Behaupten einen Beruf ausgeübt zu haben, obwohl es nicht stimmt - Strafe?

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Behaupten einen Beruf ausgeübt zu haben, obwohl es nicht stimmt - Strafe?

Beitrag von Benutzer50 »

Wenn man behauptet, man ist Anwalt, Polizist, Arzt und ähnliches, aber es gar nicht stimmt, dann macht man sich soweit ich weiß strafbar. Was ist wenn man zum Beispiel sagt, man war Innenarchitekt? Zum einen spricht man von der Vergangenheit und zum anderen ist es ein anderer Beruf. Kann das auch zu einer Strafe kommen, wenn es sich als Unwahrheit herausstellt?
lottchen
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Re: Behaupten einen Beruf ausgeübt zu haben, obwohl es nicht stimmt - Strafe?

Beitrag von lottchen »

https://de.wikipedia.org/wiki/Berufsbezeichnung

Es kann zu einer Strafe kommen, wenn es um geschützte Berufsbezeichnungen geht. Geschützt entweder nach Strafgesetzbuch oder nach Landesrecht.
Ich empfehle, Beiträge unserer Forentrolle BäckerHD, FelixSt und Dieter_Meisenkaiser konsequent zu ignorieren!
Tastenspitz
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Re: Behaupten einen Beruf ausgeübt zu haben, obwohl es nicht stimmt - Strafe?

Beitrag von Tastenspitz »

Zum Teil in StGB §132a zu finden.
Wer für generelle Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen ist, hebe bitte den rechten Fuß.
Für individuelle Rechtsberatung bitte "ALT" und "F4" auf der Tastatur gleichzeitig drücken.
FM
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Re: Behaupten einen Beruf ausgeübt zu haben, obwohl es nicht stimmt - Strafe?

Beitrag von FM »

Da die Frage im Arbeitsrecht und nicht im Strafrecht steht: wenn man sich mit diesen Angaben um einen Arbeitsplatz beworben hat und sie falsch waren, käme eine Anfechtung des Arbeitgebers wegen arglistiger Täuschung in Betracht:
https://dejure.org/gesetze/BGB/123.html

Ist im Ergebnis ähnlich einer fristlosen Kündigung, kann aber auch Auswirkungen auf die Vergangenheit haben (z.B. falsch man zu hoch bezahlt wurde Gehaltsrückforderung).
matthias.
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Re: Behaupten einen Beruf ausgeübt zu haben, obwohl es nicht stimmt - Strafe?

Beitrag von matthias. »

Wenn ich das richtig verstehe können Innenarchitekten z.b. für Umbauten auch Bauanträge stellen.
Sie müssten das beim Amt also entsprechend beantragen und auch unterschreiben.

Würde man sowas machen, wäre das natürlich ein Problem.

Allerdings kann ein Architekt auch sowieso nur Bauanträge selber stellen, wenn er Mitglied der Architektenkammer ist.
Das einfache Diplom reicht nicht.

Man müsste sich also zusätzlich dass man behauptet Innenarchitekt zu sein auch den Zugang zur Architektenkammer erschleichen.

Wenn ich einfach nur sage ich bin Innenarchitekt evtl. sogar den Titel wie Dipl.lng. weg lasse und dann Innenräume dekoriere, dann werden letztlich wohl keine Strafen anstehen. Wenn man das gut macht, dürfte auch eher kein Schaden enstehen, so dass man sich schadenersatzpflichtig macht.

Wenn das ein bisschen weiter geht, z.b. man verantwortet eine Dämmung im Haus oder andere Umbauten und es enstehen Bauschäden, dann macht man sich schadenersatzpflichtig. Das ist aber keine Strafe.

Die Strafe bekäme man vom Staat.
Schadenersatz kann der Auftraggeber verlangen.

Die 2 Sachen muss man immer unterscheiden.
FM
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Re: Behaupten einen Beruf ausgeübt zu haben, obwohl es nicht stimmt - Strafe?

Beitrag von FM »

matthias. hat geschrieben: 04.06.21, 08:44 Wenn ich einfach nur sage ich bin Innenarchitekt evtl. sogar den Titel wie Dipl.lng. weg lasse und dann Innenräume dekoriere, dann werden letztlich wohl keine Strafen anstehen.
Z.B. in Niedersachsen Geldbuße bis zu 15.000 Euro:
http://www.voris.niedersachsen.de/jport ... l&max=true
und ebd. § 42

In anderen Ländern wahrscheinlich ähnlich.
matthias.
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Re: Behaupten einen Beruf ausgeübt zu haben, obwohl es nicht stimmt - Strafe?

Beitrag von matthias. »

Stimmt.

Schon die Bezeichnung Architekt darf nur führen wer man in der Architektenkammer Mitglied ist.
Tastenspitz
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Re: Behaupten einen Beruf ausgeübt zu haben, obwohl es nicht stimmt - Strafe?

