Anspruch auf Herausgabe Bewerbung?

Moderator: FDR-Team

comeasuare
Topicstarter
FDR-Mitglied
Beiträge: 35
Registriert: 24.05.19, 09:52

Anspruch auf Herausgabe Bewerbung?

Beitrag von comeasuare » 17.10.19, 19:59

Hallo,

gibt es sowas, wie o. g.?

Wäre dann der 985er BGB anzuwenden?


und

wie lange muss (nicht sollte!) ein AG eingereichte Bewerbungsunterlagen aufgrund einer Stellenanzeige aufbewahren?

Danke.

Grüße
Zuletzt geändert von ktown am 18.10.19, 06:45, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Zwei Threads verschmolzen

FM
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 17032
Registriert: 05.12.04, 16:06

Aufbewahrungspflicht Bewerbung?

Beitrag von FM » 17.10.19, 20:38

comeasuare hat geschrieben:
17.10.19, 19:59
wie lange muss (nicht sollte!) ein AG eingereichte Bewerbungsunterlagen aufgrund einer Stellenanzeige aufbewahren?
Müssen tut er überhaupt nicht. Vielleicht intern, weil der Vorstand den Geschäftsführer kontrollieren will, aber das ist wohl nicht gemeint.

SusanneBerlin
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 16199
Registriert: 05.11.12, 13:35

Re: Anspruch auf Herausgabe Bewerbung?

Beitrag von SusanneBerlin » 17.10.19, 21:11

Hallo,

erfolgt keine Einstellung in ein Arbeitsverhältnis, kann der Bewerber seine Bewerbungsunterlagen (Lebenslauf, Zeugnisse, Zertifikate) herausverlangen. Das Anschreiben verbleibt beim Empfänger.

Wenn der Arbeitgeber in der Annonce mitteilt, dass der Bewerber einen frankierten Rückumschlag beibringen soll, ansonsten die beigefügten Unterlagen vernichtet werden ist das m. W. legitim.
Grüße, Susanne

Froggel
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 3045
Registriert: 19.05.05, 15:17
Wohnort: Niedersachsen

Re: Aufbewahrungspflicht Bewerbung?

Beitrag von Froggel » 17.10.19, 21:43

comeasuare hat geschrieben:
17.10.19, 19:59
wie lange muss (nicht sollte!) ein AG eingereichte Bewerbungsunterlagen aufgrund einer Stellenanzeige aufbewahren?
Wenn der Bewerber eine Initiativbewerbung mit frankiertem Rückumschlag versendet hat, kann er auch erwarten, dass die Bewerbung zurückgesendet wird. Bei einer Initiativbewerbung ohne Rückumschlag oder wenn der potenzielle AG in einer Stellenanzeige angekündigt hat, dass er keine Bewerbungen zurücksenden wird, braucht der potenzielle AG keinesfalls Bewerbungsunterlagen zurücksenden. Andernfalls, also bei angeforderten Bewerbungen, hat er sie pfleglich zu behandeln und aufzubewahren, falls der Bewerber sie zurückhaben möchte, das allerdings aus Datenschutzgründen auch nur maximal ein halbes Jahr. Spätestens dann muss der AG die Unterlagen vernichten. Eine Pflicht zur Rücksendung besteht weiterhin nicht. Möglicherweise kann der Bewerber seine Unterlagen selbst abholen.
Grundsätzlich empfiehlt es sich bei Bewerbungen, ausschließlich Kopien zu versenden, da die meisten Unternehmen nicht gewillt sind, zig abgelehnte Bewerbungen zurückzusenden - oder man muss eben einen Rückumschlag beifügen, das erhöht die Chance, die Unterlagen zurückzubekommen.
Es gibt auch keine Verpflichtung für einen Inserenten ihm zugesandte Unterlagen zurückzusenden. Angesichts der Vielzahl von Bewerbungen auf entsprechende Stellen ist dies wohl auch kaum durchführbar. Geschieht dies dennoch, handelt es sich um einen Akt der Noblesse aber keine Verpflichtung.
AG Bonn, Beschluss vom 08.12.2006 - AZ 13 C 435/06
Ich bin kein Jurist.
- alle Angaben ohne Gewähr -

PyramSo
FDR-Mitglied
Beiträge: 73
Registriert: 06.02.15, 17:04

Re: Anspruch auf Herausgabe Bewerbung?

