Hohe Geschwind. Hauptgrund für Unfälle od n.Rechtsauslegung

politische Aspekte von Rechtsprechung und Gesetzesvorhaben; rechtliche Aspekte von politischem Agieren

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Caesar
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Hohe Geschwind. Hauptgrund für Unfälle od n.Rechtsauslegung

Beitrag von Caesar »

Eine zu hohe Geschwindigkeit wird ja oft als Hauptgrund für Unfälle angegeben, aber ist dies nicht einfach nur eine Folge der Rechtsauslegung?

Sprich, der Unfall kommt zu stande, nicht weil der Autofahrer zu schnell fährt, sondern weil der Vordermann auf einer 4 spurigen Autobahn einfach von ganz rechts nach ganz links ohne Grund rüberzieht* und somit den Unfall verursacht, aber rechtlich nicht schuldig gesprochen werden kann, weil in der Regel nach der heutigen Rechtsauslegung derjenige schuldig gesprochen wird, der dem anderen von Hinten reinfährt.
In diesem Fall also der Fahrer der nicht mehr bremsen kann.


* So ein Szenario ist mir persönlich übrigens erst kürzlich Nachts passiert, bei der auf der Autobahn kaum ein Mensch unterwegs war.
Der Typ zog einfach ohne Grund von ganz rechts auf die linke Innenspur rüber, daß es zu keinem Unfall kam, war großes Glück.
Wäre es aber dazu gekommen, dann hätte man wohl mir dir Schuld dafür gegeben, denn so wie sich der verhielt liese sich dies ja nachträglich nicht mehr nachweisen und ich wäre derjenige gewesen, der ihm hinten reingefahren wäre.
Fazit: Solche Fälle kommen also in der Praxis vor.


Ähnliches passiert auch, wenn Autofahrer einfach die Spur wechseln, ohne den Spurwechsel durch setzen des Blinkers bekannt zu machen.
Auch hier wird dann meines Wissens nach derjenige schuldig gesprochen, der von hinten in diesen Autofahrer reinfährt, der Richter argumentiert dann überlicherwesie mit zu hoher Geschwindigkeit. Leider führen schwere Unfälle leider auch zu kurzzeitigem Gedächtnisverlust, womit sich der Betroffene oftmals nichtmal mehr an das fehlende Blinker setzen des Vordermanns erinnern kann.

Meiner Meinung nach gehört aber auch der Schulterblick, der Blick in den Rückspiegel und das setzen des Blinkers zum Thema vorrausschauendes Fahren, auch dann, wenn dabei eigentlich eher nach hinten geschaut wird. Auch das fehlen solcher Dinge führt dazu, daß ein Vordermann einfach die Spur wechselt und dadurch ursächlich einen Unfall verursacht.
Falls der Hintermann ausweichen sollte, dann könnten auch andere Autofahrer auf der rechten Spur in einen Unfall verwickelt werden, während dem Vordermann gar nichts passiert,


In all diesen Fällen wird dem Fahrer der mit zu hoher Geschwindigkeit fährt, also rechtlich die Schuld zugesprochen, aber die wahre Ursache liegt praktisch nicht an der zu hohen Geschwindigkeit, sondern am Fehlverhalten des Autofahres der die Spur wechselt, den Blinker nicht setzt, nicht in den Rückspiegel schaut, keinen Schulterblick macht etc..
Das eine zu hohe Geschwindigkeit eine der Hauptgründe für Unfälle sein soll, wird unter anderem auch in diesem Artikel behauptet:
http://www.tagesschau.de/inland/verkehrstote106.html



Liegt das eigentliche Problem der vielen Unfällen, die einer zu hohen Geschwindigkeit zugesprochen werden, also nicht einfach nur an der Rechtsauslegung anstatt dem eigentlichen Tatsachenbestand?

