starke Schmerzen im Lendenwirbelbereich-Anspruch auf Sitzhilfe?

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Diana1972
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starke Schmerzen im Lendenwirbelbereich-Anspruch auf Sitzhilfe?

Beitrag von Diana1972 »

Frau Hiller ist 49 Jahre und hat seit ihrer Geburt eine Beckenschiefstellung. Sie hat Athrose, einen Fersensporn, Übergewicht, Diabetes und Bluthochdruck.

Jetzt hat sie einen beratenden Job als Verkäuferin bei dem sie sowohl am PC Kunden anlegt, Aufträge eingibt und verlängert und abkassiert und Kunden berät. Das alles in einer stehenden gebückten Haltung bei der sie schnell sehr starke Schmerzen im Lendenwirbelbereich, in den Knien und geschwollene Knöchel beim Sprunggelenk bekommt. Sie ist für 3 verschiedene Filialen eingesetzt. In zwei von denen war sie schon. In der einen Filiale befindet sich eine Sitzgelegenheit vor dem PC. In ihrer Stammfiliale werden 3 Sitzmöglichkeiten für Promozwecke genutzt, die sonst wohl als Sitzgelegenheiten dienen.

In der Vergangenheit hat Frau Hiller nie über ihre starken Schmerzen gesprochen, weil sie Angst hatte ihren Job wieder zu verlieren. Meist hatte sie ihren Job auch verloren, weil keiner von ihren starken Schmerzen wußte und ihr Verhalten falsch eingeschätzt hat.

Wie sollte Frau Hiller in ihrer Situaltion jetzt vorgehen?
Hat Frau Hiller einen Anspruch auf eine Sitzhilfe?
Wie ist die Rechtslage?


Diana
blackylein
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Re: starke Schmerzen im Lendenwirbelbereich-Anspruch auf Sitzhilfe?

Beitrag von blackylein »

Frau Hiller sollte Kontakt mit dem Betriebsarzt aufnehmen. Dieser sollte erforderliche Maßnahmen einleiten können.

Dazu kann sie AKTIV selbst gegen die 4 letzten Beschwerden vorgehen. Ich behaupte mal ganz frech, wenn das Übergewicht reduziert wird, werden die Punkte Bluthochdruck und Diabetes sich selbst verbessern.
Czauderna
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Re: starke Schmerzen im Lendenwirbelbereich-Anspruch auf Sitzhilfe?

Beitrag von Czauderna »

Hallo,
hier könnte theoretisch eine Hilfsmittelversorgung infrage kommen, wenn es medizinisch notwendig wäre. Wie schon angeraten wurde, Kontakt mit dem Betriebsarzt/ärztin aufnehmen, wenn es denn so etwas in dieser Firma gibt. Ansonsten eben mit dem Hausarzt bzw. einem Orthopäden. Kostenträger könnte in einem solchen Fall entweder die Krankenkasse oder aber auch die Rentenversicherung sein.
Gruss
Czauderna
Chavah
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Re: starke Schmerzen im Lendenwirbelbereich-Anspruch auf Sitzhilfe?

Beitrag von Chavah »

Hat sich da in den letzten Jahren was verändert? Ist da nicht dieses Gleichstellungsamt (früher Versorgungsamt) für zuständig?

Chavah
Czauderna
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Re: starke Schmerzen im Lendenwirbelbereich-Anspruch auf Sitzhilfe?

Beitrag von Czauderna »

Chavah hat geschrieben: 14.11.21, 14:07 Hat sich da in den letzten Jahren was verändert? Ist da nicht dieses Gleichstellungsamt (früher Versorgungsamt) für zuständig?

Chavah
Hallo,
da bin ich überfragt, ich weiß nur, auch am Beispiel eines Kollegen, der zwar 50% Erwerbsgemindert war, aber trotzdem aufgrund seiner Minderung einen
Schreibtisch von der Rentenversicherung bezahlt bekam, der es ihm erlaubte den Tisch elektrisch höher zu verstellen oder auch im Stehen zu arbeiten. Als er dann in Rente ging, nahm er den Tisch mit. Das Versorgungsamt war seinerzeit nicht im Spiel, nur die Krankenkassen (anfangs) und dann als Leistungsträger die Rentenversicherung.
Gruss
Czauderna
blackylein
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Re: starke Schmerzen im Lendenwirbelbereich-Anspruch auf Sitzhilfe?

Beitrag von blackylein »

Chavah hat geschrieben: 14.11.21, 14:07 Hat sich da in den letzten Jahren was verändert? Ist da nicht dieses Gleichstellungsamt (früher Versorgungsamt) für zuständig?