Beitrag von Tastenspitz »

Ja.
"Innenarchitekt" falsch geführt, führt zu Problemen. :)
Nennt man sich aber Wohnraumgestalter, Raumausstatter oder Chief Interior designer klappts mit der Karriere... :ironie:
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matthias.
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Re: Behaupten einen Beruf ausgeübt zu haben, obwohl es nicht stimmt - Strafe?

Beitrag von matthias. »

Tastenspitz hat geschrieben: 04.06.21, 12:42 Ja.
"Innenarchitekt" falsch geführt, führt zu Problemen. :)
Nennt man sich aber Wohnraumgestalter, Raumausstatter oder Chief Interior designer klappts mit der Karriere... :ironie:
Feng Shui Berater :devil: :devil: :lachen: :lachen:
FM
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Re: Behaupten einen Beruf ausgeübt zu haben, obwohl es nicht stimmt - Strafe?

Beitrag von FM »

Neben den in § 132a StGB genannten Bezeichnungen, Graden und Titeln gibt es noch mehr, die gesetzlich geschützt sind. Zum Beispiel eben wie in diesem Fall in den Landesgesetzen über Architekten und/oder Ingenieure, in (Bundes-)Berufsgesetzen wie z.B. dem Pflegeberufegesetz.

Daneben können irreführende Angaben über Qualifikationen und berufliche Erfahrungen zivilrechtlich zur Folge haben (nicht abschließend):

- Anfechtbarkeit eines Vertrages, z.B. Arbeitsvertrag (s.o.)
- Ansprüche wegen unlauteren Wettbewerbs, insbesondere seitens der Mitbewerber
- Schadensersatzansprüche, wenn wegen mangelnder Qualifikation Fehler zu Schäden führen

Das Bußgeld ist also vielleicht eher die kleinere finanzielle Folge.
PyramSo
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Re: Behaupten einen Beruf ausgeübt zu haben, obwohl es nicht stimmt - Strafe?

Beitrag von PyramSo »

Das bringt mich auf eine andere ähnliche Frage ...
matthias. hat geschrieben: 04.06.21, 08:44 evtl. sogar den Titel wie Dipl.lng. weg lasse
Dipl.-Ing. und sogar "Ingenieur" sind ja (inzwischen) geschützt.
Mal angenommen, ich wäre Dipl.-Ing. der Fachrichtung x.
x-Ing's arbeiten oft mit y-Ing's und z-Ing's zusammen, daher gab es Vertiefungsrichtungen, wo man Grundlagen der y- und z-Ingenieure anhören durfte ...
Wenn man sich nun einfach nur als "Dipl.-Ing." bezeichnet, sich aber auch direkt in den Tätigkeitsfeldern y und z betätigt, was wäre dann?
FM
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Re: Behaupten einen Beruf ausgeübt zu haben, obwohl es nicht stimmt - Strafe?

Beitrag von FM »

Mit einem Dipl.- vorne ist es ein akademischer Grad. Den darf man exakt so führen, wie er in der Urkunde der Hochschule genannt ist.
PyramSo
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Re: Behaupten einen Beruf ausgeübt zu haben, obwohl es nicht stimmt - Strafe?

Beitrag von PyramSo »

Die Universität A (TH)
verleiht
Herrn PyramSo, geb. b in B
den akademischen Grad
Diplom-Ingenieur (Dipl.-Ing.)
nachdem an der Fakultät C die Diplomhauptprüfung als X mit dem Gesamturteil -gut- abgeschlossen wurde
A, den a
Von der nicht unüblichen Langform Dipl.-Ing. x. steht da gar nix, nur die neutrale Alle-Ingenieure-dieser-Welt-Form ....
Evariste
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Re: Behaupten einen Beruf ausgeübt zu haben, obwohl es nicht stimmt - Strafe?

Beitrag von Evariste »

PyramSo hat geschrieben: 05.06.21, 15:15 Von der nicht unüblichen Langform Dipl.-Ing. x. steht da gar nix, nur die neutrale Alle-Ingenieure-dieser-Welt-Form ....
Da schreibt man einfach "Diplom-Ingenieur der Fachrichtung ...". Das ist dann unproblematisch.
matthias.
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Re: Behaupten einen Beruf ausgeübt zu haben, obwohl es nicht stimmt - Strafe?

Beitrag von matthias. »

PyramSo hat geschrieben: 04.06.21, 22:48
Wenn man sich nun einfach nur als "Dipl.-Ing." bezeichnet, sich aber auch direkt in den Tätigkeitsfeldern y und z betätigt, was wäre dann?
Dann wäre nix :-)

Wenn du Maschinenbauingenieur bist, darfst du trotzdem einen Elektromotor auslegen, wenn du es dir zutraust, bzw. dein Chef es dir zutraut.
Das dürfte ja selbst ein Techniker oder Meister machen, im Grunde braucht man dafür gar keine Ausbildung.
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