Religiöse Verfolgung in Deutschland

politische Aspekte von Rechtsprechung und Gesetzesvorhaben; rechtliche Aspekte von politischem Agieren

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SpecialAgentCooper
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Beitrag von SpecialAgentCooper » 28.01.10, 15:57

juggernaut hat geschrieben: ......"in religiösen und weltanschaulichen Fragen persönliche Entscheidungen zu treffen und Verständnis und Toleranz gegenüber den Entscheidungen anderer zu entwickeln,".....
Diese Formulierung ist mE ebenfalls diskussions- und fragwürdig
weshalb? weil sie auf Sie zutreffen würde?
[/quote]
Ich gebe mal ein Beispiel: Anhänger einer fiktiven Religion fordern und handeln nach Ihrer Überzeugung, dass es Ihrer Gottheit entspräche, kleine Kinder zu fressen.
Demgegenüber Verständnis zu Toleranz zu unterrichten wäre dann diskussionswürdig.
Der Fall läßt sich entsprechend abwandeln, zB dahingehend, dass von der Glaubensgemeinschaft gefordert würde, dass Tempel gebaut werden sollen, die höher als der Kölner Dom sind, weibliche Religionsangehörige nur durchsichtige Ganzkörperschleier tragen müßten und das Recht bestehen solle, Kinder zu Hause zu unterrichten.
„Die Welt wird immer absurder. Nur ich bin weiter Katholik und Atheist. Gott sei Dank!“ (Luis B.)

carn
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Beitrag von carn » 28.01.10, 16:08

juggernaut hat geschrieben: niemand soll sich anmassen, eine überzeugung oder anschauung als besser oder schlechter zu bezeichnen - jeder hat das recht, diese unterscheidung für sich zu treffen, aber nicht das recht, deshalb gegenüber einem anderen intolerant zu sein. nichts anderes besagt die verwandte formulierung.
Das lehne ich ab.
Unter laesst man es unterschiedliche Ueberzeugungen zu werten, dann hat man keine Werte.

Aber wenn das die Formulierung in den Schulgesetz meint, dann ist das Versagen beim erreichen dieser Ziele offensichtlich:
juggernaut hat geschrieben: ich bin tolerant, ich toleriere fremder leute anschauungen, aaaaaaber nicht die der nazis, nicht die der XY. wo anfangen, wo aufhören? und deshalb: entweder man ist tolerant, oder man ist es nicht. "ein bißchen" tolerant gibt es nicht.
Jeder, jeder Mensch den ich persoenlich kenne und der eine Schule in Deutschland besucht hat ist intolerant gegenueber Nazis.

Jede Person des oeffentlichen Lebens, die ich je was ueber Nazis habe sagen hoeren, schien Nazis zu verachten..(edit: Da sieht man wieder die Verachtung, die ich im uebrigen auch durch die Schule mitbekommen habe - einen Nazi aus einem Landtag habe ich schon mwas sagen gehoert, trotzdem habe ich den vorherigen Satsz geschrieben, wohl weil ich unbewusst einen Nazi nicht als Person des oeffentlichen Lebens sehen kann und will und ihn lieber unter Idiot oder so geistig vermerke.)

Die Intoleranz gegenueber Nazis ist deutlich spuerbar.

Was soll ein Schulgesetz desssen Ziele nicht erreicht werden oder dessen Ziele missverstaendlich sind?(Letzteres fuer den Fall das ihre Interpretation falsch ist und das Toleranzgelaber im Gesetz doch beinhaltet, dass man Nazis verachten kann)


juggernaut hat geschrieben: toleranz kann sich nur entwickeln, wenn ich andere anschauungen oder lebensentwürfe kennenlerne, und das geht auch nicht ohne dass dieser zunächst einmal der nötige respekt entgegengebracht wird - was ich vorher schon ablehne, werde ich nie verstehen.
Die Annahme dass man durch kennenlernen und verstehen eher tolerant gegenueber etwas ist, ist ein falsche Annahme, genaueres Kennenlernen kann auch das Gegenteil bewirken.

Und aus welchen Grund muessen wir eigentlich tolerant gegenueber allem sein?

