Telefon am Arbeitsplatz: Abmahnung

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Sam Stag
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Telefon am Arbeitsplatz: Abmahnung

Beitrag von Sam Stag »

Mahlzeit zusammen,

Mitarbeiter M hat eine Abmahnung erhalten, in dem er gerügt wird private Telefonate am Arbeitsplatz geführt zu haben.
Dank Einzelverbindungsnachweis (Rufnummern sowie Datennutzung, Uhrzeitgenau) kann er allerdings nachweisen sein Telefon eben nicht zu den angegebenen Datums (oder Daten?) benutzt zu haben.
Benutzt wurde es, lt. EVN aber zu Zeiten in denen er zuhause war.
Mitarbeiter M wurde diesbezüglich vom Vorbarbeiter V beobachte wie er telefoniert haben soll und V hat es der Personalabteilung gemeldet.

M nutzt(e) sein privates Telefon durchaus ab und zu, und zwar infolge dessen dass es eine Messenger-Gruppe gibt, in der alle Mitarbeiter sind und dort entweder auch während der Arbeitszeit betriebliche Dinge posten soll oder wenn z.B. während der Freizeit etwas passiert dass man am nächsten Tag nicht arbeiten kann oder wenn die folgende Schicht etwas fragen muss oder ähnliches. Dies wird vom Standortleiter auch so gewollt!
Diese Messenger-Gruppe hat M nun schlicht verlassen, privat nutzt er auch gar keine Messenger.

Da V mit M auch nicht gerade grün ist und V den M desöfteren bei den anderen Mitarbeitern schlecht macht denkt V dass es sich um eine Aktion handelt um M in Misskredit zu bringen. Seitens anderer Mitarbeiter oder sonstigen hat M einen sehr guten Stand, niemand könnte etwas negatives sagen, auch arbeitstechnisch ist M nichts anzukreiden.

Wie sollte M vorgehen um die (unberechtigte) Abmahnung aus seiner Personalakte wieder entfernt zu bekommen?
Gespräch mit dem Personalleiter, der M gar nicht kennt und sich quasi auf das Wort von V verlassen muss (weil Vorarbeiter)?
Gang zum Fachanwalt?
Ignorieren?

In der Abmahnung ist als Schlussatz eingefügt M möge die Zweitausfertigung unterschreiben und damit quittieren dass er (lediglich) die Abmahnung empfangen hat, allerdings ist keine Zweitausfertigung im Brief enthalten gewesen, sodass er im Falle einer Unterschrift diese zurück schicken soll und er dann diese Abmahnung schriftlich gar nicht mehr in Händen hat.
Muss er dies unterschreiben und zurück senden?

Ich würde mich auf Antworten sehr freuen!
Zuletzt geändert von ktown am 09.05.22, 19:33, insgesamt 1-mal geändert.
FM
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Re: Telefon am Arbeitsplatz: Abmahnung

Beitrag von FM »

Sam Stag hat geschrieben: 09.05.22, 18:49 Wie sollte M vorgehen um die (unberechtigte) Abmahnung aus seiner Personalakte wieder entfernt zu bekommen?
Gespräch mit dem Personalleiter, der M gar nicht kennt und sich quasi auf das Wort von V verlassen muss (weil Vorarbeiter)?
Gang zum Fachanwalt?
Ignorieren?
Kann er alles machen, wobei er den Anwalt dann natürlich auch bezahlen müsste.
Bei Abmahnungen kann man ganz allgemein:
- auf Entfernung aus der Personalakte klagen
- Eine Gegendarstellung dazu geben
- Nichts machen
- Darüber verhandeln

Im genannten Beispiel wären auch noch rechtliche Schritte gegen den Vorarbeiter persönlich möglich, z.B. Strafantrag oder Unterlassungsklage. Da sollte man sich aber beraten lassen.
In der Abmahnung ist als Schlussatz eingefügt M möge die Zweitausfertigung unterschreiben und damit quittieren dass er (lediglich) die Abmahnung empfangen hat, allerdings ist keine Zweitausfertigung im Brief enthalten gewesen, sodass er im Falle einer Unterschrift diese zurück schicken soll und er dann diese Abmahnung schriftlich gar nicht mehr in Händen hat.
Muss er dies unterschreiben und zurück senden?
Ist denn kein Kopiergerät am Arbeitsplatz vorhanden? Hat das erwähnte Handy keine eingebaute Kamera?

