Ist das strafbar? Was kann Person A tun?

Moderator: FDR-Team

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süsse
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Ist das strafbar? Was kann Person A tun?

Beitrag von süsse »

Nehmen wir mal an Person A arbeitet seit 3 Monaten in der Kita. Seitdem gibt es mit der Kollegin in der Gruppe nur Stress. Sie redet immer nur von ihrer Gruppe, nicht das Person A dazugehört. Auch wenn Person A der Meinung ist die Windel eines Kindes muss gewechselt werden, sagt die Person es ist nicht so. An vielen pädagogischen Angeboten in der Gruppe die Person A durchführt, hat Person B die Meinung man könnte es auch so und so machen. Wenn Person A ein Kleinkind zur Selbstständigkeit erzieht, mischt sich die Kollegin ein und sagt, die Strumpfhose hätte das Kind statt z.B. 3 Zentimeter 5 Zentimeter höher alleine ziehen können. Person A wird als Streber bezeichnet, wenn sie für die Kids etwas vorbereitet an pädagogischen Angeboten hat. Person A war krank und kam nach einer Woche wieder und es wurde gesagt, sie hatte geschwänzt, genauso wie ein anderes Kind was zu diesem Zeitpunkt nicht da war. Person A hatte eine AU- Bescheinigung vom Arzt. Es gab diesbezüglich schon mehrere Gespräche mit der Kollegin selbst die Person A führte und mit der Leiterin der Einrichtung. Gebracht haben die Gespräche nichts. Die Kollegin sagt, sie meint es nicht böse. Es ist von ihr ein Necken. Person A ist über die unangemessenen Äußerungen sehr verletzt. Die Person die vor Person A eingestellt war, dort war es ähnlich. Die Person hatte nach 10 Monaten Tätigkeit gekündigt. Was kann Person A machen, da die langsam keine Kraft mehr hat und vom Arbeitgeber nichts ausreichendes passiert? Hätte eine Anzeige wegen Mobbing, Beleidigung etc. Erfolg? Person A hat Angst wieder nach dem Urlaub zur Arbeit zu gehen, aufgrund der Vorkommnisse
Chavah
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Re: Ist das strafbar? Was kann Person A tun?

Beitrag von Chavah »

Man wird im Zusammenleben immer auf Menschen treffen, die eine andere Vorstellung vom Umgang miteinander haben. Man hat m.E. zwei Möglichkeiten: dummes Gerede ignorieren, und zwar konsequent. Und die Person ebenso. Oder aber mit gleicher Münze heimzahlen. Letzteres wird A nach meiner Einschätzung nicht einhalten können. Wenn man mal wieder "korrigiert" wird, hilft häufig auch der konsequente Satz "wo steht das," jedenfalls nicht rechtfertigen. Oder immer erwidern "ach ja." Und diese Reaktion nie variieren. Irgendwann suchen sich so Leute dann ein anderes Opfer.

Der Arbeitgeber kann in so Fällen in der Regel wenig ausrichten, da muss schon mehr passieren. Und, nicht jede verbale Entgleisung ist strafbar. Das nervt zwar alles, aber leider kann man im (Berufs)Leben nicht vermeiden, dass man so Menschen ausgesetzt ist. Ich denke mal, der Staatsanwalt würde das Verfahren einstellen. Und was meinst du, was dann in deiner Gruppe los ist, so eine Einstellung erleben so Leute doch als Freibrief, weiter und verstärkt ihre eigenen Vorstellungen auszuleben.

Chavah
ExDevil67
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Re: Ist das strafbar? Was kann Person A tun?

Beitrag von ExDevil67 »

Das einfachste für A dürfte sein wen Weg der eigenen Vorgängerin zu gehen und selber kündigen. Personal in Kitas wird nach meinem Stand bundesweit gesucht, sollte also nicht so schwer sein was neues zu finden. Ggf geht dann ja auch dem AG irgendwann ein Licht auf.
süsse
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Re: Ist das strafbar? Was kann Person A tun?

Beitrag von süsse »

Person A hat auch schon darüber nachgedacht sich eine neue Stelle zu suchen. Person A weiß nur nicht, wie man diese Situationen in der Bewerbung bzw. im Vorstellungsgespräch formulieren soll, das man nur kurzfristig in dieser Einrichtung tätig war. Person A hat Angst, das es bei anderen Arbeitgebern negativ rüberkommt
Oktavia
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Re: Ist das strafbar? Was kann Person A tun?

