Mitarbeiter positves Testergebnis - Pflegeheim verschweigt das

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marie-reine
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Mitarbeiter positves Testergebnis - Pflegeheim verschweigt das

Beitrag von marie-reine »

Guten Tag,
folgender fiktiver Fall: Person A arbeitet in einem Pflegeheim als Alltagsbegleiter, Nahrungszubereitung in der offenen Küche mit den Bewohnern soweit möglich, einfache Pflegearbeiten, Essen reichen, Hilfe bei Toilettengängen, Hilfestellung beim Aufstehen und zu Bett gehen usw., also engen Kontakt mit der ganzen Wohngruppe (14 Bewohner).
Es wurden Schnelltests 2-mal wöchentlich angeordnet. Aufgrund eines positiven Ergebnisses einer Person, die in ein anderes Heim verzogen ist, sollen alle Mitarbeiter dieser Etage einen PCR-Test im Testzentrum machen. Person A arbeitet zwar auf der gleichen Etage, jedoch war sie den ganzen Monat nicht in dessen Wohngruppe und hatte keinen Kontakt.
Person A hat 4 Tage frei, verpasst die Anrufe und damit auch den Termin im Testzentrum. Die Heimleitung vereinbart deshalb für Person A einen Testtermin bei einem Arzt im Ort am ersten Einsatztag (28.12.). Zu Dienstbeginn wird erst ein Schnelltest im Heim gemacht, dieser fällt negativ aus. Zwei Stunden später ist er PCR-Test bei einer Arztpraxis. Danach wieder zurück in die Küche zur Wohngruppe. Weiterarbeiten, noch 4 h. Die Versichertenkarte von Person A bleibt versehentlich beim Arzt liegen. Person A holt sie am nächsten Tag ab, dabei wird ihr auch ein Zettel mit dem QR-Code überreicht, mit dem das Ergebnis im Internet abgerufen werden kann. Ca. 1 h später, Person A ist noch zum Einkaufen auf dem Rückweg, erhält sie einen Anruf vom Gesundheitsamt mit der Frage: Wo werden Sie Ihre Quarantänezeit verbringen? Person A wohnt nicht im gleichen Landkreis wie der Arbeitgeber. Welche Quarantäne denn? Person A hatte sich schon die ganze Zeit, aus Rücksicht auf die Bewohner, mit Kontakten sehr zurückgehalten. Die freien Tage hat sie mit mehrstündigen Waldspaziergängen mit dem Hund verbracht. Sollte es eine Ansteckung gegeben haben, ist sie sehr wahrscheinlich im Heim passiert. Diesen Hinweis gibt Person A dem Gesundheitsamt.
Person A informiert auch das Heim. In der Verwaltung ist um 18 h keiner mehr telefonisch zu erreichen. Die diensthabende Pflegefachkraft nimmt die Info entgegen. Person A teilt einer Kollegin aus der Verwaltung am selben Abend noch per Messenger mit, dass ihr Test positiv ausgefallen ist. Diese antwortet, dass sie bereits von der Heimleitung darüber informiert wurde, dass der Test leicht positiv ausgefallen ist und dass die Heimleitung sich am nächsten Morgen mit dem Gesundheitsamt in Verbindung setzen wird.
Person A erhält am nächsten Tag einen weiteren Anruf vom Gesundheitsamt, wird befragt zu den Kontakten und zu ihrem Befinden. Es gibt keinerlei Symptome. Person A weist nochmals darauf hin, dass sie in einem Pflegeheim in der Wohngruppe X zu den Bewohnern Kontakt hatte. sonst noch eine weitere Person, die auch einen Test machen lässt (Ergebnis fällt negativ aus). Sie gibt auch die Telefonnummer des Pflegeheims weiter. Sie erhält die Info, dass ohne Symptome eine Quarantäne von 10 Tagen einzuhalten ist. Zum Ende der Quarantänezeit wird sie noch einmal angerufen, ob es inzwischen Symptome gibt, da es keine gibt, wird sie dann zum 07.01. aus der Quarantäne entlassen.
Person A ist mit einigen Kollegen in Kontakt per Messenger. Sie erfährt, dass über ihr positives Ergebnis nicht gesprochen wird und auch die Bewohner nicht getestet werden. Bei einem Personalgespräch wird sehr stolz erzählt, dass bisher niemand positiv getestet wurde, die Kollegin kennt das Ergebnis von A und wundert sich darüber.