Unterschreiben und zurücksenden muss man nichts, aber das Problem erscheint sehr gekünstelt.
Sam Stag
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Re: Telefon am Arbeitsplatz: Abmahnung

Beitrag von Sam Stag »

Nein, am Arbeitsplatz gibt es kein Kopiergerät, und ja, das Handy hat durchaus eine Kamera, aber aufs simple abfotografieren ist M nicht gekommen.
Was heisst "...aber das Problem erscheint sehr gekünstelt."?

M ist übrigens jenseits der 55 und hat an Technik mal so gar kein Interesse, und die Rufnummer von dem Handy haben lediglich seine Kollegen, seine Frau und seine Töchter, sonst tatsächlich niemand.

Objektiv gesehen wäre der Fachanwalt wohl die bessere Wahl?
Elektrikör
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Re: Telefon am Arbeitsplatz: Abmahnung

Beitrag von Elektrikör »

Hallo,

hängt davon ab, was man denn "erreichen" will

Für "nix machen" braucht´s keinen Anwalt

Abmahnung = Hinweis des AG´s, daß es bei nochmaligem Verstoß zur Kündigung kommt

Kein gleicher Verstoß = keine Kündigung


MfG
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Falls in einer Antwort Fragen stehen, ist es ungemein hilfreich, wenn der Fragesteller diese auch beantwortet
Nordland
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Re: Telefon am Arbeitsplatz: Abmahnung

Beitrag von Nordland »

Sam Stag hat geschrieben: 09.05.22, 18:49 Dank Einzelverbindungsnachweis (Rufnummern sowie Datennutzung, Uhrzeitgenau) kann er allerdings nachweisen sein Telefon eben nicht zu den angegebenen Datums (oder Daten?) benutzt zu haben.
Richtig, Daten.
Sam Stag hat geschrieben: 09.05.22, 18:49 Wie sollte M vorgehen um die (unberechtigte) Abmahnung aus seiner Personalakte wieder entfernt zu bekommen?
Gespräch mit dem Personalleiter, der M gar nicht kennt und sich quasi auf das Wort von V verlassen muss (weil Vorarbeiter)?
Dass der Personalleiter den Mitarbeiter nicht kennt, spricht eher für ein solches Gespräch. Der Personalleiter kann die Situation gar nicht einordnen und denkt sich: Wird schon stimmen, wenn der Vorarbeiter das sagt.

Eine Abmahnung ist keine Kleinigkeit und man sollte sie, wenn sie unberechtigt ist, keinesfalls einfach so hinnehmen.
Grundrechte sind nicht verhandelbar.
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Sam Stag
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Re: Telefon am Arbeitsplatz: Abmahnung

Beitrag von Sam Stag »

M würde schon gerne "etwas" unternehmen, ist sich aber total unsicher was genau, eine Abmahnung gabs in über 40 Jahren Berufsleben nicht.
Macht M nichts und V spielt das Spiel nochmal dürfte klar sein wie das ausgeht.
Mit dem Personaler reden geht nur telefonisch, das ist ein recht grosses Entsorgungsunternehmen, der Einsatzort von M ist vom Büro des Personalers gute 400km entfernt. Bringt das was steht auf einem anderen Blatt, M hat die Befürchtung dass der Personaler zwar zuhört, aber es dabei auch belässt.

M würde wie gesagt gern die Abmahnung aus seiner Akte entfernt wissen, da sie unberechtigt ist.
Elektrikör
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Re: Telefon am Arbeitsplatz: Abmahnung

Beitrag von Elektrikör »

DANN:

Anwalt
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Nordland
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Re: Telefon am Arbeitsplatz: Abmahnung

Beitrag von Nordland »

Sam Stag hat geschrieben: 09.05.22, 19:36 M würde wie gesagt gern die Abmahnung aus seiner Akte entfernt wissen, da sie unberechtigt ist.
Der betroffene Arbeitnehmer scheint ja, auch wenn er offenbar keine Schreibtischtätigkeit ausübt, recht gut im Formulieren zu sein. Es wäre dem AN anzuraten, zumindest einen schriftlichen Widerspruch und eine Gegendarstellung zu verfassen, und zwar recht bald nach Erhalt der Abmahnung. Dazu kann man natürlich auch einen Anwalt zurate ziehen, das muss der AN aber wissen (Kostenrisiko).
Grundrechte sind nicht verhandelbar.
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Sam Stag
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Re: Telefon am Arbeitsplatz: Abmahnung

Beitrag von Sam Stag »

M ist ein einfacher Staplerfahrer, aber die Tochter kann ab und an ziemlich wortgewand sein^^

Sofern der AG den schriftlichen Widerspruch zwar zur Kenntnis nimmt, aber die Abmahnung in der Akte bleibt wäre ein zumindest Beratungsgespräch beim Fachanwalt recht ratsam.