Beitrag von PyramSo » 17.10.19, 22:02

comeasuare hat geschrieben:
17.10.19, 19:59
Wäre dann der 985er BGB anzuwenden?
§ 985 Herausgabeanspruch
Der Eigentümer kann von dem Besitzer die Herausgabe der Sache verlangen.
Das hieße ja, dass alle meine jemals im Leben verschickten Briefe weiterhin mein Eigentum wären bzw. meine Aktenordner an jemals erhaltenen Briefen weiterhin fremdes Eigentum? Sonst hätte dieser § ja keine Basis ...
Ich ging bisher davon aus, dass der Brief in das Eigentum des Empfängers übergeht, wenn nix anderes angegeben ist ...
Hat sich irgendwer irgendwann schon mal mit der Eigentumsfrage an Briefen beschäftigt?
SusanneBerlin hat geschrieben:
17.10.19, 21:11
erfolgt keine Einstellung in ein Arbeitsverhältnis, kann der Bewerber seine Bewerbungsunterlagen (Lebenslauf, Zeugnisse, Zertifikate) herausverlangen.
Soweit ich weiß aber nur bei Bewerbungen auf Stellenanzeigen o.ä. (auf welcher Rechtsgrundlage eigentlich?), nicht bei Initiativbewerbungen ...

FM
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 17032
Registriert: 05.12.04, 16:06

Re: Anspruch auf Herausgabe Bewerbung?

Beitrag von FM » 17.10.19, 22:14

PyramSo hat geschrieben:
17.10.19, 22:02
Ich ging bisher davon aus, dass der Brief in das Eigentum des Empfängers übergeht, wenn nix anderes angegeben ist
Der Brief schon (den kannst Du auch nicht mehr verwenden), aber die Zeugniskopien, das Foto und der Lebenslauf nicht. Man muss da von der Verkehrsüblichkeit ausgehen, und die war zumindest bislang, dass diese Unterlagen nur zur Einsicht vorgelegt werden, zumindest bei Nichteinstellung.

Die verkehrsüblichkeit kann sich aber im Lauf der Zeit verändern. Wenn man nicht mehr zum Copy-Shop gehen und 25 Cent pro Kopie bezahlen muss sondern es für 2 Cent zuhause am PC ausdruckt könnte das zu einer Änderung führen. Wobei es egal ist, wie es der Einzelne macht, sondern was eben üblich ist.

Und es kann Abweichendes vereinbart werden (z.B. wenn der Arbeitgeber gleich mitteilt er sendet nichts zurück und der Bewerber das akzeptiert, indem er trotzdem welche sendet.)

ktown
FDR-Moderator
Beiträge: 21803
Registriert: 31.01.05, 08:14
Wohnort: Auf diesem Planeten

Re: Anspruch auf Herausgabe Bewerbung?

Beitrag von ktown » 18.10.19, 06:48

Wieso dafür 2 Threads aufgemacht werden ist für mich nicht klar. Habe sie daher mal verschmolzen.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

Gesetze sind eine misslungene Kreuzung aus dem Alphabet und einem Labyrinth.
"Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt" Zitat Goethe

sabsezicke
FDR-Mitglied
Beiträge: 29
Registriert: 20.09.18, 15:28

Re: Anspruch auf Herausgabe Bewerbung?

Beitrag von sabsezicke » 18.10.19, 07:49

Guten Morgen,

interessant!

Wie ist das im Falle einer Online-Bewerbung über die Homepage einer Behörde? Nehmen wir mal an, eine nicht offensichtlich ungeeignete schwerbehinderte Bewerberin bewirbt sich, lädt also die ganzen Dateien hoch und sie erhält eine Eingangsbestätigung per E-Mail. Monate später erhält sie eine Absage per E-Mail. Bewebungsunterlagen werden in eine interne Cloud (ja ja, die Clouds!) hochgeladen und nach Ende des Stellenbesetzungsverfahrens gelöscht, also nachdem jemand eingestellt wurde. Die Einstellung erfolgte vor Ablauf von zwei Monaten nach Absage an die Bewerberin. So, Bewerbung gelöscht. 1,5 Monate nach Absage geht der Behörde ein Schreiben ein, in dem steht, dass die Bewerberin ihre Schwerbehinderung im Anschreiben erwähnt hat und sie eben nicht offensichtlich ungeeignet ist, daher verlangt sie Schadensersatz. So, jetzt hat der AG die Bewerbung nicht vorliegen und ist in der Beweispflicht. Die Behörde ist doch bisschen naiv, mind. die zwei Monate nach Absage abzuwarten, bis man was löscht.