Beitrag von Oktavia »

süsse hat geschrieben: 09.01.22, 12:45 Person A hat auch schon darüber nachgedacht sich eine neue Stelle zu suchen. Person A weiß nur nicht, wie man diese Situationen in der Bewerbung bzw. im Vorstellungsgespräch formulieren soll, das man nur kurzfristig in dieser Einrichtung tätig war. Person A hat Angst, das es bei anderen Arbeitgebern negativ rüberkommt
Prinzipiell sollte man den vorhergehenden Arbeitgeber niemals im Vorstellungsgespräch kritisieren. Das hinterlässt immer einen schlechten Eindruck und da der neue AG einen noch nicht kennt könnte es ja sein, dass man sich einen "Nörgelpött" ins Haus holt der beim nächsten Arbeitgeber auch über einen selbst lästert.
Daher sollte man immer nur auf die neue Stelle und deren positive Seiten abstellen. Vielleicht gefällt einem das pädagogische Konzept besonders gut oder die hohen Qualitätsstandards. Vielleicht mag man den Träger besonders und hat sich da früher mal ehrenamtlich engagiert?
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Chavah
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Re: Ist das strafbar? Was kann Person A tun?

Beitrag von Chavah »

"Probezeit" bedeutet nicht nur, dass der Arbeitgeber den Arbeitnehmer "ausprobiert," sondern auch umgekehrt. Ein offenes "es hat halt nicht gepasst" ohne dass man jetzt die Kollegin oder die Führung in den Dreck zieht, Interna ausplaudert, das reicht doch in der Regel. Wenn dann noch vielleicht der neue Arbeitsplatz von zu Hause aus besser erreichbar ist, dann ist doch alles klar. Man sollte sich da nicht tot taktieren.

Chavah
lottchen
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Re: Ist das strafbar? Was kann Person A tun?

Beitrag von lottchen »

Man könnte auch mit der Leitung nochmals reden und deutlich machen dass man wie die Vorgängerin kündigen wird wenn sich vor Ort nichts ändert. Vielleicht kommt ja dann Bewegung in die Sache. Andererseits wird man die Kollegin wohl nicht ändern und somit wäre es vermutlich doch sinnvoller sich selber mal nach einem neuen Job umzuschauen. Den angestrebten Wechsel in einem Vorstellungsgespräch zu begründen dürfte nicht so schwierig sein. Wenn es nicht der vierte Job is, wo man nach 2 Monaten wechselt...
Ich empfehle, Beiträge unserer Forentrolle BäckerHD, FelixSt und Dieter_Meisenkaiser konsequent zu ignorieren!
FM
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Re: Ist das strafbar? Was kann Person A tun?

Beitrag von FM »

Zur Frage der Strafbarkeit, die ja in der Überschrift stand:

Eine Meinungsverschiedenheit dazu, um wieviele Zentimeter man Strümpfe hochziehen sollte, ist sicher nicht strafbar. Bei pädagogischen Maßnahmen ist "die Meinung man könnte es auch so und so machen" sehr wahrscheinlich sogar richtig, jedenfalls aber nicht strafbar.

Denkbar wäre das höchstens noch bei:
und es wurde gesagt, sie hatte geschwänzt, genauso wie ein anderes Kind was zu diesem Zeitpunkt nicht da war. Person A hatte eine AU- Bescheinigung vom Arzt.
Aber eben weil die AUB schon vorlag, dürfte hier zutreffen:
§ 23 Abs. 3 StGB:
Hat der Täter aus grobem Unverstand verkannt, daß der Versuch nach der Art des Gegenstandes, an dem, oder des Mittels, mit dem die Tat begangen werden sollte, überhaupt nicht zur Vollendung führen konnte, so kann das Gericht von Strafe absehen oder die Strafe nach seinem Ermessen mildern (§ 49 Abs. 2).
... oder aber die Staatsanwaltschaft erhebt gar nicht erst Anklage, weil kein öffentliches Interesse daran besteht, eine bereits vorher gegenüber allen Beteiligten widerlegte Verleumdung zu bestrafen.

Soweit zum Strafrecht, ansonsten:

Man möchte fast sagen "da geht es ja zu wie im Kindergarten", aber es war ja im Kindergarten. Ich habe früher öfter Rechtsseminare für Erzieherinnen (und ich betone hier die weibliche Form) geleitet. Dabei sagten mir die Teilnehmerinnen des öfteren, dass ein solches Betriebsklima deshalb sehr oft vorkommt, weil da oft nur Frauen arbeiten. Sobald auch Männer im Team sind, sei es viel einfacher. Ich selbst würde diesen Erklärungsversuch nicht wagen, das war die wissenschaftlich nicht fundierte Erfahrung und Erklärung betroffener Frauen aus ihrer Perspektive.
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