Der einzige Grund ist doch, weil sich vermeintlich ansonsten zu schnell hass und gewalt entwickelt. Was wenn jemand die Ursachen dafuer aber woanders sieht und deswegen allgemeine Toleranzerziehung fuer falsch haelt?
Und deswegen nicht will, dass seine Kinder damit zugemuellt werden und dadurch eher in ihrem spaeteren Leben moralisch falsche Entscheidungen treffen?

juggernaut
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Beitrag von juggernaut » 28.01.10, 16:49

red´ ich spanisch? ich reagiere leicht angesäuert, wenn zitate aus dem zusammenhang gerissen und (bewußt ?) falsch verstanden werden. sie hängen sich an einzelne formulierungen, deuten da rein, was sie meinen deuten zu können, und lassen ihre reflexe spielen.

das "niemand soll sich anmassen" bezieht sich selbstredend nicht auf das individuum, sondern auf die staatsgewalt, denn darum geht es in diesem fred hier. also erzählen sie mir nicht, man habe keine werte, wenn man es unterlasse, unterschiedliche überzeugungen zu werten, denn darum geht es gar nicht. jedem steht es frei, unterschiedliche überzeugungen zu werten, aber dem staat nicht, und das ist das thema hier. wie soll denn das individuum werte entwickeln oder haben, wenn der staat vorgibt, aus welchen ausgesucht werden darf? im übrigen verbitte ich mir, mir von irgendjemanden, eingeschlossen ihnen, vorschreiben zu lassen, welche werte ich haben soll. sie dürfen gerne versuchen, mich zu überzeugen, aber sie haben es mir nicht vorzuschreiben.

unser staat baut darauf, das gebildete und aufgeklärte bürger von selbst drauf kommen, was gut ist und was schlecht, denn nur was selbst erkannt wird, ist auch wirklich. aufklärung und aufgeschlossenheit setzen kenntnis voraus. der ungebildete ist ungebildet und bleibt es auch. ich kann mir keine meinung bilden, wenn ich keine anderen meinungen kenne. das ist nun aber eine mehr als 250 jahre alte erkenntnis, wenn man diverse griechen nicht mitzählt, die widerzukäuen ich mir jetzt zu schade bin. was toleranz heisst, mag jeder des i-nets kundige bei einer einschlägigen enzyklopädie nachlesen - mit einer bewertung als gut oder schlecht hat sie nichts zu tun. bei der schulischen bildung geht es nun aber um (er)kenntnisvermittlung zur erreichung des formulierten ziels, nicht mehr, nicht weniger.

also mal ohne um den heissen brei herumzureden und auf thesen zu antworten, die niemand aufgestellt hat: was genau ist daran schlecht?




die frage zu stellen, warum wir tolerant sein sollen, heisst, unseren erkenntnisstand wieder auf den zeitpunkt anno ~1500 zurückzudrehen. das steht ihnen selbstverständlich frei, bitte haben sie jedoch verständnis dafür, dass ich nicht mitkomme, sondern lieber in 2000 bleibe, denn ich würde dann erklären müssen, warum ich es nicht gut finde, das hexen verbrannt werden, weil sie nicht den richtigen glauben haben, und dazu habe ich offen gestanden ebensowenig lust wie von ihnen in eine diskussion über gute und schlechte religionen hineingezogen zu werden, wenn es (nur) darum geht, ob religion(en) in der schule unterreichtet werden kann/soll/darf.


@specialagentcooper: wenn ich von der kinderfresserreligion nichts weiss, dann kann ich sie auch nicht ablehnen. der versuch, diese religion zu verstehen, führt nicht zwangsläufig dazu, dass ich sie für mich als ' gut' akzeptiere. was die diesbezügliche toleranz anbelangt, enthält das schulgesetz ebenfalls eine, wenn auch nicht mitzitierte regelung, dien ich deshalb nicht mitzitiert habe, weil sie mit der ausgangsfrage nichts zu tun hat. und, bezogen auf die ausgangsfrage und daher auf die schule würde die antwort lauten: ja, der staat darf in der schule von dieser religion erzählen. er darf auch keinem verbieten, ihr anzuhängen. er darf aber verbieten, tatsächlich kinder zu fressen. oder wollen wir gesinnungsstrafrecht, dass wir den nazis so gern vorwerfen?
juggernaut
Redfox hat geschrieben:Das ist ein Irrtum. Beamte arbeiten nicht. Sondern ... machen sonstwas. Aber arbeiten tun sie nicht.

