Folgen von Verheimlichung einer Anstellung? Gedanken!?

Moderator: FDR-Team

Antworten
culluc
Topicstarter
Interessierter
Beiträge: 17
Registriert: 23.01.20, 08:34

Folgen von Verheimlichung einer Anstellung? Gedanken!?

Beitrag von culluc »

Hallo,

Beispiel:

Arbeitnehmer hat vorletzten befristeten Arbeitsvertrag auf eigenem Wunsch i. R. e. Aufhebungsvertrags beendet. Steht so im entsprechenden Arbeitszeugnis. Das Arbeitsverhältnis wurde beendet, weil der Arbeitnehmer bei einem anderen Arbeitgeber unbefristet anfangen konnte und das auch hat. Nur leider gab es während der Probezeit unüberbrückbare Differenzen. Das Arbeitszeugnis ist zwar wohlwollend und gut, lt. Anwalt eine 2-, aber dieses zum Ende der Probezeit geendete Arbeitsverhältnis ist dem Arbeitnehmer jetzt in jedem Vorstellungsgespräch "aufgetischt" worden und dann irgendwie "auf die Füße gefallen". So vernahm der Arbeitnehmer zumindest entsprechende Reaktionen in den Gesichtern der Gegenüber. Also natürlich rein subjektiv. Der Arbeirnehmer sagte dann auf Nachfrage immer sowas wie, dass das Gesamtpaket leider nicht gestimmt hatte, es andere Vorstellungen gab ... Sowas, in der Richtung, was auch der Wahrheit entspricht. Die Personalakte enthält auch nichts Gegenteiliges. Bisher hatte der AN in sechs Monaten ein Dutzend Vorstellungsgespräche. Immer Absagen.

Jetzt hat der Arbeitnehmer die Überlegung, ob er das letzte Arbeitsverhältnis nicht einfach nicht erwähnt. Der Lebenslauf davor ist über viele Jahre lückenlos mit entsprechend guten Arbeitszeugnissen.

Da der Arbeitnehmer Weiterbildungen gemacht hat und es eine Urlaubsabgeltung vom letzten Arbeitgeber gab, hat er länger als 12 Monate Anspruch auf AlG I, würde sich also offiziell auch noch in AlG I-Bezug befinden, wenn er den letzten Job verschweigt. Nur irgendwann ist natürlich auch diese Zeit vorbei und es geht in AlG II. Dann würden sich ja wahrscheinlich auch die Ansprechpartner für potentielle neue Arbeitgeber ändern, wenn irgendwelche Zuschüsse beantragt werden. Oder?

Da im vorletzten Zeugnis ja der einvernehmliche Wunsch nach Beendigung steht, es dann bei Verheimlichung des letzten Jobs keinen nachfolgenden Arbeitgeber geben würde, müsste der Arbeitnehmer ja auch begründen, warum der Wunsch bestand!? Was denn da antworten? Private Gründe, auf die man nicht weiter eingehen möchte, da eben sehr privat!? Aber da könnte ja ein potentieller neuer Arbeitgeber alles hineininterpretieren! Der Arbeitnehmer hat ne Meise und war in ner Klapse ... Wie wäre ein gezieltes Sabbatjahr? Aber was ist dann mit AlG I und II? Auslandsaufenthalt? Arbeitnehmer ist verheiratet. Würde dann ja auch nur mit Partner gehen? Wäre also eine Lüge für noch einen anderen!

Wie sind Eure Gedanken dazu? Selbst schonmal Erfahrungen damit gehabt?

Etwas zu verschweigen bringt nichts, weil früher oder später alles rauskommt und wenn es durch einen eigenen Versprecher ist.

Auch könnte ein neuer Arbeitgeber den Arbeitnehmer kündigen, wenn der erfâhrt, dass es noch einen anderen Arbeitgeber gab?

Bin auf Gedankengänge gespannt.

Vielen Dank.

Gruß

winterspaziergang
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 7152
Registriert: 16.11.13, 14:23

Re: Folgen von Verheimlichung einer Anstellung? Gedanken!?

Beitrag von winterspaziergang »

culluc hat geschrieben:
24.01.20, 07:22
So vernahm der Arbeitnehmer zumindest entsprechende Reaktionen in den Gesichtern der Gegenüber.....Der Arbeirnehmer sagte dann auf Nachfrage immer sowas wie, dass das Gesamtpaket leider nicht gestimmt hatte, es andere Vorstellungen gab ... Sowas, in der Richtung, was auch der Wahrheit entspricht. Die Personalakte enthält auch nichts Gegenteiliges. Bisher hatte der AN in sechs Monaten ein Dutzend Vorstellungsgespräche. Immer Absagen.
wenn es trotz Erwähnung im Lebenslauf immer wieder zu Vorstellungsgesprächen kommt, die Frage nach der Probezeit sich stellt und das offenbar zu einer sichtbaren Reaktion in den Gesichtern sorgt, sollte der AN prüfen, was er da von sich gibt. Er ist offenbar so qualifiziert, dass er kein Problem hat, eine Einladung zu bekommen.
Die Reaktion erfolgt nicht wegen der Kündigung in der Probezeit, sondern wegen der Erklärung vor Ort. Irgendwas scheint nicht günstig zu sein.
culluc hat geschrieben:
24.01.20, 07:22
Auch könnte ein neuer Arbeitgeber den Arbeitnehmer kündigen, wenn der erfâhrt, dass es noch einen anderen Arbeitgeber gab?
nicht wenn das Verschweigen dieses AG keinen Bezug zur jetzigen Anstellung hat. Andererseits kann es in der Probezeit natürlich dazu führen, dass der AG sich belogen fühlt und dann eben ohne Angabe von Gründen kündigt.

