Freizeitausgleich geplant und vorher krank geworden

Moderator: FDR-Team

jlu0404
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Freizeitausgleich geplant und vorher krank geworden

Beitrag von jlu0404 »

Mich interessiert einmal, wie die Situation ist, wenn man bevor der Freizeitausgleich wirklich ansteht, krank wird.
Also als Beispiel , ich habe in 2 Wochen 3 Tage Urlaub + 2 Tage Freizeitausgleich (1 Woche ges.) geplant/beantragt.
Nun werde ich übermorgen für 3 Wochen krank. Was ist mit meinem Freizeitausgleich ?
Ich finde immer nur den Fall, dass man Krank wird während des Freizeitausgleichs ansteht.
Wie ist es hier ? Theoretisch hätte ich ja noch Zeit meinen Freizeitausgleichantrag zu stornieren , oder muss ich das gar nicht ?
So gesehen, kann ich Ihn ja nicht antreten.

FM
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Re: Freizeitausgleich geplant und vorher krank geworden

Beitrag von FM »

jlu0404 hat geschrieben:
10.01.20, 14:03
Theoretisch hätte ich ja noch Zeit meinen Freizeitausgleichantrag zu stornieren , oder muss ich das gar nicht ?
Worauf beruht diese Möglichkeit? Grundsätzlich legt der Arbeitgeber die Arbeitszeit und damit auch diese Ausgleichstage fest, eine Stornierung ginge also auch nur über den Arbeitgeber. Arbeitsunfähigkeit an freien Tagen (im Regelfall also z.B. am Wochenende oder an gesetzlichen feiertagen, aber auch bei unregelmäßigen Zeiten an sonstigen Tagen) ist für das Arbeitsverhältnis nur insofern relevant, dass es für die 6-Wochen-Grenze mitzählt. Aber die Freizeit gibt es nicht ersatzweise später noch einmal. Nur beim Urlaub ist es anders.

Das alles ist der Normalfall, im Arbeitsvertrag oder im Tarifvertrag kann es auch anders geregelt sein (so z.B. bei Arbeitszeitkonten im TVöD). Ob das zutrifft, muss man nachschauen.

jlu0404
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Re: Freizeitausgleich geplant und vorher krank geworden

Beitrag von jlu0404 »

Meine Frau und ich (verschiedene Arbeitgeber) können/müssen Überstunden, wenn möglich, als Freizeitausgleich beantragen. Genau so wie Urlaub.
Ist dieses "Abfeiern", sprich Freizeitausgleich, noch in der Zukunft und werde ich woher krank, muss es doch möglich sein, das zu revedieren.
Ich habe ihn ja noch nicht angetreten. Was anders ist es, wenn ich innerhalb des Freizeitausgleichs krank werde, dass sehe ich ein.
Der Arbeitgeber meiner Frau sagt : Der Freizeitausgleich verfällt trotzdem. Mein Betriebsrat meint, dass kann ja gar nicht sein und wollte sich schlau machen.
Aber was ist rechtens ?

Oktavia
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Re: Freizeitausgleich geplant und vorher krank geworden

Beitrag von Oktavia »

das ist eben der Unterschied zwischen Freizeitausgleich und Urlaub. Freizeitausgleich kann vom Arbeitgeber widerrufen werden und wenn man im Freizeitausgleich krank wirdkann man den nicht nachholen. Das ist etwa so als wenn du z.B. geplant Montag-Donnerstag je 9 h und am Freitag nur 4 h arbeitest. Wirst du am Freitag krank werden dir nur 4 h gut geschrieben/bezahlt, wirst du Montag krank, dann 9 h.
Arbeitest du Mo-Do je 10 h und hast am Fr frei und du wirst am Fr kank, dann werden dir ja auch nicht 10 h gut geschrieben. das ist die Logik dahinter. Wenn man tatsächlich eine Reise bucht oder etwas wichtiges vor hat, sollte man immer
a) Urlaub nehmen und keinen Freizeitausgleich
b) die Wochenenden immer in der Urlaubsbeantragung mit angeben. Also z.B. Sa. 11.01.2020 bis einschl. So 26.01.2020. Wenn Wochenendarbeit nämlich nicht völlig im Arbeitsvertrag ausgeschlossen ist könnte es sein, dass man ansonsten am Sa. 25.01.2020 arbeiten muss wenn Cheffe einen ärgern will oder Not am Mann/der Frau ist.... Hat einer unserer Chefs versucht, ist aber letztendlich am Personalrat gescheitert durch Ablehnung der Überstunden.
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Hausrocker
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Re: Freizeitausgleich geplant und vorher krank geworden

Beitrag von Hausrocker »

So hat zumindest das Landesarbeitsgericht Mainz entschieden, in seinem Urteil vom 19.11.2015, Az: 5 Sa 342/15-
Arbeitgeber muss durch Krankheit verlorene Überstunden nicht nachgewähren
Bezahlte Freistellung zwecks Überstundenabbaus: Keine Pflicht des Arbeitgebers zur Nachgewährung der durch Krankheit verlorenen Überstunden.
Deswegen nicht unnötig früh Überstundenabbau beantragen. Evtl. ist ja der Aufbau von Überstunden auch sehr spontan, so als Rechtfertigung für spontanen Abbau.