SpecialAgentCooper
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Beitrag von SpecialAgentCooper » 28.01.10, 17:01

juggernaut hat geschrieben: ja, der staat darf in der schule von dieser religion erzählen. er darf auch keinem verbieten, ihr anzuhängen. er darf aber verbieten, tatsächlich kinder zu fressen. oder wollen wir gesinnungsstrafrecht, dass wir den nazis so gern vorwerfen?
Darf der Staat diese Religion dann auch als gefährliche Sekte thematisieren?
(Und wir haben doch Gesinnungsstrafrecht (Holocaustleugnung).)
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juggernaut
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Beitrag von juggernaut » 28.01.10, 17:05

ja, warum denn nicht, herrgottssakra. sie lenken ab.

(und bei der holocaustleugnung wird nicht die gesinnung, sondern die veröffentlichung derselben bestraft, aber das wissen sie vermutlich)
juggernaut
Redfox hat geschrieben:Das ist ein Irrtum. Beamte arbeiten nicht. Sondern ... machen sonstwas. Aber arbeiten tun sie nicht.

Redfox
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Beitrag von Redfox » 29.01.10, 09:19

Roni hat geschrieben:
Das einzige was mich stört, sind die zitierten Kommentare der US-Bürger von wegen Nazistaat....
diese dummen Kommentare kommen doch leider immer wieder das wissen wir doch.
Mir geht das glatt vorbei, weil ich zu dieser Zeit nicht gelebt habe. Was damals geschah war mehr als traurig, ist aber nicht meine Schuld und ich lass mir das auch nicht von diesen Leuten einreden.
Das verstehe ich jetzt nicht.

Die Kommentare sind sinngemäß: Damals Nazis, die Minderheiten verfolgt haben,bisher nicht zugelernt, es werden weiter Minderheiten verfolgt."

Ich denke, diejenigen, die hier im Forum schreiben, haben schon gelebt, als der Fall der hier diskutierten Familie stattfand.

Unabhängig davon müsste man die Frage klären, ob dieser Vergleich berechtigt ist. M.E. ist er das nicht; aber Nazi-Vergleiche sind sehr beliebt, aber auch gerade bei Deutschen.
SpecialAgentCooper hat geschrieben:Ich als bekennender Agnostiker glaube persönlich nicht an Atheismus. In diesem Sinne kann ich auch Ehrfurcht vor etwas besitzen, von dem ich nie wissen werde, ob es das gibt oder nicht. Ich kann es aber auch lassen.
Was zu lassen? Ehrfurcht zu haben oder an Gott zu glauben?

Die in diesen Schulgesetzen als "vornehmes" Erziehungsziel verlangte "Ehrfurcht" bedeutet "eine mit Verehrung einhergehende Furcht." --> http://de.wikipedia.org/wiki/Ehrfurcht

"Furcht ist das Gefühl konkreter Bedrohung." --> http://de.wikipedia.org/wiki/Furcht

Ich habe ein generelles Problem damit, Kinder in der Erziehung ein Gefühl der konkreten Bedrohung zu vermitteln.

"Ehrfurcht vor Gott" ist mit Sicherheit mehr als die hier gutgeheißene Vorstellung von oder Auseinandersetzung mit Religionen.

Sie gibt ein Ergebnis vor: Erzeugung von Furcht.
carn hat geschrieben:Jeder, jeder Mensch den ich persoenlich kenne und der eine Schule in Deutschland besucht hat ist intolerant gegenueber Nazis.

Jede Person des oeffentlichen Lebens, die ich je was ueber Nazis habe sagen hoeren, schien Nazis zu verachten..
Was allerdings weder eine Reihe von Menschen noch Personen des öffentlichen Lebens davon abhält, rechts Gedankengut zu vertreten.
Zuletzt geändert von Redfox am 29.01.10, 09:31, insgesamt 2-mal geändert.

Kormoran
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Beitrag von Kormoran » 29.01.10, 09:26

@Redfox
Das zweite Zitat stammte aber nicht von Roni, sondern von SpecialAgentCooper.

