Überstunden werden nachträglich gekürzt

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Fuchsbau
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Überstunden werden nachträglich gekürzt

Beitrag von Fuchsbau »

Einen sonnigen guten Morgen.
Ich hätte gerne ihre Meinung zu folgendem fiktiven Fall.

Mitarbeiterin A beginnt ihre Anstellung (unbefristet) in einem Hotel als Assistentin des F&B Managers.
Nach ca 2 Monaten kündigt dieser und sie übernimmt sämtliche Aufgabengebiete und wird Abteilungsleiterin.

Da im Hotel, speziell in ihrer Abteilung, Personalmangel herrscht, fängt sie diesen oft durch Überstunden auf.
So haben sich in 2019 bis dato 18 Gut-Tage und 254 Überstunden angesammelt.

Da sie ein Arbeitstagebuch führt, kann sie auch sehr genau aufzeigen was sie in dieser Zeit gearbeitet hat.
Großteils Büroarbeit, da sie überwiegend im Service oder an der Bar mitarbeiten muss.

Nun hat sich die Geschäftsleitung an sie gewendet und ihren Führungsstil kritisiert. Sie wäre zu freundlich zu den Mitarbeitern und müsse strenger agieren.

A ist irritiert. Bei ihren Mitarbeitern ist sie größtenteils beliebt und sie konnte die Umsatzzahlen ihres Vorgängers steigern, bei reduziertem Personalstamm.

Sie erklärt der Geschäftsleitung dass sie ihren Führungsstil für angemessen empfindet, die Zahlen und das Betriebsklima sprächen doch deutlich für sie.

Daraufhin wird sie zum Gespräch zitiert.
Dort erklärt man ihr dass man sich gerne von ihr trennen möchte, die Suche nach einem Nachfolger laufe schon.

Ihr wird ein Aufhebungsvertrag zum 1.9. angeboten, bis dahin könne sie ihren Urlaub und ihre Gut-Tage und Überstunden abbauen.

Allerdings wird ihr erklärt dass man finde dass die Überstunden und Gut-Tage zu viel sind. Die Geschäftsleitung kürzt ihr 2 Gut-Tage weg und streicht pauschal 1/3 ihrer Überstunden.

Nun hat sie ihrerseits die Geschäftsleitung zu einem Gespräch gebeten.
In diesem erklärt sie, das sie die ganze Mehrarbeit dokumentiert hat (es gibt keinen Vorgesetzten der diese absegnet, sie ist AL) und diese auch vollständig anerkannt haben möchte.

Außerdem arbeite sie gerne in diesem Hotel und werde keinen Aufhebungsvertrag unterschreiben. AUSSER, sie wird von 1.7 - 1.12. bei vollen Bezügen freigestellt und die Überstunden, Urlaub etc. werden ihr ausbezahlt. Sollte sie vor Dezember eine neue Stelle finden, würde sie dementsprechend früher ausscheiden.

Die Fragen sind: dürfen ihr pauschal Überstunden gekürzt werden?
Ist ihre Forderung zu überzogen oder angemessen?

Ich freue mich auf ihr interesse.

ExDevil67
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Re: Überstunden werden nachträglich gekürzt

Beitrag von ExDevil67 »

Fuchsbau hat geschrieben:
26.06.19, 11:07
AUSSER, sie wird ... bei vollen Bezügen freigestellt und die Überstunden, Urlaub etc. werden ihr ausbezahlt.
Das dürfte sehr überzogen sein.
Dann, wie sieht das mit Kündigungsfristen aus? Zu wann könnte einem der AG fristgerecht kündigen?
Und bei allem sollte man im Hinterkopf haben, eigene Mitwirkung bei Beendigung des Arbeitsvertrages kann einem eine Sperre beim ALG-I einbringen.

SusanneBerlin
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Re: Überstunden werden nachträglich gekürzt

Beitrag von SusanneBerlin »

Hallo,

gesetzlich gilt, dass der Arbeitgeber Überstunden nur bezahlen muss, wenn sie vom Arbeitgeber angeordnet waren bzw. zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer vereinbart waren.

Was steht im Arbeitsvertrag zur wöchentlichen Arbeitszeit und zum Thema Überstunden?


