Schwerbehindertenangabe überlesen, aber doch keine Entschädigung?

Moderator: FDR-Team

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kraemerchen
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Schwerbehindertenangabe überlesen, aber doch keine Entschädigung?

Beitrag von kraemerchen »

Hallo,

es hatte sich jemand beworben, der seine Schwerbehinderung im Lebenslauf mit

"GdB

50"

angegeben hat.

Die Personalerin hatte es überlesen und dies so der Bewerberin mitgeteilt, nachdem diese eine Absage erhalten hat und nachgefragt hat, warum sie nicht eingeladen wurde.

O. g. Angabe erfüllt IMHO doch die Vorgaben nach

BAG, Urteil vom 18. 9. 2014 - 8 AZR 759/13 Rn. 31
BAG, Urteil vom 22.10.2015 - 8 AZR 384/14 Rn. 36

und müsste eine Entschädigung auslösen, oder!?

Die Personalerin hat allerdings diese Urteile zu ihren Gunsten ausgelegt und der Bewerberin mitgeteilt, dass diese Angabe im Lebenslauf nicht den in den Urteilen geschriebenen Anforderungen erfüllen.

Die Angabe steht relativ am Ende des Lebenslaufs zwischen zwei anderen Punkten. Die Positionierung ist lt. Personalerin als auch von der Formatierung nicht geeignet, dass der Arbeitgeber in die Lage versetzt wird, diesen Hinweis wahrzunehmen. Es steht im Lebenslauf eben wie oben beschrieben und die Überschrift ist nun auch fett gedruckt und "GdB" sollte ja einem Personaler eindeutig darauf hinweisen, dass besonders i. V. m. der Zahl "50" eine Schwerbehinderung vorliegt. Lt. Personalerin handelt es sich nicht um eine deutliche und hervogehobene Stelle, sondern vielmehr um eine versteckte Angabe, die von dem Arbeitgeber nicht wahrgenommen werden musste.

Wie seht ihr das bitte?

Danke Euch.

GLG
Elektrikör
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Re: Schwerbehindertenangabe überlesen, aber doch keine Entschädigung?

Beitrag von Elektrikör »

Hallo,

Um welchen Betrieb geht es denn?
ÖD?

Die Personalerin ist noch neu im Job, oder?

MfG
Alles hier von mir geschriebene stellt meine persönlichGanzFürMichAlleineMeinung dar
Falls in einer Antwort Fragen stehen, ist es ungemein hilfreich, wenn der Fragesteller diese auch beantwortet
kraemerchen
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Re: Schwerbehindertenangabe überlesen, aber doch keine Entschädigung?

Beitrag von kraemerchen »

Sorry, ja ÖD.

Und ja, neu im Job.

Wieso?

MfG
FM
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Re: Schwerbehindertenangabe überlesen, aber doch keine Entschädigung?

Beitrag von FM »

Prinzipiell ist die Abkürzung "GdB" Personalern schon bekannt. Aber wenn man es so klein schreibt dass es nur mit der Lupe lesbar ist oder ganz besonders gut versteckt, kann es tatsächlich übersehen werden.
hambre
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Re: Schwerbehindertenangabe überlesen, aber doch keine Entschädigung?

Beitrag von hambre »

auch von der Formatierung
Die Formatierung, also die Darstellung in zwei Zeilen mit Leerzeile dazwischen ist jedenfalls ungewöhnlich.

Je nach Formatierung des übrigen Textes kann man da durchaus auf die Idee kommen, dass bewusst eine derart ungewöhnliche Formatierung gewählt wurde, damit die Angabe übersehen wird.
Lt. Personalerin handelt es sich nicht um eine deutliche und hervogehobene Stelle, sondern vielmehr um eine versteckte Angabe, die von dem Arbeitgeber nicht wahrgenommen werden musste.
Das halte ich für möglich, wobei die Angabe nicht besonders hervorgehoben werden muss. Die Angabe darf aber auch nicht erheblich anders erfolgen als die übrigen Angaben. In Ermangelung des vollständigen Lebenslaufes möchte ich aber nicht abschließend beurteilen, ob es sich um eine versteckte Angabe handelt.
Niemand2000
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Re: Schwerbehindertenangabe überlesen, aber doch keine Entschädigung?