Redfox
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Beitrag von Redfox » 29.01.10, 09:30

Kormoran hat geschrieben:@Redfox
Das zweite Zitat stammte aber nicht von Roni, sondern von SpecialAgentCooper.
Danke. Geändert.

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Beitrag von SpecialAgentCooper » 29.01.10, 09:40

Redfox hat geschrieben:
SpecialAgentCooper hat geschrieben:Ich als bekennender Agnostiker glaube persönlich nicht an Atheismus. In diesem Sinne kann ich auch Ehrfurcht vor etwas besitzen, von dem ich nie wissen werde, ob es das gibt oder nicht. Ich kann es aber auch lassen.
Was zu lassen? Ehrfurcht zu haben oder an Gott zu glauben?
Beides scheint mir müßig. Wenn man nicht erkennen kann, ob es einen Gott gibt oder nicht, dann ist es mit Ehrfurchtsgefühlen wie mit dem Glauben.
Entweder sind sie da oder nicht, eine Wertung scheidet insoweit aus.
Ob Anerziehung von Ehrfurcht (von Glaube sicherlich) insoweit zwingend falsch sein muß, überlege ich selbst gerade. Ich glaube das aber nicht, denn Anti-Theistisches Gedankengut ist für eine tolerante Gesellschaft ja auch nicht wünschenswertes Erziehungsziel.
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Beitrag von Roni » 29.01.10, 09:42

hallo
Die Kommentare sind sinngemäß: Damals Nazis, die Minderheiten verfolgt haben,bisher nicht zugelernt, es werden weiter Minderheiten verfolgt."

Ich denke, diejenigen, die hier im Forum schreiben, haben schon gelebt, als der Fall der hier diskutierten Familie stattfand.
Man kann doch was damals in dieser Nazizeit passiert ist keinesfalls mit heute vergleichen, oder glaubst du, dass man die Familie in ein KZ gebracht und dann ermordet hätte. :P Diese Vergleiche stören mich einfach rein persönlich.
Wäre doch genau so, wenn in den USA was passiert und wir würden immer wieder sagen :
Typisch Amerika, erst die Indianer um ihr Land gebracht und dann ermordet, oder die haben seit der Sklaverei auch nicht dazugelert. Das wäre genau so daneben.

juggernaut
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Beitrag von juggernaut » 29.01.10, 09:48

Redfox hat geschrieben:"Ehrfurcht vor Gott" ist mit Sicherheit mehr als die hier gutgeheißene Vorstellung von oder Auseinandersetzung mit Religionen.
gut, mit dem argument kann ich leben, mglw. trifft es zu. ich habe es bisher (nur) als eine art überkommene formulierung dessen betrachtet, das es werte gibt, die über die des einzelnen menschen hinausgehen (wasweissich, achtung vor der natur oder so). wenn hingegen du recht hast, dann würde das erziehungsziel tatsächlich über das hinausgehen, was ich gutheisse.

allerdings geht dabei verloren, dass sich die ausgangsfrage der asylsuchenden nicht mit dem problem "zuviel religion" sondern umgekehrt mit "zuwenig religion" befasst. während also einige kommentatoren hier - plakativ ausgdrückt - den von dir zitierten satz des schulgesetzes lieber so ändern wollen:

"Achtung vor der Würde des Menschen und Bereitschaft zum sozialen Handeln zu wecken, ist vornehmstes Ziel der Erziehung.",

wollte die asylsuchende familie diesen satz eher in

"Ehrfurcht vor dem richtigen Gott, Achtung vor der Würde des Menschen und Bereitschaft zum sozialen Handeln zu wecken, ist vornehmstes Ziel der Erziehung."

geändert wissen ("richtig" = den von der familie als den einzigen anerkannten gott, wer immer das ist). außerdem will sie die "ehrfurcht" durch die von ihr als religiös anerkannte lebensweise verstanden und ausgedrückt wissen, wenn ich das richtig verstanden habe.
juggernaut
Redfox hat geschrieben:Das ist ein Irrtum. Beamte arbeiten nicht. Sondern ... machen sonstwas. Aber arbeiten tun sie nicht.