Und wie soll man sich in solchen Fällen eigentlich als Betroffener rechtlich schützen?
Sollte jeder Autofahrer in seinem Auto eine Kamera + Blackbox installieren um solche Schuldzusprüche zu vermeiden?
Und wären Aufnahmedaten von solch einer technischen Einrichtung vor Gericht rechtlich überhaupt etwas wert?

juggernaut
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Re: Hohe Geschwind. Hauptgrund für Unfälle od n.Rechtsausleg

Beitrag von juggernaut »

vorab: sie verwechseln "schuld" (im sinne von haftung) mit "ursache".


das eine ist, was in der statistik landet. und das ist recht häufig die einschätzung des polizisten, der bei der unfallaufnahme ein kreuzchen da rein macht, was seiner meinung nach die ursache gewesen ist - rechtswirkungen hat das keine, weil es ja nur zu (internen) statistischen zwecken erfasst wird. (zivilrechtliche) urteile werden AFAIK nicht noch statistisch ausgewertet.

das andere ist, dass man auch in dem von ihnen geschilderten fall von einer zu hohen geschwindigkeit ausgehen könnte (im sinne einer condicio sine qua non), denn wären sie langsamer gefahren, dann hätten sie den unfall vermeiden können, und zwar auch dann, wenn der andere im zivilrechtlichen sinne "schuld" war. (mit) ursächlich war ihre geschwindigkeit aber in jedem fall. nach meinem persönlichen gefühl wäre die unfallursache in ihrem fall aber wohl eher als "vorfahrtsverstoss" anzugeben.


wie in der statistik danach unterschieden wird, weiss ich aber nicht (und will´s auch nicht wissen, obgleich ich sicher bin, dass es dazu eine vielhunderseitige verwaltungsvorschrift gibt). denn ich persönlich bin der auffassung, dass die weitaus meiste unfallursache pure doofheit des fahrers ist und ich für diese erkenntnis keine stastistik brauche.
juggernaut
Redfox hat geschrieben:Das ist ein Irrtum. Beamte arbeiten nicht. Sondern ... machen sonstwas. Aber arbeiten tun sie nicht.

Caesar
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Re: Hohe Geschwind. Hauptgrund für Unfälle od n.Rechtsausleg

Beitrag von Caesar »

juggernaut hat geschrieben:vorab: sie verwechseln "schuld" (im sinne von haftung) mit "ursache".


das eine ist, was in der statistik landet. und das ist recht häufig die einschätzung des polizisten, der bei der unfallaufnahme ein kreuzchen da rein macht, was seiner meinung nach die ursache gewesen ist - rechtswirkungen hat das keine, weil es ja nur zu (internen) statistischen zwecken erfasst wird. (zivilrechtliche) urteile werden AFAIK nicht noch statistisch ausgewertet.
Okay, das wußte ich nicht.

das andere ist, dass man auch in dem von ihnen geschilderten fall von einer zu hohen geschwindigkeit ausgehen könnte (im sinne einer condicio sine qua non), denn wären sie langsamer gefahren, dann hätten sie den unfall vermeiden können, und zwar auch dann, wenn der andere im zivilrechtlichen sinne "schuld" war. (mit) ursächlich war ihre geschwindigkeit aber in jedem fall.
Ja, daß so vor Gericht argumentiert werden würde, daß würde ich auch annehmen.
Richtig finde ich es allerdings dennoch nicht, schon gar nicht wenn der Fall auf einer 4 spurigen und zur Uhrzeit extrem leeren und geraden Autobahn stattgefunden hätte. (in meinem wäre es so zumindest gewesen)
Denn das ist in etwa so, als würde man einen Lokführer schuldig sprechen, wenn sich eine Person* auf die Gleise legt und der Zug diese Person überrollt.
Denn hier könnte man dann auch mit "condicio sine qua non" argumentieren, denn wäre der Lokführer langsamer gefahren, dann hätte er den Zug vorher anhalten können, ehe er die Person überrollt.
Führt man aber dieses Gleichnis an, dann würde es vor Gericht wieder heißen, daß jeder Fall einzeln für sich betrachtet werden muß und das Beispiel mit dem Zug daher keinen Einfluß haben darf. :(

nach meinem persönlichen gefühl wäre die unfallursache in ihrem fall aber wohl eher als "vorfahrtsverstoss" anzugeben.
Das klingt schon besser, aber wie sollte man so etwas nachweisen?
Der Vordermann könnte behaupten, daß er ein angeblich anderes Auto auf der 3. Spur (z.B. ein notorischer Mittelspurfahrer, btw. eine weitere Unfallquelle) vor sich überholen wollte.


