Charlie Hebdo: Geht es wirklich um Meinungsfreiheit?

politische Aspekte von Rechtsprechung und Gesetzesvorhaben; rechtliche Aspekte von politischem Agieren

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Rainer Dynszis
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Charlie Hebdo: Geht es wirklich um Meinungsfreiheit?

Beitrag von Rainer Dynszis »

Geht es wirklich um Meinungsfreiheit? Darum, dass jeder jederzeit alles sagen können soll, was ihm in den Sinn kommt, egal wie falsch, beleidigend, oder abschätzig es ist? Satire darf alles, und soll alles dürfen? Ich mag mich täuschen, aber ich denke: Nein, darum geht es nicht.

Der offenkundigste Grund ist, dass es Meinungsfreiheit in diesem Sinne nicht gibt, jedenfalls meiner Kenntnis nach nicht in Europa, ganz gewiß nicht hierzulande, uns erst recht nicht in den Heimatländern vieler Politiker, die am 11.01.2015 in Paris "aufgetreten" sind.

Und das letztere ist natürlich besonders bizarr: In Paris zeigten sich Politiker aus Ländern, die nicht unbedingt als Horte von Meinungs- oder Pressefreiheit gelten können. Den Vertretern aus Jordanien, der Türkei, oder Bahrain kann es nicht darum gehen, dass jeder alles sagen dürfen soll, zumal diese Länder nicht zuletzt dafür bekannt sind, dass Journalisten dort ins Gefängnis geworfen werden. Wofür genau demonstrierten diese Herrren eigentlich?

Ganz einfach: Dafür, dass sie die einzigen sind und bleiben, die Strafen für missliebige Äußerungen verhängen können.

Mit anderen Worten, man demonstrierte nicht für die Meinungsfreiheit, sondern für den Respekt vor dem Gewaltmonopol des Staates. Das ist auch völlig in Ordnung so, denn ein Gewaltmonopol des Staates ist das eigentlich definierende Element jeder Zivilisation überhaupt, ohne das ein sicheres und friedliches Zusammenleben unmöglich ist.

Wenn ich mich hierin nicht täusche, dann frage ich mich, weshalb man dies nicht auch so sagt.

Dipl.-Sozialarbeiter
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Re: Charlie Hebdo: Geht es wirklich um Meinungsfreiheit?

Beitrag von Dipl.-Sozialarbeiter »

Rainer Dynszis hat geschrieben:Charlie Hebdo: Geht es wirklich um Meinungsfreiheit?
Eher nein. ;-)

Die Frage sollte daher lauten:

ZetPeO
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Re: Charlie Hebdo: Geht es wirklich um Meinungsfreiheit?

Beitrag von ZetPeO »

…dann frage ich mich, weshalb man dies nicht auch so sagt.
X…..weil das politischer Selbstmord, ausgelöst durch den „shitstorm“, wäre.

X….. weil, oder anders gesagt,- wieviele Politiker kennen Sie, von denen Sie wahrhaftig sagen würden:
Sie sind ehrlich, authentisch, nicht machtbesoffen, haben mal vorhandene Ideale nicht verkauft und regieren im Sinne ihrer Wähler.
( wenn`s geht lebende und noch aktuelle, benutzen Sie beide Hände :wink: )

X…..weil es gut beim Wahlvolk ankommt.

X..…wieso nur fällt mir Lügenpresse ein. :roll:


Gr
ZetPeO

Rainer Dynszis
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Re: Charlie Hebdo: Geht es wirklich um Meinungsfreiheit?

Beitrag von Rainer Dynszis »

ZetPeO hat geschrieben:weil das politischer Selbstmord, ausgelöst durch den „shitstorm“, wäre.

Das verstehe ich nicht. Wenn ich mich nicht täusche, dann ist das staatliche Gewaltmonopol das eigentlich definierende Element jeder Zivilisation überhaupt. Wo es fehlt, gibt es keinen Staat, und wo kein Staat ist, ist keine Zivilisation (jedenfalls nicht in der mir geläufigen Bedeutung von "Zivilisation"). Wieso sollte es einen „shitstorm“ geben, wenn man dafür demonstriert?

Deputy
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Re: Charlie Hebdo: Geht es wirklich um Meinungsfreiheit?