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Beitrag von carn » 29.01.10, 09:53

juggernaut hat geschrieben: unser staat baut darauf, das gebildete und aufgeklärte bürger von selbst drauf kommen, was gut ist und was schlecht, denn nur was selbst erkannt wird, ist auch wirklich. aufklärung und aufgeschlossenheit setzen kenntnis voraus.
Genau das ist aber nicht die Absicht des Staates in den Schulen:



"(2) Ehrfurcht vor Gott, Achtung vor der Würde des Menschen und Bereitschaft zum sozialen Handeln zu wecken, ist vornehmstes Ziel der Erziehung. Die Jugend soll erzogen werden im Geist der Menschlichkeit, der Demokratie und der Freiheit, zur Duldsamkeit und zur Achtung vor der Überzeugung des anderen, zur Verantwortung für Tiere und die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen, in Liebe zu Volk und Heimat, zur Völkergemeinschaft und zur Friedensgesinnung."

Die Schule soll Ehrfurcht vor Gott(welchem eigentlich?), Achtung der Menschenwuerde(welche Interpretation eigentlich?), Bereitschaft zum sozialen Handeln(Was definiert sozial?) den Kindern anerziehen. Desweiteren zur Achtung der Ueberzeugungen anderer(Heisst "achten" das man ihnen keine Menschenverachtung vorwerfen darf?), zur Verantwortung fuer Tiere(Verantwortung heisst was?), Erhaltung der natuerlichen Lebensgrundlagen(die was genau sind?), zu Liebe zu Volk(zur Liebe zum deutschen Volk?), zu Liebe zur Heimat(Ist das das Dorf, der Landkreis, das Bundesland, Deutschland oder die EU?), zur Voelkergemeinschaft(also Liebe zur UNO? und damit zum saudisch gefuehrten UN-Menschenrechtsrat?) und zur Friedensgesinnung(ist genau was?).

Wie soll man das alles ausfuellen, ohne dass gewisse religioese Ueberzeugungen durch die Schule mehr als falsch oder zumindest frragwuerdig dargestellt werden, als andere Ueberzeugungen?
Warum ist es keine religioese Verfolgung, wenn Eltern und Kinder fuerchten muessen, dass in der Schule beim erfuellen dieses umfangreichend und wenig definierten Zielkatalogs, versuchen muss die Kinder zu einer Einstellung zu erziehen, die den religioesen ueberzeugungen zu wieder laeuft und sie dem nicht entgehen koennen ohne das Land zu verlassen?

"(3) Die Schule achtet das Erziehungsrecht der Eltern. Schule und Eltern wirken bei der Verwirklichung der Bildungs- und Erziehungsziele partnerschaftlich zusammen."
Wie soll das klappen, wenn die Eltern einen Teil der umfangreichen Ziele oder deren genaue Auslegung ueberhaupt nicht teilen?

"(4) Die Schule vermittelt die zur Erfüllung ihres Bildungs- und Erziehungsauftrags erforderlichen Kenntnisse, Fähigkeiten, Fertigkeiten und Werthaltungen und berücksichtigt dabei die individuellen Voraussetzungen der Schülerinnen und Schüler. Sie fördert die Entfaltung der Person, die Selbstständigkeit ihrer Entscheidungen und Handlungen und das Verantwortungsbewusstsein für das Gemeinwohl, die Natur und die Umwelt. Schülerinnen und Schüler werden befähigt, verantwortlich am sozialen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, beruflichen, kulturellen und politischen Leben teilzunehmen und ihr eigenes Leben zu gestalten. Schülerinnen und Schüler werden in der Regel gemeinsam unterrichtet und erzogen (Koedukation)."

Es sollen Werthaltungen vermittelt werden, welche erforderlich sind, entscheidet das Kultusministerium und die Schule. Was ist das Gemeinwohl, wer definiert das? Natur und Umwelt dito.
Die Befaehigung zu verantwortlichen Teilnahme an sozialen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, beruflichen, kulturellen und politischen Leben funktioniert nur, wenn gewisse Verhaltensnormen und gewisse Ansichten vermittelt werden. Was wenn diese nicht zur Religion passen?
z.b. kann ich mir gut vorstellen, dass eine verantwortliche Teilnahme in den Augen der Schulen und des Kultusministerien nur moeglich ist, wenn die Schueler keine negative Einstellung zu Homosexualitaet haben. Fuer evangelikale Christen ist aber eine negative Einstellung dazu zwingend, es wird als Suende angesehen. Die Schule muss also aufgrund des Schulgesetzes solchen Schuelern letzlich klar machen, dass es keine Suende ist - kein Wunder, dass die Eltern ihre religioesen Ueberzeugungen durch die Schule beruehrt sehen.

