Entzug von Kompetenzen

Moderator: FDR-Team

Besmartnothard
Topicstarter
Interessierter
Beiträge: 18
Registriert: 13.03.21, 17:16

Entzug von Kompetenzen

Beitrag von Besmartnothard »

Guten Tag,
kann der Arbeitgeber Aufgaben verteilen und austauschen wie er gerade meint? Oder kann man als AN drauf bestehen, die bisher ausgeführten Aufgaben nicht abgeben zu wollen?
Vorab schon mal danke.
ktown
FDR-Moderator
Beiträge: 25517
Registriert: 31.01.05, 08:14
Wohnort: Auf diesem Planeten

Re: Entzug von Kompetenzen

Beitrag von ktown »

Kleiner Blick in den eigenen Arbeitsvertrag und der darin enthaltenen Arbeitsbeschreibung wirkt manchmal Wunder. :wink:
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

Gesetze sind eine misslungene Kreuzung aus dem Alphabet und einem Labyrinth.
"Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt" Zitat Goethe
FM
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 20038
Registriert: 05.12.04, 16:06

Re: Entzug von Kompetenzen

Beitrag von FM »

Man kann darauf bestehen so beschäftigt zu werden wie es vertraglich festgelegt ist.
Nordland
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 2907
Registriert: 20.08.05, 13:30

Re: Entzug von Kompetenzen

Beitrag von Nordland »

Besmartnothard hat geschrieben: 13.03.21, 17:30 kann der Arbeitgeber Aufgaben verteilen und austauschen wie er gerade meint? Oder kann man als AN drauf bestehen, die bisher ausgeführten Aufgaben nicht abgeben zu wollen?
Grundsätzlich gibt es ein Weisungsrecht des AG. Heißt: Der Chef trägt die Verantwortung, also kann er auch bestimmen, wer welche Aufgaben durchführt. Der AN hat in erster Linie ein Recht darauf, sein Gehalt zu bekommen.

Auf der anderen Seite ist klar, dass es nicht sinnvoll ist, munter die Kompetenzen hin- und her zu schieben. Du sprichst von "Entzug von Kompetenzen", was im Extremfall natürlich auch heißen kann, dass ein AN künftig unterbeschäftigt ist oder dass er Aufgaben zugeordnet bekommt, für die er nicht ausgebildet ist, für die er überqualifiziert ist oder die nicht Bestandteil seines Arbeitsvertrages sind. In solchen Fällen kann es durchaus Abwehrrechte des AN gegen die Entscheidungen des AG geben. Dazu müsste man aber genaue Einzelheiten kennen.
Vi sono momenti, nella Vita, in cui tacere diventa una colpa e parlare diventa un obbligo. Un dovere civile, una sfidamorale, un imperativo categorico al quale non ci si può sottrarre.
Oriana Fallaci (1929-2006)
FM
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 20038
Registriert: 05.12.04, 16:06

Re: Entzug von Kompetenzen

Beitrag von FM »

Eine Zuweisung gleichwertiger Arbeiten dürfte in den meisten Arbeits- oder Tarifverträgen geregelt sein. Dann kann man vom Taxifahrer auch verlangen, dass er statt im einen Bezirk im anderen tätig ist, oder vom Schreiner, dass er statt Schränken Betten herstellt.

Problematisch wäre dann aber z.B. in Bayern:
Art. 168 Verfassung
(1) 1Jede ehrliche Arbeit hat den gleichen sittlichen Wert und Anspruch auf angemessenes Entgelt. 2Männer und Frauen erhalten für gleiche Arbeit den gleichen Lohn.
Es geht also alles, was ehrlich ist.
Besmartnothard
Topicstarter
Interessierter
Beiträge: 18
Registriert: 13.03.21, 17:16

Re: Entzug von Kompetenzen

Beitrag von Besmartnothard »

Nordland hat geschrieben: 13.03.21, 18:48


Grundsätzlich gibt es ein Weisungsrecht des AG. Heißt: Der Chef trägt die Verantwortung, also kann er auch bestimmen, wer welche Aufgaben durchführt. Der AN hat in erster Linie ein Recht darauf, sein Gehalt zu bekommen.