EDIT:
* Anstatt einer Person die sich aus eigenem Willen absichtlich und bewußt auf die Gleise legt könnte man hier auch Kinder nehmen, die nur auf den Gleisen entlanglaufen und den Zug der von Hinten kommt nicht hören.

juggernaut
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Re: Hohe Geschwind. Hauptgrund für Unfälle od n.Rechtsausleg

Beitrag von juggernaut »

warum wollen sie denn etwas nachweisen, was offenbar nur ein statistisches problem ist?


für statistische zwecke kann ich doch festlegen, was alles "unfallursache: überhöhte geschwindigkeit" sein soll, ohne dass da irgendwer einen schaden oder einen beschwer hätte. also kann ich auch sagen, dass ihr fall darunter zu zählen ist - rechtswirkungen hat das wie gesagt keine (ob es aus statistischer sicht auch sinn macht, ist eine davon ganz unabhängige frage).

machen wir´s praktisch an einem beispiel: sie sind polizist. sie sind angewiesen, bei unfallaufnahmen zu statistischen zwecken ein kreuzchen an die aus ihrer sicht zutreffende unfallursache zu machen. falls sie´s vergessen, kriegen sie neben einer formalen rüge auch noch 100 euro vom lohn abgezogen. das dazu erstellte formular, vier-fach (jaja, wir sind in deutschland) enthält dazu zwei felder:

die unfallursache war ...
[ ] ... eine frau ist gefahren
[ ] ... überhöhte geschwindigkeit.


bittesehr, ihr kreuzchen für ihren beispielsfall.
juggernaut
Redfox hat geschrieben:Das ist ein Irrtum. Beamte arbeiten nicht. Sondern ... machen sonstwas. Aber arbeiten tun sie nicht.

Caesar
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Re: Hohe Geschwind. Hauptgrund für Unfälle od n.Rechtsausleg

Beitrag von Caesar »

juggernaut hat geschrieben:warum wollen sie denn etwas nachweisen, was offenbar nur ein statistisches problem ist?


für statistische zwecke kann ich doch festlegen, was alles "unfallursache: überhöhte geschwindigkeit" sein soll, ohne dass da irgendwer einen schaden oder einen beschwer hätte. also kann ich auch sagen, dass ihr fall darunter zu zählen ist - rechtswirkungen hat das wie gesagt keine (ob es aus statistischer sicht auch sinn macht, ist eine davon ganz unabhängige frage).
Das würden sie anders sehen, wenn es politische Folgen in der Gesetzgebung hätte.
Aussagen in den Medien, die dann so oft übernommen werden, wie "Zu hohe Gechwindigkeit ist Hauptgrund für Unfälle" hat oft die Auswirkung, daß manche Personen ein Geschwindigkeitslimit auf Autobahnen fordern.

Das Problem dabei:
Was ist dann damit erreicht, wenn dies dann zu einem Geschwindigkeitslimit führt, aber das eigentliche Problem der Unfälle, nämlich das fehlerhafte Verhalten der Fahrer, die einfach die Spur wechseln, nicht dadurch beseitigt wurde?
Von so einer Gesetzgebung wären also die falschen Betroffen und nichts wäre dadurch gewonnen, weil die Unfallursache weiterhin vorhanden wäre.


machen wir´s praktisch an einem beispiel: sie sind polizist. sie sind angewiesen, bei unfallaufnahmen zu statistischen zwecken ein kreuzchen an die aus ihrer sicht zutreffende unfallursache zu machen. falls sie´s vergessen, kriegen sie neben einer formalen rüge auch noch 100 euro vom lohn abgezogen. das dazu erstellte formular, vier-fach (jaja, wir sind in deutschland) enthält dazu zwei felder:

die unfallursache war ...
[ ] ... eine frau ist gefahren
[ ] ... überhöhte geschwindigkeit.


bittesehr, ihr kreuzchen für ihren beispielsfall.
Ich glaube nicht, daß solche Formulare nur zwei Antwortmöglichkeiten haben.
Es gibt sicher auch noch die Option [ ] sonstiges, in der man näheres erläutern kann.

juggernaut
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Re: Hohe Geschwind. Hauptgrund für Unfälle od n.Rechtsausleg

Beitrag von juggernaut »

Caesar hat geschrieben:Das würden sie anders sehen, wenn es politische Folgen in der Gesetzgebung hätte. (...) Von so einer Gesetzgebung wären also die falschen Betroffen und nichts wäre dadurch gewonnen, weil die Unfallursache weiterhin vorhanden wäre.
durchaus richtig.

hegen sie denn tatsächlich die erwartung, politiker würden vernünftig handeln, auch wenn sie tatsächlich über eine weitgehend richtige tatsachenbasis verfügen würden? ich nicht. solange unser politisches kastensystem immer nur den/die kleinsten gemeinsamen nenner und nie das grösste gemeinsame vielfache nach oben spült, wird es immer bei churchill´s law bleiben.

mithin - ich sehe das wie sie, teile aber ihre annahme nicht, das andere entscheidungsgrundlagen zu anderen entscheidunbgen führen würden, oder genauer: zwar zu anderen, aber wahrscheinlich genauso falschen. mir ist also die statistik wumpe, weil ich es auch dort mit churchill halte.