"(5) Die Schülerinnen und Schüler sollen insbesondere lernen
4. in religiösen und weltanschaulichen Fragen persönliche Entscheidungen zu treffen und Verständnis und Toleranz gegenüber den Entscheidungen anderer zu entwickeln,
5. die grundlegenden Normen des Grundgesetzes und der Landesverfassung zu verstehen und für die Demokratie einzutreten,
"
Wieder unmittelbar der Auftrag die Einstellung der Schueler und die Einstellungen der Schueler zu den Ansichten anderer unmittelbar zu praegen.
juggernaut hat geschrieben: was toleranz heisst, mag jeder des i-nets kundige bei einer einschlägigen enzyklopädie nachlesen - mit einer bewertung als gut oder schlecht hat sie nichts zu tun.
Leider nicht:
http://woerterbuch.babylon.com/Toleranz
"Wikipedia Deutsch - Die freie Enzyklopädie
Toleranz
Toleranz (auch: Duldsamkeit; Gegenteil: Intoleranz) kommt vom lateinischen Verb ), das „ertragen“, „durchstehen“, „aushalten“ oder „erdulden“, aber auch „zulassen“ bedeutet.

Mehr unter Wikipedia.org...
"

http://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz
"Der Begriff der Toleranz findet sich ohne konsistente Bedeutung in Rechtslehre, der politischen Theorie, der Soziologie und der Ethik, jeweils im Zusammenhang mit dem Umgang und der Regelung von Konflikten in sozialen Systemen.[3]"

"Die Toleranz – Duldung – heißt die Zulassung einzelner Personen, oder auch ganzer Gesellschaften, welche in Rücksicht der Religion anders denken, als die zur herrschenden Religion sich bekennenden Bewohner eines Orts oder Landes.“

Das waere ein Defintion. Doch sie liefe nur daraufhinaus, dass man den Schuelern beibringt, sich nicht als Mob zusammenzurotten und nicht irgendwelche Haeuser anzuzuenden. Aber von meinen schulischen Eindruecken her, verstehen die Schulen Toleranz noch viel weitergehend, naemlich dahin, dass man keine negativen Gefuehle gegenueber andersdenken empfinden soll. Das waere erstens ein starker Eingriff in die Werte und damit in die Religion und zweitens ist es wohl vollkommen nutz- und aussichtlos, man siehe nur wie negativ die Gefuehle gegenueber Nazis sind.
Desweiteren foerdern meinem Eindruck nach die Schulen geradezu eine negative Einstellung gegenueber Nazis.
Geloest wird dieser Widerspruch nur von einigen Antifas, die meinen der nationalsozialistische Ueberzeugungen sind keine Gesinnung, sondern ein Verbrechen. Nur so kann man einerseits das praktische Erziehungsziel, keine negative Einstellung gegenueber Andersdenkenden,(welches aus einer etwas anderen Interpretation von Toleranz entsteht und damit immer noch im Rahmen des Schulgesetzes ist) mit dem praktischen Erziehungsziel "Schueler sollen keine Nazis werden"(was niegendwo explizit formuliert ist, aber an jeder Schule paraesent.)
juggernaut hat geschrieben: bei der schulischen bildung geht es nun aber um (er)kenntnisvermittlung zur erreichung des formulierten ziels, nicht mehr, nicht weniger.
Die formulierten Ziele sind aber sehr schmammig und koennten je nach Interpretation sehr wohl etwas beinhalten, was mit religioesen Ansichten unvereinbar ist.
juggernaut hat geschrieben: die frage zu stellen, warum wir tolerant sein sollen, heisst,
Heisst sie nicht, wenn man die ueberzogene interpretation von Toleranz als "keine negativen Gefuehle" nimmt, die meinem Eindruck nach in Schulen praesent ist, dann ist die Frage berechtigt und dann beruehrt Toleranz religioese INhalte stark.

