Kürzung des Gehalts

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cemetry
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Kürzung des Gehalts

Beitrag von cemetry » 22.06.19, 15:19

Hallo AR-Team,

Sagen wir, eine Person X erhält ein Gehalt von bspw. 3.500€ fix pro Monat. Die Summe des Gehaltes ist im AV fest definiert und wurde von beiden Parteien unterschrieben.
Das Gehalt wird individuell vereinbart. Einen Tarifvertrag oder ähnliches gibt es nicht.

Der AG kommt aber auf die Idee, eine leistungsabhängige Vergütung einzuführen, die besagt, dass ein Entgeldsplit zwischen 90:10 (fixes und variables Entgeld) statt findet, wenn nicht näher definierte Leistungsziele erreicht werden.
Die Summe der Regelung ist auf das Jahr gerechnet bei 100% Zielerreichung fest definiert und wird pro Quartal ausgewertet, sowie ausgezahlt.
Ist hierbei eine Kürzung des eigentlich vertraglich vereinbarten Gehaltes, wenn auch nur marginal, rechtskonform?

Nach meiner Definition darf der AG das im AV vereinbarte Gehalt nur dann kürzen, wenn hierbei triftiges vorliegt - ungeachtet der variablen Vergütung, da der AN genau so gut 0% der Ziele erreichen könnte.
Somit hätte der AN zum Schluss weniger Gehalt, als vor Einführung der variablen Vergütung.
Wie ist hierbei aber in Realtität die Rechtslage?


Danke und Grüße
cemetry

SusanneBerlin
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Re: Kürzung des Gehalts

Beitrag von SusanneBerlin » 22.06.19, 15:38

Hallo,
Nach meiner Definition darf der AG das im AV vereinbarte Gehalt nur dann kürzen,
Nein. Der AG darf das Gehalt nicht kürzen.
wenn hierbei triftiges vorliegt
Falls Sie damit meinen
Z.B. der AN bleibt der Arbeit unentschuldigt fern. Das wäre keine Gehaltskürzung, sondern der AN verliert seinen Anspruch auf Gehalt.
Oder der AN verursacht grob fahrlässig einen Schaden. Das wäre auch keine Gehaltskürzung, sondern Aufrechnung mit Schadensersatz.
Ist hierbei eine Kürzung des eigentlich vertraglich vereinbarten Gehaltes, wenn auch nur marginal, rechtskonform?
Der AG kann nicht einseitig das fixe Gehalt kürzen. Auch nicht marginal. Das ist nicht rechtskonform.
Wie ist hierbei aber in Realtität die Rechtslage?
Der Arbeitgeber muss den Arbeitsvertrag einhalten. Möglichkeit zur Abänderung ist die Änderungskündigung. Das muss der AN aber nicht unwidersprochen hinnehmen, er kann die Rechtmäßigkeit der Kündigung von Teilen des vereinbarten Arbeitsvertrags gerichtlich prüfen lassen.
Grüße, Susanne

FM
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Re: Kürzung des Gehalts

Beitrag von FM » 22.06.19, 16:30

cemetry hat geschrieben:
22.06.19, 15:19
Der AG kommt aber auf die Idee, ....
Dann ist das eine Idee, und Ideen muss ein Unternehmen ja haben.

Aber sie müsste erst mal umgesetzt werden. Das heißt hier: der Arbeitgeber müsste den Angestellten überzeugen, dass eine Vertragsänderung auch in dessen Sinne ist (z.B. weil das Gehalt auch 120 oder 150 % erreichen kann), und wenn man sich dann einigt, kann der Vertrag geändert werden.

Aber der Angestellte kann auch sagen "nein danke", dann bleibt es bei den 3500. Gegebenfalls bis zur Rente.

FelixSt
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Re: Kürzung des Gehalts

Beitrag von FelixSt » 22.06.19, 17:52

Entgelt kommt von "entgelten" und nicht von "Geld'.
Ich empfehle jedem, selbst zu denken und es sich nicht von unseren Forengutmenschen wie z.B. lottchen abnehmen zu lassen.

Oktavia
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Re: Kürzung des Gehalts

Beitrag von Oktavia » 23.06.19, 07:01

In Zeiten des Fachkräftemangels könnten ja auch AN mal auf die Idee kommen eine Leistungsvergütung einzuführen. Wenn der AG seine Ziele erreicht Arbeitet AN 100% ansonsten bis zu 10% weniger :mrgreen:
"Alte Leute sind gefährlich; sie haben keine Angst vor der Zukunft."
George Bernard Shaw

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Tastenspitz
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Re: Kürzung des Gehalts

Beitrag von Tastenspitz » 23.06.19, 11:41

cemetry hat geschrieben:
22.06.19, 15:19
Wie ist hierbei aber in Realtität die Rechtslage?
Relativ einfach. Wenn der AN dem zustimmt = damit seinen Vertrag ändert, ist das Ganze wirksam.
Wenn nicht, bleibt es eine Idee.....
Wer für generelle Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen ist, hebe bitte den rechten Fuß.
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