FM
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 17531
Registriert: 05.12.04, 16:06

Re: Folgen von Verheimlichung einer Anstellung? Gedanken!?

Beitrag von FM »

winterspaziergang hat geschrieben:
24.01.20, 08:18
wenn es trotz Erwähnung im Lebenslauf immer wieder zu Vorstellungsgesprächen kommt, die Frage nach der Probezeit sich stellt und das offenbar zu einer sichtbaren Reaktion in den Gesichtern sorgt, sollte der AN prüfen, was er da von sich gibt. Er ist offenbar so qualifiziert, dass er kein Problem hat, eine Einladung zu bekommen.
Die Reaktion erfolgt nicht wegen der Kündigung in der Probezeit, sondern wegen der Erklärung vor Ort. Irgendwas scheint nicht günstig zu sein.
Ja, das sehe ich auch so. Wenn es nur an der erfolglosen Probezeit läge, würde man gar nicht erst eingeladen. Zu den möglichen Rechtsfolgen eines Verschweigens:

1. Kündigung in der neuen Probezeit, meist ohne weiteres möglich
2. falls Unternehmen unter 10 Mitarbeitern, auch danach noch (meistens möglich)
3. Anfechtung des Arbeitsvertrages wg. arglistiger Täuschung, im Ergebnis ähnlich einer fristlosen Kündigung.

Nr. 3 erscheint eher unwahrscheinlich, da es sehr schwerwiegende Gründe erfordert. Der Arbeitgeber müsste darlegen, dass er bei richtigen, also vollständigen Angaben den Bewerber sicher nicht eingestellt hätte, was dem Sachverhalt nach schwierig werden dürfte (aber andererseits nun zahlreichen einzelnen Erfahrungen entspricht). In die Situation kommen will man aber keinesfalls, und wenn erfolgreich wäre der Lebenslauf danach noch schlimmer.

Da derzeit vermutlich AlG bezogen wird, sollte man das Thema mal mit dem Arbeitsvermittler besprechen. Der kann z.B. auch ein Training bewilligen (also durch das Amt bezahlt), in dem man professionell auf die Situation vorbereitet wird. Dem Arbeitsvermittler und dem Trainer muss man dann aber schon vollständig sagen, was los war, sonst können sie die Situation auch nicht richtig einschätzen.

culluc
Topicstarter
Interessierter
Beiträge: 17
Registriert: 23.01.20, 08:34

Re: Folgen von Verheimlichung einer Anstellung? Gedanken!?

Beitrag von culluc »

Spielt es eine Rolle und macht es einen Unterschied, wenn der Arbeitnehmer schwerbebindert ist und im Lebenslauf "Schwerbehdinderung mit 70 Grad der Behinderung" angibt?

Der Arbeitnehmer war bis auf den letzten Arbeitgeber in der Privatwirtschaft tätig, würde aber wieder sehr gerne im öffentlichen Dienst arbeiten. Die meisten Vorstellungsgespräche waren auch bei anderen Behörden.

FM
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 17531
Registriert: 05.12.04, 16:06

Re: Folgen von Verheimlichung einer Anstellung? Gedanken!?

Beitrag von FM »

Ja, dann ist bei meiner unter 2. genannten Variante eine Kündigung nach 6 Monaten nur mit Zustimmung des Integrationsamtes möglich (die aber in 80 % der Fälle erteilt wird).

Celestro
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 2196
Registriert: 22.06.05, 22:24

Re: Folgen von Verheimlichung einer Anstellung? Gedanken!?

Beitrag von Celestro »

culluc hat geschrieben:
24.01.20, 09:26
Spielt es eine Rolle und macht es einen Unterschied, wenn der Arbeitnehmer schwerbebindert ist und im Lebenslauf "Schwerbehdinderung mit 70 Grad der Behinderung" angibt?

Der Arbeitnehmer war bis auf den letzten Arbeitgeber in der Privatwirtschaft tätig, würde aber wieder sehr gerne im öffentlichen Dienst arbeiten. Die meisten Vorstellungsgespräche waren auch bei anderen Behörden.
Ja, es macht einen Unterschied. Ein Schwerbehinderter MUSS zum Vorstellungsgespräch eingeladen werden. Es ist also fraglich, ob Ihre tolle Bewerbung / Ihre Qualifikation dazu führt, das Sie von allen Arbeitgebern eingeladen werden, oder eben einfach aufgrund der Schwerbehinderung.

hambre
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 6342
Registriert: 02.02.09, 13:21

Re: Folgen von Verheimlichung einer Anstellung? Gedanken!?

