Stuttgart 21

politische Aspekte von Rechtsprechung und Gesetzesvorhaben; rechtliche Aspekte von politischem Agieren

Moderator: FDR-Team

John Robie
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Re: Stuttgart 21

Beitrag von John Robie » 10.03.12, 19:19

Hallo cerlina,
Offenbar hat die Bahn also mindestens einen von Juchtenkäfern besiedelten Baum gefällt und damit mutmaßlich gegen die Tötungs- und Zugriffsverbote des §44 BNatschG verstoßen.
wenn dies der Bahn nachgewiesen werden kann, so wird die Bahn sicherlich für dieses abscheuliche Verbrechen innerhalb des Strafrahmens gerade stehen.

LG
-John

cerlina
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Re: Stuttgart 21

Beitrag von cerlina » 11.03.12, 07:02

John Robie hat geschrieben:wenn dies der Bahn nachgewiesen werden kann, so wird die Bahn sicherlich für dieses abscheuliche Verbrechen innerhalb des Strafrahmens gerade stehen.
...allein mir fehlt der Glaube. Beim zuvor unrechtmäßig gefällten Juchtenkäfer-Baum wurden Strafzahlungen gegen den Projektabschnittsleiter, einen Projektingenieur und den Umweltbeauftragten der Baumfällfirma verhängt. Bauernopfer, denen man die Verantwortung zugeschoben hat, obwohl die Bahn zuvor dem Verwaltungsgericht Informationen vorenthielt und konkrete Anhaltspunkte vorlagen, dass auch Behörden wie das EBA oder Regierungspräsidium Kenntnis davon hatten.

Oktavia
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Re: Stuttgart 21

Beitrag von Oktavia » 18.03.12, 19:01

Verdammt!!! Ich hasse es Recht zu haben :cry:
Im Rahmen dieser Diskussion brachte ich das Beispiel eines Gebäudes in meiner Stadt, welches in der Fachwelt als Unbaubar galt und dass dann doch mit "neuen innovativen" Methoden gebaut wurde gegen große Widerstände in der Bevölkerung. Jetzt lief es ettliche Jahre relativ gut und ich dachte mein negatives Bauchgefühl hätte geirrt. Leider kommt so langsam raus dass die Statik wohl doch nicht stimmt und nach Abdichtungsproblemen und misteriösen Flüssigkeiten die von der Parkhausdecke tropften nun die Probleme mit der Statik.
Ich hoffe ehrlich dass mein Bauchgefühl beim Gipskeuper irrt :cry:
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John Robie
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Re: Stuttgart 21

Beitrag von John Robie » 18.03.12, 20:08

Hallo Oktavia,
Verdammt!!! Ich hasse es Recht zu haben :cry:
bislang gibt es keinerlei Grund zum Hass.

LG
-John

PurpleRain
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Re: Stuttgart 21

Beitrag von PurpleRain » 19.03.12, 06:50

Oktavia hat geschrieben:Ich hoffe ehrlich dass mein Bauchgefühl beim Gipskeuper irrt :cry:
Der scheint bei den vielen Tunneln in Stuttgart, ist Ihnen aufgefallen das es dort sogar eine U-Bahn gibt?, die teilweise noch tiefer liegen, noch nicht zugeschlagen zu haben.

+1 für den Versuch, diesen Fred am Leben zu erhalten :lol:
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Re: Stuttgart 21

Beitrag von cerlina » 19.03.12, 14:23

Oktavia hat geschrieben:Ich hoffe ehrlich dass mein Bauchgefühl beim Gipskeuper irrt :cry:
Damit befindest Du Dich in guter Gesellschaft. In Stuttgart hofft man neuerdings auch auf Wunder :wink:
PurpleRain hat geschrieben:Der scheint bei den vielen Tunneln in Stuttgart, ist Ihnen aufgefallen das es dort sogar eine U-Bahn gibt?, die teilweise noch tiefer liegen, noch nicht zugeschlagen zu haben.
Der Gipskeuper wird in 3 Zonen eingeteilt: Der Urzustand ist die Anhydritzone. Darüber befindet sich die Gipszone, in der Anhydrit bereits vollständig in Gips umgewandelt wurde. Die oberste Zone ist die Auslaugungszone. S-Bahn und U-Bahn wurden in den oberen beiden Schichten verlegt, in denen keine quellenden Anhydrite mehr zu erwarten sind. Siehe auch
http://www.geologie21.de/haeufige-fragen-s21.html

