Anspruch auf einfaches Arbeitszeugnis neben qualifiziertem Arbeitszeugnis?

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carriegross
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Anspruch auf einfaches Arbeitszeugnis neben qualifiziertem Arbeitszeugnis?

Beitrag von carriegross »

Hallo,

man hat ein qualifiziertes Arbeitszeugnis erhalten, das sich jetzt nicht sooo gut lesen lässt, aber auch der Wahrheit entspricht, also es wohl nicht möglich ist, bessere Formulierungen zu bekommen.

Hat man einen gesetzlichen Anspruch darauf, ein einfaches Arbeitszeugnis zu bekommen, aus dem nur die Tätigkeitsbeschreibungen hervorgehen?

Ist es dann taktisch klüger, nur das einfache Arbeitszeugnis bei Bewerbungen vorzulegen. Könnten dann nicht Fragen oder zumindest Gedanken beim potentiellen neuen Arbeitgeber aufkommen, wieso nur ein einfaches Zeugnis vorgelegt wird und kein qualifiziertes? Was könnte man in einem evtl. Vorstellungsgsgepräch darauf antworten?

Danke.

LG
Tastenspitz
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Re: Anspruch auf einfaches Arbeitszeugnis neben qualifiziertem Arbeitszeugnis?

Beitrag von Tastenspitz »

carriegross hat geschrieben: 30.07.19, 06:03das sich jetzt nicht sooo gut lesen lässt, aber auch der Wahrheit entspricht, also es wohl nicht möglich ist, bessere Formulierungen zu bekommen.
Also fehlerfrei und in den Beurteilungen und Beschreibungen richtig. Dann verstehe ich den Einwand nicht. Einen Anspruch auf zwei unterschiedliche Zeugnisse sehe ich jedenfalls nicht.
carriegross hat geschrieben: 30.07.19, 06:03Könnten dann nicht Fragen oder zumindest Gedanken beim potentiellen neuen Arbeitgeber aufkommen, wieso nur ein einfaches Zeugnis vorgelegt wird und kein qualifiziertes?
Ja natürlich.
Wenn jemand zB. jahrelang in einer Firma beschäftigt war und dann nur ein einfaches Zeugnis ohne Beurteilungen vorlegt, wird wohl jeder AG hier nachfragen oder den Bewerber gleich aussortieren. Das LAG Köln hat schon mal von einem Anspruch auf ein vollständiges Zeugnis ab 6 Wochen Beschäftigungszeit gesprochen.
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winterspaziergang
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Re: Anspruch auf einfaches Arbeitszeugnis neben qualifiziertem Arbeitszeugnis?

Beitrag von winterspaziergang »

carriegross hat geschrieben: 30.07.19, 06:03 Hallo,

man hat ein qualifiziertes Arbeitszeugnis erhalten, das sich jetzt nicht sooo gut lesen lässt, aber auch der Wahrheit entspricht, also es wohl nicht möglich ist, bessere Formulierungen zu bekommen.

...Könnten dann nicht Fragen oder zumindest Gedanken beim potentiellen neuen Arbeitgeber aufkommen, wieso nur ein einfaches Zeugnis vorgelegt wird und kein qualifiziertes?
Ein erfahrener AG wird keine Fragen dazu haben.

carriegross hat geschrieben: 30.07.19, 06:03Was könnte man in einem evtl. Vorstellungsgsgepräch darauf antworten?
Kommt darauf an, wo und als was man arbeitet und was die wahren Gründe für das nicht so gut lesbare qualifizierte Arbeitszeugnis sind. Da dürfte es keine pauschalen Tipps geben.
matthias.
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Re: Anspruch auf einfaches Arbeitszeugnis neben qualifiziertem Arbeitszeugnis?

Beitrag von matthias. »

carriegross hat geschrieben: 30.07.19, 06:03 Was könnte man in einem evtl. Vorstellungsgsgepräch darauf antworten?
Ehrlich.

Dass das Zeugnis nicht gut ist hat ja einen Grund. Man ist mit dem Job nicht zurecht gekommen. Das kann viele Gründe haben

--man war überfordert von der Tätigkeit, es entsprach nicht der Ausbildung
--die Art der Tätigkeit lag einem nicht, z.b. zu viel Kundenkontakt oder zuwenig. Zu viel Aussendienst oder zu viel Innendienst
--Firma zu groß oder zu klein. In großer Firmen zu viel Formalismen zu wenig Freiheit, in kleiner FIrma evtl. genau umgekehrt.

Wichtig ist in meine Augen dann darauf zu reagieren. D.h. man bewirbt sich dann natürlich nicht auf den exakt selben Job mit
dem man eh nicht zu recht kam, sondern ändert das was einem nicht passt.

War man vorher in einer kleinen Firma war und ist da nicht zurecht gekommen, geht man zu einer großen und erkärt das
natürlich entsprechend diplomatisch auch so im Vorstellungsgespräch.
FM
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Re: Anspruch auf einfaches Arbeitszeugnis neben qualifiziertem Arbeitszeugnis?

Beitrag von FM »

§ 109 GewO Zeugnis
(1) 1Der Arbeitnehmer hat bei Beendigung eines Arbeitsverhältnisses Anspruch auf ein schriftliches Zeugnis.
2Das Zeugnis muss mindestens Angaben zu Art und Dauer der Tätigkeit (einfaches Zeugnis) enthalten.
3Der Arbeitnehmer kann verlangen, dass sich die Angaben darüber hinaus auf Leistung und Verhalten im Arbeitsverhältnis (qualifiziertes Zeugnis) erstrecken.
aus Satz 3 folgt: hatte der Arbeitnehmer ein qualifiziertes Zeugnis verlangt, dann ist der Anspruch erfüllt und nichts mehr zu tun vom AG. Hat der AG aber unaufgefordert ein qualifiziertes Zeugnis ausgestellt, kann man noch sagen "wollte ich doch gar nicht, bitte das einfache". Das bereits erhaltene kann dann zurück verlangt werden.

Künftige potentielle Arbeitgeber denken sich dann: "der wußte wohl selbst wie schlecht er gearbeitet hat und wollte deshalb nur ein einfaches Zeugnis."
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