BEM nach/während Stufenweise Wiedereingliederung

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alandan
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BEM nach/während Stufenweise Wiedereingliederung

Beitrag von alandan »

Ein Fiktiver Fall:

Eine Stufenweise Wiedereingliederung wurde ohne BEM (Betriebliches Eingliederungsmanagement) beschlossen. BEM wurde auch nicht angeboten.
Nach 1,5 Wochen bemerkt der Arbeitnehmer, dass AG ihm immer mehr Aufgaben erteilt.

Sein Eindruck: der Arbeitnehmer wird als kostenlose Arbeitskraft angesehen, und soll alles erledigen was er auch früher getan hat, er ist aber gesundheitlich nicht in der Lage die frühere Leistung zu erbringen.

Es gab kein Gespräch wie es ihm nach langer Erkrankung geht oder was er noch in der Lage ist zu machen. Er sollte einfach alles machen wie vorher.
Arbeitnehmer suchte ein Gespräch um das zu klären, ohne Erfolg.

Da, Arbeitnehmer merkt wie sich sein Gesundheitszustand wieder verschlechtert, und um zu verhindern dass die Wiedereingliederung scheitert,
überlegt er ob es sinnvoll ist vom AG den BEM zu "beantragen". Spätestens durch BEM sollte AG den AN als einen erkrankten Mitarbeiter betrachten, der auch mal Hilfe braucht - so der Überlegung des ANs. Ist das noch möglich, da die Stufenweise Wiedereingliederung gerade seit 1,5 Wochen läuft (noch 4,5 Wochen). Macht das auch Sinn?

Ein Betriebsrat gibt es nicht.
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schnueffel
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Re: BEM nach/während Stufenweise Wiedereingliederung

Beitrag von schnueffel »

a)
Man kann sicherlich ein BEM beim Arbeitgeber beantragen.
Ob der Arbeitgeber ein BEM anbietet ist eine andere Sache. Manche Arbeitgeber führen BEM zwar durch, halten sich später jedoch nicht an die getroffenen Vereinbarungen.

Wenn ein Arbeitgeber kein BEM macht, kann er krankheitsbedingt nur erschwert kündigen.

b)
Während der Wiedereingliederung ist man weiter krankgeschrieben. Eine Wiedereingliederung ist eine Rehabilion zu Lasten der Krankenkasse - daher keine Arbeitspflicht. Und man ist tatsächlich eine kostenlose Arbeitskraft.
Wenn der Arbeitgeber zuviel fordert, kann man es einfach liegenlassen oder ähnliches.
Nach Rücksprache mit dem Arzt kann man die Wiedereingliederung abbrechen.

Den Arbeitgeber zu bekehren, dass er Rücksicht nimmt, halte ich für ein hoffnungsloses Unterfangen.
Zafilutsche
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Re: BEM nach/während Stufenweise Wiedereingliederung

Beitrag von Zafilutsche »

schnueffel hat geschrieben: 26.09.20, 17:03 Den Arbeitgeber zu bekehren, dass er Rücksicht nimmt, halte ich für ein hoffnungsloses Unterfangen.
Der zuständige Betriebsarzt u. ggf. die "geschulte" Sicherheitsfachkraft helfen für gewöhnlich bei der "Überzeugungsarbeit". (z.B. wenn das Thema in der ASA Sitzung erörtert wird)
Gute (schlagfertige) Argumente können die Überzeugungsarbeit deutlich unterstützen, aber natürlich hat man keinen Anspruch darauf, das Argumente von der anderen Seite "verinnerlicht" werden müssen.
Das ist dann die Frage der "Verantwortung"
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alandan
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Re: BEM nach/während Stufenweise Wiedereingliederung

Beitrag von alandan »

Und was wenn der zuständige Betriebsarzt oder die "geschulte" Sicherheitsfachkraft nicht vorhanden sind?
Erst mit anderen Menschen ist der Mensch ein Mensch (Zulu-Sprichwort)
Zafilutsche
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Re: BEM nach/während Stufenweise Wiedereingliederung

