Bilanzierungsregeln für Banken sollen gelockert werden

politische Aspekte von Rechtsprechung und Gesetzesvorhaben; rechtliche Aspekte von politischem Agieren

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jaeckel
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Bilanzierungsregeln für Banken sollen gelockert werden

Beitrag von jaeckel »

Liebe Mitglieder und Leser,

wer denkt, dass die Risiken der Bankenwirtschaft durch strengere Bilanzierungsregeln und dementsprechende Prüfung durch die Wirtschaftsprüfer hätten früher aufgedeckt werden können, der irrt.

Die Bilanzierungsregeln für Banken, nach denen schon bisher erfolgreich das Versteckspiel für Risiken gespielt wurde, sollen gelockert werden .
:twisted:
wiwo.de hat geschrieben: Mit der Lockerung der internationalen Bilanzierungsregeln wollen die Finanzpolitiker die galoppierende Krise an den Kapitalmärkten eindämmen.
Solange das Volk das mitmacht, hat es nichts anders verdient, als solche Politiker in den Aufsichtsgremien der Banken. Der patriotische "kleine Mann" freut sich derweil an jeder deutschen Fahne zwischen den 3-stöckigen Megayachten in St. Tropez.
Herzlichen Gruss
Ihr Achim Jäckel
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Richard Gecko
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Beitrag von Richard Gecko »

Mal was zu der Kompetenz in den Aufsichtsraeten:
http://www.tu-dresden.de/wwvwlfw/kompetenzindex.pdf
jaeckel
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Beitrag von jaeckel »

Danke für den Link. zu Kompetenzen von Bank-Aufsichtsräten. Das ist ja fast so schlimm wie in der Gesundheitspolitik. Jeder, der einen Roller auch nur schieben kann, darf bei uns also einen Jumbo fliegen. :evil:
Herzlichen Gruss
Ihr Achim Jäckel
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John Robie
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Beitrag von John Robie »

Hallo!

Die Abkehr der Bilanzierung von HGB hin zu IFRS/US-GAAP hielt ich schon vor der sog. "Finanzkrise" für einen Irrweg. Quartale halte ich nicht für Zeitspannen, in denen Kaufleute denken sollten und Dividendenausschüttungen angesichts von Milliarden-Verlusten sehe ich als schwachsinniges Verhalten an.

In Situationen, in denen Irrationalität dominiert, sollte aber nicht zu harsch mit Vorschlägen umgegangen werden, die der Irrationalität entgegen wirken.

Zurzeit gibt es sehr viele börsennotierte Unternehmen, die unterbewertet sind; unterbewertet in dem Sinn, dass ihre aktuelle und ihre - selbst unter pessimistischen Annahmen - künftige Ertragskraft schlicht ignoriert werden.

Schließlich haben wir ja "Finanzkrise", und das scheint verbunden zu sein mit dem Ausschalten des Kopfes. (Der Wert des größten deutschen Stahlproduzenten hat sich real nicht binnen kurzer Zeit geviertelt, um nur ein Beispiel zu nennen.)

Wenn also Marktpreise sich von Werten zu weit entfernen, dann halte ich es durchaus für legitim, mit mehr oder weniger fiktiven Werten zu arbeiten.

Freundliche Grüße
-John
jaeckel
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Beitrag von jaeckel »

John Robie hat geschrieben:Wenn also Marktpreise sich von Werten zu weit entfernen, dann halte ich es durchaus für legitim, mit mehr oder weniger fiktiven Werten zu arbeiten.
Wenn das Faktische (durch Hysterie geschuldet) aber in Bilanzen "weggedacht" werden soll, dann bin ich auch dafür, dass man generell in Steuererklärungen der Nicht-Bankenwelt Fiktion zulässt. Wenn Märchenstunde, dann überall.
Herzlichen Gruss
Ihr Achim Jäckel
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Abrazo
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Beitrag von Abrazo »