Auf der anderen Seite ist klar, dass es nicht sinnvoll ist, munter die Kompetenzen hin- und her zu schieben. Du sprichst von "Entzug von Kompetenzen", was im Extremfall natürlich auch heißen kann, dass ein AN künftig unterbeschäftigt ist oder dass er Aufgaben zugeordnet bekommt, für die er nicht ausgebildet ist, für die er überqualifiziert ist oder die nicht Bestandteil seines Arbeitsvertrages sind. In solchen Fällen kann es durchaus Abwehrrechte des AN gegen die Entscheidungen des AG geben. Dazu müsste man aber genaue Einzelheiten kennen.
Schon seltsam, dass der AG Aufgaben augenscheinlich grundlos einfach wegnehmen kann. Eine Unterbeschäftigung könnte sich ja dann daraus entwickeln, wenn weitere Aufgaben weggenommen werden. Das könnte er ja dann problemlos fortführen, d. h. mehrere Aufgaben bis zur Unterbeschäftigung entziehen, richtig?
Nordland
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 2907
Registriert: 20.08.05, 13:30

Re: Entzug von Kompetenzen

Beitrag von Nordland »

Besmartnothard hat geschrieben: 13.03.21, 20:00 Eine Unterbeschäftigung könnte sich ja dann daraus entwickeln, wenn weitere Aufgaben weggenommen werden. Das könnte er ja dann problemlos fortführen, d. h. mehrere Aufgaben bis zur Unterbeschäftigung entziehen, richtig?
Im ersten Moment ja. Jedoch könnte der AN sich dann auf seinen Beschäftigungsanspruch berufen. Siehe etwa:
https://www.kgk-kanzlei.de/rechtsgebiete/arbeitsrecht/beschaeftigungsanspruch/ hat geschrieben:Während die Rechtsprechung früher der Auffassung war, es sei ausreichend, wenn der Arbeitnehmer seine monatliche Vergütung erhält, billigt die Rechtsprechung dem Arbeitnehmer heutzutage unabhängig von der Vergütung auch einen Anspruch auf Beschäftigung durch den Arbeitgeber zu.

Dieser Anspruch auf tatsächliche Beschäftigung resultiert aus dem Persönlichkeitsrecht des Arbeitnehmers. Man geht dabei von der Überlegung aus, dass die tatsächliche Tätigkeit im Arbeitsverhältnis und die damit zusammenhängende Achtung und Wertschätzung des Arbeitnehmers ein wichtiger Grundstein der Entfaltung der geistigen und körperlichen Fähigkeiten und somit der Entfaltung der Persönlichkeit ist.

Daher gilt, dass der Arbeitnehmer gegen seinen Arbeitgeber während eines fortlaufenden Arbeitsverhältnisses einen Anspruch auf Beschäftigung hat.
Problem ist natürlich, dass das Vertrauensverhältnis, wenn es schon so weit gekommen ist, kaum mehr gegeben sein dürfte. Leider muss man sagen, dass in dem Entzug von Aufgaben oftmals auch der Versuch drin steckt, den AN "loszuwerden", das heißt, ihn zu einer Eigenkündigung bzw. zu einem Aufhebungsvertrag zu bewegen, ohne dass der AG kündigen muss und eine Kündigungsschutzklage riskiert. Dieses Prinzip scheint in Japan gang und gäbe zu sein:
https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-18309090.html hat geschrieben:[...] Schließlich musste ich in den "Personalraum" umziehen ...
SPIEGEL: Was ist das für ein Raum?
Sakai: Ein fensterloses Zimmer mit kahlen Wänden. Außer einem langen Tisch und Stühlen gibt es dort nur ein Telefon - mit dem kann man allerdings nur innerhalb der Firma telefonieren. Aber wen hätte ich anrufen sollen? Man sagte mir: "Nichts zu tun - das ist ab heute dein Job."
Ich weiß auch nicht, welchen Ratschlag man in dieser Situation geben soll. Füße still halten? Ja, manchmal kommen neue Aufgaben und es bessert sich. Aber nicht immer. Dagegen vorgehen? Das ist schon eine höhere Eskalationsstufe.