Caesar hat geschrieben:Ich glaube nicht, daß solche Formulare nur zwei Antwortmöglichkeiten haben. Es gibt sicher auch noch die Option [ ] sonstiges, in der man näheres erläutern kann.
na klar. sind wir in griechenland, wo die beamten so zahlreich sind, dass das auch noch ausgewertet werden könnte? bei ca. 2,5 mio unfällen im jahr? bei angenommenen 1 minute bearbeitungszeit je "sonstiges"-fall würden 2,5 mio minuten = 41.667 stunden = 1.082 wochen (bei 38,5h/woche) = 23,5 beamte (bei 45 wochen/jahr) ausschließlich damit beschäftigt sein, ihre "sonstiges" auszuwerten. mal abgesehen davon, dass das den steuerzahler so um die (23,5 * 5.000 brutto/monat =) 1,41 mio EUR kosten würde, müsste man erst mal wen finden, der diese strafarbeit machen wollen würde ... kreuzchen zählen, wäre was für robbi lembke.

das machen computer, und die können kein "sonstiges", wo womöglich noch jeder polizist seine eigenen formulierungen reinschreibt.


die echten statistiken sind wie üblich hier zu finden. interpretieren dürfen sie, genau wie jede zeitung, gerne selbst.
juggernaut
Redfox hat geschrieben:Das ist ein Irrtum. Beamte arbeiten nicht. Sondern ... machen sonstwas. Aber arbeiten tun sie nicht.

Zafilutsche
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Re: Hohe Geschwind. Hauptgrund für Unfälle od n.Rechtsausleg

Beitrag von Zafilutsche »

Hm, es stimmt. Für einen Unfall braucht es eine "Geschwindigkeit". Daher hat die Statistik recht, das jeder Unfall auf eine zu hohe Geschwindigkeit zurückzuführen ist. Egal ob defekte Fahrzeuge, Alkoholisierte Fahrer, Drogenabhängige, Selbstmörder, übermüdete Fahrzeugführer, schlechte Strassen, unübersichtliche Verkehrsführungen oder unkonzentrierte Fahrer unterwegs sind.

juggernaut
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Re: Hohe Geschwind. Hauptgrund für Unfälle od n.Rechtsausleg

Beitrag von juggernaut »

nö - jeder unfall lässt sich auf einen autoverkäufer zurückführen, oder auch dessen eltern.
juggernaut
Redfox hat geschrieben:Das ist ein Irrtum. Beamte arbeiten nicht. Sondern ... machen sonstwas. Aber arbeiten tun sie nicht.

Cicero
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Re: Hohe Geschwind. Hauptgrund für Unfälle od n.Rechtsausleg

Beitrag von Cicero »

Zafilutsche hat geschrieben:Daher hat die Statistik recht, das jeder Unfall auf eine zu hohe Geschwindigkeit zurückzuführen ist....
Ja, schon, denn jeder Unfall wäre mit einer geringeren Geschwindigkeit (notfalls 0 km/h) verhindert worden. Aber kann man sagen, dass sich jeder Unfall auf "überhöhte" Geschwindigkeit zurückführen lässt? Meiner Ansicht nach dann nicht, wenn der vermeindlich zu schnelle Fahrer die zulässige Höchstgeschwindigkeit (oder, bei fehlender Vorgabe auf Autobahnen, die Richtgeschwindigkeit) eingehalten hat und die Wetter- und Verkehrsbedingungen aus objektiver Sicht auch keine geringere Geschwindigkeit verlangt hätten.