Beitrag von Niemand2000 »

kraemerchen hat geschrieben: 15.03.21, 16:55Wie seht ihr das bitte?
vllt. hilft https://dejure.org/2014,3519 weiter :?:
kraemerchen
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Re: Schwerbehindertenangabe überlesen, aber doch keine Entschädigung?

Beitrag von kraemerchen »

Niemand2000 hat geschrieben: 16.03.21, 10:05
kraemerchen hat geschrieben: 15.03.21, 16:55Wie seht ihr das bitte?
vllt. hilft https://dejure.org/2014,3519 weiter :?:
Hilft leider gar nicht. :-( Dennoch vielen Dank.

Der verlinkte Fall ist ja ein gänzlich anderer.

O. g. Formatierung wurde bei allen anderen Angaben im Lebenslauf genauso angewendet. Z. B.:

"IT-Kenntnisse

SAP ..., Office ..."

Die Überschrift "GdB" ist auch nicht missverständlich, da "GdB" erstens einem AG im ÖD bekannt ist oder sein sollte bzw. muss und "GdB" bedeutet auch nichts anderes als "Grad der Behinderung".

Gibt es kein Urteil oder keine Vorschrift, aus dem/der hervorgeht, wie nun eine Angabe zur Schwerbehinderung im Lebenslauf an welcher Stelle zu machen ist?
FM
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Re: Schwerbehindertenangabe überlesen, aber doch keine Entschädigung?

Beitrag von FM »

kraemerchen hat geschrieben: 07.04.21, 10:42 Gibt es kein Urteil oder keine Vorschrift, aus dem/der hervorgeht, wie nun eine Angabe zur Schwerbehinderung im Lebenslauf an welcher Stelle zu machen ist?
Nein, gibt es nicht.
Wenn man auf Entschädigung klagt wird sich das Arbeitsgericht die Unterlagen anschauen und beurteilen, ob es so ausreichte.
Celestro
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Re: Schwerbehindertenangabe überlesen, aber doch keine Entschädigung?

Beitrag von Celestro »

es dürfte wohl nicht derart häufig vorkommen, als das es dazu reihenweise Urteile gibt. Außerdem muss man sich schon fragen, wie eine Person mit Personalverantwortung so etwas übersehen kann. Diese Sache ist ja nun wirklich nichts neues ... da sollte man dann halt vernünftig hingucken.
Niemand2000
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Re: Schwerbehindertenangabe überlesen, aber doch keine Entschädigung?

Beitrag von Niemand2000 »

kraemerchen hat geschrieben: 07.04.21, 10:42Hilft leider gar nicht.
Demnach war der Hinweis auf die Schwerbehinderung in Ihrem fiktiven Fall an einer Stelle angebracht, wo dieser glasklar zu erkennen war.
Pünktchen
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Re: Schwerbehindertenangabe überlesen, aber doch keine Entschädigung?

Beitrag von Pünktchen »

kraemerchen hat geschrieben: 07.04.21, 10:42 "GdB" bedeutet auch nichts anderes als "Grad der Behinderung".
Doch, auch in der exakten Schreibweise gibt es für dieses Akronym noch mind. eine weitere Bedeutung: https://de.wikipedia.org/wiki/GDB
Niemand2000
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Re: Schwerbehindertenangabe überlesen, aber doch keine Entschädigung?

Beitrag von Niemand2000 »

Pünktchen hat geschrieben: 07.04.21, 21:13Doch, auch in der exakten Schreibweise gibt es für dieses Akronym noch mind. eine weitere Bedeutung: https://de.wikipedia.org/wiki/GDB
In Bewerbungen dürfte es vermutlich nur eine Bedeutung für GdB geben
Oktavia
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Re: Schwerbehindertenangabe überlesen, aber doch keine Entschädigung?

Beitrag von Oktavia »

Niemand2000 hat geschrieben: 08.04.21, 10:48
Pünktchen hat geschrieben: 07.04.21, 21:13Doch, auch in der exakten Schreibweise gibt es für dieses Akronym noch mind. eine weitere Bedeutung: https://de.wikipedia.org/wiki/GDB
In Bewerbungen dürfte es vermutlich nur eine Bedeutung für GdB geben
es sei denn, man bewirbt sich als Brunnenbauer
:christmas
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Niemand2000
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Re: Schwerbehindertenangabe überlesen, aber doch keine Entschädigung?

Beitrag von Niemand2000 »

oder bei einem Gebäckhersteller :wink:
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