Wer Kollegen/Chefs hat, braucht halt keine Feinde...
Vi sono momenti, nella Vita, in cui tacere diventa una colpa e parlare diventa un obbligo. Un dovere civile, una sfidamorale, un imperativo categorico al quale non ci si può sottrarre.
Oriana Fallaci (1929-2006)
winterspaziergang
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 8308
Registriert: 16.11.13, 14:23

Re: Entzug von Kompetenzen

Beitrag von winterspaziergang »

Besmartnothard hat geschrieben: 13.03.21, 20:00
Schon seltsam, dass der AG Aufgaben augenscheinlich grundlos einfach wegnehmen kann.
:?: das kann er nicht. Hat man die verschiedenen anderen Antworten mit Hinweis
eigenen Arbeitsvertrag und der darin enthaltenen Arbeitsbeschreibung
nicht gelesen?
Eine Unterbeschäftigung könnte sich ja dann daraus entwickeln, wenn weitere Aufgaben weggenommen werden. Das könnte er ja dann problemlos fortführen, d. h. mehrere Aufgaben bis zur Unterbeschäftigung entziehen, richtig?
nein, das ist nicht richtig s.o.
FM
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 20038
Registriert: 05.12.04, 16:06

Re: Entzug von Kompetenzen

Beitrag von FM »

Besmartnothard hat geschrieben: 13.03.21, 20:00 Schon seltsam, dass der AG Aufgaben augenscheinlich grundlos einfach wegnehmen kann.
Nein, nicht seltsam. Einem Unternehmen muss es schon auch möglich sein, irgendwann mal die innere Struktur zu verändern. Und das kann dazu führen, dass der Schreiner jetzt nicht mehr Wohnzimmerschränke herstellen soll, sondern Schlafzimmerschränke. Oder dass der angestellte Jurist nicht mehr alles mögliche macht, sondern nur noch Arbeitsrecht.

Die Frage erinnert ein wenig an den Heizer auf der E-Lok - wenn jemand von der Bundesbahn als Heizer eingestellt wurde, hat er dann ein Recht darauf, dass die nächsten 50 Jahre bis zu seiner Pensionierung Dampfloks fahren müssen?
Besmartnothard
Topicstarter
Interessierter
Beiträge: 18
Registriert: 13.03.21, 17:16

Re: Entzug von Kompetenzen

Beitrag von Besmartnothard »

Nordland hat geschrieben: 13.03.21, 20:42
Im ersten Moment ja. Jedoch könnte der AN sich dann auf seinen Beschäftigungsanspruch berufen. Siehe etwa:
https://www.kgk-kanzlei.de/rechtsgebiete/arbeitsrecht/beschaeftigungsanspruch/ hat geschrieben:Während die Rechtsprechung früher der Auffassung war, es sei ausreichend, wenn der Arbeitnehmer seine monatliche Vergütung erhält, billigt die Rechtsprechung dem Arbeitnehmer heutzutage unabhängig von der Vergütung auch einen Anspruch auf Beschäftigung durch den Arbeitgeber zu.

Dieser Anspruch auf tatsächliche Beschäftigung resultiert aus dem Persönlichkeitsrecht des Arbeitnehmers. Man geht dabei von der Überlegung aus, dass die tatsächliche Tätigkeit im Arbeitsverhältnis und die damit zusammenhängende Achtung und Wertschätzung des Arbeitnehmers ein wichtiger Grundstein der Entfaltung der geistigen und körperlichen Fähigkeiten und somit der Entfaltung der Persönlichkeit ist.

Daher gilt, dass der Arbeitnehmer gegen seinen Arbeitgeber während eines fortlaufenden Arbeitsverhältnisses einen Anspruch auf Beschäftigung hat.
Problem ist natürlich, dass das Vertrauensverhältnis, wenn es schon so weit gekommen ist, kaum mehr gegeben sein dürfte. Leider muss man sagen, dass in dem Entzug von Aufgaben oftmals auch der Versuch drin steckt, den AN "loszuwerden", das heißt, ihn zu einer Eigenkündigung bzw. zu einem Aufhebungsvertrag zu bewegen, ohne dass der AG kündigen muss und eine Kündigungsschutzklage riskiert. Dieses Prinzip scheint in Japan gang und gäbe zu sein:
https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-18309090.html hat geschrieben:[...] Schließlich musste ich in den "Personalraum" umziehen ...
SPIEGEL: Was ist das für ein Raum?
Sakai: Ein fensterloses Zimmer mit kahlen Wänden. Außer einem langen Tisch und Stühlen gibt es dort nur ein Telefon - mit dem kann man allerdings nur innerhalb der Firma telefonieren. Aber wen hätte ich anrufen sollen? Man sagte mir: "Nichts zu tun - das ist ab heute dein Job."
Ich weiß auch nicht, welchen Ratschlag man in dieser Situation geben soll. Füße still halten? Ja, manchmal kommen neue Aufgaben und es bessert sich. Aber nicht immer. Dagegen vorgehen? Das ist schon eine höhere Eskalationsstufe.