Hat M schon sehr gut weitergeholfen, vielen Dank dafür!
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Re: Telefon am Arbeitsplatz: Abmahnung

Beitrag von fodeure »

Nordland hat geschrieben: 09.05.22, 19:59 Dazu kann man natürlich auch einen Anwalt zurate ziehen, das muss der AN aber wissen (Kostenrisiko).
Welches Risiko? Die Kosten trägt der AN in jedem Fall.
Sam Stag hat geschrieben: 09.05.22, 20:23Sofern der AG den schriftlichen Widerspruch zwar zur Kenntnis nimmt, aber die Abmahnung in der Akte bleibt wäre ein zumindest Beratungsgespräch beim Fachanwalt recht ratsam.
Eigentlich nicht. Es kostet nur Geld und hat, außer daß der AN sich möglicherweise besser damit fühlt, keinen Nutzen.
Nordland
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Re: Telefon am Arbeitsplatz: Abmahnung

Beitrag von Nordland »

Sam Stag hat geschrieben: 09.05.22, 20:23 M ist ein einfacher Staplerfahrer, aber die Tochter kann ab und an ziemlich wortgewand sein^^
Cherchez la femme!
Sam Stag hat geschrieben: 09.05.22, 20:23Sofern der AG den schriftlichen Widerspruch zwar zur Kenntnis nimmt, aber die Abmahnung in der Akte bleibt wäre ein zumindest Beratungsgespräch beim Fachanwalt recht ratsam.
Ich denke auch, dass Möglichkeiten bestehen, dass ein eigenständiger schriftlicher Widerspruch Erfolg hat. Wenn nicht, muss man wissen, ob es einem wert ist, einen Anwalt hinzuzuziehen. Aber das muss man dann persönlich entscheiden.
Grundrechte sind nicht verhandelbar.
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Re: Telefon am Arbeitsplatz: Abmahnung

Beitrag von Dummerchen »

Nordland hat geschrieben: 09.05.22, 19:21 Eine Abmahnung ist keine Kleinigkeit und man sollte sie, wenn sie unberechtigt ist, keinesfalls einfach so hinnehmen.
Hm, wieso empfehlen dann gerade Anwälte für Arbeitsrecht oftmals, dass man nichts machen soll, ausser 1. das gerügte Verhalten tunlichst zu unterlassen und 2. Beweise der Unrichtigkeit dieser Abmahnung aufzuheben? :?

Vielleicht, weil der AG bei einer Klage auf Entfernung der unrichtigen Abmahnung vom Gericht eine Anleitung bekommt, wie er es beim nächsten Mal richtig macht. Wenn der AN auf der Abschußliste steht - bei einem Mitt-50er, der selbst berichtet mit moderner Technik nichts am Hut zu haben, wäre das nicht ganz ungewöhnlich - weiß der AG nach der Verhandlung, wie er die nächste Abmahnung formulieren muss, damit sie Bestand hat.
The nine most terrifying words in the English language are, 'I'm from the government and I'm here to help.'
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Re: Telefon am Arbeitsplatz: Abmahnung

Beitrag von Pünktchen »

Hat das Unternehmen einen Betriebsrat? Wenn ja, hat sich der AN mal an den Betriebsrat gewendet?

https://www.rueden.de/arbeitsrecht/abma ... at/#punkt3
lottchen
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Re: Telefon am Arbeitsplatz: Abmahnung

Beitrag von lottchen »

Wenn man in die Suchmaschine seiner Wahl z.B. "Abmahnung was tun" eingibt bekommt man eigentlich genügend Hinweise, welche Möglichkeiten man in dieser Situation hat.
Ich empfehle, Beiträge unserer Forentrolle BäckerHD, FelixSt und Dieter_Meisenkaiser konsequent zu ignorieren!
Nordland
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Re: Telefon am Arbeitsplatz: Abmahnung

Beitrag von Nordland »

Dummerchen hat geschrieben: 09.05.22, 22:30
Nordland hat geschrieben: 09.05.22, 19:21 Eine Abmahnung ist keine Kleinigkeit und man sollte sie, wenn sie unberechtigt ist, keinesfalls einfach so hinnehmen.
Hm, wieso empfehlen dann gerade Anwälte für Arbeitsrecht oftmals, dass man nichts machen soll, ausser 1. das gerügte Verhalten tunlichst zu unterlassen und 2. Beweise der Unrichtigkeit dieser Abmahnung aufzuheben?
Das musst du dann deine Anwälte für Arbeitsrecht fragen, die dir diesen dummen Ratschlag gegeben haben.
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