War vereinbart, dass A solange arbeitet wie es nötig ist, und die gesamte sich daraus ergebende Arbeitszeit bezahlt wird? Wie kommen "Gut-Tage" zustande? (rechtlich gibt es diesen Begriff nicht, deshalb frage ich was im Hotel in dem A arbeitet, darunter verstanden wird)
Grüße, Susanne

Fuchsbau
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Re: Überstunden werden nachträglich gekürzt

Beitrag von Fuchsbau »

ExDevil67 hat geschrieben:
26.06.19, 11:19
Fuchsbau hat geschrieben:
26.06.19, 11:07
AUSSER, sie wird ... bei vollen Bezügen freigestellt und die Überstunden, Urlaub etc. werden ihr ausbezahlt.
Das dürfte sehr überzogen sein.
Dann, wie sieht das mit Kündigungsfristen aus? Zu wann könnte einem der AG fristgerecht kündigen?
Und bei allem sollte man im Hinterkopf haben, eigene Mitwirkung bei Beendigung des Arbeitsvertrages kann einem eine Sperre beim ALG-I einbringen.
A hat einen unbefristeten AV. Die Fristen ergeben sich aus dem Manteltarifvertrag BW.
Da A ihren vertraglichen Pflichten immer vollständig nachgekommen ist, vermute ich dass eine Kündigung seitens des AG nicht ohne weiteres möglich ist.
Zuletzt geändert von Fuchsbau am 26.06.19, 11:56, insgesamt 1-mal geändert.

Fuchsbau
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Re: Überstunden werden nachträglich gekürzt

Beitrag von Fuchsbau »

SusanneBerlin hat geschrieben:
26.06.19, 11:23
Hallo,

gesetzlich gilt, dass der Arbeitgeber Überstunden nur bezahlen muss, wenn sie vom Arbeitgeber angeordnet waren bzw. zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer vereinbart waren.

Was steht im Arbeitsvertrag zur wöchentlichen Arbeitszeit und zum Thema Überstunden?


War vereinbart, dass A solange arbeitet wie es nötig ist, und die gesamte sich daraus ergebende Arbeitszeit bezahlt wird? Wie kommen "Gut-Tage" zustande? (rechtlich gibt es diesen Begriff nicht, deshalb frage ich was im Hotel in dem A arbeitet, darunter verstanden wird)
Gut-Tage entstehen, wenn man an seinem freien Tag die Schicht eines erkrankten Kollegen vollständig übernimmt.
Überstunden müssen vom AG oder einer seiner Bevollmächtigten angeordnet werden.
Da A Abteilungsleiterin ist, ordnet sie in ihrem Bereich auch die Überstunden an.

ExDevil67
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Re: Überstunden werden nachträglich gekürzt

Beitrag von ExDevil67 »

Fuchsbau hat geschrieben:
26.06.19, 11:43
Da A ihren vertraglichen Pflichten immer vollständig nachgekommen ist, vermute ich dass eine Kündigung seitens des AG nicht ohne weiteres möglich ist.
Da wäre ich mir nicht so sicher.

Der AG könnte auf die Idee Umstrukturierung kommen und plötzlich heißt der eigene Job anders, wird von jemand anderem gemacht und man ist überflüssig.
Oder der AG fängt an zu suchen nach möglichen Kündigungsgründen. Und wenn er in der Vergangenheit nix findet, in der Zukunft wird er sicher fündig. Wo er bei 5 Minuten zu spät kommen wegen Unfall auf der Strecke bisher nix gesagt hat, wird dann künftig direkt abgemahnt. Und schon kann einem die nächste Baustelle wegen wiederholtem zu spät kommen den Job kosten.

SusanneBerlin
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Re: Überstunden werden nachträglich gekürzt

Beitrag von SusanneBerlin »

Da A Abteilungsleiterin ist, ordnet sie in ihrem Bereich auch die Überstunden an.
Die Frage war, ob mit der Geschäftsleitung abgesprochen war, dass sie selber so viele Überstunden machen darf wie sie für nötig hält und dass diese selbstverordneten Überstunden (egal im welchen Umfang) vollständig bezahlt werden.

