Religiöse Verfolgung in Deutschland

politische Aspekte von Rechtsprechung und Gesetzesvorhaben; rechtliche Aspekte von politischem Agieren

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carn
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Beitrag von carn » 01.02.10, 11:13

Oktavia hat geschrieben:Ich hab ir jetzt mal einen großteil des Threads durchgelesen *puh* vor allem die Diskussion über Definitionen von Toleranz fand ich schon etwas merkwürdig. Ich toleriere keine Politik oder Religion(Gläubige) die Gewalt propagiert oder versucht die Rechte anderer zu beschneiden. Hetze gegen andere (Nationalitäten, Hautfarbe, sexuelle Orientierung) toleriere ich auch nicht. Ichhabe auch kein Problem damit andere berzeugungen zu verteidigen auch wenn ich sie nicht teile.
Ich vermute mal, dass wenn sich jemand persoenlich fuer die Ansicht entscheidet, dass Schwarze die minderwertigen Diener der Weissen sein sollen, dass sie weder Verstaendnis noch Toleranz fuer diesen und seine Entscheidung aufbringen?

Dann hat die Schule, sofern damals schon so was galt, auch bei ihnen versagt.

"in religiösen und weltanschaulichen Fragen persönliche Entscheidungen zu treffen und Verständnis und Toleranz gegenüber den Entscheidungen anderer zu entwickeln"

Das ist allerdings davon abhaengig, was mit Verstaendnis und Toleranz gemeint ist, deswegen die lange Diskussion darueber.
Oktavia hat geschrieben: Die Amish versuchen im Normalfall weder zu missionieren noch werden andere von ihrer Weltanschauung tangiert.
Wieso waers ein Problem, wenn sie missionieren wuerden?
Ist doch eigentlich durch Meinungsfreiheit abgedeckt.
Oktavia hat geschrieben:
Wieso ist das mit der Reglionsfreiheit und dem Erziehungsrecht vereinbar, dass gegen die Religion der Eltern erzogen wird?
Weil es nicht um das Wohlergehen der Eltern geht sondern um das Kindeswohl. Ein Kind dass immer zu hören,bekommt, daß Sexualität böse ist und Homosexuelle sowieso ganz böse sind (und ausschließlich diese Meinung!), wie soll dieses Kind jemals damit zurecht kommen wenn es seine eigene Sexualität und im schlimmsten Fall eine Neigung zum eigenen Geschlecht entdeckt. Eltern haben ja schließlich imer Einflussmöglichkeiten auf ihre Kinder. Und Eltern, die glauben ihr Kind darf nur mit der nach ihrer Auffassung richtigen Meinung konfrontiert werden, die missbrauchen in meinen Augen das Kind.
Stattdessen wird es zwangsweise mit der nach Auffassung von Lehrern, Kultusministerien und Gesetzgebern richtigen Meinung konfrontiert und versucht im Sinne dieser Meinung umerzogen zu werden. Dafuer muss unweigerlich, die Meinung und damit die Religion der Eltern als teilweise falsch dargestellt werden.

Meiner Ansicht nach ist das mit einem neutralen Staat nicht vereinbar. Entweder dieser laesst es sein, zu bestimmten Emotionen hin zu erziehen, denn sobald er das tut, wird er bestimmt gegen irgendeine religioese Ueberzeugung arbeiten.

Oder er sagt, dass er Werte, die moralisch anstaendig sind, und dass Ueberzeugungen die Werte vermitteln, die mit diesem in Konflikt stehen moralisch Fehler aufweisen, denen die Schulen eben entgegenwirken muessen.

Damit waere klar, dass eben gewisse religioese Ueberzeugungen in der Schule untergebuttert werden muessen und das zum Schutz der Kinder, diesen die Werte auch dann vermittelt werden muessen, wenn die Eltern andere Werte haben.
Das einzige waere, wenn der Fehler in den Werten der Eltern nur sehr klein ist, dann koennte man ihn ignorieren(Z.b. no sex until married ist zwar nicht sonderlich aussichtsreich und kann andere Nachteile haben, aber kein prinzipieller Widerspruch zum GG oder zu Wohlergehen des Kindes).

Oktavia hat geschrieben: ICh frage mich, ob wir hier anders diskutieren würden, wenn die Eltern Muslime wären, die ihre Kinder zuhause unterrichten wollten z.B. weil die Mädchen mit Jungs zusammen unterrichtet werden.
Das waere im zweiteren Fall, dann genau das gleiche. Der Staat muesste hoechstens noch etwas aktiver sein, wenn den Kinder auch Dinge vermittelt, die immer wieder zu [url=http://de.wikipedia.org/wiki/Terroransc ... ember_2001]Fehlinterpretationen[url] fuehren.

Redfox
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Beitrag von Redfox » 01.02.10, 11:58

Oktavia hat geschrieben: ICh frage mich, ob wir hier anders diskutieren würden, wenn die Eltern Muslime wären, die ihre Kinder zuhause unterrichten wollten z.B. weil die Mädchen mit Jungs zusammen unterrichtet werden.
Also das Fass "Koedukation" kann man auch ohne Moslems aufmachen --> www.erziehungstrends.de/node/178

Aber eine Ablehnung der Koedukation müsste nicht zwangsläufig zu Hausunterricht führen, denn es gibt sowohl Mädchen- (--> http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_best ... henschulen - regelmäßig katholisch orientierte Träger) als auch einige wenige Jungenschulen (--> http://de.wikipedia.org/wiki/Jungenschule )

Cicero
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Beitrag von Cicero » 01.02.10, 12:23

Worum geht es hier eigentlich?
carn hat geschrieben: "Warum handelt es sich aus deutscher Sicht um keine Verfolgung?"
Ich verstehe die Frage nicht.

Eine "Verfolgung", die einen Asylantrag rechtfertigt, ist vom Staat ausgehenes Unrecht. Die Frage heißt also übersetzt: "Warum ist die deutsche Schulpflicht aus deutscher Sicht keine Menschenrechtsverletzung?"

Ach ja, und was mir beim Überfliegen des Threads noch aufgefallen ist: Dass Gesetzestexte mit unbestimmten Rechtsbegriffen arbeiten, die erst noch definiert und konkretisiert werden müssen, ist erstens unvermeidlich und zweitens völlig normal.

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