Chavah

Da kein GdB angegeben wurde, gehe ich davon aus, dass es keinen gibt, und somit das Gleichstellungsamt nicht zuständig ist.
Chavah
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Re: starke Schmerzen im Lendenwirbelbereich-Anspruch auf Sitzhilfe?

Beitrag von Chavah »

Ich bin bei dem Krankheitsbild von einer Behinderung ausgegangen. Wobei ich noch ein Problem sehe. Es müsste dann ja in jeder Filiale, in welcher sie arbeitet ein leidensgerechter Arbeitsplatz eingerichtet werden.

Chavah
Dummerchen
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Re: starke Schmerzen im Lendenwirbelbereich-Anspruch auf Sitzhilfe?

Beitrag von Dummerchen »

blackylein hat geschrieben: 14.11.21, 13:20 Frau Hiller sollte Kontakt mit dem Betriebsarzt aufnehmen. Dieser sollte erforderliche Maßnahmen einleiten können.
Nein, kann er nicht. Betriebsärzte sind Berater. Sie können Empfehlungen aussprechen, aber keine Maßnahmen einleiten. Zudem ist nicht einmal klar, ob der Betrieb überhaupt betriebsärztlich betreut wird.
Czauderna hat geschrieben: 14.11.21, 14:25 ...auch am Beispiel eines Kollegen, der zwar 50% Erwerbsgemindert war, aber trotzdem aufgrund seiner Minderung einen
Schreibtisch von der Rentenversicherung bezahlt bekam, der es ihm erlaubte den Tisch elektrisch höher zu verstellen oder auch im Stehen zu arbeiten.
Schreibtische und andere übliche Büromöbel werden schon seit mehreren Jahren nicht mehr von der Rentenversicherung als Hilfsmittel bezahlt. Für die Anschaffung von Büroausstattung ist alleine der Betrieb verantwortlich.

Wenn ich mir dies hier durchlese
Diana1972 hat geschrieben: 14.11.21, 12:36 In der Vergangenheit hat Frau Hiller nie über ihre starken Schmerzen gesprochen
dann sollte die Dame zunächst die Vorgesetzten ansprechen, vielleicht sogar mit einem konstruktiven Lösungsvorschlag. Stühle sind ja da, vielleicht kann man einen davon zum Sitzen nutzen?
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Re: starke Schmerzen im Lendenwirbelbereich-Anspruch auf Sitzhilfe?

Beitrag von Czauderna »

Hallo,
Auszug aus der Seite der deutschen Rentenversicherung- Im Rahmen von Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben werden auch Hilfsmittel bewilligt, wenn sie berufsbedingt notwendig sind, beispielsweise ein behindertengerechtes Fahrzeug oder der Umbau dazu.

Gibt es dazu ggf. eine Quelle oder einen Katalog- Schreibtische und andere übliche Büromöbel werden schon seit mehreren Jahren nicht mehr von der Rentenversicherung als Hilfsmittel bezahlt. Für die Anschaffung von Büroausstattung ist alleine der Betrieb verantwortlich.

Danke und Gruss
Czauderna
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Re: starke Schmerzen im Lendenwirbelbereich-Anspruch auf Sitzhilfe?

Beitrag von Dummerchen »

Czauderna hat geschrieben: 14.11.21, 19:14 Gibt es dazu ggf. eine Quelle oder einen Katalog
Ja, die Deutsche Rentenversicherung selbst. Das findet sich seit spätestens 2019 in den Merkblättern für Antragsteller

https://www.deutsche-rentenversicherung ... onFile&v=4
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Re: starke Schmerzen im Lendenwirbelbereich-Anspruch auf Sitzhilfe?

Beitrag von Czauderna »

Dummerchen hat geschrieben: 14.11.21, 20:21
Czauderna hat geschrieben: 14.11.21, 19:14 Gibt es dazu ggf. eine Quelle oder einen Katalog
Ja, die Deutsche Rentenversicherung selbst. Das findet sich seit spätestens 2019 in den Merkblättern für Antragsteller

https://www.deutsche-rentenversicherung ... onFile&v=4
Hallo,
vielen Dank für den Link, hat mir weitergeholfen, aber dass die Rentenversicherung nicht doch als Leistungsträger infrage kommen könnte, steht da nicht explizit, kommt eben auf den dort aufgeführten "Einzelfall" an. Grundsätzlich, in unserem Fall hier, sehe ich natürlich auch die Krankenkasse als ersten Ansprechpartner, wenn nicht der Arbeitgeber ohnehin für eine Lösung sorgen kann oder will oder muss.
Gruss
Czauderna
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Re: starke Schmerzen im Lendenwirbelbereich-Anspruch auf Sitzhilfe?