dass man generell in Steuererklärungen der Nicht-Bankenwelt Fiktion zulässt. Wenn Märchenstunde, dann überall.
Stell Dir vor, ein Kind einer allein erziehenden Mutter, die sich mit Ach und Krach oder auch überhaupt nicht allein durchs Leben schlägt, studiert Jura. Auf Bafög, das er zurückzahlen muss. Für die Studiengebühren nimmt er ein Darlehen auf. Wenn der Examen macht, ist er überschuldet und müsste eigentlich Privatinsolvenz anmelden, denn bis der mal was verdient, das kann dauern.
Man zwingt ihn aber keineswegs in die Insolvenz, auch, wenn er zeitweise selbst Hartz IV beziehen muss, weil man vernünftigerweise sagt, warte mal paar Jährchen, wenn er keine totale Flasche ist, wird er schon noch mal ein Einkommen haben, von dem er seine Schulden zurück zahlen kann.
Ist natürlich mit einem Risiko für die Kreditgeber behaftet, denn es kann auch schon mal einer darunter sein, der ein Leben lang Geringverdiener bleibt. Aber im allgemeinen ist zu erwarten, dass die Sache gut geht und die Schulden zurück gezahlt werden.
Grüße,
Abrazo
jaeckel
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Beitrag von jaeckel »

Liebe Abrazo,

hier geht es um Märchenstunden in der gewerblichen Bilanz, um die Grundsätze des HGB und um Sozialisierung von privatwirtschaftlichen Risiken.

In Ihrer Sprache geht es um eine "vollkommen ungerechte Umverteilung": Bankmanager belohnen sich ungestraft selbst für das unverantwortliche Eingehen von Milliarden-Risiken, wofür ein kleiner Kaufmann schon im kleinen Rahmen in den Knast wegen Insolvenzbetrugs wandert. Am Ende ist dann u.a. deshalb kein Steuer-Geld mehr für das Bafög "eines Kindes einer allein erziehenden Mutter" da. Und die Politik will das zukünftig noch erleichtern. Wohlgemerkt studiert das Kind des pensionierten Bankmanagers dagegen auf eine Elite-Uni. Die kann er sich ja leisten:
Obwohl er den Versicherungskonzern AIG, der mit 85 Milliarden Dollar Steuergelder unterstützt wurde, in den Ruin brachte, erhält der ehemalige Chef 34 Millionen und bezieht weiter 1 Million monatlich.
Quelle Telepolis
Diese US-Regeln fordern nun unsere Experten auch für uns.
Herzlichen Gruss
Ihr Achim Jäckel
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J_Denver
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Beitrag von J_Denver »

für Aktien soll eine Stichtags bewertung eingeführt werden. bisher gilt die Tageskurs Regel.
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Abrazo
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Beitrag von Abrazo »

Hi,

das sehe ich anders.

Das Management wird ja schon - zumindest bei uns - längere Zeit durchaus kritisch gesehen. Damit korrespondieren Erwägungen über verstärkte persönliche Haftung.

Vom Management muss man m.E. aber das gemanagte Unternehmen unterscheiden. Das kann in einer Aktienkrise durchaus schon mal durch die Aktien unterbewertet sein, und wenn diese Unterbewertung des Firmenwertes zwingend ist, dann könnte das dazu führen, dass ein Unternehmen aus rein bilanziellen Gründen Insolvenz anmelden muss, was aus Vernunftsgründen gar nicht nötig wäre und auch nicht in unserem Interesse sein kann.