Beitrag von Deputy »

Satire gehört für mich aber zur Meinungsfreiheit dazu.

Dipl.-Sozialarbeiter
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Re: Charlie Hebdo: Geht es wirklich um Meinungsfreiheit?

Beitrag von Dipl.-Sozialarbeiter »

Deputy hat geschrieben:Satire gehört für mich aber zur Meinungsfreiheit dazu.
Dies beantwortet aber doch nicht die Frage von:


Aktuell wird in den Medien gerade folgende News verbreitet:


Geht es hierbei wirklich um Meinungsfreiheit, oder diskutieren wir hier nicht gerade über Zensur?

Kurt Tucholsky (alias Ignaz Wrobel) beantwortet die Frage "Was darf Satire?" schlicht mit: "Alles.".

Satire gehört daher m.E. nicht zur Meinungsfreiheit, sondern sie ist eine wichtige Voraussetzung. Wer Satire einschränkt, der begeht Zensur*. Mutig ist derjenige, der sich nicht der Selbstzensur hingibt. ;-)


______________________
(* Einschränkung der Pressefreiheit)

Rainer Dynszis
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Re: Charlie Hebdo: Geht es wirklich um Meinungsfreiheit?

Beitrag von Rainer Dynszis »

Dipl.-Sozialarbeiter hat geschrieben:diskutieren wir hier nicht gerade über Zensur?
Nein, das tun wir nicht. Es geht nicht um Zensur per se, denn Zensur wird allseits akzeptiert. Solange sie die richtigen Leute bzw. die richtigen i.e. falschen Meinungen trifft, protestiert niemand.
Dipl.-Sozialarbeiter hat geschrieben:Kurt Tucholsky (alias Ignaz Wrobel) beantwortet die Frage "Was darf Satire?" schlicht mit: "Alles.".
Das mag ja so sein, aber Herrn Tucholskys Credo ändert nichts an den Verhältnissen. Dass Satire alles darf, ist -- je nach Lesart -- ein frommer Wunsch, eine empirisch leere Aussage, oder eine unzutreffende Behauptung.

Empirisch leer ist es, wenn man Satire als die und nur die Witze definiert, die man unbehelligt machen darf, und solche Witze, die man nicht straflos erzählen darf, flugs zur nicht-Satire umdeutet, damit die Behauptung der Alles dürfenden Satire nicht als widerlegt gelten muss.

Unzutreffend ist Tucholskys Ansicht, wenn man die eben beschriebene Umdeutung nicht vornimmt, und sich dann überlegt, was die juristischen Konsequenzen einer Satire über den Holocaust, über die jüdische Geldgier, oder über die Gerechte Strafe für Gotteslästerer sein mögen.

So wie ich verstehe, ist Dieudonné im Begriff, etwas in der Art herauszufinden. Das ist ein französischer Komiker, der gerade wegen Öffentlicher Unterstützung von Terrorismus verhaftet worden ist, wohl weil er mit seinen Witzen nicht auf der Seite der Guten steht. Jedenfalls wurde ihm vorgeworfen, subjektive Meinungen zu äußern, die er nach geläufiger Ansicht nicht hätte äußern dürfen.

Nein, um Zensur per se geht es nicht, denn die stört niemanden. Es geht höchstens darum, dass gewisse Menschen (u.a. möglicherweise Islamisten) sich anzumaßen scheinen, die Meinungs- und/oder Satirefreiheit einschränken zu wollen, ohne dass sie dazu offiziell autorisiert worden sind. Und damit sind wir wieder bei meiner Eingangsthese: Es geht allein ums Gewaltmonopol.

Klimaanlage

Re: Charlie Hebdo: Geht es wirklich um Meinungsfreiheit?

Beitrag von Klimaanlage »

Der letzte Beitrag bringts m.E. sehr gut auf den Punkt.

Mount'N'Update

Re: Charlie Hebdo: Geht es wirklich um Meinungsfreiheit?

Beitrag von Mount'N'Update »

Rainer Dynszis hat geschrieben:Geht es wirklich um Meinungsfreiheit? Darum, dass jeder jederzeit alles sagen können soll, was ihm in den Sinn kommt, egal wie falsch, beleidigend, oder abschätzig es ist? Satire darf alles, und soll alles dürfen? Ich mag mich täuschen, aber ich denke: Nein, darum geht es nicht.