Der Wagenburgtunnel in unmittelbarer Nachbarschaft sollte ursprünglich zweigleisig gebaut werden. Beim Bau der Südröhre hob sich der Boden (Gipskeuper), so dass die Nordröhre wegen der unkontrollierbaren Quellvorgänge nicht fertiggestellt werden konnte. Davon will man heute natürlich nix mehr wissen.
http://www.schutzbauten-stuttgart.de/Ba ... fault.aspx

Der Fund von Juchtenkäferlarven in einem der kürzlich gefällten Bäume wurde im übrigen inzwischen bestätigt. Konnte man auch nicht wissen beim 'bestgeplanten Projekt' aller Zeiten :roll:
http://direktzu.de/stuttgart21/messages ... tion-38492

PurpleRain
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Re: Stuttgart 21

Beitrag von PurpleRain » 19.03.12, 15:26

cerlina hat geschrieben:Stuttgart 21 liegt deutlich tiefer als die S-Bahn.
Der Bahnsteig hat doch eine Neigung, weil das eine Ende über dem bestehenden Bahn-Tunnel verläuft ...
Egal, genug der Reanimation.
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Re: Stuttgart 21

Beitrag von cerlina » 19.03.12, 16:16

PurpleRain hat geschrieben:Der Bahnsteig hat doch eine Neigung, weil das eine Ende über dem bestehenden Bahn-Tunnel verläuft ...
siehe Abbildung "Nesenbachdüker tiefer als S-Bahn - direkt an Doline in geologisch viel kritischerer Grundwassersituation"
http://www.geologie21.de/haeufige-fragen-s21.html

Die Neigung des Bahnsteigs bzw. das Gefälle beträgt mehr als das Sechsfache des vorgeschriebenen Grenzwertes - wiederum nur mit 'Ausnahmegenehmigung' möglich
http://www.vcd-blog.de/2011-10-27-gleis ... -eu-recht/
http://wikireal.org/wiki/Stuttgart_21/Gleisgef%C3%A4lle
http://www.gdl.de/pmwiki.php?n=Aktuell. ... 1322219539
PurpleRain hat geschrieben:Egal, genug der Reanimation
Dumm gelaufen :mrgreen:

Oktavia
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Re: Stuttgart 21

Beitrag von Oktavia » 19.03.12, 17:49

Naja, ich werd dann im Mai wohl noch mal nach Stuttgart gucken. Besuchen Sie Stuttgart so lange es noch steht :wink: Hoffe dass die Stadt dann nur fussballtechnisch untergeht :devil:
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Re: Stuttgart 21

Beitrag von cerlina » 20.03.12, 07:45

Oktavia hat geschrieben:Naja, ich werd dann im Mai wohl noch mal nach Stuttgart gucken. Besuchen Sie Stuttgart so lange es noch steht
Da würd ich mich besser mal beeilen... :P
Einsturzgefahr am Bahnsteigdach nach Abriss-Panne
Bei den Abrissarbeiten des Südflügels beißt der Bagger nicht nur in die Rückwand des Gebäudes – er trifft auch eine eingebaute Stütze des Bahnsteigdachs. Der gläserne Dachvorhang knickt ein und hängt in der Schwebe.
http://www.stuttgarter-nachrichten.de/i ... 5b10f.html

Bezeichnend was in Stuttgart so alles Bürgerbeteiligung genannt wird. Ein Bürgerforum ohne Bürger und ein Dialog der vor vollendete Tatsachen stellt.
Damit setze sich fort, was sich am 7. März angedeutet habe, als die Filderkommunen beim Zeitplan vor vollendete Tatsachen gestellt wurden. Klenk fragt sich, wie in drei kurz aufeinander folgenden Sitzungen substanzielle Vorschläge aus dem Arbeitskreis Stuttgart S 21 der Stadt zur Nutzung der S-Bahn-Gleise oder zur Lage des Filderbahnhofs seriös behandelt werden sollen. Gisela Erler, Staatsrätin für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung von den Grünen, habe geantwortet, man solle froh sein, dass es überhaupt einen vorgeschalteten Dialog gäbe.