Beitrag von Zafilutsche »

alandan hat geschrieben: 29.09.20, 09:27 Und was wenn der zuständige Betriebsarzt oder die "geschulte" Sicherheitsfachkraft nicht vorhanden sind?
Beides ist Pflicht für Unternehmen (siehe u.a. auch in den aushangpflichtigen Gesetzen nach!)
Oder geht`s um "Schwarzarbeit"? Das wäre natürlich eine andere Nummer.
So (ohne Sicherheitsfachkraft/Betriebsarzt) tanzt der Arbeitgeber auf einem sehr "heißen" Vulkan.
Im übrigen muß der AG dem AN das BEM anbieten genauso wie das Wiedereingliederungsgespräch.
Das darf der AN aber auch ablehnen (wovon eigentlich abzuraten ist!- Insbesondere wenn zurückbleibende Schäden nicht ausgeschlossen werden können, und es mal um mögliche Rentenansprüche gehen könnte!)
Zuletzt geändert von Zafilutsche am 29.09.20, 11:14, insgesamt 1-mal geändert.
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alandan
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Re: BEM nach/während Stufenweise Wiedereingliederung

Beitrag von alandan »

Zafilutsche hat geschrieben: 29.09.20, 10:27
alandan hat geschrieben: 29.09.20, 09:27 Und was wenn der zuständige Betriebsarzt oder die "geschulte" Sicherheitsfachkraft nicht vorhanden sind?
Beides ist Pflicht für Unternehmen (siehe u.a. auch in den aushangpflichtigen Gesetzen nach!)
Oder geht`s um "Schwarzarbeit"? Das wäre natürlich eine andere Nummer.
So (ohne Sicherheitsfachkraft/Betriebsarzt) tanzt der Arbeitgeber auf einem sehr "heißen" Vulkan.
Im übrigen muß der AG dem AN die BEM anbieten genauso wie das Wiedereingliederungsgespräch.
Das darf der AN aber auch ablehnen (wovon eigentlich abzuraten ist!- Insbesondere wenn zurückbleibende Schäden nicht ausgeschlossen werden können, und es mal um mögliche Rentenansprüche gehen könnte!)
Natürlich keine Schwarzarbeit sondern ganz normale und legale Beschäftigung.
Wie sollte sich der AN in der Wiedereingliederung befinden, wenn es um Schwarzarbeit geht?
Ja, das was du beschrieben hast ist ein Muss für den AG.
Aber das alles hat er nicht.
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Re: BEM nach/während Stufenweise Wiedereingliederung

Beitrag von Zafilutsche »

alandan hat geschrieben: 29.09.20, 10:57 Natürlich keine Schwarzarbeit sondern ganz normale und legale Beschäftigung. Ja, das was du beschrieben hast ist ein Muss für den AG.
Aber das alles hat er nicht.
Da stelle ich mir immer sofort die Frage:" Warum nicht?"
Klar die Unternehmenskultur wird man mit einem "Problemaufzeig" nicht gleich auf den Kopf stellen können, aber
entwickelte "Konflikt Lösungen" lassen sich auch gut einsetzen um auch andere Konflikte schneller und leichter entschärfen zu können, oder ganz zu vermeiden.
Da sollten AN und AG ein gemeinsames Interesse haben und idealerweise an einem Strang ziehen.
Eine gute Kommunikation würde m.E. beide Seiten helfen.
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Re: BEM nach/während Stufenweise Wiedereingliederung

Beitrag von Zafilutsche »

alandan hat geschrieben: 29.09.20, 10:57 Wie sollte sich der AN in der Wiedereingliederung befinden, wenn es um Schwarzarbeit geht?
Na ja: Angefangen hatte dieser Thread mit: "
Eine Stufenweise Wiedereingliederung wurde ohne BEM (Betriebliches Eingliederungsmanagement) beschlossen. BEM wurde auch nicht angeboten.
Nach 1,5 Wochen bemerkt der Arbeitnehmer, dass AG ihm immer mehr Aufgaben erteilt.
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