Anspruch auf einfaches Arbeitszeugnis nach Erhalt eines schlechten qualifizierten möglich?

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Avocado
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Anspruch auf einfaches Arbeitszeugnis nach Erhalt eines schlechten qualifizierten möglich?

Beitrag von Avocado »

Guten Tag!
Bei meinem letzten Arbeitgeber habe ich knapp ein halbes Jahr gearbeitet und habe dann fristlos gekündigt, was dem Arbeitgeber natürlich gar nicht gefiel.
Im Kündigungsschreiben habe ich ein qualifiziertes Zeugnis beantragt, wobei der Arbeitgeber schon da angekündigt hat, dass mir in der Probezeit keins zustünde (lediglich ein einfaches) und ob ich denn denke, dass ich nach dieser Aktion noch ein gutes bekommen würde.

Da nach 1-2 Monaten noch kein Zeugnis ankam und ich kein unfaires Zeugnis bekommen wollte, habe ich erneut einen Antrag auf ein Arbeitszeugnis gemacht, diesmal jedoch auf ein einfaches. Einige Tage später kam dann doch ein qualifiziertes Zeugnis an - dieses war wie erwartet im schlechten 3er-Bereich und so formuliert, dass ich nicht wirklich dagegen angehen kann.

Nun zur eigentlichen Frage:
Ist der Arbeitgeber verpflichtet, auf Nachfrage auch das einfache Zeugnis noch auszustellen, wenn dieses ebenfalls beantragt wurde und man mit dem qualifizierten nicht einverstanden ist?
Und falls ja, muss man innerhalb einer bestimmten Frist darauf reagieren? In meinem Fall ist ein Monat vergangen.

Ein großes Dankeschön im Voraus!

FM
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Re: Anspruch auf einfaches Arbeitszeugnis nach Erhalt eines schlechten qualifizierten möglich?

Beitrag von FM »

Tja, da gibt es verschiedene Meinungen. Der Erfurter Kommentar zum Arbeitsrecht schreibt:
Umgekehrt ist der Wechsel vom erteilten, inhaltl. zutr. qualifizierten zum einfachen Zeugnis ausgeschlossen, denn der Zeugnisanspruch ist erfüllt und eine nachwirkende Vertragspflicht, ein zutr. Zeugnis zurückzunehmen, wird nicht begründbar sein
... weist aber auch darauf hin, dass der Münchner Kommentar zum BGB anderer Meinung ist:
Auch im umgekehrten Fall – Forderung nach einem einfachen Zeugnis trotz Ausstellung eines qualifizierten – ist ein Anspruch des Arbeitnehmers anzuerkennen. Die These, mit Ausstellung des qualifizierten Zeugnisses sei die Verpflichtung aus § 630 erfüllt, findet im Gesetz keine Stütze.
Beides sind sehr renommierte Kommentare, keiner von beiden nennt höchstrichterliche Urteile als Quelle.

In der Fallschilderung kommt noch hinzu, dass der geänderte Wunsch vor Erhalt des qualifizierten Zeugnisses ausgesprochen wurde. Möglicher Weise aber erst nach dessen Erstellung ("einige Tage").

Welcher Meinung das Arbeitsgericht folgt, sieht man dann im Urteil. Natürlich kann man auch ohne Klage den Arbeitgeber einfach fragen, ob er es umtauscht. Kostet ja nichts. Ein einfaches zeugnis ist aber oft weniger wert als ein durchschnittliches qualifiziertes. Denn das einfache drängt den Verdacht auf, ein qualifiziertes wäre so schlecht ausgefallen, dass der Arbeitnehmer lieber darauf verzichtet hat.

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