Lohnerhöhung von 6,3 % im öffentlichen Dienst

politische Aspekte von Rechtsprechung und Gesetzesvorhaben; rechtliche Aspekte von politischem Agieren

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Nordland
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Lohnerhöhung von 6,3 % im öffentlichen Dienst

Beitrag von Nordland »

Hallo

man scheint sich geeinigt zu haben: 6,3 Prozent mehr Lohn.

Meiner Meinung nach ist das relativ viel. Nach dem Artikel sollen die Gemeinden in diesem Jahr mit 2,2 und im nächsten Jahr mit 4,3 Milliarden Euro mehr belastet werden. Da kann man sich ausrechnen, wie viel Spielraum künftig für Neueinstellungen vorhanden sein wird. Wenn dann auch noch der Urlaubsanspruch ausgeweitet wird, kann man sich ebenfalls ausmalen, wie sich das beispielsweise auf die Wartezeiten in den Ämtern auswirken wird.

Erstaunlich auch, dass kein Wort zur Arbeitszeit verloren wird. Für die Tarifbeschäftigen gilt eine 39-Stunden-Woche, während die verbeamteten Kollegen, die teils die gleichen Aufgaben wahrnehmen, eine 41-Stunden Woche haben. Wollte man das nicht angleichen?

Warum diese massiven Zugeständnisse? Geht bei der Union wieder das alte Spiel los, sich die Stimmen des öffentlichen Dienstes und der Beamten (idR wird die Tarifeinigung ja eins zu eins auf die Beamten übertragen) mit Blick auf die nächste Bundestagswahl zu sichern? Oder rechnet man mit einer so stark steigenden Inflation, dass man schon Angst um sein Geld auf dem Girokonto haben muss?

Gruß
Nordland
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Ronny1958
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Re: Lohnerhöhung von 6,3 % im öffentlichen Dienst

Beitrag von Ronny1958 »

Mir fällt es momentan wirklich schwer an diesem Abschluß Positives zu entdecken.

Die völlige Aufgabe der sozialen Komponente wird uns (mal wieder) massenhaft Mitglieder kosten.

Mir war klar, dass es schwer werden würde mit den 200 € (von denen ich als Beamter diesmal gar nichts gehabt hätte, um von Vorneherein die Fronten klar zu machen). Aber es war ein richtiges Zeichen und ein guter Weg um Mitglieder zu werben, denn nicht die paar Gutverdiener sind die Mehrheit bei Verdi, sondern die unteren Einkommensgruppen bis hin zur E 9.

Was haben wir im Gegenzug bekommen?

6,3 5 schöngerechnet, wenn man die Laufzeit betrachtet.

Dafür werden bisherge Positionen auch noch aufgegeben und das BAG Urteil noch mit einem schlechteren Ergebnis umgesetzt?
Das Bonner Grundgesetz ist unverändert in Kraft. Eine deutsche Reichsverfassung, eine kommissarische Reichs-Regierung oder ein kommissarisches Reichsgericht existieren ebenso wenig, wie die Erde eine Scheibe ist. (AG Duisburg 26.01.2006)

Tastenspitz
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Re: Lohnerhöhung von 6,3 % im öffentlichen Dienst

Beitrag von Tastenspitz »

Nordland hat geschrieben:Wollte man das nicht angleichen?
Jo. Aber die Angestellten wollten nicht länger arbeiten. :devil:
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Für individuelle Rechtsberatung bitte "ALT" und "F4" auf der Tastatur gleichzeitig drücken.

Blaise
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Re: Lohnerhöhung von 6,3 % im öffentlichen Dienst

Beitrag von Blaise »

Nordland hat geschrieben: ... Meiner Meinung nach ist das relativ viel. Nach dem Artikel sollen die Gemeinden in diesem Jahr mit 2,2 und im nächsten Jahr mit 4,3 Milliarden Euro mehr belastet werden. Da kann man sich ausrechnen, wie viel Spielraum künftig für Neueinstellungen vorhanden sein wird.
Da kann man anderer Meinung sein. Gerade für die Bediensteten in den unteren Einkommensbereichen wäre eine Mindestanhebung der Gehälter die bessere Lösung gewesen. Für diese (große) Gruppe ist der Tarifabschluss wohl ein schlechtes Ergebnis.
Wenn dann auch noch der Urlaubsanspruch ausgeweitet wird, kann man sich ebenfalls ausmalen, wie sich das beispielsweise auf die Wartezeiten in den Ämtern auswirken wird.

