag von Gaia » 18.06.19, 20:50

AngerDanger hat geschrieben:
18.06.19, 19:03
Ich weiß einfach nicht wie ich mit dieser Situation umgehen soll, da ich in knapp 6 Monaten Prüfung habe und gut die Hälfte des Prüfungsausschusses aus Ausbildern und Meistern meines Betriebes besteht. Daher denke ich dass es meinem Prüfungsergebnis nicht gut tun würde wenn ich wegen dieser Geschichte nun Ärger mache. Andererseits möchte ich diese Strafe auch nicht wortlos hinnehmen.
Ich befürchte, eine wirklich zufriedenstellende Lösung für das Problem gibt es nicht.

Ob es eine Rechtsgrundlage für diesen völlig schwachsinnigen Abschreibe-Stuss gibt, ist im Prinzip völlig egal. Wenn man nicht riskieren will oder kann, eine mögliche Diskussion darüber ohne Möglichkeit der aktiven Teilnahme quasi in der Prüfung zu 'beenden', muß man wohl abschreiben. Unbefriedigend, ich weiß, aber in diesem Fall möglicherweise die bessere Idee.

ExDevil67
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Re: Kollektivstrafe in der Ausbildung

Beitrag von ExDevil67 » 19.06.19, 06:53

Gibt es einen Betriebsrat?

Oktavia
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Re: Kollektivstrafe in der Ausbildung

Beitrag von Oktavia » 19.06.19, 12:19

ExDevil67 hat geschrieben:
19.06.19, 06:53
Gibt es einen Betriebsrat?
Gibt es eine Jugend- und Auszubildendenvertretung?

Das Abschreiben ist völliger Quark und als Kollektivstrafe Blödsinn vor allem, wenn sie die falschen trifft. Wenns das 2. Ausbildingsjahr war, dann freuen die sich jetzt nen Ast, oder? Das könnte man dem Ausbilder ja mal vernünftig sagen und auch, dass man sich als Erwachsener komisch bei so einer Strafe fühlt bzw. ob er sich vorstellen kann, dass sein Chef ihn das abschreiben lässt (ggf in seiner Freizeit) :wink:
"Alte Leute sind gefährlich; sie haben keine Angst vor der Zukunft."
George Bernard Shaw

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