Diverse Mitarbeiter

Moderator: FDR-Team

Heiko66
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Diverse Mitarbeiter

Beitrag von Heiko66 »

Zu dem Thema was bei Stellenausschreibung zu beachten ist findet sich ja viel.

Folgender Sachverhalt. Ehemalige (ehemalig bezogen auf das Geschlecht und nicht den Stand des Arbeitsvertrages) Mitarbeitrin AN teilt ihrem Chef AG per Email mit, sie fühle sich divers und möchte ab sofort auch so behandelt werden. (Was auch immer genau das behandelt werden meint)

Offene Frage: Was genau bedeutet das für den AG? Müssen dann zum Beispiel sofort alle Toilletten zu Unisex-Toilletten umgewandelt werden, wenn nicht die bauliche Möglichkeit besteht eine 3ten Sanitärraum einzurichten. In wieweit ist der Arbeitgeber verpflichtet Kunden und andere MItarbeitern darauf hinzuweisen, dass AN nicht mehr als Frau x angesprochen, angschrieben werden möchte und was ist zu veranlassen wenn sich jemand nicht daran hält. Oder muss das die ehemalige Mitarbeiterin selbst veranlassen. Was für neue Tretminenfelder tun sich noch auf, die der AG zu beachten hat?

Reicht es, wenn irgendjemand erklärt sich ab sofort "divers zu fühlen" um auch als divers zu gelten und daraus ggf. gewisse Rechte abzuleiten oder gehört mehr dazu? Wie oft muss ein Arbeitgeber dieses Spiel mitmachen, wenn die ehemalige Mitarbeiterin einen Monat später wieder mitteilen sollte sich nun wieder mehr als Frau/Mann zu fühlen?

Gibt es dazu Literatur? Googlen führt einen eher zu allgmeinen Themen aber nicht wie damit umzugehen ist, wenn das Geschlecht kurzfristig wechselt?
mariameme
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Re: Diverse Mitarbeiter

Beitrag von mariameme »

Ich denke sinnvoll wäre es, auf Mitarbeiter*in zuzugehen und mal zu fragen, wie man das gerne hätte, bevor man hier vor lauter Panik irgendwelchen Krams lostritt der vielleicht gar nicht recht ist....
:engel:
lottchen
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Re: Diverse Mitarbeiter

Beitrag von lottchen »

Wie sie sich fühlt ist eigentlich egal. Heute so, morgen so? Und da soll der AG springen? Was steht als Geschlecht in ihren Papieren (Personenstandsregister)? Das ist doch entscheidend.

Wie möchte denn Herr/Frau divers angesprochen werden wenn nicht als Herr/Frau? Das würde ich als Erstes mal fragen. Erst dann kann man als AG doch entsprechende reagieren.

Das Vorhandensein von WC´s / Sanitärräumen bzw. deren Anzahl und ob unisex oder getrennt regelt die Arbeitsstättenverordnung. Meines Wissens steht da nur was von Männern und Frauen.
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Chavah
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Re: Diverse Mitarbeiter

Beitrag von Chavah »

Ich hatte vor einigen Jahren mal so ein Problem, damals war das noch nicht so "modern," wie es heute ist. Man wird nichts in den Gesetzen finden. Das macht es so schwierig. Ich hab damals erklärt, dass wir verwaltungstechnisch die Umstellung vornehmen, sobald wir wissen, in welche Richtung. Es ist ja was anderes als Transsexualität. Also, bleibt erst einmal alles wie gehabt.

Ich würde erst einmal eruieren, was die Mitarbeiterin will. Was sie wirklich meint. Denn für Diverse gibt es nun mal keine spezielle Anrede, es gibt keine speziellen Toiletten u.s.w.

Chavah
lottchen
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Re: Diverse Mitarbeiter

Beitrag von lottchen »

Chavah hat geschrieben: 22.02.21, 14:22 es gibt keine speziellen Toiletten u.s.w.
Würde ich auch denken, wenn es ums Arbeitsrecht geht. Im öffentlichen Raum habe ich aber schon vor 2 oder 3 Jahren WC-Anlagen gesehen, wo es Toiletten für Diverse gab. Bin mir jetzt aber nicht mehr sicher, ob das in D (oder woanders in Europa war) und ob diese diversen WC´s komplett extra waren oder nur das Symbol bei Männer oder Frauen an der Tür mit dran war.

