Pausenregelung

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süsse
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Pausenregelung

Beitrag von süsse »

Hallo, nehmen wir mal an Person A arbeitet täglich 7 Stunden ohne Pause. Nun sagte der Chef zu ihm, er erkennt die Überstunden nicht an, wo er keine Pause machte. Der Arbeitnehmer müsse sich selbst um eine Person kümmern, die ihn ablöst, so das er Pause machen kann. Ist das richtig, das sich der Arbeitnehmer selbst um seine Pause kümmern muss und nicht der Arbeitgeber?
ktown
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Re: Pausenregelung

Beitrag von ktown »

Guckst du im ArbZG. Dieses ist eindeutig und nein der AG ist nicht dazu verpflichtet für die Pausenzeit für Ersatz zu sorgen.
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karli
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Re: Pausenregelung

Beitrag von karli »

ktown hat geschrieben: 27.06.22, 17:41 Dieses ist eindeutig und nein der AG ist nicht dazu verpflichtet für die Pausenzeit für Ersatz zu sorgen.
Natürlich ist der AG verpflichtet sicherzustellen, daß der AN seine Pause gemäß ArbZG machen kann.
Ob der AG für Ersatz sorgt ist eigentlich Wurscht. Der AN ist dann halt nicht da!
Wenn du kritisiert wirst, dann mußt du irgend etwas richtig machen, denn man greift nur denjenigen an, der den Ball hat. (Bruce Lee)
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ktown
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Re: Pausenregelung

Beitrag von ktown »

:oops: ÄHHHH ich meinte natürlich umgekehrt.

Bitte in meinem Satz AG durch AN ersetzen.
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süsse
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Re: Pausenregelung

Beitrag von süsse »

Nehmen wir mal an, Person A arbeitet in einer Kita. Wenn Person A ohne für Ersatz zu sorgen in die Pause geht, wären die Kids unbeaufsichtigt, da der AG nicht für eine Ablösung sorgt, sondern das muss der AN selbst machen, wurde ihm gesagt
Dummerchen
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Re: Pausenregelung

Beitrag von Dummerchen »

Es ist an solchen Arbeitsplätzen durchaus üblich, sich kurz mit den Kollegen abzusprechen, damit die Kinder nicht unbeaufsichtig sind. Wer das nicht fertigbringt, sollte einmal darüber nachdenken, ob die Erziehung von Kindern der richtige Tätigkeitbereich ist. Sozialkompetenz zu vermitteln gehört zur Erziehung.
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Oktavia
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Re: Pausenregelung

Beitrag von Oktavia »

Dummerchen hat geschrieben: 27.06.22, 22:58 Es ist an solchen Arbeitsplätzen durchaus üblich, sich kurz mit den Kollegen abzusprechen, damit die Kinder nicht unbeaufsichtig sind. Wer das nicht fertigbringt, sollte einmal darüber nachdenken, ob die Erziehung von Kindern der richtige Tätigkeitbereich ist. Sozialkompetenz zu vermitteln gehört zur Erziehung.
Im Normalfall gibt es in einer Kita aber ein System für Pausenvertretungen. Bei den personellen Unterbesetzungen zur Zeit gibt es manchmal keine Möglichkeit Pause zu machen weil niemand da ist der das könnte.
Zum eigentlichen Fall aber. Die Stunden wurden geleistet also sind sie erbracht und sind abzubummeln oder zu vergüten. Wenn der Arbeitgeber zu Viel überweist will er das Geld ja auch zurück. Da stellt sich der AN ja auch nicht hin und sagt dass dies persönliches Pech des AG wäre.
Es gab da letztens auch ein Urteil zu aber da hab ich keine Zeit das rauszusuchen.
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hawethie
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Re: Pausenregelung

Beitrag von hawethie »

Die Stunden wurden geleistet also sind sie erbracht und sind abzubummeln oder zu vergüten.
woraus schließt du das? die Pausen sind Pflicht und müssen gemacht werden. Wenn ein AN die Pause am Arbeitsplatz verbringt, ist das sein Privatvergnügen - und das würd ich als AG auch nicht vergüten.