Dann hätte sie doch auch, statt sich selber als Managerin an die Bar zu stellen oder im Service auszuhelfen, eine(n) anderen Mitarbeiter(in) zu Überstunden einteilen können.
Grüße, Susanne

Fuchsbau
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Re: Überstunden werden nachträglich gekürzt

Beitrag von Fuchsbau »

ExDevil67 hat geschrieben:
26.06.19, 11:56
Fuchsbau hat geschrieben:
26.06.19, 11:43
Da A ihren vertraglichen Pflichten immer vollständig nachgekommen ist, vermute ich dass eine Kündigung seitens des AG nicht ohne weiteres möglich ist.
Da wäre ich mir nicht so sicher.

Der AG könnte auf die Idee Umstrukturierung kommen und plötzlich heißt der eigene Job anders, wird von jemand anderem gemacht und man ist überflüssig.
Oder der AG fängt an zu suchen nach möglichen Kündigungsgründen. Und wenn er in der Vergangenheit nix findet, in der Zukunft wird er sicher fündig. Wo er bei 5 Minuten zu spät kommen wegen Unfall auf der Strecke bisher nix gesagt hat, wird dann künftig direkt abgemahnt. Und schon kann einem die nächste Baustelle wegen wiederholtem zu spät kommen den Job kosten.
Wir reden hier aber von einem Hotel und vom Bereich F&B. Da wird nicht umstrukturiert. Selbst wenn der Job anders heißt, bleibt es der selbe Job.
Ob der AG in der Zukunft ein Fehlverhalten feststellt bleibt ziemlich spekulativ. Bisher gab es keinen Vorfall diesbezüglich.
Personalabbau geht auch nicht, man ist seit 6 Monaten chronisch unterbesetzt.

Fuchsbau
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Re: Überstunden werden nachträglich gekürzt

Beitrag von Fuchsbau »

SusanneBerlin hat geschrieben:
26.06.19, 11:58
Da A Abteilungsleiterin ist, ordnet sie in ihrem Bereich auch die Überstunden an.
Die Frage war, ob mit der Geschäftsleitung abgesprochen war, dass sie selber so viele Überstunden machen darf wie sie für nötig hält und dass diese selbstverordneten Überstunden (egal im welchen Umfang) vollständig bezahlt werden.

Dann hätte sie doch auch, statt sich selber als Managerin an die Bar zu stellen oder im Service auszuhelfen, eine(n) anderen Mitarbeiter(in) zu Überstunden einteilen können.
Der Geschäftsleitung war bekannt dass A viele Überstunden macht. Diese sind immer auf dem aktuellen Dienstplan vermerkt. Erst jetzt, nachdem A dem Aufhebungsvertrag nicht zustimmt, werden die Überstunden thematisiert.
Die anderen Mitarbeiter haben ebenfalls relativ viele Überstunden.
Wenn A in der Frühschicht arbeitet, kann sie niemand zu Überstunden auffordern. Es ist ja nur die Frühschicht anwesend.
Wenn A in der Spätschicht arbeitet, kann sie die Frühschicht nicht Überstunden machen lassen, weil diese nicht für das Abendgeschäft qualifiziert sind.

Durch die dauerhafte Unterbesetzung kann sie ihre ganze Büroarbeit zumeist nicht in der regulären Arbeitszeit erledigen. Zusätzlich fängt sie kurzfristige, krankheitsbedingte Ausfälle selber ab. Letztendlich ist es auch unerheblich wer die Überstunden macht. Wenn Mitarbeiter fehlen müssen die Überstunden so oder so gemacht werden.