Zum Thema noch zwei etwas ältere Zeitungsartikel:
https://www.faz.net/aktuell/karriere-ho ... 28393.html
https://www.handwerksblatt.de/betriebsf ... geschlecht
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Chavah
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Re: Diverse Mitarbeiter

Beitrag von Chavah »

Das Toilettenproblem ist in der Tat nicht zu unterschätzen. In vielen Gebäuden ist es ja schon schwierig, getrennte Toiletten für Männer und Frauen einzurichten, gerade in kleineren Betrieben/Einheiten. Es geht halt häufig nicht. Und die Unsicherheit der anderen Mitarbeiter, auch die muss man ja mit einkalkulieren.

Ich hab damals die Ansicht vertreten, dass bei einem Geschlechtswechsel, einerlei, wohin, zunächst die Ämter dran sind. Und wenn da was geändert wird, dann überlegen wir uns, wie wir das umsetzen. Aber auf Zuruf oder Email ganz sicherlich nicht. Bei zwei Transsexuellen war es unproblematisch. Sobald eben die Dokumente vorlagen, war alles klar, aus Frau Müller wurde Herr Müller. Kein Problem. Aber eben nicht auf Zuruf, so wie das hier wohl geschehen soll.

Chavah
Tastenspitz
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Re: Diverse Mitarbeiter

Beitrag von Tastenspitz »

Ein Wechsel von Er zu Sie und umgekehrt ist unproblematischer als ein Wechsel zu Divers. Zumal auch oft noch getrennte Umkleideräume mit berücksichtigt werden müssen.
Aber ohne behördliche Anordnung ist der AG hier vermutlich nicht im Zugzwang. Sei es die Arbeitsstättenrichtlinie oder von mir aus auch ein wie auch immer geartetes Urteil. Vor da nichts kommt wird Divers sich eben irgendwo bei den beiden einfinden müssen.
Wer für generelle Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen ist, hebe bitte den rechten Fuß.
Für individuelle Rechtsberatung bitte "ALT" und "F4" auf der Tastatur gleichzeitig drücken.
Chavah
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Re: Diverse Mitarbeiter

Beitrag von Chavah »

Tastenspitz, wir sind uns ja einig. Wobei wir auch bei den Transsexuellen Schwierigkeiten hatten. Das ließ sich noch durch Umsetzungen in andere Abteilungen regeln. Nur bei dem "D-Fall" ging es gar nicht. Der hatte dann geklagt. Wir haben uns dann letztlich auf einen Aufhebungsvertrag geeinigt. Der Richter hatte aber ganz klar formuliert: vor der amtlichen Änderung des Geschlechts muss der Arbeitgeber gar nichts tun. Und das "Umbasteln" des Arbeitsplatzes ist dem Arbeitgeber auch nur eingeschränkt zumutbar. Und muss machbar sein, rein technisch.

Also, da einfach mal eine Email senden, das löst gar keine Verpflichtungen beim Arbeitgeber aus.

Chavah
Heiko66
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Re: Diverse Mitarbeiter

Beitrag von Heiko66 »

Ok danke für die Antworten. Den Antworten entnehme ich es gibt zu "Wie damit umzugehen ist, wenn das Geschlecht kurzfristig wechselt?" eher keine Literatur oder zumindest keine die weiterhilft.
Ein Wechsel von Er zu Sie und umgekehrt ist unproblematischer als ein Wechsel zu Divers.
Für die Person, die das Geschlecht wechselt oder für den Arbeitgeber? Wenn auf einmal Herr x zu Frau x wird und dann meint die Toiletten zusammen mit der weiblichen Belegschaft zu nutzen, kann ich mir gut vorstellen, dass dies nicht unbedingt bei der gesammten weiblichen Belegschaft zu Freudenausbrüchen führt.
Aber auf Zuruf oder Email ganz sicherlich nicht
Wenn das ganz sicher wäre... Dann könnte man diese Email also auch ganz sicher ignorieren?