Wenn die Manager und Börsenleute die Panik haben, so heißt das m.E. nicht, dass wir uns davon anstecken lassen sollten, denn wenn es um deren Existenz geht, so geht es dabei keineswegs auch um unsere (=Staatsbürger). Unsere Existenz ist abhängig von funktionierenden Unternehmen und nicht vom gemütlichen Wohlergehen einiger Finanzjongleure. Brutal gesagt, sollen die zusehen, wo sie bleiben, wir machen unseren Kram alleine. Was diese angeblichen Finanzexperten natürlich anders sehen: sie sind der Ansicht, sie seien unentbehrlich und die einzigen, die was von der Materie verstehen. Doch sind die Interessen dieser Leute nicht die Interessen unseres Volkes. Wenn von Finanzblase die Rede ist, so ist dies eine Blase über den Tatsachen. Wenn die zerplatzt, dann wird das, was darunter an Realität liegt, zwar bisschen nass, aber es geht nicht unter. Zum Realitätssinn gehört auch, die überragende Bedeutung, die einige sich selbst zuschreiben, auf ein vernünftiges Maß zu stutzen und sich von ihrem aufgeregten Geschrei nicht beeindrucken zu lassen.

Die neoliberale Linie, wonach der beste der ist, der die höchsten Spekulationsgewinne macht und nichts anderes, keine andere Leistung zählt, und die in gesellschaftlicher Hinsicht mit dem Wort des ehemaligen Nestlé-Chefes verbunden ist, wonach es überflüssige Menschen gäbe, ist tot. HIer empfehle ich, sich an das Jesus-Wort zu halten, mögen die Toten die Toten begraben. Wat die in der Vergangenheit eingeheimst und verzockt haben, kriegen wir nicht wieder, also sollten wir uns damit auch nicht weiter aufhalten. Aber damit ist jetzt erst mal für längere Zeit Schluss, zum Vorschein kommt statt Seifenblasen das, was wirklich stabil ist, produzierende Unternehmen mit tüchtigen Arbeitskräften und Verwaltungsleuten, und es geht darum, die zu stützen, damit unsere Wirtschaft einigermaßen unbeschadet weiter laufen kann. Die Zukunft ist wichtig, nicht das Rechten über eine Vergangenheit, über die schon lange die meisten vernünftigen Menschen voller Unmut den Kopf geschüttelt haben.

Um unsere Wirtschaft gesund zu erhalten, brauchen wir nun mal Banken, die - vernünftige - Kredite geben. Also ist es nötig, die Banken im Bedarfsfalle zu stützen - die Banken, nicht risiko- und zockfreudiges Management und Finanzjongleure, die sind nicht miteinander identisch.
Grüße,
Abrazo
John Robie
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Beitrag von John Robie »

Hallo J_Denver!
für Aktien soll eine Stichtags bewertung eingeführt werden. bisher gilt die Tageskurs Regel.
Was soll das bringen?

Und: Soll das Ihrer Meinung nach sowohl für Aktien des Umlaufvermögens als auch die des Anlagevermögens gelten?

Freundlich Grüße
-John
John Robie
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Beitrag von John Robie »

Hallo Herr Dr. Jäckel!
Diese US-Regeln fordern nun unsere Experten auch für uns.
Ich denke, man sollte Entlohnungskonzepte von Managern trennen von Bilanzrichtlinien.
Wenn das Faktische (durch Hysterie geschuldet) aber in Bilanzen "weggedacht" werden soll, dann bin ich auch dafür, dass man generell in Steuererklärungen der Nicht-Bankenwelt Fiktion zulässt. Wenn Märchenstunde, dann überall.
Um ein Beispiel herauszugreifen: Mortgage Backed Securities
Die spekulative Entwicklung ("Immobilienblase") in den USA und - noch stärker - in Großbritannien hat Preis und Wert immer weiter auseinanderdriften lassen. Käufer von Collateralised Mortgage Obligations hoher Risikostufen sehen nun das Pendel zurückschwingen, von der extremen Übertreibung zur extremen Untertreibung.

Diese - ich wage die Prognose, vorübergehende - Unterbewertung hat zur Folge, dass sich Bilanzkennziffern solider Banken verschlechtern, was zur Verschlechterung der Kreditratings führt, was die Refinanzierung verteuert, was ... <Spirale nach unten>

Die selbsterfüllende Prophezeiung.