Klein-Fritzchen
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Re: Hohe Geschwind. Hauptgrund für Unfälle od n.Rechtsausleg

Beitrag von Klein-Fritzchen »

Cicero hat geschrieben:...Aber kann man sagen, dass sich jeder Unfall auf "überhöhte" Geschwindigkeit zurückführen lässt? Meiner Ansicht nach dann nicht, wenn der vermeindlich zu schnelle Fahrer die zulässige Höchstgeschwindigkeit (oder, bei fehlender Vorgabe auf Autobahnen, die Richtgeschwindigkeit) eingehalten hat und die Wetter- und Verkehrsbedingungen aus objektiver Sicht auch keine geringere Geschwindigkeit verlangt hätten.
Ja, richtig! Aber wenn er dann aus der Kurve fliegt, war es wohl die nicht angepasste Geschwindigkeit, die ursächlich war, oder was soll es sonst gewesen sein?
"Bewahre mich vor der Einbildung, bei jeder Gelegenheit und zu jedem Thema etwas sagen zu müssen." (Theresa von Avila (1515-1582) Spanische Mystikerin und Heilige)

Caesar
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Re: Hohe Geschwind. Hauptgrund für Unfälle od n.Rechtsausleg

Beitrag von Caesar »

Cicero hat geschrieben:
Zafilutsche hat geschrieben:Daher hat die Statistik recht, das jeder Unfall auf eine zu hohe Geschwindigkeit zurückzuführen ist....
Ja, schon, denn jeder Unfall wäre mit einer geringeren Geschwindigkeit (notfalls 0 km/h) verhindert worden. Aber kann man sagen, dass sich jeder Unfall auf "überhöhte" Geschwindigkeit zurückführen lässt? Meiner Ansicht nach dann nicht, wenn der vermeindlich zu schnelle Fahrer die zulässige Höchstgeschwindigkeit (oder, bei fehlender Vorgabe auf Autobahnen, die Richtgeschwindigkeit) eingehalten hat und die Wetter- und Verkehrsbedingungen aus objektiver Sicht auch keine geringere Geschwindigkeit verlangt hätten.
Das mit der Richtgeschwindigkeit ist auch wieder so ein perfider Klimmzug der Justiz um einen unschuldigen Autofahrer wieder eine (Teil-)schuld anzulasten.
Klein-Fritzchen hat geschrieben:
Cicero hat geschrieben:...Aber kann man sagen, dass sich jeder Unfall auf "überhöhte" Geschwindigkeit zurückführen lässt? Meiner Ansicht nach dann nicht, wenn der vermeindlich zu schnelle Fahrer die zulässige Höchstgeschwindigkeit (oder, bei fehlender Vorgabe auf Autobahnen, die Richtgeschwindigkeit) eingehalten hat und die Wetter- und Verkehrsbedingungen aus objektiver Sicht auch keine geringere Geschwindigkeit verlangt hätten.
Ja, richtig! Aber wenn er dann aus der Kurve fliegt, war es wohl die nicht angepasste Geschwindigkeit, die ursächlich war, oder was soll es sonst gewesen sein?
Z.B. Öl oder Hindernisse (z.B. ein verlorener Auspuff*) auf der Fahrbahn.


* Mir schon passiert. Zum Glück ist nicht viel mehr passiert als ein paar Kratzer auf der Unterseite des Autos.

Cicero
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Re: Hohe Geschwind. Hauptgrund für Unfälle od n.Rechtsausleg

Beitrag von Cicero »

Klein-Fritzchen hat geschrieben:Ja, richtig! Aber wenn er dann aus der Kurve fliegt, war es wohl die nicht angepasste Geschwindigkeit, die ursächlich war, oder was soll es sonst gewesen sein?
Ja, selbstverständlich.

Wenn er aber mit der erlaubten Geschwindigkeit auf gerader Strecke vorfahrtberechtigt über eine Kreuzung fährt und es zur Kollision mit einem anderen Fahrzeug kommt, das seine Vorfahrt missachtet, dann kann man eben nicht sagen, dass der Unfall auf überhöhte Geschwindigkeit zurück zu führen ist.
Das mit der Richtgeschwindigkeit ist auch wieder so ein perfider Klimmzug der Justiz um einen unschuldigen Autofahrer wieder eine (Teil-)schuld anzulasten.
Der Mensch ist nunmal auf maximal 10 bis 15 Stundenkilomenter "geeicht" und nicht auf 180 bis 220.

Caesar
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Re: Hohe Geschwind. Hauptgrund für Unfälle od n.Rechtsausleg

Beitrag von Caesar »

Cicero hat geschrieben:
Das mit der Richtgeschwindigkeit ist auch wieder so ein perfider Klimmzug der Justiz um einen unschuldigen Autofahrer wieder eine (Teil-)schuld anzulasten.
Der Mensch ist nunmal auf maximal 10 bis 15 Stundenkilomenter "geeicht" und nicht auf 180 bis 220.
Wenn das die Begründung für den juristischen Klimmzug sein soll, dann sollte man die Richtgeschwindigkeit auch auf 10-15 km/h festlegen und nicht auf 130 km/h.