Diese Frage lässt ja einen weitern Punkt offen nämlich was für Voraussetzungen muss vorliegen, damit jemand spontan sein Geschlecht wechselt und dies vom Arbeitgeber dann mit entsprechenden Maßnhamen zu hinterlegen ist. Einfach nur mal eine spontane Entscheidung. Gibt es dazu noch überhaupt keine Regelung oder Rechtsprechung?
Ich denke sinnvoll wäre es, auf Mitarbeiter*in zuzugehen und mal zu fragen, wie man das gerne hätte
Wer fragt bekommt auch Antworten mit denen dann ja irgendwas gemacht werden muss. Forderungen sind dann ggf. schwerer abzulehnen. Es muss ja auch zugesehen werden da nicht irgendwie einseitig zu bevorteilen. Das bringt dann ggf. den Rest der Belegschaft gegen einen auf. Wenn sich nun Mitarbeitende X auf einmal aussuchen darf auf welche Toilette er/sie/es geht, dann dürfen das alle anderen weiterhin nicht. Im Ergebnis eine einseitige Bevorteilung die sich nur durch Unisex-Toilletten vermeiden lässt. Müssen dann andere Mitarbeiter vom Arbeitgeber abgemahnt werden, wenn diese die Mitarbeitende weiterhin als Frau X und Mitarbeitende X das nicht wünscht? Dem einen Mitarbeitenden "Sonderrechte" einzuräumen kann dem Rest der Belegschaft übel aufstoßen. Daher wäre es toll, wenn dazu explizit etwas geregelt wäre. Dann könnte man als Arbeitgeber zumindest sagen ich habe mir das nicht ausgedacht. Wenn euch das nicht passt dann gründet halt eine Partei und arbeitet darauf hin die Rechtslage zu ändern. Ich setzte einfach nur "geltendes Recht um". Den schwarzen Peter des Interessensausgleich einfach dem Arbeitgeber überzuhäufen, ohne auch nur Hinweise zu geben wie ein entsprechender Interessensausgleich vorgenommen werden muss, ist eher dürftig.
ExDevil67
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Re: Diverse Mitarbeiter

Beitrag von ExDevil67 »

Heiko66 hat geschrieben: 23.02.21, 08:14
Aber auf Zuruf oder Email ganz sicherlich nicht
Wenn das ganz sicher wäre... Dann könnte man diese Email also auch ganz sicher ignorieren?
Wirklich endgültig sicher wird man die Mail wohl erst ignorieren können wenn der Fall durch alle Instanzen bis zur großen Kammer des EGMR geklagt wurde. Rein praktisch würde ich mich aber der Ansicht anschließen die Chavah aus seinem Praxisfall zitiert. Solange im Perso noch das "alte" Geschlecht drin ist besteht kein Handlungsbedarf. Zumindest keiner den ich als einklagbar ansehen würde.
lottchen
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Re: Diverse Mitarbeiter

Beitrag von lottchen »

Wo steht eigentlich auf dem Perso das Geschlecht?
Meiner Meinung nach muss das Personenstandsregister geändert sein und die Angestellte muss das vorlegen, damit man sich als AG überhaupt mit dem Thema beschäftigen muss.
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Re: Diverse Mitarbeiter

Beitrag von Tastenspitz »

Wenn überhaupt, dann in den Zeilen die Maschinenlesbar sind. Das mit M/W/D ist aber glaube ich nur im Pass zu finden.
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Re: Diverse Mitarbeiter

Beitrag von Tastenspitz »

Ansonsten zum Prozess wie man das macht - siehe hier:
https://www.bundesverband-trans.de/unse ... tseintrag/
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Re: Diverse Mitarbeiter

Beitrag von Froggel »

Heiko66 hat geschrieben: 23.02.21, 08:14 Den Antworten entnehme ich es gibt zu "Wie damit umzugehen ist, wenn das Geschlecht kurzfristig wechselt?" eher keine Literatur oder zumindest keine die weiterhilft.
Na ja, im Internet findet sich zumindest das hier. Auch da wird empfohlen, das entsprechende Mitarbeiter* zu fragen, womit es sich am wohlsten fühlt, ebenso wie Vorschläge für Anreden in der Korrespondenz gemacht werden.
Ich bin kein Jurist.
- alle Angaben ohne Gewähr -
Chavah
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Re: Diverse Mitarbeiter

Beitrag von Chavah »

Man kann sein Geschlecht nicht kurzfristig wechseln. Das dauert. Hatte ich doch schon geschrieben.

Und dann stellt sich eben die Frage, was machbar ist. Es gibt ja durchaus Jobs, die einem Geschlecht vorbehalten sind, immer noch und aus gutem Grund. Es gibt weiterhin eben Arbeitsplätze, bei welchen gewisse Sachen nicht realisierbar sind. Das alles ist sehr individuell, kann weder durch Gesetz noch durch Betriebsvereinbarung oder sonstwie vorab geregelt werden.

Chavah
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