Beitrag von hambre »

Spielt es eine Rolle und macht es einen Unterschied, wenn der Arbeitnehmer schwerbebindert ist und im Lebenslauf "Schwerbehdinderung mit 70 Grad der Behinderung" angibt?
Das ist eine Erklärung, warum er so viele Einladungen zu Vorstellungsgesprächen erhält. Gerade im öffentlichen Dienst müssen Schwerbehinderte grundsätzlich eingeladen werden, es sei denn sie sind offensichtlich ungeeignet. Dass jemand offensichtlich ungeeignet ist, kann dabei nicht an einer Probezeitkündigung festgemacht werden.
FM hat geschrieben:Wenn es nur an der erfolglosen Probezeit läge, würde man gar nicht erst eingeladen.
Dieser Gedankangang ist daher vermutlich nicht zutreffend.

culluc
Topicstarter
Interessierter
Beiträge: 17
Registriert: 23.01.20, 08:34

Re: Folgen von Verheimlichung einer Anstellung? Gedanken!?

Beitrag von culluc »

Celestro hat geschrieben:
24.01.20, 09:38
culluc hat geschrieben:
24.01.20, 09:26
Spielt es eine Rolle und macht es einen Unterschied, wenn der Arbeitnehmer schwerbebindert ist und im Lebenslauf "Schwerbehdinderung mit 70 Grad der Behinderung" angibt?

Der Arbeitnehmer war bis auf den letzten Arbeitgeber in der Privatwirtschaft tätig, würde aber wieder sehr gerne im öffentlichen Dienst arbeiten. Die meisten Vorstellungsgespräche waren auch bei anderen Behörden.
Ja, es macht einen Unterschied. Ein Schwerbehinderter MUSS zum Vorstellungsgespräch eingeladen werden. Es ist also fraglich, ob Ihre tolle Bewerbung / Ihre Qualifikation dazu führt, das Sie von allen Arbeitgebern eingeladen werden, oder eben einfach aufgrund der Schwerbehinderung.
:( :shock: :cry:

D. h., ich wurde vllt nur wegen meiner Schwerbehinderung eingeladen?

Gibt es denn Indizien, an denen ich während des Gesprächs festmachen kann, ob es ein obligatorisches Gespräch gewesen ist?

Welche Personen in welcher Funktion müssen bei einem Gespräch bei einer Behörde zwingend dabei sein (Betriebsrat, Schwerbehindertenvertreter, Frauenbeauftragte ...)?

Stelle mir grad vor: wenn ich ein Personaler wäre und ich Gespräche führen müsste, würde man mir das wohl anmerken/-sehen!? ;-) Stelle ich mir schwierig vor, dieses so tun, als ob oder so. :-(

FM
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 17531
Registriert: 05.12.04, 16:06

Re: Folgen von Verheimlichung einer Anstellung? Gedanken!?

Beitrag von FM »

Ja, das heißt es.

Betriebsräte gibt es bei Behörden nicht, sondern Personalräte. Deren Beteiligungsrechte sind in 17 verschiedenen Gesetzen (Bund und jedes Land) geregelt. "Zwingend dabei" müssen sie aber wohl nirgends sein, es könnte höchstens ein Recht (des PR, nicht des Bewerbers) dazu geben.

culluc
Topicstarter
Interessierter
Beiträge: 17
Registriert: 23.01.20, 08:34

Re: Folgen von Verheimlichung einer Anstellung? Gedanken!?

Beitrag von culluc »

Aber merken werde ich das wohl nie?

Meine ich ja. :-) Hab mich noch nicht sooo dran gewöhnt, dass das Personalrat heißt.

webmaster76
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 2521
Registriert: 18.01.05, 10:53

Re: Folgen von Verheimlichung einer Anstellung? Gedanken!?

Beitrag von webmaster76 »

culluc hat geschrieben:
24.01.20, 14:38
Aber merken werde ich das wohl nie?
Doch, wenn die Absage im Briefkasten liegt :lachen:

Aber mal im Ernst. Man kann davon ausgehen, dass der/die Gegenüber schon mehr als ein Bewerbungsgespräch geführt haben und auch entsprechend geschult sind. Man wird da als "Laie" also schwer irgendwelche Indizien in einem Gespräch herauslesen können. Vor allem dann, wenn der AN mit Standardfragekatalogen ins Rennen geht.

Den Tipp mit dem Bewerbertraining finde ich sehr gut. Zumal wenn es nur eine negative Station aber die restliche Historie gut ist. Mit ein wenig Training kann sich der AN u.U. zukünftig deutlich besser verkaufen.

Antworten