Wie bereits gesagt halte ich wenig von diversen Luftbuchungen, die US-GAAP und IFRS zulassen. Bilanzierungsrichtlinien sind auf der anderen Seite aber auch kein Selbstzweck. Und wenn in Zeiten der Hysterie Preise und Werte auseinanderklaffen liefert das Niederstwertprinzip werde valide noch reliable Daten.

Und erfüllt damit schlicht seinen Zweck nicht.

Freundliche Grüße
-John

PS: Das ändert nichts an meiner Sicht der Dinge, dass sich Banken auf ihr intellektuell recht anspruchloses Kerngeschäft (Geld billig einkaufen und teuer verkaufen) konzentrieren sollten.
J_Denver
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Beitrag von J_Denver »

John Robie hat geschrieben:
Diese - ich wage die Prognose, vorübergehende - Unterbewertung hat zur Folge, dass sich Bilanzkennziffern solider Banken verschlechtern, was zur Verschlechterung der Kreditratings führt, was die Refinanzierung verteuert, was ... <
.
das gleiche problem taucht bei der Aktien bewertung auf.
Mitglied im Zentralrat der Luden
jaeckel
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Beitrag von jaeckel »

John Robie hat geschrieben:Und wenn in Zeiten der Hysterie Preise und Werte auseinanderklaffen liefert das Niederstwertprinzip werde valide noch reliable Daten.
Der Unterschied zwischen

- dem in der Bilanz fiktiv angesetzten Wert (höher)
- dem Wert, der auf einem transparenten Markt erzielt werden kann (niedriger)

schafft ein Risiko.

Es besteht also ein hohes Risiko, dass die bilanziellen Werte in der Realität nicht als Erlöse erzielbar wären.

Das ist natürlich nichts Neues und jeder Investor, Firmenkäufer, Aktionär sollte sich von der Werthaltigkeit selbst ein Bild machen. Glaubt er den meist hochgradig "gestalteten" Bilanzen, handelt er zumeist auf eigenes Risiko. Der nachträgliche Nachweis einer Bilanz- oder Prospektfälschung gelingt selten. Das ist aber ein privatwirtschaftliches Risiko.

Anders ist die Sache aber dort, wo die öffentliche Hand bzw. der Steuerzahler für dieses Risiko pauschal einspringt und genau solche Luftbuchungen zukünftig forciert.

Aus meiner Sicht ist das abzutrennen von den kurzfristigen berechtigten Rettungsaktionen, denn hier hat eine Staatsbürgschaft auf die bilanziellen Risiken eine gleichgerichtete "heilende" Wirkung auf die kurzfristige Insolvenzgefahr durch Überschuldung.

In obigem politischen Vorhaben sehe ich einerseits eine große Gefahr für die Zukunft wie auch eine Art Generalamnestie für die Bilanzfälscher, attestierende Wirtschaftsprüfer und Aufsichtsrats-Dilettanten, die uns diesen aktuellen Mist eingebrockt haben. Macht man sich klar, dass sowohl die Vorstands- als auch die Aufsichtsratshaftung schon vor Jahren verschärft wurde, wird klar wovor diese Lobby Angst hat.
Nach einer Entscheidung des Landgerichts München I vom 20.10.2005 (Az. 5HK O 22188/03) müssen Vorstände einer Aktiengesellschaft, falls sie risikoreiche Währungsswapgeschäfte zur Bedienung eines für die Gesellschaft aufgenommenen Darlehens tätigen, dafür sorgen, dass diese riskanten Geschäfte durch entsprechende Deckungsgeschäfte abgesichert sind. Sichern die Vorstände die Geschäfte nicht ab, haften sie der Gesellschaft auf Zahlung von Schadensersatz.
Quelle

Aber sie können sich ja selbst durch Änderung der Spielregeln entlasten. Zum Wohle der Volkswirtschaft Handlungsfähigkeit beweisen und sich sogar als Retter feiern lassen. - Sorry: Mich erinnert dieses Theater eher an Strafvereitelung im Amt.
Herzlichen Gruss
Ihr Achim Jäckel
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Beitrag von John Robie »