Der Urlaubsanspruch wurde geregelt ... künftig sollen alle Neuangestellten 29 Urlaubstage erhalten.
Erstaunlich auch, dass kein Wort zur Arbeitszeit verloren wird. Für die Tarifbeschäftigen gilt eine 39-Stunden-Woche, während die verbeamteten Kollegen, die teils die gleichen Aufgaben wahrnehmen, eine 41-Stunden Woche haben. Wollte man das nicht angleichen?
Wieso sollte man das "ausgleichen"? :devil:
Die Länder sind nach der Föderalismusreform selbst für die Arbeitszeit und Besoldung ihrer Beamten zuständig. Die Länder waren aber gar nicht Tarifpartei ... deshalb können im aktuellen Tarifverfahren nur Bundesbeamte betroffen sein.
Die VKA und der Bund können die damals hart erkämpfte Arbeitszeit von 39 Stunden für Angestellte nicht gegen die Tarifgemeinschaft erhöhen und für die Beamten wird die Arbeitszeit durch den jeweiligen Gesetzgeber festgesetzt. Da wird sich wohl nicht viel ändern.
Warum diese massiven Zugeständnisse?
:lachen:
Geht bei der Union wieder das alte Spiel los, sich die Stimmen des öffentlichen Dienstes und der Beamten (idR wird die Tarifeinigung ja eins zu eins auf die Beamten übertragen) mit Blick auf die nächste Bundestagswahl zu sichern?
Wie schon gesagt, in diesermTarifverhandlung sind nur die Bundesbeamten betroffen. Eine Übertragung auf die Beamten ist wohl vorgesehen. Ob das alle Bundesländer auch machen, ist mehr als fraglich. Glaubst Du wirklich, dass man mit Tarifabschlüssen "Stimmen" für die Bundestagswahl sichern kann?
Blaise

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Man muss die Tatsachen kennen, bevor man sie verdrehen kann (Mark Twain)

Nordland
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Re: Lohnerhöhung von 6,3 % im öffentlichen Dienst

Beitrag von Nordland »

Ich hätte mich auch eher für eine sozialere Staffelung eingesetzt, denn in der Tat wirken sich die 6,3 % auf die verschiedenen Gehalts- bzw. Bezügegruppen unterschiedlich aus.

Im Übrigen glaube ich nicht, dass man da nicht mit Blick auf 2013 gehandelt hätte.
Es ist unser Land.

Ronny1958
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Re: Lohnerhöhung von 6,3 % im öffentlichen Dienst

Beitrag von Ronny1958 »

Ob das alle Bundesländer auch machen, ist mehr als fraglich. Glaubst Du wirklich, dass man mit Tarifabschlüssen "Stimmen" für die Bundestagswahl sichern kann?
Sehe ich absolut genauso. Speziell für Hessen wird (Roland Koch wird wohl noch im Grabe dafür zu "danken" sein :twisted: ) es überhaupt keine Änderung geben, da er uns Beamte völlig entkoppelt hat.

Für die paar verbliebenen Bundesbeamten scheints eine Änderung zu geben. Ärgerlich ist der Wegfall jedweder Sozialstaffelung, deswegen ärgert mich ja auch das Einknicken der Gewerkschaft so masslos.
Im Übrigen glaube ich nicht, dass man da nicht mit Blick auf 2013 gehandelt hätte.
Der einzige Grund den der BuInnenMin hatte, auf einen schnellen Abschluß zu drängen, sind die anstehenden Wahlen in NRW und SH. Da kann seine Chefin einen weiteren Verlust der Mehrheit nicht mehr gebrauchen. Auch wenn es derzeit für RotGrün in NRW zu reichen scheint, wissen wir nicht wie es im Mai aussieht. Da wären "marodierende Gewerkschaftsmassen" genau das gewesen, was Frau Murksel nicht gebrauchen kann.

Wieder ein Grund mehr für mich, den Tarifabschluß abzulehnen. Ich glabe zwar nicht daran, dass wir das notwendige Quorum gegen den Abschluß hinbekommen werden, aber ich werde daran arbeiten.
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Kathi75
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Re: Lohnerhöhung von 6,3 % im öffentlichen Dienst

Beitrag von Kathi75 »

Nordland hat geschrieben:Ich hätte mich auch eher für eine sozialere Staffelung eingesetzt, denn in der Tat wirken sich die 6,3 % auf die verschiedenen Gehalts- bzw. Bezügegruppen unterschiedlich aus.

....
Genau so sieht es aus. Bei meinem Mann z.B. wären die vorgeschlagenen 200€ besser angekommen, als nun die auch noch über längere Zeit gestaffelten 6%. Jetzt ist die Lohnerhöhung letztendlich gerade mal etwas über die Hälfte der angedachten 200€. Aber ich denke, dies war die kostengünstigere Lösung. Denn bei den mind. 200€ wäre es deutlich teurer geworden.

Und ganau bei diesem Punkt, auf den viele Kollegen meines Mannes mitgehofft hatten, ist die Gewerkschaft eingeknickt. :twisted:
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DaChris77
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Re: Lohnerhöhung von 6,3 % im öffentlichen Dienst

Beitrag von DaChris77 »

Die ersten Folgen bahnen sich ja bereits an:

Kommunen vergeben Dienstleistungen an günstigere Externe Unternehmen die ihre Arbeiter zum Mindestlohn bezahlen, somit wird Personal überflüssig was dann abgebaut wird.

