mündliche Kündigung ungültig?

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Altbauer
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mündliche Kündigung ungültig?

Beitrag von Altbauer » 24.09.19, 13:54

afaik muss die Kündigung eines Arbeitsverhältnisses schriftlich erfolgen. So können sich z.B. Arbeitnehmer gegen eine
mündlich ausgesprochene Kündigung wehren.
Wie aber sähe das in folgendem Fall aus:

Auf einer Betriebsfeier verkrachen sich Arbeitgeber A und Arbeitnehmer B gewaltig.
A spricht feierlich : "Ich kündige Ihnen hiermit fristlos ihr Arbeitsverhältnis"

Am Tag darauf findet er den Arbeitnehmer im Betrieb nicht mehr vor. Dafür ein Schreiben von
Herrn B:
"Ihre fristlose Kündigung von gestern nehme ich an" (Es ist Herrn B grad recht, er hat etwas besseres gefunden)

Jetzt fällt Herrn A ein, dass er Herrn B im Betrieb dringend braucht! Ein Anruf bei Herrn B kann diesen nicht umstimmen.

Da versucht Herr A so zu argumentieren:
"Die Kündigung habe ich nur mündlich, nicht schriftlich ausgesprochen. Also gilt sie nicht.
folglich muss Herr B zur Arbeit erscheinen! Wenn er weg will, muss er selbst fristgemäß (und formgemäß) kündigen."

Wird Herr A damit Erfolg haben?

Celestro
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Re: mündliche Kündigung ungültig?

Beitrag von Celestro » 24.09.19, 14:01

Altbauer hat geschrieben:
24.09.19, 13:54
Wird Herr A damit Erfolg haben?
Meiner Meinung nach, JA! Denn wie Du richtig sagst, muss eine Kündigung schriftlich erfolgen. Der AN dürfte hier wissen, dass die Kündigung entweder einer vorherigen Abmahnung bedarf, oder halt rein mündlich eh nicht wirksam ist.
Da nach § 623 BGB auch für die Beendigung von Arbeitsverhältnissen durch Auflösungsvertrag Schriftform vorgeschrieben ist, kann eine mangels Schriftform unwirksame mündliche Kündigungserklärung auch nicht als Angebot auf Abschluss eines Aufhebungsvertrags angesehen werden, dem der Erklärungsempfänger zustimmen könnte.

https://www.haufe.de/personal/haufe-per ... 20572.html

SusanneBerlin
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Re: mündliche Kündigung ungültig?

Beitrag von SusanneBerlin » 24.09.19, 15:22

Da versucht Herr A so zu argumentieren:
"Die Kündigung habe ich nur mündlich, nicht schriftlich ausgesprochen. Also gilt sie nicht.
folglich muss Herr B zur Arbeit erscheinen! Wenn er weg will, muss er selbst fristgemäß (und formgemäß) kündigen."

Wird Herr A damit Erfolg haben?
Welchen Erfolg erwartet Herr A von einem Selbstgespräch?

Man kann niemanden zum Arbeiten zwingen.
Grüße, Susanne

Altbauer
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Re: mündliche Kündigung ungültig?

Beitrag von Altbauer » 24.09.19, 16:35

SusanneBerlin hat geschrieben:
24.09.19, 15:22
Welchen Erfolg erwartet Herr A von einem Selbstgespräch?

Man kann niemanden zum Arbeiten zwingen.
Das stimmt sicherlich.
Einziges Druckmittel wäre dann wohl eine formgerechte fristlose Kündigung wg.Arbeitsverweigerung.
Dazu ein entsprechendes Arbeitszeugnis.(Welches Herr B so nicht bekommen möchte)
Dagegen könnte sich der Herr B wehren mit dem Argument, dass er ja schon fristlos gekündigt wurde, er die Kündigung angenommen hat und
es darum auch keine Arbeitsverweigerung geben könnte.

Damit sind wir wieder bei der Eingangsfrage:
- Kann Herr B sich auf die Wirksamkeit der Kündigung berufen!

SusanneBerlin
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Re: mündliche Kündigung ungültig?

Beitrag von SusanneBerlin » 24.09.19, 16:42

Sicher "kann" er das. Er hat doch schon zu verstehen gegeben, dass er die Kündigung annimmt und nicht mehr kommt. Den nächsten Anruf Herrn As nimmt B einfach nicht mehr an. Herr B hat mit Herrn A nichts mehr zu besprechen und ein Zeugnis verlangt er nicht.

Oder es geht so weiter wie in Ihrem Szenario:
Altbauer hat geschrieben:Einziges Druckmittel wäre dann wohl eine formgerechte fristlose Kündigung wg.Arbeitsverweigerung.
Dazu ein entsprechendes Arbeitszeugnis.(Welches Herr B so nicht bekommen möchte)
Dagegen könnte sich der Herr B wehren mit dem Argument, dass er ja schon fristlos gekündigt wurde, er die Kündigung angenommen hat und
es darum auch keine Arbeitsverweigerung geben könnte.
Herr B wehrt sich gegen die zweite fristlose Kündigung mit dem Argument, dass er schon mündlich fristlos gekündigt IST! Herr A hat ein Einsehen und stellt ihn wieder ein! Alle vertragen sich wieder.