Celestro
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Re: Freizeitausgleich geplant und vorher krank geworden

Beitrag von Celestro »

jlu0404 hat geschrieben:
10.01.20, 17:49
Ist dieses "Abfeiern", sprich Freizeitausgleich, noch in der Zukunft und werde ich woher krank, muss es doch möglich sein, das zu revedieren.
Ich habe ihn ja noch nicht angetreten.
Warum "muss es möglich sein"?

https://www.bpa.de/fileadmin/user_uploa ... gleich.pdf

und da mMn besonders zu beachten:

"Voraussetzung: Die Arbeitsunfähigkeit tritt erst ein, nachdem der Zeitraum für den Freizeitausgleich festgelegt wurde."

dies dürfte hier zutreffen, oder?

Oktavia
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Re: Freizeitausgleich geplant und vorher krank geworden

Beitrag von Oktavia »

Frage geklärt :wink:

Aber... wie ist das andersrum? Für morgen und übermorgen sind Überstunden angeordnet, jeweils 2. Nu wird der AN krank. Dann müssten die h doch dem AZ-Konto gutgeschrieben werden weil sie ja geplant waren...
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Pünktchen
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Re: Freizeitausgleich geplant und vorher krank geworden

Beitrag von Pünktchen »

Oktavia hat geschrieben:
11.01.20, 02:37
Aber... wie ist das andersrum? Für morgen und übermorgen sind Überstunden angeordnet, jeweils 2. Nu wird der AN krank. Dann müssten die h doch dem AZ-Konto gutgeschrieben werden weil sie ja geplant waren...
Nö warum? Man hat auch keine Überstunden geleistet.

winterspaziergang
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Re: Freizeitausgleich geplant und vorher krank geworden

Beitrag von winterspaziergang »

Oktavia hat geschrieben:
10.01.20, 21:23
....
b) .... könnte es sein, dass man ansonsten am Sa. 25.01.2020 arbeiten muss wenn Cheffe einen ärgern will oder Not am Mann/der Frau ist....
ist ja auch das gleiche... :ironie:

winterspaziergang
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Re: Freizeitausgleich geplant und vorher krank geworden

Beitrag von winterspaziergang »

Oktavia hat geschrieben:
11.01.20, 02:37
Frage geklärt :wink:

Aber... wie ist das andersrum? Für morgen und übermorgen sind Überstunden angeordnet, jeweils 2. Nu wird der AN krank. Dann müssten die h doch dem AZ-Konto gutgeschrieben werden weil sie ja geplant waren...
Das ist nicht andersherum. Der Abbau von vorhandenen Überstunden über den Eintrag als Freizeitausgleich, ist nicht das gleiche wie eine "fiktive" Anzahl von Stunden, die gar nicht geleistet werden. Wenn der AN nicht krank ist, aber trotz Anordnung von Überstunden zeitig nach Hause kann, bekommt er ja auch keine bezahlt.

jlu0404
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Re: Freizeitausgleich geplant und vorher krank geworden

Beitrag von jlu0404 »

Hausrocker hat geschrieben:
10.01.20, 23:23
So hat zumindest das Landesarbeitsgericht Mainz entschieden, in seinem Urteil vom 19.11.2015, Az: 5 Sa 342/15-
Arbeitgeber muss durch Krankheit verlorene Überstunden nicht nachgewähren
Bezahlte Freistellung zwecks Überstundenabbaus: Keine Pflicht des Arbeitgebers zur Nachgewährung der durch Krankheit verlorenen Überstunden.
Deswegen nicht unnötig früh Überstundenabbau beantragen. Evtl. ist ja der Aufbau von Überstunden auch sehr spontan, so als Rechtfertigung für spontanen Abbau.
Genau, dass ist die Konzequenz des Ganzen - nicht zu früh Freizeitausgleich beantragen , sonst ist er nämlich "weg". :(

Ich sehe den Freizeitausgleich aber so, wie das Wort schon sagt . Ich habe viel gearbeitet und war vielleicht noch auf Dienstreise und
möchte nun meine Mehrarbeit abfeiern/ausgleichen. Die Funktion ist für mich ähnlich dem Urlaub. Nun liege ich aber mit Fieber im Bett und habe nichts davon.
Würde ich mir die Überstunden auszahlen lassen, bekomme sie ja auch, ob ich krank war oder nicht. Das ist mein erbrachtes Kapital.
Also Recht und gerecht ist immer noch nicht das Gleiche :? Aber schon mal danke an alle.

