Die Anrede Transsexueller

politische Aspekte von Rechtsprechung und Gesetzesvorhaben; rechtliche Aspekte von politischem Agieren

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Der Unbekannte
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Die Anrede Transsexueller

Beitrag von Der Unbekannte »

Hallo und guten Morgen !

Eine eher allgemeine Frage mit der Bitte um Infos und Anregungen: Behördenschreiben (dazu zähle ich hier allgemein auch Schreiben von Gerichten usw.) an Betroffene werden ja regelmäßig an "Sehr geehrte Frau X" oder eben "Sehr geehrter Herr Y" gerichtet.

Nicht nur im Rahmen des Transsexuellengesetzes, sondern auch bei ähnlichen Vorgängen rund um eine Geschlechtsidentität stellt sich mir aber die Frage nach einer korrekten Anrede einer Person, die just eine Diversität zum Gegenstand macht ?

Bin hier erstmal für jeden Tip dankbar !
Tastenspitz
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Re: Die Anrede Transsexueller

Beitrag von Tastenspitz »

Wer für generelle Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen ist, hebe bitte den rechten Fuß.
Für individuelle Rechtsberatung bitte "ALT" und "F4" auf der Tastatur gleichzeitig drücken.
Chavah
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Re: Die Anrede Transsexueller

Beitrag von Chavah »

Normalerweise wollen Transsexuelle ja unter ihrem "neuen" Namen, also mit Herr oder Frau angesprochen werden. Bei denen, die divers sind, würde ich einfach fragen, wie sie es gerne hätten.

Chavah
Der Unbekannte
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Re: Die Anrede Transsexueller

Beitrag von Der Unbekannte »

Der Grund meiner Frage ist eben besonders die Frist bis zu einer (eventuellen) neuen Geschlechtsfeststellung ...
ExDevil67
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Re: Die Anrede Transsexueller

Beitrag von ExDevil67 »

Ich meine streng formal ist Andreas auch als Herr Andreas anzuschreiben solange im er Personstandsregister so registriert ist, auch wenn er schon lange als Andrea unterwegs ist. Erst wenn die Änderung auch offiziell beim Standesamt erfolgt, ist auch die Anrede anzupassen.
Wobei einen natürlich keiner hindert das schon vorher anzupassen oder zu einem vollständig neutralem "Guten Tag xy" überzugehen.
Chavah
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Re: Die Anrede Transsexueller

Beitrag von Chavah »

Bis die Geschlechtsumwandlung tatsächlich juristisch vollzogen ist, bleibt es bei der alten Anrede, zumindest in allen offiziellen Angelegenheiten. Man kann nun mal Andrea nicht als Andreas z.B. bei den Behörden anmelden, nur weil er sich als Mann fühlt. Auch nicht bei den Krankenkassen u.s.w. bleibt also bei Andrea. Wie man denjenigen/diejenige in der Übergangsphase anspricht, das ist doch letztlich Sache der Vereinbarung.

Chavah
Tastenspitz
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Re: Die Anrede Transsexueller

Beitrag von Tastenspitz »

Chavah hat geschrieben: 28.05.21, 10:25 Wie man denjenigen/diejenige in der Übergangsphase anspricht, das ist doch letztlich Sache der Vereinbarung.
Mit "Hallo ihr Beiden....."? :ironie:
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Chavah
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Re: Die Anrede Transsexueller

Beitrag von Chavah »

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Chavah
FM
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Re: Die Anrede Transsexueller

Beitrag von FM »

Es gibt überhaupt keine rechtlich verbindlichen Vorgaben zu Anreden, abgesehen vom Verbot der Beleidigung. Ob ich ein und dieselbe Person als "sehr geehrte Frau Müller", als "Fräulein Dr. Müller", als "Frau Rechtsanwältin" oder als "die Müllerin" (dann eher nicht in direkter Ansprache) bezeichne, ist rechtlich nicht relevant, soweit alles zutrifft, und auch die Anrede "Herr" ist nirgends vorgeschrieben.

Die Frage stellte sich im Bayerischen Landtag und wurde von der Frau Präsidentin wie folgt geregelt: https://www.bayern.landtag.de/www/ElanT ... pdf#page=9 (Seite 9 bzw. 219)
Anders als da noch angekündigt entschloss sich der oder die Abgeordnete aber das Verfahren zur Personenstandsänderung nicht weiterzuführen. Was die Partei jetzt vor ein Problem stellt, da dieselbe Person für den Bundestag kandidiert und die Partei dazu unterschiedlich Vorschriften hat, wann und auf welchen Listenplätzen Männer und Frauen sich bewerben dürfen (wie man ja schon bei der Kanzlerkandidatur sah, kein Mann darf wenn eine Frau will, was jetzt gewesen wäre wenn Frau Ganserer gewollt hätte ist auch unklar).
Pünktchen
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Re: Die Anrede Transsexueller

Beitrag von Pünktchen »

FM hat geschrieben: 28.05.21, 18:36 Es gibt überhaupt keine rechtlich verbindlichen Vorgaben zu Anreden, abgesehen vom Verbot der Beleidigung. Ob ich ein und dieselbe Person als "sehr geehrte Frau Müller", als "Fräulein Dr. Müller", als "Frau Rechtsanwältin" oder als "die Müllerin" (dann eher nicht in direkter Ansprache) bezeichne, ist rechtlich nicht relevant,
Auf "Fräulein" reagieren viele Fragen aber gekränkt. Eine Begrüßung sollte auch sein, ggf. auch "Hallo Herr/Frau ...".

Vor kurzem kam ein TV-Ausschnitt über einen früheren Bundeskanzler. Der hat sich darüber ziemlich aufgeregt und gesagt: "Für Sie bin ich nicht der Herr Kohl". Bisher musste ich auch gar nicht, dass der einen Dr.-Titel hatte. Was hätte er dann wohl gesagt, wenn er mit "Helmut" angesprochen worden wäre?

An unseren Hochschulen werden die Profs aber auch nur mit "Frau / Herr ..." angesprochen. Bisher hat sich noch keiner beschwert. So muss man sich auch keine Gedanken machen, ob man eine Frau jetzt mit "Frau Professor Doktor...", "Frau Professorin Doktor..." oder "Frau Professorin Doktorin ... " anspricht. Mit der Abkürzung "Prof / Profs" kommen die auch noch gut weg. Die Assistenten nennt man kurz "Assi" oder "Assis" ;-)
FM
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Re: Die Anrede Transsexueller

Beitrag von FM »

Herr Dr. Kohl unterschied bei Journalisten sehr genau danach, wer ihn mit oder ohne Dr. anreden soll. Aber "Herr Bundeskanzler" war jedenfalls ok.

Das war aber seine persönliche Vorliebe.
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