Beitrag von Chavah »

Ich überlege in so Fällen immer, wieso man einen Job annimmt, den man aus gesundheitlichen Gründen so wie der Arbeitsplatz angeboten wird, nicht ausüben kann. Etwas anderes ist es natürlich, wenn die Verschlechterung des Gesundheitszustandes während der Tätigkeit eintritt. Und was ist mit einem GDB? Wäre vielleicht sinnvoll, das mal anzugehen?

Chavah
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Re: starke Schmerzen im Lendenwirbelbereich-Anspruch auf Sitzhilfe?

Beitrag von Oktavia »

Chavah hat geschrieben: 17.11.21, 18:47 Ich überlege in so Fällen immer, wieso man einen Job annimmt, den man aus gesundheitlichen Gründen so wie der Arbeitsplatz angeboten wird, nicht ausüben kann. Etwas anderes ist es natürlich, wenn die Verschlechterung des Gesundheitszustandes während der Tätigkeit eintritt. Und was ist mit einem GDB? Wäre vielleicht sinnvoll, das mal anzugehen?

Chavah
:daumenrunter
Das "Gleichstellungsamt" ist die Bundesagentur für Arbeit :lol: Die können nämlich Menschen mit einem GdB von 30-40 den schwerbehinderten Menschen gleichstellen.
Die Landesämter nennen sich jetzt Integrationsämter :wink:
... und die zahlen bei behinderten Menschen auch erst ab 500€ einen Zuschuss an den Arbeitgeber. Die RV zahlt auch nicht. Ist ja auch nicht notwendig die Kapitalisten mit RV-BEiträgen zu subventionieren.
Wie wäre es denn, wenn der Arbeitgeber mal in die Arbeitsstättenverordnung reinschaut?
Vorgebeugt im Stehen arbeiten macht jedem irgendwann Rückenprobleme.
Betriebsarzt ist eine gute Idee, Betriebsrat ebenfalls. Auch die Berufsgenossenschaft könnte sich dafür interessieren weil sie ggf irgendwann dafür zahlen muss. Weil z.B. nachgewiesen wird dass die Schädigungen durch Zwangshaltungen entstanden sind. Der Arbeitgeber verletzt hier seine Fürsorgepflicht wenn der Arbeitsplatz gegen die Arbeitsstättenrichtlinie verstößt...
"Alte Leute sind gefährlich; sie haben keine Angst vor der Zukunft."
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Re: starke Schmerzen im Lendenwirbelbereich-Anspruch auf Sitzhilfe?

Beitrag von Chavah »

Oktavia, mein Problem ist, dass da jemand einen Job angenommen hat, den er wohl nicht ausfüllen kann. Dass derjenige keinen GdB hat, zumindest nicht anerkannt. Mir fehlt bei dieser Konstellation eben die Anspruchsgrundlage, und das auch noch an mehreren Arbeitsplätzen.

Ich hatte mal einen vergleichbaren Fall, da fiel jemandem nach der Probezeit ein, dass er wegen Rückenproblemen den Job nur sehr eingeschränkt ausüben könne. Das Gericht hat nach der Kündigung festgestellt, dass der betroffenen Person die Arbeitsbedingungen bekannt waren. Die Kündigung hielt.

Chavah
Oktavia
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Re: starke Schmerzen im Lendenwirbelbereich-Anspruch auf Sitzhilfe?

Beitrag von Oktavia »

Chavah hat geschrieben: 18.11.21, 19:17 Oktavia, mein Problem ist, dass da jemand einen Job angenommen hat, den er wohl nicht ausfüllen kann
Das eben stimmt so nicht. Neben arbeitgeberseiteigen Verstößen gegen Verordnungen und Normen muss wohl niemand damit rechnen in einer sinnfreien Zwangshaltung verharren zu müssen. Problematisch ist eher, dass niemand diesen Job dauerhaft so wird ausüben können. Außer vielleicht eine Kleinwüchsige Person die vor dem Tisch stehen und den PC ohne Zwangshaltung bedienen kann. :wink:
In anderen Fällen würde ich deine Einschätzung vielleicht teilen aber hier wäre das absurd. Außerdem ist hier schnell Abhilfe zu schaffen und das muss der Arbeitgeber eben tun, das ist auch sein Job wenn er Menschen beschäftigt. Und hier gehts ja nicht mal um größere Summen.

Nun und ob es sinnvoll ist einen GdB zu beantragen, kann ein Integrationsfachdienst, ein Sozialverband oder eine Schwerbehindertenvertretung einschätzen. Auf den ersten Blick und ohne genauere Diagnoseinfos zu Schweregraden zu haben würd ich mal sagen da kommt nicht so viel bei raus. Man sollte das aber vielleicht mal prüfen. Ab einem GdB von 30 wäre eine Gleichstellung möglich um einen Arbeitsplatz zu erhalten oder zu erlangen. Am Besten also schnellstmöglich an den Integrationsfachdienst wenden :wink:
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