Wer Kollegen/Chefs hat, braucht halt keine Feinde...
Abwarten und Tee trinken ist vielleicht nicht so verkehrt. Finde die Beiträge sehr passend, wobei es sicherlich elegantere Methoden gibt, wenn man einen AN loswerden will. Das kann natürlich sein, aber es ist schwer einzuschätzen, wenn man trotzdem andere Aufgaben bekommt. Man wird irgendwie klein gehalten während andere daher kommen mit den Ergebnissen, die man erarbeitet hat. Schon skandalös.

Danke.
Besmartnothard
Topicstarter
Interessierter
Beiträge: 18
Registriert: 13.03.21, 17:16

Re: Entzug von Kompetenzen

Beitrag von Besmartnothard »

FM hat geschrieben: 13.03.21, 21:52

Nein, nicht seltsam. Einem Unternehmen muss es schon auch möglich sein, irgendwann mal die innere Struktur zu verändern. Und das kann dazu führen, dass der Schreiner jetzt nicht mehr Wohnzimmerschränke herstellen soll, sondern Schlafzimmerschränke. Oder dass der angestellte Jurist nicht mehr alles mögliche macht, sondern nur noch Arbeitsrecht.
Es sollten halt Schlafzimmerschränke sein...Mit der Strukturgebung muss das irgendwie auch zusammenhängen. Wieso sollte man sonst die Aufgaben entziehen? (Rhetorische Frage)

Danke.
Elektrikör
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 5668
Registriert: 01.06.07, 18:45
Wohnort: Wehringen

Re: Entzug von Kompetenzen

Beitrag von Elektrikör »

Hallo,

Die Frage ist irgendwie drollig

Was meint denn der Fragesteller, was der Chef in SEINEM Unternehmen zu sagen hat?
Erstmal ALLES
ER bestimmt, was wann von wem wie gemacht wird!!

MfG
Alles hier von mir geschriebene stellt meine persönlichGanzFürMichAlleineMeinung dar
Falls in einer Antwort Fragen stehen, ist es ungemein hilfreich, wenn der Fragesteller diese auch beantwortet
ktown
FDR-Moderator
Beiträge: 25517
Registriert: 31.01.05, 08:14
Wohnort: Auf diesem Planeten

Re: Entzug von Kompetenzen

Beitrag von ktown »

Ich glaube das wird nix mit der Wunschantwort. :lachen:
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

Gesetze sind eine misslungene Kreuzung aus dem Alphabet und einem Labyrinth.
"Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt" Zitat Goethe
Besmartnothard
Topicstarter
Interessierter
Beiträge: 18
Registriert: 13.03.21, 17:16

Re: Entzug von Kompetenzen

Beitrag von Besmartnothard »

Elektrikör hat geschrieben: 13.03.21, 22:56 Hallo,

Die Frage ist irgendwie drollig

Was meint denn der Fragesteller, was der Chef in SEINEM Unternehmen zu sagen hat?
Erstmal ALLES
ER bestimmt, was wann von wem wie gemacht wird!!

MfG
Schon klar. Mit diesem Grundsatz kann man wohl immer argumentieren, begründen liest sich anders.
fodeure
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 2576
Registriert: 06.06.10, 20:51

Re: Entzug von Kompetenzen

Beitrag von fodeure »

Besmartnothard hat geschrieben: 14.03.21, 10:09Schon klar. Mit diesem Grundsatz kann man wohl immer argumentieren, begründen liest sich anders.
Das mag zwar nicht deine Wunschantwort sein, ist aber richtig. Erwartest du ernsthaft auf eine allgemeine Frage ohne weitere Details tiefgehende Antworten zu erhalten?
Antworten