SusanneBerlin
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Re: Überstunden werden nachträglich gekürzt

Beitrag von SusanneBerlin »

Fuchsbau hat geschrieben: Zusätzlich fängt sie kurzfristige, krankheitsbedingte Ausfälle selber ab. Letztendlich ist es auch unerheblich wer die Überstunden macht. Wenn Mitarbeiter fehlen müssen die Überstunden so oder so gemacht werden.
Als budgetverantwortliche AL fällt Ihnen jetzt wirklich nichts auf?
Grüße, Susanne

Fuchsbau
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Re: Überstunden werden nachträglich gekürzt

Beitrag von Fuchsbau »

SusanneBerlin hat geschrieben:
26.06.19, 12:22
Fuchsbau hat geschrieben: Zusätzlich fängt sie kurzfristige, krankheitsbedingte Ausfälle selber ab. Letztendlich ist es auch unerheblich wer die Überstunden macht. Wenn Mitarbeiter fehlen müssen die Überstunden so oder so gemacht werden.
Als budgetverantwortliche AL fällt Ihnen jetzt wirklich nichts auf?
Theoretisch ja. Da speziell die Abendschicht aus sehr qualifizierten Hofa's- und Refa's besteht, gibt es beim Gehalt leider keinen Unterschied. Eine Lohnerhöhung wegen der höheren Verantwortung wurde ihr nicht bewilligt.

ktown
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Re: Überstunden werden nachträglich gekürzt

Beitrag von ktown »

Also A geht hier ziemlich blauäugig ran und sollte sich dringend anwaltlichen Rat einholen.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

Gesetze sind eine misslungene Kreuzung aus dem Alphabet und einem Labyrinth.
"Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt" Zitat Goethe

SusanneBerlin
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Re: Überstunden werden nachträglich gekürzt

Beitrag von SusanneBerlin »

Da A ihren vertraglichen Pflichten immer vollständig nachgekommen ist, vermute ich dass eine Kündigung seitens des AG nicht ohne weiteres möglich ist.
Möglich ist eine Kündigung immer und wenn man als AN dann nicht vors Arbeitgericht zieht, ist die Kündigung auch wirksam.

Man muss sich also fragen, ist man bereit vor das Arbeitsgericht zu ziehen und seine Forderungen gerichtlich geltend zu machen (auch hinsichtlich der Überstunden) oder will man sich mit dem Arbeitgeber einigen.
A hat einen unbefristeten AV. Die Fristen ergeben sich aus dem Manteltarifvertrag BW.
Der Tarifvertrag ist nicht öffentlich zugänglich, außerdem müsste man dann noch wissen, wie lange das Arbeitsverhältnis bereits besteht. Schreiben Sie die für A geltende Kündigungsfrist doch einfach hin.
Grüße, Susanne

ExDevil67
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Re: Überstunden werden nachträglich gekürzt

Beitrag von ExDevil67 »

Fuchsbau hat geschrieben:
26.06.19, 12:01
Personalabbau geht auch nicht, man ist seit 6 Monaten chronisch unterbesetzt.
Und trotzdem ist AG bereit einen per Aufhebungsvertrag (ggf früher) gehen zu lassen. Spätestens hier sollte man aufwachen.

Fuchsbau
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Re: Überstunden werden nachträglich gekürzt

Beitrag von Fuchsbau »

SusanneBerlin hat geschrieben:
26.06.19, 13:12
Da A ihren vertraglichen Pflichten immer vollständig nachgekommen ist, vermute ich dass eine Kündigung seitens des AG nicht ohne weiteres möglich ist.
Möglich ist eine Kündigung immer und wenn man als AN dann nicht vors Arbeitgericht zieht, ist die Kündigung auch wirksam.

Man muss sich also fragen, ist man bereit vor das Arbeitsgericht zu ziehen und seine Forderungen gerichtlich geltend zu machen (auch hinsichtlich der Überstunden) oder will man sich mit dem Arbeitgeber einigen.
A hat einen unbefristeten AV. Die Fristen ergeben sich aus dem Manteltarifvertrag BW.
Der Tarifvertrag ist nicht öffentlich zugänglich, außerdem müsste man dann noch wissen, wie lange das Arbeitsverhältnis bereits besteht. Schreiben Sie die für A geltende Kündigungsfrist doch einfach hin.
Die Kündigungsfrist beträgt 4 Wochen zum Monatsende. A ist seit 2 Jahren in dem Betrieb.
A hat dem AG ja ein Angebot unterbreitet. Dieses ist natürlich verhandelbar. Notfalls scheut sie nicht den Weg zum AG. Sie hat die Stunden ja geleistet und es war dem AG auch bekannt.

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