Im familiären Umfeld ist das in der Kita durch feste "Schichten" geregelt, wer wann Pause machen muss und wer vertritt. Wenn das nicht existiert, liegt ein Organisationsfehler vor und ich würde der Leitung mal kräftig auf die Füße treten.
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Re: Pausenregelung

Beitrag von Evariste »

hawethie hat geschrieben: 28.06.22, 15:46 woraus schließt du das? die Pausen sind Pflicht und müssen gemacht werden. Wenn ein AN die Pause am Arbeitsplatz verbringt, ist das sein Privatvergnügen - und das würd ich als AG auch nicht vergüten.
Naja, sagen wir, es ist eine große Grauzone. Primär ist der Arbeitgeber dazu verpflichtet, dafür zu sorgen, dass die Arbeitnehmer Pause machen. Diese Verpflichtung kann er nicht einfach durch eine Dienstanweisung auf die Arbeitnehmer abwälzen, aber gleichzeitig sich nicht darum kümmern, ob die Mitarbeiter tatsächlich Pause machen können. Spätestens, wenn der Arbeitnehmer meldet "Es ist aber niemand da, der mich vertreten kann", dann ist der AG wieder in der Pflicht, eine Lösung zu finden. Und dann muss er auch die geleisteten Stunden zahlen.
Oktavia
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Re: Pausenregelung

Beitrag von Oktavia »

Wenn die ANin tatsächlich keine Pause machen konnte, muss die Zeit bezahlt werden. Das wäre nicht nur Betrug gegenüber dem AN sondern auch gegenüber Sozialversicherungen und Finanzamt. Hier hilft es Gewerkschaftmitglied zu sein :D
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Re: Pausenregelung

Beitrag von Dummerchen »

Ich bin ja viel in Kitas unterwegs und zu meinem Job gehört u.a. die Beschäftigten dort nach Problemen und Beschwerden zu fragen. Keine Pause machen zu können kommt zwar manchmal auf, aber dann eher, weil die Personaldecke durch Urlaub und Quarantäne so dünn ist, dass es schwierig ist sich abzulösen. Überhaupt keine Pause machen zu können ist aber sehr selten.

Was in fast allen Kitas die Regel ist: Wenn eine Gruppe nur mit einer Erzieherin besetzt ist, muss die sich mit den anderen Gruppen absprechen, wer sie wann ablöst. Dazu muss die/der Betroffenen allerdings aktiv werden, den Kopf in den anderen Gruppenraum stecken und die Ablösung anfordern. Die Erzieherin der Kleinen Raupe werden nicht ohne diese Absprache um 12:07 im Giftzwerg ablösen, weil sie gar nicht wissen können, ob dort vielleicht schon einer der Schmetterlinge eingesprungen ist. Ebenso kann in solchen Arbeitsfelder eine Pause nicht auf die Minute genau vom AG festgelegt werden. Was macht der Giftzwerg, wenn für 12:03 Uhr Pause vorgeschrieben wurde, aber um 11:59 muss eine Windel gewechselt werden? Das Kind um 12:03 mit nacktem Hintern auf dem Wickeltisch liegen lassen?

Mit einer Absprache, die meist schon morgens bei Dienstbeginn stattfindet, lässt sich in den allermeisten Fällen die Pausenvertretung organisieren. Dazu muss der Giftzwerg aber aktiv werden. Passiv darauf zu warten, dass jemand zur Ablösung kommt, funktioniert genauso gut, wie die Pause zu einer extakt vorbestimmten Minute zu beginnen. Diese Absprache zu machen ist, was ich als "erwachsenes Verhalten" bezeichne. Wer dazu nicht bereit oder in der Lage ist, ist in solchen Berufen fehl am Platz.

Wenn mehr als ein/e Erzieher/in in der Gruppe ist, ist die Pausenvertretung gar kein Problem: einer macht Pause, der andere bleibt in der Gruppe. Anschliessend wechseln die beiden/drei/vier. Aber auch hier müssen sich die Beteiligten absprechen. Die 6-Stunden-Kraft kann nicht erwarten, dass alle anderen ihre Arbeitszeiten auf dem Schirm haben und merken, dass "ich brauch keine Pause, ich habe gleich Feierabend" zu einer halben Überstunde führt. Der Arbeitgeber muss diese selbst geschaffene Überstunde in meinen Augen aber auch nicht bezahlen.