Oder: Herr A hat ein Einsehen, zahlt Herrn B noch 2 Monate Gehalt und schreibt ihm ein super Zeugnis. Herr B schaut ab und zu in der Firma von Herrn A vorbei (wenn seine Zeit es zu lässt) und fängt übernächsten Monat bei seinem neuen Arbeitgeber an, wo er das doppelte verdient. Alle vertragen sich wieder und schreiben sich zu zu Weihnachten besinnliche Happy X-Mas-Karten.
Grüße, Susanne

karli
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Re: mündliche Kündigung ungültig?

Beitrag von karli » 24.09.19, 17:46

B könnte seinerseits fristlos kündigen.
Wenn du kritisiert wirst, dann mußt du irgend etwas richtig machen, denn man greift nur denjenigen an, der den Ball hat. (Bruce Lee)
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SusanneBerlin
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Re: mündliche Kündigung ungültig?

Beitrag von SusanneBerlin » 24.09.19, 18:03

Herr A ist ein kleiner Choleriker, aber wenn es mal nicht so läuft wie er meint, guckt er dumm aus der Wäsche und wird sofort wieder friedlich. Seine Kunden und Geschäftspartner wissen das und tragen es ihm nicht nach.
Grüße, Susanne

Celestro
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Re: mündliche Kündigung ungültig?

Beitrag von Celestro » 24.09.19, 18:11

karli hat geschrieben:
24.09.19, 17:46
B könnte seinerseits fristlos kündigen.
Mit welcher Begründung?

FM
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Re: mündliche Kündigung ungültig?

Beitrag von FM » 24.09.19, 19:15

Es könnte treuwidrig sein, wenn der Arbeitgeber sich auf seinen eigenen Formfehler beruft.

Pünktchen
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Re: mündliche Kündigung ungültig?

Beitrag von Pünktchen » 25.09.19, 11:33

Die Erfordernis der Schriftform soll aber gerade den schützen, der eine entsprechende Erklärung abgibt, die als Kündigung gewertet werden könnte. Davor war es wohl so, dass man sich vor Gericht streiten musste, ob es eine Kündigung darstellt, wenn der MA sagt: "Ich habe keinen Bock mehr".

karli
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Re: mündliche Kündigung ungültig?

Beitrag von karli » 25.09.19, 15:44

FM hat geschrieben:
24.09.19, 19:15
Es könnte treuwidrig sein, wenn der Arbeitgeber sich auf seinen eigenen Formfehler beruft.
Sehe ich auch so.
Ich halte es auch für treuwidrig daß die Kündigung in dem geschilderten Rahmen ausgesprochen wurde.
Wenn das noch im beisein der versammelten Mannschaft und zum Zweck, den Mitarbeiter auf diese Art zu Diskreditieren geschah, hätten wir meiner Ansicht nach auch einen Grund, für den Mitarbeiter, fristlos zu kündigen.
Da kann dann der AG mal schauen, wie weit er vorm Arbeitsgericht kommt, soweit er tatsächlich einen Rechtsstreit riskieren möchte. 8)
Wenn du kritisiert wirst, dann mußt du irgend etwas richtig machen, denn man greift nur denjenigen an, der den Ball hat. (Bruce Lee)
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Celestro
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Re: mündliche Kündigung ungültig?

Beitrag von Celestro » 25.09.19, 16:17

Ich gehe eher davon aus, dass der AG "gewinnen" würde. Auf so einer Feier sagt man (gerade wenn Alkohol im Spiel war) schnell mal etwas daher ....

lottchen
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Re: mündliche Kündigung ungültig?

Beitrag von lottchen » 25.09.19, 16:27

Wenn Schriftform erforderlich ist sollte das ja eigentlich für beide Seiten gelten. Kann man sich so einfach die Rosinen herauspicken? Wenn´s mir passt sage ich "gern" und wenn nicht schreie ich "SCHRIFTFORM FEHLT"?
Ich empfehle, Beiträge unserer Forentrolle BäckerHD, FelixSt und Dieter_Meisenkaiser konsequent zu ignorieren!

SusanneBerlin
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Re: mündliche Kündigung ungültig?

Beitrag von SusanneBerlin » 25.09.19, 16:31

Vielleicht war es auch ein Späßken des Arbeitgebers, was der Arbeitnehmer schon an der feierlichen Aussprache hätte erkennen können...

Oder der Arbeitnehmer dachte eben gerade wegen der feierlichen Ansprache im Kreise der Kollegen, dass es sich gerade nicht um einen Scherz handeln konnte sondern der Chef im vollen Bewußtsein der Tragweite diese Kündigung aussprach.
Grüße, Susanne

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