Viele Städte drohen ja schon mit Personalabbau, andere tun es schon seit Jahren so.

Das Ganez war somit ein Tritt in den eigenen Hintern.

mailo
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Re: Lohnerhöhung von 6,3 % im öffentlichen Dienst

Beitrag von mailo »

Ist doch OK,

was kümmert das die Schweizer???

sirrobin
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Re: Lohnerhöhung von 6,3 % im öffentlichen Dienst

Beitrag von sirrobin »

Also ich persönlich halte das Ergebnis der Tarifverhandlungen für ordentlich. Und ich kann auch verstehen, dass die Forderung mit 200,- sozialer Komponente nicht durchsetzbar war, denn das wäre für einen nicht unerheblich Teil der Beschäftigten mal eben ne Gehaltserhöhung von über 10% gewesen.. da muss man auch mal die Kirche im Dorf lassen.

Es ist klar, dass der öffentliche Dienst Nachholbedarf hatte und auch noch hat, da die Einkommen und Tarifabschlüsse seit Jahren deutlich hinter denen in der Privatwirtschaft liegen. Wer nun meint das wäre halb so schlimm, da die Haushalte ja schließlich auch verschuldet seien springt meiner Meinung nach zu kurz, da sich hier ein extremes Problem bei der Stellenbesetzung abzeichnet. Ich persönlich bekomme das in letzter Zeit immer häufiger mit, in den Ballungszentren wie Hamburg, München, Berlin bewerben sich kaum noch qualifizierte Arbeitskräfte auf die ausgeschriebenen Stellen (insbesondere bis E8) und dies hängt m.E. wesentlich mit der Besoldung zusammen.

ABER wie bereits Eingangs gesagt, 6,3% sind ein gutes Ergebnis. Man liegt hiermit endlich mal wieder über der zu erwartenden Inflation, welche für diesen Zeitraum nach aktuellen Schätzungen etwas über 4% liegen dürfte und hat somit einen Reallohnzuwachs. Hierüber sollte man sich meiner Meinung nach freuen und nicht irgendwelchen utopischen Forderungen nachtrauern.

Redfox

Re: Lohnerhöhung von 6,3 % im öffentlichen Dienst

Beitrag von Redfox »

sirrobin hat geschrieben:Es ist klar, dass der öffentliche Dienst Nachholbedarf hatte und auch noch hat, da die Einkommen und Tarifabschlüsse seit Jahren deutlich hinter denen in der Privatwirtschaft liegen.
Wo kann man das nachlesen?

sirrobin
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Re: Lohnerhöhung von 6,3 % im öffentlichen Dienst

Beitrag von sirrobin »

Beispielsweise hier:

http://oeffentlicher-dienst.info/vergle ... wicklung1/

es sei mir verziehen, dass ich auf die Schnelle keine neutralere Quelle gefunden habe, allerdings kannste ja auch selbst mal googlen.

Redfox

Re: Lohnerhöhung von 6,3 % im öffentlichen Dienst

Beitrag von Redfox »

sirrobin hat geschrieben:allerdings kannste ja auch selbst mal googlen.
Da habe ich gemacht und nichts Genaues gefunden. Da Du aber diese Behauptung hier aufgestellt hast, habe ich angenommen, sie beruht auf eigenen Recherchen und Du kannst die Quelle nennen.

sirrobin
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Re: Lohnerhöhung von 6,3 % im öffentlichen Dienst

Beitrag von sirrobin »

Redfox hat geschrieben:
sirrobin hat geschrieben:allerdings kannste ja auch selbst mal googlen.
Da habe ich gemacht und nichts Genaues gefunden. Da Du aber diese Behauptung hier aufgestellt hast, habe ich angenommen, sie beruht auf eigenen Recherchen und Du kannst die Quelle nennen.
Was ich hiermit getan habe ^^

Mein Kommentar war nicht ganz so böse gemeint wie er rüber kam. Also wieder back to topic? :ostern:

Redfox

Re: Lohnerhöhung von 6,3 % im öffentlichen Dienst

Beitrag von Redfox »

sirrobin hat geschrieben:Was ich hiermit getan habe ^^
Die Quelle bezieht sich auf den Teilbereich der IG Metall, nicht auf die "Privatwirtschaft".

Und ich bin auf der Suche danach, ob es sich dabei um einen Mythos handelt, oder es einen realen Hintergrund hat.

Hierzu interessant: "Die 2,8 Millionen Angestellten und Arbeiter im öffentlichen Dienst dürften nicht von der Einkommensentwicklung in der Privatwirtschaft abgekoppelt werden, begründete Verdi-Chef Frank Bsirske die Forderung." --> http://www.welt.de/print-welt/article41 ... nfig=print

Ist aber nicht die jetzige Tarifrunde, sondern das Zitat ist fast 10 Jahre alt.

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