Oder?

LG

ktown
FDR-Moderator
Beiträge: 21803
Registriert: 31.01.05, 08:14
Wohnort: Auf diesem Planeten

Re: Anspruch auf Herausgabe Bewerbung?

Beitrag von ktown » 18.10.19, 07:52

Die Behörde hat für diesen Vorgang definitiv eine Akte angelegt in der detailliert aufgeführt wurde, wieso wie entschieden wurde.

Achja......der verspätete Eingang der Bewerbung ist sicherlich auch dokumentiert. :wink:
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

Gesetze sind eine misslungene Kreuzung aus dem Alphabet und einem Labyrinth.
"Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt" Zitat Goethe

FM
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 17032
Registriert: 05.12.04, 16:06

Re: Anspruch auf Herausgabe Bewerbung?

Beitrag von FM » 18.10.19, 09:04

An Dateien kann man kein Eigentum haben und da ist auch keine Herausgabe möglich, da immer nur Kopien versendet werden, die Frage hat also mit dem Thema nicht mehr gemeinsam als dass es um eine Bewerbung geht.

matthias.
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 23803
Registriert: 07.06.05, 20:10

Re: Anspruch auf Herausgabe Bewerbung?

Beitrag von matthias. » 18.10.19, 10:45

FM hat geschrieben:
18.10.19, 09:04
An Dateien kann man kein Eigentum haben und da ist auch keine Herausgabe möglich, da immer nur Kopien versendet werden, die Frage hat also mit dem Thema nicht mehr gemeinsam als dass es um eine Bewerbung geht.

Eben, die Frage war wie lange muss die Bewerbung aufbewahrt werden, nicht wie lange kann sie aufbewahrt werden. :-)

Tastenspitz
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 19536
Registriert: 05.07.07, 07:27
Wohnort: Daheim

Re: Anspruch auf Herausgabe Bewerbung?

Beitrag von Tastenspitz » 18.10.19, 14:08

Man tut als AG gut daran, die Bewerbung solange aufzubewahren, solange die Klagefrist wegen AGG Verstößen besteht (Afaik 2 Monate nach Ablehnung). Danach wird irgendwann der Datenschutz (DSGVO) dem weiteren stumpfen Aufbewahren entgegenstehen.
Die Frage nach dem muss würde ich komplett verneinen. Der AG kann die Briefe auch ungeöffnet shreddern wenn er mag.
Wer für generelle Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen ist, hebe bitte den rechten Fuß.
Für individuelle Rechtsberatung bitte "ALT" und "F4" auf der Tastatur gleichzeitig drücken.

khmlev
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 6056
Registriert: 02.05.09, 18:01
Wohnort: Leverkusen

Re: Anspruch auf Herausgabe Bewerbung?

Beitrag von khmlev » 18.10.19, 15:26

Tastenspitz hat geschrieben:
18.10.19, 14:08
Danach wird irgendwann der Datenschutz (DSGVO) dem weiteren stumpfen Aufbewahren entgegenstehen.
Sofern einem Bewerber abgesagt wird, müssen die Bewerbungsunterlagen spätestens 6 Monate nach der Versendung der Absage vollständig datenschutzkonform vernichtet werden, und zwar unabhängig davon ob die Bewerbung in papierform oder elektronisch erfolgte. Will das Unternehmen die Unterlagen länger aufbewahren bedarf es der Zustimmung des Bewerbers.
Gruß
khmlev
- out of order -

Pünktchen
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 5495
Registriert: 14.09.04, 15:23

Re: Anspruch auf Herausgabe Bewerbung?

Beitrag von Pünktchen » 18.10.19, 16:23

khmlev hat geschrieben:
18.10.19, 15:26
Sofern einem Bewerber abgesagt wird, müssen die Bewerbungsunterlagen spätestens 6 Monate nach der Versendung der Absage vollständig datenschutzkonform vernichtet werden, und zwar unabhängig davon ob die Bewerbung in papierform oder elektronisch erfolgte.
Was ist mit der Pflicht, E-Mails 10 Jahre zu speichern?

khmlev
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 6056
Registriert: 02.05.09, 18:01
Wohnort: Leverkusen

Re: Anspruch auf Herausgabe Bewerbung?

Beitrag von khmlev » 19.10.19, 06:41

Emails sind nur aus steuerlichen oder handelsrechtlichen Gründen zehn Jahre zu speichern. Bewerbungsemails fallen nicht darunter.
Gruß
khmlev
- out of order -

Antworten