Der offenkundigste Grund ist, dass es Meinungsfreiheit in diesem Sinne nicht gibt, jedenfalls meiner Kenntnis nach nicht in Europa, ganz gewiß nicht hierzulande, uns erst recht nicht in den Heimatländern vieler Politiker, die am 11.01.2015 in Paris "aufgetreten" sind.
Doch, es gibt Meinungsfreiheit in Europa. Was es nicht mehr gibt, ist die Meinung selbst. Das ist leicht an ihrem eigenen Beitrag festzumachen:
[...]Herrn Tucholskys Credo ändert nichts an den Verhältnissen. Dass Satire alles darf, ist -- je nach Lesart -- ein frommer Wunsch, eine empirisch leere Aussage, oder eine unzutreffende Behauptung.

Empirisch leer ist es, wenn man Satire als die und nur die Witze definiert, die man unbehelligt machen darf, und solche Witze, die man nicht straflos erzählen darf, flugs zur nicht-Satire umdeutet, damit die Behauptung der Alles dürfenden Satire nicht als widerlegt gelten muss.

Unzutreffend ist Tucholskys Ansicht, wenn man die eben beschriebene Umdeutung nicht vornimmt, und sich dann überlegt, was die juristischen Konsequenzen einer Satire über den Holocaust, über die jüdische Geldgier, oder über die Gerechte Strafe für Gotteslästerer sein mögen.
Über die Frage, was Satire darf, könnte man abendfüllend diskutieren. Und wir würden zu unterschiedlichen Ansichten kommen. Vielleicht würde sich der eine oder andere sogar überzeugen lassen. Aber Sie stellen es dar, als wäre es wissenschaftlich erwiesen oder gesetzlich exakt festgelegt, was Satire darf und was nicht.

Meinungsfreiheit gibt es. Aber was ist eine Meinung?

Um selbst eine erste Antwort darauf zu geben. Meinung ist eben immer, wie Sie es formulieren, eine empirisch leere Aussage. Darin unterscheidet sie sich im Wesentlichen von den Tatsachen.

Blaise
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Re: Charlie Hebdo: Geht es wirklich um Meinungsfreiheit?

Beitrag von Blaise »

Mount'N'Update hat geschrieben:...Um selbst eine erste Antwort darauf zu geben. Meinung ist eben immer, wie Sie es formulieren, eine empirisch leere Aussage. Darin unterscheidet sie sich im Wesentlichen von den Tatsachen.
Dabei, so glaube ich, ist das, was im Forum als Tatsache bezeichnet wird, oft von der eigenen Überzeugung, Erfahrung und der jeweiligen Intension geprägt.
Blaise

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Man muss die Tatsachen kennen, bevor man sie verdrehen kann (Mark Twain)

danyb
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Re: Charlie Hebdo: Geht es wirklich um Meinungsfreiheit?

Beitrag von danyb »

Gewisse Witzemacher provozieren mit Ihren Karikaturen völlig unnötig Leute von denen man ganz genau weis das einige zu allem bereit sind
Wem will man da was beweisen ?

Und Opa Gauck brilliert mit Worthülsen ( "euer hass ist unser Ansporn...)
EX Inkasso MA - keine juristischen Fachkenntnisse
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Mount'N'Update

Re: Charlie Hebdo: Geht es wirklich um Meinungsfreiheit?

Beitrag von Mount'N'Update »

Blaise hat geschrieben:
Mount'N'Update hat geschrieben:...Um selbst eine erste Antwort darauf zu geben. Meinung ist eben immer, wie Sie es formulieren, eine empirisch leere Aussage. Darin unterscheidet sie sich im Wesentlichen von den Tatsachen.
Dabei, so glaube ich, ist das, was im Forum als Tatsache bezeichnet wird, oft von der eigenen Überzeugung, Erfahrung und der jeweiligen Intension geprägt.
Da verweise ich mal auf Ihre Signatur. :wink: Tatsachen werden dann zu Behauptungen, wenn man sie nicht glaubt oder nicht beweisen kann. Aber was Sie schreiben, ist sicher richtig.

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