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Re: Stuttgart 21

Beitrag von ZetPeO » 24.10.12, 14:14

:twisted: :twisted:

Die können alles, außer Bahnhof

Das gönne ich denen.

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Re: Stuttgart 21

Beitrag von Ronny1958 » 24.10.12, 15:56

ZetPeO hat geschrieben:
Das gönne ich denen.
Ich auch ;)
Das Bonner Grundgesetz ist unverändert in Kraft. Eine deutsche Reichsverfassung, eine kommissarische Reichs-Regierung oder ein kommissarisches Reichsgericht existieren ebenso wenig, wie die Erde eine Scheibe ist. (AG Duisburg 26.01.2006)

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Re: Stuttgart 21

Beitrag von Oktavia » 24.10.12, 19:25

Ich mein, das sind doch genau die Punkte die vor nem Jahr schon gesagt wurden. :roll: Da meinten Feuerwehrleute dass das nicht genehmigungsfähig ist. Nu braucht man aber 10 Gutachten und hofft das man ein positives benutzen kann. Hatte ich nicht was von 27 Mrd. gesacht? Vielleicht muss ich mich die Tage doch noch nach oben korrigieren :wink:
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Re: Stuttgart 21

Beitrag von Oktavia » 02.12.12, 14:19

Da SpOn das Thema auch mal wieder reanimiert tu ich auch mein Bestes zur Seitenexplosion dieses Threads :devil:
Klick
Wer zahlt denn nu diese Mehrkosten? Na klar, wir alle...

Da ich nun schon mehrere öffentliche Bauprojekte aus der Nähe und hinter den Kullissen betrachten konnte, kann ich sagen dass die Vorgehensweise immer die Gleiche ist.

Irgendwer in gehobener Stellung wird für ein Projekt begeistert. Es gibt eine erste Kostenkalkulation die halbwegs realistisch ist. Die Entscheider legen eine Höchstgrenze fest die weit unter den realistischen Kosten liegt und bitten um eine neue Kostenrechnung bei der alle sachlich überflüssigen Kosten herausgerechnet werden. Nun werden aber bei der zweiten Rechnung möglichst Kosten herausgerechnet die eigentlich absolut notwendig sind (In Stuttgart z.B. Brandshutz und Grundwassermanagement). Das Projekt wird dann begeistert angegangen , weil es ja für den angepeilten Preis zu haben ist.
Bei kleineren Bauten werden die zwingenden aber herausgerechneten Kosten hinterher aus anderen Töpfen nachgefrickelt. Bei großen Projekten schiebt man die Mehrkosten scheibchenweise nach. Der Trick ist, dass man das Projekt mit allen unnötigen Features überhaupt realisiert bekommt.
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Hafish
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Re: Stuttgart 21

Beitrag von Hafish » 02.12.12, 23:21

Die Entscheider legen eine Höchstgrenze fest
Interessanter ist, was nicht festgelegt wird. Nämlich Klauseln, die für Krisenfälle notwendig wären.
Über so etwas machen sich Politiker nämlich ungern Gedanken. Wahrscheinlich weil man in der Luft zerrissen wird, wird man Vorsorge trifft für einen Fall, der eigentlich nicht eintreten soll. Oder weil man das Projekt bei offen gelegten Kostensteigerungsmöglichkeiten nicht durch kriegen würde.

Das ist nicht nur bei Großprojekten so, sondern nach meiner bescheidenen Erfahrung bei allem, unter dass ein politisches Gremium seine Unterschrift setzen muss. Von der Gründung eines städtischen Eigenbetriebes über einen unterirdischen Bahnhof bis hin zu einer Europäischen Union.
Kritik kann subjektiv als verletzend empfunden werden und ist daher generell zu unterlassen. - jaeckel
;)

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