Wenn unter Toleranz lediglich das:
"Die Toleranz – Duldung – heißt die Zulassung einzelner Personen, oder auch ganzer Gesellschaften, welche in Rücksicht der Religion anders denken, als die zur herrschenden Religion sich bekennenden Bewohner eines Orts oder Landes." verstanden wird, dann ist es klar, dass unsere Schueler Toleranz lernen sollen, ansonsten werden sie ja irgendwann wegen versuchtem gemeinschaftlichen Mord eingebuchtet, weil sie als Mob Jagd auf wen auch immer gemacht haben.
Aber das verstehen unsere Schulen und Kultusministerien wohl nicht darunter.

juggernaut
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Beitrag von juggernaut » 29.01.10, 10:07

carn, sie faseln. wenn sie diskutieren, solten sie sich auf die argumente anderer einlassen und nicht wie ein huhn wahllos nach körnern picken.
carn hat geschrieben:Fuer evangelikale Christen ist aber eine negative Einstellung dazu zwingend, es wird als Suende angesehen. Die Schule muss also aufgrund des Schulgesetzes solchen Schuelern letzlich klar machen, dass es keine Suende ist - kein Wunder, dass die Eltern ihre religioesen Ueberzeugungen durch die Schule beruehrt sehen.
kein wunder, dass ich im pluralistischem miteinander auch mal das in-frage-stellen meiner überzeugungen aushalten muss. halte ich es nicht aus, war meine überzeugung wohl keine. und das soll verfolgung sein? dann würde derzeit wohl auch die linke "verfolgt", oder die regierung, je nach standpunkt. hier geht es nicht um "berühren", sondern um "verfolgung". niemand garantiert ihnen, dass sie ihren überzeugungen kritiklos huldigen können, und niemand garantiert ihnen auch noch einen anspruch darauf, dass auch die anderen ihre überzeugungen teilen sollen. das ist so, wenn mehr als ein mensch auf einem haufen lebt. etwas ganz anderes ist es, ob man wegen seiner einstellung, schwulsein sei sünde, verfolgt wird. und das wird hier keiner.
carn hat geschrieben:
juggernaut hat geschrieben: was toleranz heisst, mag jeder des i-nets kundige bei einer einschlägigen enzyklopädie nachlesen - mit einer bewertung als gut oder schlecht hat sie nichts zu tun.
Leider nicht:
:?:
ich kann den von ihnen zitierten definitionen nicht entnehmen, dass "toleranz" eine wertung beinhaltet, ganz im gegenteil.
juggernaut
Redfox hat geschrieben:Das ist ein Irrtum. Beamte arbeiten nicht. Sondern ... machen sonstwas. Aber arbeiten tun sie nicht.

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Beitrag von Redfox » 29.01.10, 10:13

Roni hat geschrieben:hallo
Die Kommentare sind sinngemäß: Damals Nazis, die Minderheiten verfolgt haben,bisher nicht zugelernt, es werden weiter Minderheiten verfolgt."

Ich denke, diejenigen, die hier im Forum schreiben, haben schon gelebt, als der Fall der hier diskutierten Familie stattfand.
Man kann doch was damals in dieser Nazizeit passiert ist keinesfalls mit heute vergleichen, oder glaubst du, dass man die Familie in ein KZ gebracht und dann ermordet hätte. :P Diese Vergleiche stören mich einfach rein persönlich.
Das hatte ich doch schon oben geschrieben:
Redfox hat geschrieben:Unabhängig davon müsste man die Frage klären, ob dieser Vergleich berechtigt ist. M.E. ist er das nicht; aber Nazi-Vergleiche sind sehr beliebt, aber auch gerade bei Deutschen.
Warum wurde dieser Teil nicht zitiert?

Sonst geht der Sinnzusammenhang verloren. Wie hier z.B. hier:
Roni hat geschrieben:Typisch Amerika, erst die Indianer um ihr Land gebracht und dann ermordet,

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Beitrag von Roni » 29.01.10, 10:16

ok sorry, Missverständnis :kopfstreichel: :oops:

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