Hallo Herr Dr. Jäckel!
Es besteht also ein hohes Risiko, dass die bilanziellen Werte in der Realität nicht als Erlöse erzielbar wären.
Unbestritten.
Aus meiner Sicht ist das abzutrennen von den kurzfristigen berechtigten Rettungsaktionen, denn hier hat eine Staatsbürgschaft auf die bilanziellen Risiken eine gleichgerichtete "heilende" Wirkung auf die kurzfristige Insolvenzgefahr durch Überschuldung.
Daher halte ich nichts davon, dauerhaft die Bewertungsvorschriften zu ändern.
In obigem politischen Vorhaben sehe ich einerseits eine große Gefahr für die Zukunft wie auch eine Art Generalamnestie für die Bilanzfälscher, attestierende Wirtschaftsprüfer und Aufsichtsrats-Dilettanten, die uns diesen aktuellen Mist eingebrockt haben.
Mich besorgt die offenkundige Unfähigkeit, aus der Krise zu lernen. In den USA halten sich Banken mit Dividendenkürzungen sehr zurück, General Motors schüttet gar das Dreifache seines operativen Ergebnisses aus.

Es ist sicherlich nicht so, dass ein solches Verhalten per se betriebwirtschaftlich sinnlos wäre. Es dürfte aber die Bereitschaft der Steuerzahler, sich an Rettungsaktionen zu beteiligen, nicht befördern.

Nicht, dass man den Steuerzahler fragen würde ...

Freundliche Grüße
-John
Karsten11
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Beitrag von Karsten11 »

Hallo,
jaeckel hat geschrieben:Der Unterschied zwischen

- dem in der Bilanz fiktiv angesetzten Wert (höher)
- dem Wert, der auf einem transparenten Markt erzielt werden kann (niedriger)

schafft ein Risiko.
Dummerweise schafft der umgekehrte Fall auch Risiken.

Zunächst einmal: Einen "wahren" Wert für Bilanzpositionen gibt es nicht. Der wahre Wert würde erst bei der Zerschlagung des Unternehmens bekannt, wenn der betreffende wert durch Verkauf realisiert wird.

Dennoch muss man Regeln definieren, wie Aktiva bewertet werden. Hier gibt es verschiedene Ansätze: Zum einen kann ich hingehen und versuchen, eine Bewertung zu schaffen, die sich so eng wie möglich an derzeitigen ("zufälligen", hoch volatilen) Marktwerten orientiert (neuhochdeutsch "mark to market"). Eine andere lautet: Die (angemessenen, fortgeführten ) Anschaffungs- oder Gestehungskosten werden schon richtig sein. Und ein dritter lautet: So niedrig ansetzen, dass die Wahrscheinlichkeit hoch ist, diesen Wert auch in schwierigen Situationen zu realisieren (das gute alte Niederstwertprinzip).

Eine grundsätzliche Überlegenheit eines dieser Systeme gibt es nicht. Die bisherige HGB-Bilanzierung (die auf konservative, niedrige Bewertungen setzt) führt dazu, dass die Unternehmen stille Reserven bilden. In der Krise werden die dann aufgelöst, so dass man erst mit erheblicher Zeitverzögerung erfährt, dass das Unternehmen in der Krise ist. Nämlich dann, wenn die Reserven aufgebraucht sind. Nicht wirklich gut.

Die stark auf mark-to-market setzenden Regeln der IFRS, des US-GAAP (und die mit dem BilMOG einzuführende neue HGB-Regelung) hat dagegen den Nachteil, dass eben der beschriebene Teufelskreis einsetzen kann: Sinkende Marktpreise, höhere Verluste, sinkende Marktpreise.

Aktuell ist im Bankenbereich das zweite Problem viel, viel größer. Von daher ist aktuell tatsächlich eine reduzierung der Plicht zur MtM Bewertung hilfreich. Bei einer anderen Krise ist das ggf. anders herum.
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