Wenn die Betroffene nicht in der Gruppe arbeitet, sondern die Hauswirtschafterin ist, ist die Sache noch einfacher. Sie kann sich einen Teil der Arbeit frei einteilen. Klar, morgens um 7:30 Uhr muss das Frühstücksgeschirr auf die Servierwagen geräumt, Tee gemacht und Frühstück vorbereitet werden. Danach Geschirrspülmaschine einräumen, Küche aufräumen und ab - sagen wir mal - 10 Uhr sind weniger zeitkritische Arbeiten zu erledigen, bis um 11:15 Uhr der Fahrer das gekühlte Essen bringt und der Konvektomat angeworfen wird. Dann ist sie wahrscheinlich bis Feierabend um 14 Uhr beschäftigt. Sie kann dann nicht darauf bestehen, um 12:30 Uhr Pause zu machen und sich über die fehlende Ablösung beschweren, wenn sie zwischen 10 und 11:15 problemlos Pause machen kann ohne eine Ablösung zu benötigen. Der AG und die Erzeiher dürften hier wenig Verständnis zeigen und bezahlt werden muss diese selbst auferlegt Überstunde auch nicht.
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Tastenspitz
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Re: Pausenregelung

Beitrag von Tastenspitz »

Man sollte diese Absprachen mit den anderen Gruppen treffen und das Ergebnis der Leitung mitteilen.
In KiTas gibt es auch regelmäßig Dienstbesprechnungen. Auch dort kann das Thema sein.
Wer für generelle Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen ist, hebe bitte den rechten Fuß.
Für individuelle Rechtsberatung bitte "ALT" und "F4" auf der Tastatur gleichzeitig drücken.
ktown
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Re: Pausenregelung

Beitrag von ktown »

Der Thread zeigt doch das auf, was es in vielen Betrieben gibt und oftmals zu einem negativen Betriebsklima führt.

An Ermangelung einer guten Personalführung werden solche Themen auf die Mitarbeiter abgewälzt. Dies kann, meines Erachtens, nur in dem Maße erfolgen, dass jeder Mitarbeiter sich sicher sein muss das, sollte diese kollegiale Selbstorganisation nicht klappen, er den entsprechenden Rückhalt beim personalverantwortlichen Vorgesetzten hat.
Dieses Vertrauen fördert man aber mit solchen Aussagen
süsse hat geschrieben: 27.06.22, 16:25Nun sagte der Chef zu ihm, er erkennt die Überstunden nicht an, wo er keine Pause machte. Der Arbeitnehmer müsse sich selbst um eine Person kümmern, die ihn ablöst, so das er Pause machen kann.
nicht.
Ich für meinen Teil würde dann die freiwillige Selbstorganisation aufgeben und vom Chef das einfordern was seine Aufgabe ist.
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matthias.
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Re: Pausenregelung

Beitrag von matthias. »

Ich möchte meinem Vorredner zustimmen, Probleme und deren Lösungen pauschal auf die Kolleginnen und Kollegen abzuwälzen, ist nicht richtig.

Ich würde dem Vorgesetzten erstmal ganz klar sage, dass das so nicht geht. Dass er die Möglichkeit schaffen muss, dass alle ihre Pause machen und sei es, er erklärt ihr mal wie denn die Absprachen laufen sollen.
Und die Antwort kann nicht sein: "Kümmer dich selber drum."

Wenn das nicht fruchtet, würde ich eine Überlastungsanzeige an die nächste Instanz, evtl. auch den Kitaträger schicken.
Evariste
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Re: Pausenregelung

Beitrag von Evariste »

Genau genommen: In dem Moment, wo die AN mit so einem Ansinnen (Überstunden für nicht genommene Pause) zu ihrem Chef kommt, muss dieser sich darum kümmern, dass so etwas nicht mehr vorkommt. Wenn er das weiter laufen lässt (weil es den AG nichts kostet), sind wir sehr schnell bei einem quasi vorsätzlichen Verstoß gegen das Arbeitszeitgesetz, der mit bis zu 15.000 Euro Geldbuße bestraft wird.

Und als Nebeneffekt schuldet er der AN dann auch den Lohn für die zusätzliche Zeit. Ein vom AG geduldeteter Verstoß gegen das ArbZG bedeutet nicht, dass man für die geleistete Arbeit keinen Lohn bekommt.

Das mit der gegenseitigen Vertretung, Sozialkompetenz etc. ist alles schön und gut. Aber mangelnde Sozialkompetenz gibt dem AG nicht das Recht,. einem AN den Lohn vorzuenthalten. Außerdem, was ist, wenn die AN zwar die Sozialkompetenz hätte, aber sie will einfach nicht? Dann sind wir wieder bei der Frage, ob die Erwartung des AG rechtlich in Ordnung ist, und da gibt eine Betrachtung "in anderen KiTas funktioniert das aber" wenig her.
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