EDIT:
In einem ordentlichen Rechtssystem würde die Richtgeschwindigkeit nicht für juristische Zwecke mißbraucht werden, sondern dann wäre die Richtgeschwindigkeit genau das, für das sie da ist, nämlich eine technische Orientierung an welcher sich der Autofahrer orientieren kann.

Klein-Fritzchen
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Re: Hohe Geschwind. Hauptgrund für Unfälle od n.Rechtsausleg

Beitrag von Klein-Fritzchen »

Cicero hat geschrieben: ...
Wenn er aber mit der erlaubten Geschwindigkeit auf gerader Strecke vorfahrtberechtigt über eine Kreuzung fährt und es zur Kollision mit einem anderen Fahrzeug kommt, das seine Vorfahrt missachtet, dann kann man eben nicht sagen, dass der Unfall auf überhöhte Geschwindigkeit zurück zu führen ist.
Richtig! Ich weiß auch nicht, wie Zafilutsche darauf kommt, dass jeder Unfall auf eine zu hohe Geschwindigkeit zurückzuführen ist und in welcher Statistik das behauptet wird?
Zafilutsche hat geschrieben:Daher hat die Statistik recht, das jeder Unfall auf eine zu hohe Geschwindigkeit zurückzuführen ist....
Caesar hat geschrieben:
Klein-Fritzchen hat geschrieben:Aber wenn er dann aus der Kurve fliegt, war es wohl die nicht angepasste Geschwindigkeit, die ursächlich war, oder was soll es sonst gewesen sein?
Z.B. Öl oder Hindernisse (z.B. ein verlorener Auspuff*) auf der Fahrbahn.
Dann war die Ursache wohl - auch - nicht angepasste Geschwindigkeit!
§ 3 StVO (Geschwindigkeit)
(1)Der Fahrzeugführer darf nur so schnell fahren, daß er sein Fahrzeug ständig beherrscht. Er hat seine Geschwindigkeit insbesondere den Straßen-, Verkehrs-, Sicht- und Wetterverhältnissen sowie seinen persönlichen Fähigkeiten und den Eigenschaften von Fahrzeug und Ladung anzupassen. Beträgt die Sichtweite durch Nebel, Schneefall oder Regen weniger als 50 m, so darf er nicht schneller als 50 km/h fahren, wenn nicht eine geringere Geschwindigkeit geboten ist. Er darf nur so schnell fahren, daß er innerhalb der übersehbaren Strecke halten kann. Auf Fahrbahnen, die so schmal sind, daß dort entgegenkommende Fahrzeuge gefährdet werden könnten, muß er jedoch so langsam fahren, daß er mindestens innerhalb der Hälfte der übersehbaren Strecke halten kann.
"Bewahre mich vor der Einbildung, bei jeder Gelegenheit und zu jedem Thema etwas sagen zu müssen." (Theresa von Avila (1515-1582) Spanische Mystikerin und Heilige)

Cicero
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Re: Hohe Geschwind. Hauptgrund für Unfälle od n.Rechtsausleg

Beitrag von Cicero »

Klein-Fritzchen hat geschrieben:
Cicero hat geschrieben: ...
Wenn er aber mit der erlaubten Geschwindigkeit auf gerader Strecke vorfahrtberechtigt über eine Kreuzung fährt und es zur Kollision mit einem anderen Fahrzeug kommt, das seine Vorfahrt missachtet, dann kann man eben nicht sagen, dass der Unfall auf überhöhte Geschwindigkeit zurück zu führen ist.
Richtig! Ich weiß auch nicht, wie Zafilutsche darauf kommt, dass jeder Unfall auf eine zu hohe Geschwindigkeit zurückzuführen ist und in welcher Statistik das behauptet wird?
Zafilutsche hat geschrieben:Daher hat die Statistik recht, das jeder Unfall auf eine zu hohe Geschwindigkeit zurückzuführen ist....
Naja, weil man praktisch nach jedem Unfall sagen kann, dass er vermeidbar gewesen wäre, wenn einer der Unfallbeteiligten langsamer gefahren wäre, nehe ich mal an....

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