Person A weist beim Quarantäne-Entlassungs-Gespräch das Gesundheitsamt nochmals darauf auf diese Situation hin, dass ihr positives Testergebnis einfach unter den Teppich gekehrt wurde. Täglich 1000 Tote und besonders schützenswert sind die Pflegeheime. Wie passt das zusammen?
Aufgrund dieser besonderen Bemühungen von A werden am 13. und 15.01. doch noch die Bewohner getestet. Am 10.01. wurden auch Mitarbeiter im Testzentrum erneut getestet.
Außerdem erfährt Person A, dass der Arzt, der den Abstrich gemacht hat, die Heimleitung informiert hat. Die Heimleitung hat ein paar weitere Personen informiert, jedoch nicht Person A. Die diensthabende Pflegekraft, erzählt Person A, dass sie es bewusst nur an die Heimleitung weitergegeben hat mit der Anmerkung: Was denkst Du, was da los gewesen wäre? Da wäre Panik ausgebrochen.
Folgende Fragen stellt sich Person A:
Wie ist es möglich, dass die Heimleitung über das Ergebnis informiert wird, sie selbst jedoch nicht, auch nicht von der Heimleitung? Gibt es in diesem Fall keinen Datenschutz mehr? Warum erfährt der Arbeitgeber das Ergebnis überhaupt vom Arzt?
Ist es für die Heimleitung möglich, ein Ergebnis einfach zu verschweigen? Mal abwarten, ob die Seuche ausbricht? Egal welches Unternehmen, die Mitarbeiter müssen doch in jedem Fall informiert werden? Dieses Handeln wird von Person A als grob fahrlässig empfunden. Wie kann Person A, die Kollegen und die Bewohner, bzw. deren Angehörige, sich sicher fühlen? Kann Person A dagegen vorgehen? Wenn ja, was ist zu tun?
Da Person A durch das positive Ergebnis (vermutlich) Antikörper gebildet hat, sollten weitere Test (auch Schnelltests) erst mal nicht mehr nötig sein. Person A wird jedoch weiterhin dazu gezwungen. Ist das Erzwingen eines Tests legal? Für alle, die noch nie getestet wurden, Person A empfindet es jedes Mal als sehr schmerzhaft und eklig. Person A soll jetzt einen Antikörper-Test vom Hausarzt vorlegen. Ist es möglich, irgendwelcher Test zu erzwingen?
Im Voraus vielen Dank für eine Einschätzung
Gruß
Marie
PS: Seit August 2020 wurde die Heimleitung um eine weitere (männliche) Person erweitert. Laut Person A erreicht die männliche Führungskraft auf dem Narzisstenscore eine ziemlich hohe Punktzahl. Diese Person gibt sich sehr autoritär und schreibt Abmahnungen, bei denen das eigene Verhalten stark modifiziert dargestellt wird (erstunken und erlogen ist, bzw. Dinge weggelassen werden).Person A hat keinen getroffen, hatte keine Symptome, keiner wurde positiv getestet. Ist der Test ein Fake und braucht deshalb keine Info an Bewohner und Mitarbeiter?
Zuletzt geändert von ktown am 17.01.21, 17:21, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Klarnamen entfernt
FM
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Re: Mitarbeiter positves Testergebnis - Pflegeheim verschweigt das

Beitrag von FM »

Ohne jetzt die lange Geschichte im letzten Detail gelesen zu haben: Mitteilungspflichten bestehen nur gegenüber dem Gesundheitsamt, das muss dann bei Bedarf den Arbeitgeber informieren, und der muss die infektionsschutzrechtlichen Anordnungen beachten. Dabei ist, soweit möglich, auf den Datenschutz zu achten.

Da hier das Gesundheitsamt offenbar Bescheid weiß, hat der Arbeitnehmer bzw. sein Arzt wohl alles gemacht was er musste. Ob der weitere Vorgang dann richtig läuft, ist nicht seine Verantwortung.
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