FM
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Re: Freizeitausgleich geplant und vorher krank geworden

Beitrag von FM »

jlu0404 hat geschrieben:
13.01.20, 17:25
Ich sehe den Freizeitausgleich aber so, wie das Wort schon sagt . Ich habe viel gearbeitet und war vielleicht noch auf Dienstreise und
möchte nun meine Mehrarbeit abfeiern/ausgleichen. Die Funktion ist für mich ähnlich dem Urlaub. Nun liege ich aber mit Fieber im Bett und habe nichts davon.
Würde ich mir die Überstunden auszahlen lassen, bekomme sie ja auch, ob ich krank war oder nicht. Das ist mein erbrachtes Kapital.
Also Recht und gerecht ist immer noch nicht das Gleiche :? Aber schon mal danke an alle.
Bei dieser Überlegung wäre dann der nächste Schritt: was bei Krankheit an Wochenenden und Feiertagen? Wenn jemand ausgerechnet von Karfreitag bis Ostermontag krank ist, soll er dann auch zusätzliche 4 freie Werktage bekommen?

jlu0404
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Re: Freizeitausgleich geplant und vorher krank geworden

Beitrag von jlu0404 »

FM hat geschrieben:
13.01.20, 17:45
jlu0404 hat geschrieben:
13.01.20, 17:25
Ich sehe den Freizeitausgleich aber so, wie das Wort schon sagt . Ich habe viel gearbeitet und war vielleicht noch auf Dienstreise und
möchte nun meine Mehrarbeit abfeiern/ausgleichen. Die Funktion ist für mich ähnlich dem Urlaub. Nun liege ich aber mit Fieber im Bett und habe nichts davon.
Würde ich mir die Überstunden auszahlen lassen, bekomme sie ja auch, ob ich krank war oder nicht. Das ist mein erbrachtes Kapital.
Also Recht und gerecht ist immer noch nicht das Gleiche :? Aber schon mal danke an alle.
Bei dieser Überlegung wäre dann der nächste Schritt: was bei Krankheit an Wochenenden und Feiertagen? Wenn jemand ausgerechnet von Karfreitag bis Ostermontag krank ist, soll er dann auch zusätzliche 4 freie Werktage bekommen?
Klar, könnte man so argumentieren. Aber ich sehe das diffentzierter:

1. Muß ich auch nicht am Wochenende/Feiertag Urlaub beantragen - das ist exklusive. (Freizeitausgleich ~ Urlaub)
2. Ich habe einen Vertrag, dass ich ca. 160 Std. im Monat erbringen muss. Da ist das Wochenende normalweise raus und die Feiertage sind exklusive , weil sie bezahlt sind.
3. Für Tage, die exklusiv sind, welcher Art auch immer, kann ich durch Krankheit auch keinen Ersatz fordern, dass sehe ich ein.
4. Der Freizeitausgleich ist für mich gleich zusetzen wie Urlaub, da ich mich von der Mehrarbeit erholen will oder was schaffen möchte, wass ich durch Überstunden verhindert wurde.
5. Freizeitausgleich ist nicht dafür da, dass mein Gleitzeitkonto nicht überläuft !!

Aber da ist die Sache wieder mit der Gerechtigkeit :|

FM
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Re: Freizeitausgleich geplant und vorher krank geworden

Beitrag von FM »

jlu0404 hat geschrieben:
13.01.20, 18:06
3. Für Tage, die exklusiv sind, welcher Art auch immer, kann ich durch Krankheit auch keinen Ersatz fordern, dass sehe ich ein.
Das ist ja auch hier die Begründung, wenn man "exklusiv" als arbeitsfrei versteht.

Für den Urlaub gilt eine ausdrückliche Ausnahme. Aber eben weil dies im Gesetz extra genannt ist, kann man daraus nicht folgern es müsse auch für andere freie Tage so sein. Wenn dem allgemein so wäre, hätte man es im Bundesurlaubsgesetz nicht extra festlegen müssen.

Evariste
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Re: Freizeitausgleich geplant und vorher krank geworden

Beitrag von Evariste »

winterspaziergang hat geschrieben:
11.01.20, 09:27
Das ist nicht andersherum. Der Abbau von vorhandenen Überstunden über den Eintrag als Freizeitausgleich, ist nicht das gleiche wie eine "fiktive" Anzahl von Stunden, die gar nicht geleistet werden. Wenn der AN nicht krank ist, aber trotz Anordnung von Überstunden zeitig nach Hause kann, bekommt er ja auch keine bezahlt.
Hier gibt es allerdings einen Sonderfall: wenn regelmäßig Überstunden geleistet werden. Dann ist bei der Berechnung der Entgeltfortzahlung nicht die vertragliche oder tarifliche Arbeitszeit, sondern die tatsächliche "regelmäßige" Arbeitszeit zugrundezulegen. Üblicherweise schaut man sich dafür an, wie viele Überstunden der AN in den 12 Monaten vor Beginn der AU geleistet hat. (BAG, Urteil vom 21. 11. 2001 – 5 AZR 457/00)

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